Schmiermittel

Referenz 🔧 Werkstatt 7 Abschnitte Stand 26.08.2026

Öl, Fett, Spray, Paste und Trockenschmierstoff: was sie unterscheidet, welches Mittel an welche Stelle gehört, die Verträglichkeit mit Kunststoffen und Dichtungen — plus eine bewertete Vergleichstabelle über 21 gängige Produkte.

01 / 07Start & Auswahl

Die häufigste Fehlentscheidung ist, ein Kriechöl als Schmiermittel zu benutzen. WD-40 löst fest und verdrängt Wasser — es schmiert nicht dauerhaft. Wer Lösen, Kriechen und Schmieren auseinanderhält, greift beim zweiten Mal zum richtigen Mittel.

Landkarte

Drei Aufgaben, drei Mittel

Lösen & Kriechen
Dünnes Öl mit Lösemittel kriecht unter Rost und in enge Spalte, verdrängt Wasser. Verdunstet teilweise und hinterlässt nur einen dünnen Film — keine Dauerschmierung.
Schmieren
Öl oder Fett trennt zwei Flächen durch einen tragenden Film. Öl für schnelle und zugängliche, Fett für langsame und schwer erreichbare Stellen.
Schützen
Film gegen Feuchtigkeit und Sauerstoff. Oft besser ein Wachs oder Korrosionsschutzfett als ein Öl, weil es haftet statt abzulaufen.
Der Klassiker: die Fahrradkette mit WD-40 „schmieren“. Das Mittel löst den alten Schmierfilm heraus — die Kette läuft einen Tag lang hörbar leichter. Dann ist beides weg und die Kette läuft trocken. Richtig ist: mit dem Kriechöl reinigen, ablüften lassen, dann Kettenöl auftragen.

Öl oder Fett

KriteriumÖlFett
DrehzahlAuch hoch — Öl walkt nichtBegrenzt; Walkarbeit erzeugt Wärme
ZugänglichkeitBraucht regelmäßiges NachlegenWartungsfrei über Monate
Enge SpalteLäuft hineinKommt nicht hin
Senkrechte FlächeLäuft abBleibt haften
WärmeabfuhrTransportiert Wärme, besonders im UmlaufFührt kaum Wärme ab
Abdichtung gegen SchmutzKeineDichtet den Spalt mit ab
WälzlagerSonderfall: sehr hohe Drehzahl, Ölnebel, ÖlbadDer Normalfall — rund 90 % aller Wälzlager
Fett ist Öl in einem Verdicker. Rund 70–95 % eines Fetts sind Grundöl, dazu 3–30 % Verdicker (meist eine Metallseife) und bis 10 % Additive. Für die Schmierwirkung zählt daher die Grundölviskosität, für die Standfestigkeit der Verdicker und die NLGI-Klasse — beides in Die Arten.
Grundlage dieses Moduls
  • DIN 51502 — Kennzeichnung von Schmierstoffen; DIN 51818 — NLGI-Konsistenzklassen; DIN 51519 — ISO-Viskositätsklassen.
  • Wilfried J. Bartz, Schmierfette — Zusammensetzung, Eigenschaften, Prüfung und Anwendung, expert verlag.
  • SKF — Lubrication Management: Anteil fettgeschmierter Wälzlager, Fettmengen und Nachschmierfristen.
  • Physikalischer Hintergrund: Reibung & Haftung, Lagerbauformen unter Lager.

02 / 07Öl, Fett, Paste

Acht Gruppen decken praktisch alles ab. Unterschieden werden sie über Grundöl, Verdicker und Zusätze — daraus folgt, wo das Mittel hingehört und wo es Schaden anrichtet.

