Löten
Werkzeug, Material und Technik: THT, SMD, Heißluft, Reflow und BGA-Reballing — plus eigene Tabs für Lötstation, Heißluft, Heizplatte und Mikroskop.
01 / 18Start & Workflow
Die drei Methoden im Überblick
Welches Werkzeug du nimmst, hängt vor allem vom Bauteil ab. Faustregel: Lötkolben für alles mit zugänglichen Pins, Heißluft für Bauteile mit Pads unter dem Gehäuse oder zum Entlöten, Heizplatte, wenn viele SMD-Teile auf einmal auf eine Platine sollen.
- Stark bei: THT (bedrahtete Teile), Chip-SMD ab 0603, ICs mit sichtbaren Pins (SOIC, QFP), Kabel, Reparaturen
- Schwach bei: Bauteilen mit Pads nur unter dem Gehäuse (QFN, BGA)
- Pflicht: temperaturgeregelte Station — keine ungeregelten Baumarkt-Heizstäbe
- Stark bei: QFN, QFP, kleinen Chips, Entlöten von Multipin-Bauteilen, Nacharbeit
- Schwach bei: großen Masseflächen, einzelnen dicken Kabeln
- Achtung: Nachbarbauteile mit Kapton schützen, Luftstrom niedrig halten
- Stark bei: kompletter einseitiger SMD-Bestückung mit Lötpaste, Self-Alignment, Kleinserien
- Schwach bei: doppelseitigen Platinen, einzelnen Korrekturen
- Bonus: als Vorwärmer für Heißluft und BGA
Workflow am Lötkolben
Der Ablauf einer Session in Kurzform, plus Spickzettel für die häufigsten Aufgaben. Die ausführlichen Anleitungen stehen in den Tabs THT löten, SMD löten und Fehler.
Jede Session
Spickzettel
- Spitze an Pad und Beinchen, ca. 2 Sekunden
- Lot zugeben, bis sich eine konkave Kehle bildet
- Erst Lot weg, dann Spitze — Bein kürzen
- Ein Pad verzinnen, Flussmittel auf beide
- Bauteil mit Pinzette ins schmelzende Lot schieben
- Spitze weg → erst dann Pinzette loslassen
- Sitz prüfen, zweite Seite löten, erste nachlöten
- Eckpin tacken, ausrichten, Gegenecke löten
- Reichlich Flussmittel, mit wenig Lot über die Reihe ziehen
- Brücken mit Entlötlitze abziehen
- THT: Lot schmelzen, mit Pumpe absaugen oder Litze
- SMD-Chip: beide Pads abwechselnd heizen, wegkippen
- Litze: auflegen, Spitze drauf, Lot saugt ein
02 / 18Werkzeug-Typen
Die Werkzeugklassen und was sie unterscheidet
Dieser Tab erklärt die Gattungen — was ein Gerät prinzipbedingt kann und wo seine Grenze liegt. Herstellerunabhängig.
Lötstationen: die drei Bauarten
Der entscheidende Unterschied ist, wo Heizelement und Temperatursensor sitzen. Davon hängt ab, wie schnell die Wärme nach dem Aufsetzen zurückkommt — und damit, wie heiß du einstellen musst.
| Bauart | Heizer & Sensor | Verhalten | Typische Einstellung |
|---|---|---|---|
| Ungeregelter Kolben Baumarkt-Heizstab | Heizdraht, kein Sensor | Wird immer heißer, bis Wärmeabgabe = Leistung. Beim Aufsetzen bricht die Spitze ein und kommt kaum zurück | nicht verwenden — verbrennt Flux und Pads |
| Klassische Station Heizelement im Griff | Sensor hinter dem Heizer, Spitze wird aufgesteckt | Merkt den Temperatureinbruch verzögert. Man kompensiert mit höherer Einstellung | bleifrei oft 350–380 °C |
| Kartuschen-System Heizer in der Spitze | Heizelement und Sensor sitzen in der Spitze | Regelt in Millisekunden nach. Wärme ist sofort wieder da | bleifrei 330–360 °C reicht |
Spitzenformen — was welche Form kann
Die Form bestimmt die Kontaktfläche und damit, wie viel Wärme pro Sekunde übergeht. Die Buchstaben sind bei den meisten Systemen gleich; manche Hersteller codieren die Form als Zahl.