Die Gruppen

GruppeAufbauTemperatur (Richtwert)StärkenGrenzen
KriechölDünnes Öl mit LösemittelDose max. 50 °C lagernKriecht unter Rost und in enge Spalte, verdrängt Wasser, löst FestsitzendesKeine Dauerschmierung; löst vorhandenes Fett heraus; greift PC und klares PS an
FeinmechanikölWeißöl oder Syntheseöl, harzfrei-20 … +100 °CFein dosierbar, verharzt nicht, kriecht in LagerspalteLäuft von senkrechten Flächen ab, bindet Staub, geringe Tragfähigkeit
LithiumseifenfettGrundöl + Li-Seife, NLGI 1–3-30 … +130 °CDer Allrounder: bleibt an Ort und Stelle, dichtet ab, lange StandzeitWalkarbeit bei hoher Drehzahl; kommt nicht in enge Spalte
Silikonfett und -ölSilikonöl, teils mit SiO₂ verdickt-40 … +200 °CVerträglich mit fast allen Thermoplasten, wasserabweisend, geruchsneutralGeringe Tragfähigkeit; nicht auf Silikondichtungen; macht Flächen unlackierbar
TrockenschmierstoffPTFE, MoS₂ oder Graphit in verdunstendem TrägerPTFE bis 260, MoS₂ bis 350, Graphit bis 450 °CZieht keinen Staub an — Schlösser, Fensterläufer, Textilien, staubige UmgebungGeringe Tragfähigkeit unter Last, muss regelmäßig erneuert werden
Montagepaste KupferKupferpartikel in Fettmatrix-30 … +1100 °CAnti-Seize für heiße Verschraubungen, verhindert FestbackenElektrisch leitfähig; an Edelstahl in Feuchte Kontaktkorrosion
Montagepaste KeramikMetallfreie Keramikpartikel in Fettmatrix-20 … +1400 °CNicht leitfähig, säurefrei, auch an Edelstahl und AluminiumKein Schmierstoff für laufende Bewegung — reines Trenn- und Montagemittel
Wachs, KorrosionsschutzWachs in verdunstendem Trägerbis ca. +60 °CHaftet dauerhaft, bindet kaum Staub, guter LangzeitschutzSchmiert nur schwach; nicht für belastete Gleitstellen

Viskosität und Konsistenz lesen

AngabeKennwertBedeutungTypischer Einsatz
ISO VG 3232 mm²/sKinematische Viskosität bei 40 °CSpindeln, schnelle Lager, Hydraulik
ISO VG 6868 mm²/sbei 40 °CUmlaufschmierung, mittlere Last
ISO VG 220220 mm²/sbei 40 °CGetriebe, hohe Last, langsame Bewegung
NLGI 00400–430Walkpenetration in 0,1 mm — FließfettZentralschmierung, Getriebefließfett
NLGI 0355–385Sehr weichLange Leitungen, Kälteanwendungen
NLGI 1310–340WeichKälte, große Schmierwege
NLGI 2265–295Der Standard — Konsistenz etwa wie ErdnussbutterWälzlager, allgemeine Schmierstellen
NLGI 3220–250Fest, standfestSenkrechte Flächen, offene Lager, hohe Drehzahl
Faustregel für die Grundölviskosität: je langsamer und höher belastet, desto zäher. Schnelle Linearachse ISO VG 32–68, handbetätigter Spindeltrieb ISO VG 220. Wer unsicher ist, nimmt an Wälzlagern ein NLGI-2-Lithiumfett mit Grundöl um ISO VG 100.

Zusätze und was sie bewirken

KürzelBedeutungWirkung und Nebenwirkung
EPExtreme PressureBildet unter hoher Pressung eine Reaktionsschicht, verhindert Fressen bei Stoßlast — greift Buntmetall an
AWAnti WearVerschleißschutz im Mischreibungsgebiet, milder als EP
MoS₂MolybdändisulfidFeststoff als Notlaufreserve bei hoher Last; schwarz und färbt alles
PTFEPolytetrafluorethylenSehr niedriger Reibwert, sauber, gut für Kunststoff und Leichtlast
H1NSF-RegistrierungZugelassen für technisch unvermeidbaren, gelegentlichen Lebensmittelkontakt
EP-Zusätze und Buntmetall vertragen sich schlecht. Die schwefelhaltigen Additive greifen Bronze und Messing an — beim Schneckengetriebe mit Bronzerad ist das der klassische Schaden. Dort gehört ein ausdrücklich buntmetallverträgliches Getriebeöl hinein; die Freigabe steht im Datenblatt.
Quellen zu diesem Abschnitt
  • DIN 51818 — NLGI-Konsistenzklassen über die Walkpenetration nach DIN ISO 2137; DIN 51519 — ISO-Viskositätsklassen; DIN 51502 — Kurzzeichen.
  • Klüber Lubrication und Fuchs Schmierstoffe — frei zugängliche Grundlagen zu Verdickern, Viskosität und Additiven.
  • Technische Datenblätter zu Kupfer- und Keramikpasten (-30 … +1100 °C bzw. -20 … +1400 °C) sowie zu PTFE-, MoS₂- und Graphit-Trockenschmierstoffen.
  • NSF International — Registrierung H1 für Schmierstoffe mit gelegentlichem Lebensmittelkontakt.