| Form | Wärmeübertragung | Am besten für | Schwach bei |
|---|---|---|---|
| Meißel (D) | hoch | Die Immer-drauf-Form. THT, Stiftleisten, SMD-Chips, Masseflächen — flache Kante liegt satt auf | sehr enge Stellen |
| Hufeisen / Bevel (BC, C) | hoch | Drag-Soldering über Pinreihen — die Schräge hält einen Lottropfen | Einzelpads punktgenau |
| Messer (K) | mittel–hoch | Drag über breite Reihen, Lötbrücken „aufschneiden", große Pads mit der Fläche | Feinstarbeit |
| Konisch / Bleistift (B) | mittel | Kabel, THT, allround-fein | alles mit viel Wärmebedarf |
| Nadel (I, IL, ILS) | niedrig | 0402/0201, feine IC-Pins, Fädeldraht — präziseste Form | Masseflächen, dicke Kabel |
| Gebogen (J) | mittel | schwer erreichbare Stellen: unter Bauteilen, hinter Steckverbindern | freie Flächen (unnötig) |
Heißluft, Heizplatte, Vorwärmer
- Stark bei: QFN/QFP, kleine Chips, Entlöten von Multipin-Bauteilen
- Schwach bei: großen Masseflächen, dicken Kabeln
- Pflicht: Temperatur und Luftstrom getrennt regelbar
- Als Reflow: ganze SMD-Bestückung auf einmal
- Als Vorwärmer: senkt den nötigen Hitzeeintrag von oben drastisch
- Für BGA-Arbeit nicht optional
- Erreicht auch unebene und bestückte Unterseiten
- Dunkle Flächen nehmen mehr Wärme auf als helle — ungleichmäßiger als eine Platte
- Reproduzierbar, für Kleinserien
- Kein Eingreifen während des Laufs möglich
Halten, Sehen, Reinigen
- ESD-Ausführung schützt empfindliche ICs
- Keramikspitzen für heiße Bauteile
- Ein bewegliches Board macht jede Lötstelle schlechter
- Lupenlampe: bis ca. 0805
- Stereo-Mikroskop: ab 0603, QFN, BGA
- Messingwolle kühlt die Spitze weniger aus als ein nasser Schwamm
- Schwamm nur feucht, nie nass
- Kolophonium-Dämpfe sind atemwegsreizend und sensibilisierend
Entlöt-Werkzeug
| Werkzeug | Prinzip | Am besten für | Grenze |
|---|---|---|---|
| Entlötlitze (Wick) | Kupfergeflecht saugt flüssiges Lot durch Kapillarwirkung auf | Pads planziehen, Lötbrücken, BGA-Restlot | zieht Wärme ab — kurzes Stück nutzen (Draht & Litze) |
| Entlötpumpe | Federkolben saugt geschmolzenes Lot schlagartig weg | THT-Durchkontaktierungen | Rückstoß kann Pads lösen; nichts für SMD |
| Entlötstation (Vakuum) | Beheizte Hohlnadel mit Dauervakuum | viele THT-Pins in Serie | teuer, Nadel verstopft |
| Heißluft | Alle Anschlüsse gleichzeitig flüssig | SMD-Bauteile schadenfrei abheben | Nachbarn müssen geschützt werden |
| Low-Melt-Legierung SnBi, ~58–138 °C | Mischt sich mit dem Altlot und senkt den Schmelzpunkt drastisch | Multipin-ICs ohne Heißluft abheben | Reste restlos entfernen — sonst spröde Mischphase |
Verschleiß und Pflege — was Spitzen tötet
✓ Verlängert die Lebensdauer
- Spitze immer verzinnt lagern und dick verzinnt ausschalten
- Standby im Ständer aktiviert lassen
- Niedrigste Temperatur fahren, die noch fließt
- Neue Spitze beim ersten Aufheizen sofort verzinnen
- Messingwolle statt nassem Schwamm
✗ Zerstört die Eisenschicht
- Dauerbetrieb über 400 °C
- Trocken heiß stehen lassen (oxidiert sofort)
- Mechanisch schaben, feilen oder Schleifpapier
- Als Hebel oder Schraubendreher benutzen