03 / 07Vergleichstabelle

Einundzwanzig gängige Mittel, in sechs Eigenschaften von 0 bis 10 eingeordnet. Die Zahlen sind eine Einordnung nach Herstellerdatenblatt, kein Labortest — sie taugen zum Vergleich untereinander, nicht als Absolutwert. Spalten sind sortierbar.
ProduktArtSchmierungKriechfähigkeitWasserresistenzTemperaturbereichKunststoffverträglichkeitHaltbarkeit
WD-40 ClassicSpray
3
9
4
4
5
2
WD-40 Specialist SilikonspraySpray
5
7
7
7
10
4
Super Lube Synth. Öl (PTFE)Öl
9
6
8
8
9
8
Super Lube Synth. Fett (PTFE)Fett
9
2
9
8
9
9
Ballistol UniversalÖl
6
7
5
5
7
5
Brunox Turbo-SpraySpray
5
9
6
5
7
4
Caramba SilikonspraySpray
5
6
7
7
10
4
Liqui Moly PTFE-PulverspraySpray
7
5
7
8
9
7
Graphitpulver / -spraySpezial
7
3
6
10
4
8
KupferpastePaste
5
1
8
10
2
9
KeramikpastePaste
6
1
9
10
6
9
Weiße Vaseline / PetrolatumFett
4
1
8
3
8
6
Lithiumfett (weiß)Fett
7
2
7
6
5
7
Molybdändisulfid-Fett (MoS₂)Fett
9
2
7
8
3
8
Teflonspray (PTFE trocken)Spray
6
6
6
7
10
5
BremsenreinigerReiniger
0
8
1
1
2
0
Kontaktspray (Kontakt 60/61)Spezial
1
8
3
3
4
2
Siliconfett (dickflüssig)Fett
6
1
9
7
10
7
Kettenöl (Fahrrad, trocken)Öl
6
5
4
5
6
4
Kettenspray (Motorrad, nass)Spray
8
5
8
6
5
6
NähmaschinenölÖl
5
6
3
3
7
3
Hohe Kriechfähigkeit und gute Dauerschmierung schließen sich weitgehend aus. Ein Kriechöl ist dünn genug, um in enge Spalte zu laufen — und damit zu dünn, um dort zu bleiben. Ein Fett bleibt, kriecht aber nirgends hin. Das eine ersetzt das andere nicht.
Die Spalte „Kunststoffverträglichkeit“ meint Thermoplaste, nicht Elastomere. Silikonfett und Silikonspray stehen dort bei 10 — auf einer Silikondichtung (VMQ) sind sie trotzdem falsch: Silikon auf Silikon wird aufgenommen, der Ring quillt und verliert die Dichtwirkung. Details unter Kunststoff & Elastomere.
Woher die Bewertungen stammen
  • Einordnung von 0 bis 10 auf Basis der technischen Datenblätter und Sicherheitsdatenblätter der Hersteller — kein eigener Messwert und kein Labortest.
  • Herstellerangaben als Primärquelle: WD-40, Brunox, Liqui Moly, Ballistol, Molykote, Klüber.
  • Temperaturbereiche und Grundöltypen nach DIN 51502 und DIN 51818; Konsistenz- und Viskositätsklassen siehe Die Arten.
  • Physikalischer Hintergrund: Reibung & Haftung, Lageranwendung unter Lager.