- Aggressive Flussmittel (Lötwasser/-fett)
03 / 18Lot & Flussmittel
Verbrauchsmaterial
Was du für welche Methode brauchst:
| Methode | Lot / Material | Flussmittel |
|---|---|---|
| Lötkolben THT | Lotdraht 0,8–1,0 mm (mit Flussmittelseele) | meist keins extra nötig |
| Lötkolben SMD-Chips | Lotdraht 0,5–0,8 mm | Tacky-Flux hilft sehr |
| Lötkolben ICs (Drag) | wenig Lotdraht an der Spitze | Flux-Pen + reichlich Tacky-Flux |
| Heißluft Rework | Lötpaste oder verzinnte Pads | Tacky-Flux / Gel |
| Reflow Heizplatte/Ofen | Lötpaste (per Schablone oder Spritze) | steckt schon in der Paste |
| Entlöten | Entlötlitze, -pumpe, Low-Melt-Legierung | Flux-Pen / Gel |
Lötzinn (Lot)
Zwei Welten: Bleihaltig lötet sich leichter und bei niedrigerer Temperatur, bleifrei ist RoHS-konform und Pflicht für alles, das in den Verkauf geht. Die gängigen Draht-Legierungen:
| Legierung | Blei? | Schmelzpunkt | Eigenschaften & wofür |
|---|---|---|---|
| Sn63Pb37 (eutektisch) | Blei | 183 °C (scharf) | verzeiht am meisten, erstarrt schlagartig — der Hobby-Liebling zum Üben |
| Sn60Pb40 | Blei | 183–190 °C | fast gleichwertig, kleiner „Teig"-Bereich statt scharfem Punkt |
| SAC305 (Sn96,5Ag3Cu0,5) | frei | 217–220 °C | der bleifreie Standard, silberhaltig, benetzt gut; braucht heißere Spitze, wird satiniert-matt (normal) |
| Sn99,3Cu0,7 (SnCu) | frei | 227 °C | das günstigste bleifrei (ohne Silber), fließt etwas zäher — gängig für Consumer/Klempner-nahe Ware |
| Sn96,5Ag3,5 (SnAg) | frei | 221 °C | silberhaltig, mechanisch fest — eher industriell |
| Sn42Bi58 (SnBi, Low-Temp) | frei | 138 °C | sehr niedrige Temperatur, schonend — aber spröde, nicht mit bleihaltigem Lot mischen (meist als Paste, selten als Draht) |
Welcher Durchmesser wofür?
Der Durchmesser bestimmt, wie fein du dosieren kannst. Dünner = präziser, aber du musst mehr nachschieben; dicker = schneller viel Lot, aber gröber. Ein dünner Draht ist der bessere Allrounder — für dicke Stellen schiebst du einfach mehr nach.
| Durchmesser | Am besten für |
|---|---|
| 0,3–0,4 mm | feines SMD (0402/0603), IC-Pins, Drag-Soldering — sehr genaue Dosierung |
| 0,5–0,6 mm | SMD-Chips, kleine THT-Bauteile, die meisten Feinarbeiten |
| 0,7–0,8 mm | Allrounder — deckt vom SMD bis zum normalen THT fast alles ab; wenn du nur eine Rolle kaufst, diese |
| 1,0–1,5 mm | große THT-Pads, Massflächen, dicke Kabel, Steckverbinder — viel Lot auf einmal |
Flussmittel (Flux)
Entfernt die Oxidschicht auf den Metallflächen und lässt das Lot fließen und benetzen. Die Flussmittelseele im Lotdraht reicht für einfaches THT — extra Flux ist der entscheidende Helfer bei SMD, Rework und beim Entlöten.
Die vier Typen
- No-Clean: minimaler, trockener Rückstand darf meist drauf bleiben. Der bequeme Standard fürs Hobby.
- RMA (Kolophonium, mild aktiviert): klassisch, gute Aktivität, klebrige Rückstände mit IPA entfernen.
- Kolophonium / Rosin (fest): günstiger Klassiker, Spitze oder Litze eintauchen. Rückstand mit IPA.
- Wasserlöslich (OA): sehr aggressiv, muss zwingend gründlich abgewaschen werden — im Hobby eher meiden.