04 / 07Produkte im Detail

Was die einzelnen Mittel wirklich können — und wo jedes von ihnen aufhört. Eintrag antippen für Einsatzfälle und die jeweils entscheidende Einschränkung. Die Punktbewertung dazu steht in der Vergleichstabelle.
WD-40 ClassicSpray
Kriechöl aus Mineralöl und Lösemittel, dazu Korrosionsschutz. Kein Schmierstoff für Dauerbetrieb.
Mineralöl + LösemittelKriechölKurzzeit
WD-40 Specialist SilikonspraySpray
Silikonöl in flüchtigem Träger. Hinterlässt einen dünnen, nicht klebenden Film.
SilikonölGummi und ThermoplastTrennmittel
Super Lube Synth. Öl (PTFE)Öl
Synthetisches Öl mit PTFE-Feststoff, NSF-H1-registriert.
SynthetischPTFENSF H1
Super Lube Synth. Fett (PTFE)Fett
Synthetisches Mehrzweckfett mit PTFE, NSF H1. Wasserbeständig und langlebig.
SynthetischPTFENSF H1
Ballistol UniversalÖl
Leicht alkalisches, biologisch abbaubares Universalöl auf Weißölbasis.
Biologisch abbaubarUniversalPflege
Brunox Turbo-SpraySpray
Kriechöl mit ausgeprägter Reinigungs- und Korrosionsschutzwirkung.
KriechölKorrosionsschutzReinigung
Caramba SilikonspraySpray
Günstiges Silikonspray für Haushalt und Werkstatt.
SilikonKunststoffsicherPreiswert
Liqui Moly PTFE-PulverspraySpray
Trockenschmierstoff: PTFE bleibt zurück, der Träger verdunstet.
PTFETrockenfilmStaubfrei
Graphitpulver / -spraySpezial
Feststoffschmierung für hohe Temperaturen, elektrisch leitfähig.
TrockenschmierungHochtemperaturLeitfähig
KupferpastePaste
Kupferpartikel in Fettmatrix, -30 … +1100 °C. Anti-Seize, kein Laufschmierstoff.
Anti-Seize-30 … +1100 °CLeitfähig
KeramikpastePaste
Metallfreie Keramikpartikel in Fettmatrix, -20 … +1400 °C.
Anti-Seize-20 … +1400 °CNicht leitfähig
Weiße Vaseline / PetrolatumFett
Reines Petrolatum ohne Additive. Günstiger Basisschutz, geringe Tragfähigkeit.
MineralölbasisDichtungspflegePreiswert
Lithiumfett (weiß)Fett
Klassisches Mehrzweckfett auf Lithiumseife, etwa -30 … +130 °C.
Mehrzweck-30 … +130 °CNLGI 2
Molybdändisulfid-Fett (MoS₂)Fett
Fett mit MoS₂ als Feststoffreserve, für hohe Flächenpressung und langsame Bewegung.
ExtremdruckMoS₂Hochlast
Teflonspray (PTFE trocken)Spray
Dünner PTFE-Trockenfilm, staubabweisend, thermisch bis rund 260 °C stabil.
PTFETrockenfilmKunststoffsicher
BremsenreinigerReiniger
Reines Lösemittel — kein Schmierstoff. Entfernt Öl und Fett rückstandsfrei.
EntfetterRückstandsfreiLösemittel
Kontaktspray (Kontakt 60/61)Spezial
Kontaktpflege in drei Schritten: 60 löst Oxid, WL spült ab, 61 konserviert.
ElektronikOxidlöserDreistufig
Siliconfett (dickflüssig)Fett
Silikonöl mit Verdicker, etwa -40 … +200 °C, sehr wasser- und dampfbeständig.
SilikonDichtungen-40 … +200 °C
Kettenöl (Fahrrad, trocken)Öl
Dünnes Öl oder Wachsdispersion, die nach dem Ablüften einen trockenen Film hinterlässt.
FahrradTrockenwetterStaubarm
Kettenspray (Motorrad, nass)Spray
Haftschmierstoff, der nach dem Sprühen andickt; für O- und X-Ring-Ketten freigegeben.
MotorradHaftendO-Ring-verträglich
NähmaschinenölÖl
Dünnflüssiges, farbloses und harzfreies Weißöl für Feinmechanik.
FeinmechanikFarblosHarzfrei
Woher die Angaben stammen
  • Technische Datenblätter und Sicherheitsdatenblätter der Hersteller: WD-40 (Hinweis zu Polycarbonat und klarem Polystyrol), Brunox, Liqui Moly, Ballistol, CRC Kontakt Chemie (Dreistufenverfahren Kontakt 60 / WL / 61).
  • Temperaturangaben zu Kupfer- und Keramikpasten sowie zu Silikon- und Lithiumfetten nach Herstellerdatenblatt; Klassifizierung nach DIN 51502 und DIN 51818.
  • Unverträglichkeit Silikonschmierstoff / Silikonelastomer nach den Werkstoffhinweisen der Dichtungshersteller, siehe Kunststoff & Elastomere.
  • Physikalischer Hintergrund: Reibung & Haftung, Lageranwendung unter Lager.

05 / 07Was womit schmieren

Die Nachschlagetabelle für den Alltag. Was an welche Stelle gehört — und was dort ausdrücklich nicht. Bei Zweifeln gilt die Angabe des Geräteherstellers: er kennt die verbauten Kunststoffe und Dichtungen.

Was womit

StelleBereichRichtigFalschBegründung
Fahrradkette, trockenAntriebTrockenöl oder KettenwachsKriechöl, FettWachs bindet keinen Staub; Fett kommt nicht zwischen Rolle und Bolzen
Fahrradkette, nassAntriebHaftendes NassölTrockenwachsWachs wird bei Regen abgewaschen
Motorradkette (O-/X-Ring)AntriebAusdrücklich O-Ring-verträgliches KettensprayKriechöl, LösemittelLösemittel greifen die Ringe an, die das Fett im Bolzen halten
Türschloss, ProfilzylinderBeschlagGraphit- oder PTFE-PulverÖl, Fett, KriechölÖl verharzt mit Staub zu einer Paste und blockiert den Zylinder dauerhaft
TürscharnierBeschlagFett oder haftendes ÖlKriechölKriechöl ist nach Tagen weg, das Quietschen kommt wieder
Linearführung, ProfilschieneMaschineFett NLGI 2 oder Öl ISO VG 32–68Kriechöl, TrockenschmierstoffWälzkörper brauchen einen tragenden Film; Menge und Intervall gibt der Hersteller vor
Trapez- oder KugelgewindetriebMaschineFett NLGI 2KriechölHohe Flächenpressung bei langsamer Bewegung
Wälzlager, offenMaschineWälzlagerfett NLGI 2, 30–50 % des freien LagerraumsVolle FüllungÜberfüllung führt zu Walkarbeit und Übertemperatur
Kunststoffgleitlager (iglidur u. ä.)MaschineNichtsÖl, FettSelbstschmierend; Fremdschmierstoff bindet Schmutz und erhöht den Verschleiß
Festsitzende SchraubeVerbindungKriechöl, 5–15 min einwirken lassen, leicht anklopfenSofort mehr KraftDas Öl braucht Zeit, um in den Gewindespalt zu laufen
Schraube vor der MontageVerbindungMontagepaste bei Edelstahl und HitzeSchmierung bei TabellenmomentWeniger Reibung heißt mehr Vorspannung — Moment anpassen, siehe Schraubenverbindungen
Elektrischer SteckkontaktElektrikKontaktfett, dünn auf die KontaktflächeNormales Öl, GraphitIsolierende Filme, Kriechen auf Nachbarkontakte, leitfähiger Staub
PotentiometerElektrikPotentiometerfettKriechöl, Kontakt 60 ohne NachbehandlungLösemittel greifen Widerstandsbahn und Kunststoffträger an
O-Ring bei der MontageDichtungZum Werkstoff passendes MontagefettBeliebiges FettMineralöl lässt EPDM quellen, Silikonfett das Silikon selbst
Werkzeug gegen RostPflegeKorrosionsschutzöl oder WachsNichtsEin dünner Film genügt; blanke Flächen rosten auch im Trockenen
Bohrer und Sägeblatt im EinsatzZerspanungSchneidöl, Schneidpaste, ParaffinKriechölKühlt und schmiert unter der Schneide, verhindert Aufbauschneiden
Gartengerät, GelenkePflegeHarzfreies Öl oder FettSpeiseölPflanzliche Öle verharzen und werden ranzig
Küchengerät mit LebensmittelkontaktPflegeH1-registriertes Fett oder ÖlNormales MaschinenfettH1 ist für gelegentlichen Kontakt zugelassen, alles andere nicht
Auspuff- und KrümmerschraubenHitzeKeramikpasteKupferpaste an EdelstahlKeramik hält bis 1400 °C und ist metallfrei; Kupfer löst in Feuchte Kontaktkorrosion aus