Konkrete Produkte und wofür
| Produkt (Beispiele) | Typ | Form | Reinigen? | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Kester #951, ChipQuik NC191 | No-Clean, low-solids | Flux-Pen / Flasche (flüssig, dünn) | nein | Lötkolben THT, Kabel und Pads verzinnen, alte Lötstellen auffrischen, Drag-Soldering und Pins über die Reihe benetzen |
| ChipQuik SMD291, MG Chemicals 8341, AMTECH NC-559 | No-Clean (8341: ROL1) | Tacky-Gel / Paste (Spritze oder Dose) | nein (optional) | SMD Heißluft Chips, QFN/QFP, BGA-Reballing, Rework — zäh, hält Bauteile an Ort |
| AMTECH RMA-223, Kester 186 | RMA (Kolophonium) | Gel/Paste (Spritze) | ja, mit IPA | Rework hartnäckige Oxidation, wenn du ohnehin reinigst |
| „Nano-Flux" (Mechanic, Relife, Amaoe u. ä.) | No-Clean, sehr niedrigviskos | Mini-Spritze mit feiner Nadel | nein (Rest ist minimal) | Micro BGA Arbeiten unterm Mikroskop: 0201/01005, feine BGA-Kugeln, Fädeldraht-Reparatur |
| Kolophonium / Rosin | Kolophonium | fester Block | ja, mit IPA | Lötkolben günstiger Klassiker, Spitze/Entlötlitze eintauchen |
Was „Nano-Flux" bedeutet
Kein Markenname und keine eigene Chemie, sondern eine Produktklasse aus der Handy-/Micro-Reparatur: ein No-Clean-Gel, das bewusst sehr dünn eingestellt ist und in einer kleinen Spritze mit Kanüle kommt.
Lötpaste (Solder Paste)
Gemisch aus winzigen Lotkügelchen und Flussmittel. Nur für Reflow per Heizplatte, Heißluft oder Ofen.
- Korngröße: T3 oder T4 fürs Hobby, T4/T5 für sehr feinen Pitch.
- Auftrag: per Schablone (Stencil) oder dünn mit der Spritze auf die Pads.
- Lagerung: kühl (Kühlschrank), vor Gebrauch auf Raumtemperatur bringen, begrenzte Haltbarkeit.
Konkrete Pasten und wann
| Legierung (Typ) | Schmelzpunkt | Beispielprodukte | Am besten für |
|---|---|---|---|
| Sn63Pb37 (bleihaltig) | 183 °C | Chip Quik SMD291, Mechanic XG-Z40 | einfachster Einstieg, verzeiht am meisten, niedrigste Temperatur der Standard-Pasten |
| SAC305 (bleifrei) | 217–220 °C | Chip Quik SAC305, Kester EP256, MG Chemicals 4902P | RoHS / alles zum Verkauf, braucht ein heißeres Profil |
| Sn42Bi57Ag1 (bleifrei, Low-Temp) | ~138 °C | Chip Quik SMDLTLFP („Smooth Flow") | schonend für empfindliche Bauteile, ideal für Hobby-Heißluft und Heizplatte — niedrigste Temperatur |
04 / 18Draht & Litze
Reparaturdraht & Jumper Wire
Wenn eine Leiterbahn gerissen ist, ein Pad fehlt oder eine Verbindung nachträglich gelegt werden muss, brauchst du Draht — und zwar den richtigen. Zu dünn heißt Spannungsabfall und abgerissene Brücke, zu dick heißt, er hebt beim ersten Anstoßen das Pad mit ab.
Durchmesser, AWG und was durchpasst
| Ø | ≈ AWG | Widerstand | Kurze Brücke trägt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| 0,02 mm | ~52 | ~53 Ω/m | wenige mA | Feinste Pad-Reparatur unterm Mikroskop, kaum sichtbar. Reißt beim Schiefansehen. |
| 0,05 mm | 44 | 8,5 Ω/m | ~50 mA | Signalleitungen an BGA-Pads, Datenleitungen auf Handy-Boards |
| 0,08 mm | 40 | 3,3 Ω/m | ~90 mA | Allrounder für Signalreparatur — noch gut handhabbar |
| 0,10 mm | 38 | 2,1 Ω/m | ~140 mA | Der Standard für Fädeldraht-Reparaturen. Dünn genug für feinen Pitch, robust genug zum Arbeiten. |
| 0,13 mm | 36 | 1,3 Ω/m | ~230 mA | Signale plus kleine Verbraucher (LED, Sensor) |
| 0,16 mm | 34 | 0,84 Ω/m | ~360 mA | Kurze Versorgungsbrücken auf dem Board |
| 0,20 mm | 32 | 0,54 Ω/m | ~570 mA | Rail-Reparatur bei kleinen Strömen |
| 0,25 mm | 30 | 0,34 Ω/m | ~860 mA | Kynar-Wire-Wrap-Standard — der klassische Mod-/Bodge-Wire |
| 0,32 mm | 28 | 0,21 Ω/m | ~1,4 A | Versorgungsleitungen, Akku-Anschlüsse an kleinen Geräten |
| 0,40 mm | 26 | 0,13 Ω/m | ~2,2 A | Alles ab etwa 1 A — darunter wird es warm |
| 0,51 mm | 24 | 0,084 Ω/m | ~3,5 A | Leistungsbrücken, Motor- und Ladeleitungen |
Die Stromwerte gelten für eine kurze, frei liegende Brücke, nicht für Meterware im Bündel — dort ist nur etwa ein Sechstel davon zulässig. Und: 0,01 mm wird zwar angeboten, praktisch handhabbar beginnt es bei 0,02 mm. Zum Rechnen: 20 mm mit 0,1 mm Draht ergeben ~43 mΩ — für Signale völlig egal, bei 1 A wären es aber schon 43 mV Verlust und 43 mW Wärme in einem Draht, der dafür ohnehin zu dünn ist.