Reihenfolge beim Nachschmieren

Reinigen

Alten, verharzten Schmierstoff und Schmutz entfernen — mit Kriechöl, Bremsenreiniger oder Isopropanol, je nach Werkstoff. Frisches Fett auf altem Schmutz bringt fast nichts.

Ablüften lassen

Lösemittel vollständig verdunsten lassen, sonst verdünnt es den neuen Schmierstoff. Fünf bis zehn Minuten reichen meist.

Dosiert auftragen

Mehr ist nicht besser: überschüssiges Fett wird herausgedrückt und bindet dort Schmutz. Bei Lagern gilt die Füllmenge aus der Tabelle oben.

Bewegen und abwischen

Von Hand mehrfach durchbewegen, damit sich der Film verteilt, dann den austretenden Überschuss abnehmen.

Intervall festhalten

Datum am Gerät notieren. Bei Wälzlagern gibt der Hersteller die Nachschmierfrist an, sonst zählt der Augenschein beim nächsten Mal.
Vor Schmiernippeln immer den Nippel abwischen. Sonst presst die Fettpresse den daran haftenden Schmutz direkt in das Lager, das man gerade pflegen wollte.
Quellen zu diesem Abschnitt
  • SKF — Schmierung von Wälzlagern: Fettmenge 30–50 % des freien Lagerraums, Nachschmierfristen, Auswahlkriterien.
  • igus — Hinweise zum schmiermittelfreien Betrieb von Kunststoffgleitlagern.
  • NSF International — H1-Registrierung für Schmierstoffe mit gelegentlichem Lebensmittelkontakt.
  • Herstellerangaben zu Ketten-, Schloss- und Kontaktpflege; bei Sicherheitsbauteilen gilt immer die Vorgabe des Geräteherstellers.

06 / 07Kunststoff & Dichtungen

Der teuerste Fehler in der Werkstatt ist das falsche Medium auf dem falschen Polymer. Manche Kombinationen erzeugen binnen Stunden Spannungsrisse, andere lassen Dichtungen um ein Drittel quellen. Beides ist nicht reparabel.

Thermoplaste

KunststoffMineralölSilikonölKriechöl mit LösemittelAnmerkung
POM (Delrin)gutgutbedingtRobust gegen Öle; empfindlich gegen starke Säuren
PA (Nylon)gutgutgutNimmt eher Wasser auf als Öl
PE, PPgutgutgutSehr beständig, dafür schlecht klebbar
PTFEgutgutgutPraktisch inert
PC (Polycarbonat)bedingtgutschlechtSpannungsrisse unter Last; WD-40 nennt PC ausdrücklich als Ausschluss
PS klar (Polystyrol)bedingtgutschlechtTrübt und reißt; ebenfalls Ausschluss laut WD-40
ABS, ASAbedingtgutschlechtAceton und Ketone lösen ABS regelrecht auf
PMMA (Acrylglas)bedingtgutschlechtSehr anfällig für Spannungsrisse
PLA, PETGgutgutbedingtTemperatur ist hier kritischer als Chemie — siehe Filamente

Elastomere und Dichtungen

WerkstoffMineralölSilikonöl, -fettBremsflüssigkeit (Glykol)Wasser, DampfTemperatur
NBR (Nitril)gutgutschlechtbedingt-30 … +100 °C
FKM (Viton)gutgutschlechtbedingt-20 … +200 °C
EPDMschlechtgutgutgut-45 … +150 °C
VMQ (Silikon)bedingtschlechtbedingtgut-55 … +200 °C
PTFEgutgutgutgut-200 … +260 °C
Silikonfett gehört nicht auf eine Silikondichtung. Das ist die unauffälligste Fehlpaarung überhaupt, weil sie logisch klingt: VMQ nimmt Silikonöl auf, der Ring quillt, verliert Härte und Dichtkraft — teils schon Stunden nach der Montage. Für VMQ nimmt man ein Montagemittel auf Mineralölbasis oder ein Fluorsilikon- bzw. PFPE-Fett. Die zweite klassische Fehlpaarung ist EPDM in Mineralöl: der O-Ring wächst sichtbar und dichtet nicht mehr. Umgekehrt versagt NBR in Glykol-Bremsflüssigkeit.

Spannungsrisse

Das gefährlichste Versagen ist nicht das offensichtliche Anlösen, sondern die Kombination aus Zugspannung und Medium: ein vorgespanntes PC-Teil, das mit lösemittelhaltigem Reiniger in Kontakt kommt, bekommt feine Risse und bricht — manchmal erst Wochen später.

So verhindert man es

  • Verträglichkeit vor dem Kontakt prüfen, nicht danach
  • An verdeckter Stelle testen, wenn der Werkstoff unbekannt ist
  • Spritzgussteile spannungsarm tempern lassen
  • Verschraubungen nicht überziehen — jede Vorspannung erhöht das Risiko
  • Radien statt scharfer Innenecken; dort sitzen die Spannungsspitzen

Typische Auslöser

  • Bremsenreiniger auf Polycarbonat oder ABS
  • Isopropanol auf verspanntem PC — das reicht bereits
  • Kriechöl auf Acrylglas-Sichtscheiben
  • Aceton in der Nähe von ABS-Bauteilen
  • Weichmacherhaltige Kabelisolierung dauerhaft aufs Gehäuse gepresst
Silikonöl ist der sichere Griff bei unbekanntem Thermoplast — nicht bei unbekanntem Elastomer. Mit PC, ABS, PMMA und PS verträgt es sich, mit Silikonkautschuk nicht. Und es macht Flächen dauerhaft unbenetzbar: Silikonspuren sind der klassische Grund für Lackbenetzungsstörungen.
Quellen zu diesem Abschnitt
  • ISO 1817 — Elastomere: Bestimmung der Beständigkeit gegen Flüssigkeiten (Quellungsverhalten); DIN EN ISO 22088 — Beständigkeit gegen umgebungsbedingte Spannungsrissbildung.
  • Trelleborg Sealing Solutions und Freudenberg Sealing Technologies: Werkstoff- und Beständigkeitstabellen, Temperaturgrenzen der Elastomere.
  • Werkstoffhinweise der Dichtungshersteller zur Unverträglichkeit von Silikonschmierstoffen mit VMQ-, MQ- und FVMQ-Dichtungen.
  • WD-40 — Herstellerhinweis: nicht auf Polycarbonat und klarem Polystyrol anwenden.
  • Werkstoffkennwerte und Temperaturgrenzen der Kunststoffe: Kunststoffe.

07 / 07Fehler & Sicherheit

Schmierschäden entstehen selten aus zu wenig, meist aus dem falschen Mittel oder aus zu viel davon. Dazu kommen Stellen, an denen Schmierstoffe gar nichts zu suchen haben — dort richten sie echten Schaden an.

Symptom, Ursache, Abhilfe

Was man siehtUrsacheAbhilfe
Nach dem Sprühen erst leichter, nach Tagen deutlich schwererKriechöl hat den vorhandenen Schmierfilm gelöst und ist dann verdunstetReinigen, ablüften lassen, echtes Schmiermittel auftragen
Lager läuft heiß, Fett quillt aus der DichtungZu viel Fett — Walkarbeit erzeugt die Wärme selbstAuf 30–50 % des freien Lagerraums reduzieren
Fett ist hart, bröselig, dunkelÜbertemperatur oder Gebrauchsdauer überschritten; das Grundöl ist ausgetretenAuswaschen, neu befetten, Temperaturursache suchen
Fett wird flüssig und läuft ausUnverträgliche Verdicker gemischt, etwa Lithium mit Calcium-Sulfonat oder PolyharnstoffBeim Wechsel gründlich reinigen; im Zweifel bei einem Verdickertyp bleiben
Schmierstelle schwarz und körnigVerschleißpartikel im Fett — die Paste wirkt wie SchleifmittelReinigen und die mechanische Ursache suchen: Spiel, Fluchtung, Überlast
Kette rasselt kurz nach dem Ölen wiederAuf den alten Schmutz geölt, der Film erreicht die Bolzen nichtErst entfetten und trocknen, dann von innen ölen
Dichtung quillt, wird weich oder schrumpftUnverträgliches Medium — Mineralöl auf EPDM, Silikonfett auf SilikonWerkstoff bestimmen und passendes Mittel wählen, siehe Kunststoff & Elastomere
Schraube reißt oder setzt sich beim AnziehenGeschmiertes Gewinde mit dem Moment für trockene Montage angezogenMoment an die Reibungszahl anpassen, siehe Schraubenverbindungen
Bronzerad im Schneckengetriebe angefressenEP-Additive greifen Buntmetall anAusdrücklich buntmetallverträgliches Getriebeöl verwenden
Gelenk quietscht trotz Öl weiterDünnes Öl läuft ab, bevor es tragen kannHaftöl oder Fett nehmen; Öl nur, wo es gehalten wird
Mechanik klebt und stinktSpeiseöl als Notlösung — verharzt und wird ranzigRückstände lösen, harzfreies Mineral- oder Syntheseöl verwenden

Wo Schmierstoffe nichts zu suchen haben

Auf keinen Fall

  • Bremsen und Bremsflächen — Scheiben, Beläge, Felgenflanken; auch Sprühnebel aus zwei Metern reicht
  • Reibschlüssige Verbindungen — Klemmnaben, Spannsätze, Kupplungsbeläge leben von hoher Reibung
  • Riemen und Riemenscheiben — Schlupf und Zersetzung des Riemenwerkstoffs
  • Sauerstoffarmaturen — Mineralöl und reiner Sauerstoff können sich selbst entzünden
  • Stromführende Kontaktflächen — außer ausgewiesenem Kontaktfett; Graphit nie
  • Flächen vor dem Kleben oder Lackieren — besonders Silikon macht sie dauerhaft unbenetzbar

Stattdessen

  • Bremsflächen mit Bremsenreiniger entfetten, beide Seiten
  • Klemmflächen trocken und sauber halten, Sicherheit über die Anpresskraft einstellen
  • Quietschende Riemen prüfen: Spannung, Fluchtung, Verschleiß
  • Für Sauerstoff nur ausdrücklich freigegebene Schmierstoffe, etwa auf PFPE-Basis
  • An Steckkontakten dünn dosiertes Kontaktfett auf die Kontaktfläche, nicht ins Gehäuse
Bremsen und Schmierstoff sind eine Kombination mit Personengefährdung. Ein Sprühnebel auf der Bremsscheibe ist kaum zu sehen, verlängert den Bremsweg aber erheblich und geht nur durch gründliches Entfetten wieder weg. Beim Arbeiten am Rad oder Fahrzeug die Bremse abdecken.

Umgang, Lagerung, Entsorgung

Lagerung
Kühl, trocken, dicht verschlossen und stehend. Bei Fett ist etwas Öl an der Oberfläche normal, ein hart gewordener Kern nicht. Sprühdosen nicht über 50 °C und nicht in die Sonne.
Haut und Atemwege
Handschuhe bei längerem Kontakt — Mineralöl entfettet die Haut und kann Ölakne auslösen. Sprühnebel nicht einatmen, in geschlossenen Räumen lüften. Konkrete Angaben stehen im Sicherheitsdatenblatt.
Entsorgung
Altöl und ölgetränkte Lappen sind Sondermüll — nicht in den Hausmüll, niemals in den Ausguss. Ölgetränkte Putzlappen können sich durch Oxidation selbst entzünden: in einem geschlossenen Metallbehälter sammeln.
Quellen zu diesem Abschnitt
  • Sicherheitsdatenblätter der Produkte nach Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), Anhang II — verbindlich für Umgang, Schutzmaßnahmen und Entsorgung.
  • DGUV Regel 109-001 — Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen; TRGS 611 — wassermischbare Kühlschmierstoffe.
  • Altölverordnung (AltölV) — Rücknahme und Entsorgung gebrauchter Öle.
  • SKF — Fettverträglichkeit und Mischbarkeit: welche Verdickertypen sich vertragen.