Isoliert oder blank — welche Sorte wofür
| Sorte | Isolierung | Verarbeiten | Dafür nehmen |
|---|---|---|---|
| Kupferlackdraht, lötbar (UEW/Polyurethan) | hauchdünner Lack, praktisch keine Dicke | Kein Abisolieren: Ende in einen Lotklecks bei 350–380 °C halten, der Lack verbrennt und der Draht verzinnt sich selbst | Die erste Wahl für Leiterbahn-Reparatur. Liegt flach auf der Platine, darf über andere Bahnen laufen, verschwindet unter UV-Lack. |
| Kupferlackdraht, nicht lötbar (Polyimid/ML) | zäher Hochtemperatur-Lack | Muss mechanisch abgekratzt oder chemisch entfernt werden | Für Reparaturen eher meiden. Erkennbar daran, dass er im Lot einfach nicht benetzt. |
| Kynar / Wire-Wrap (30 AWG, PVDF) | zäh, hitzefest, sehr dünnwandig | Abisolieren mit Spezialabisolierer oder vorsichtig mit der Klinge | Mod- und Bodge-Wire über größere Strecken. Zieht sich beim Löten nicht zurück, ist farbig und dadurch nachvollziehbar. |
| Versilberte PTFE-Litze (Teflon, „Silberdraht“, MIL-Spec M22759/11) | PTFE, dauerhaft bis 200 °C — hält jede Lötkolbenhitze aus | Abisolieren, dann verzinnt sie sich fast von allein: die Silberschicht benetzt sofort | Die beste Allround-Litze auf der Platine und alles, was sich bewegt: Kabel zu Displays, Akkus, Deckeln. Litze bricht nicht durch Biegewechsel, Massivdraht schon. |
| Versilberter Kupferdraht, blank (massiv, SPC) | keine | Direkt löten, benetzt sofort ohne Kratzen oder Schmirgeln | Kurze Brücken, Masseverbindungen, HF- und Freiluft-Aufbauten. Liegt jahrelang im Regal und ist trotzdem noch lötbar — blankes Kupfer nicht. |
| Verzinnte Litze, PVC (Standard-Schaltdraht) | PVC — schmilzt bei Lötwärme zurück, ca. 80–105 °C | Abisolieren, schnell arbeiten | Nur außerhalb der Hitzezone. Auf der Platine zieht sich die Isolierung zurück und legt blanken Draht frei. |
| Blanker Kupferdraht | keine | Direkt löten, oxidierte Oberfläche vorher blank machen | Nur sehr kurze Brücken zwischen benachbarten Pads, wo nichts gekreuzt wird. Sobald der Draht über eine andere Bahn läuft: Kurzschlussgefahr. |
Versilbert, verzinnt oder blank — was die Beschichtung bringt
„Silberhaltiges Kabel“ = fast immer versilberte Kupferlitze (SPC, meist unter PTFE) — Kern ist Kupfer, kein Silberdraht. Nicht verwechseln mit silberhaltigem Lot (SAC305).
| Beschichtung | Dauertemperatur | Löten | Typisch |
|---|---|---|---|
| versilbert (SPC) | bis 200 °C (mit PTFE) | sehr gut benetzt sofort | Reparatur- und Mod-Litze, HF, Luftfahrt, alles Hitzenahe |
| verzinnt (TPC) | bis ca. 150 °C | gut | Standard-Schaltlitze, Steckerkonfektion — günstig und völlig ausreichend |
| blank (Rein-Kupfer) | — | nur frisch oxidiert mit der Zeit | Wickelgut, sehr kurze Brücken, alles was sofort verarbeitet wird |
| vernickelt | 260 °C und mehr | zäh braucht aktiveres Flux | Ofen-, Heiz- und Thermofühlerleitungen — für die Werkbank ungeeignet |
Die Entscheidung in fünf Regeln
- Wie viel Strom fließt? Das legt den Durchmesser fest — Tabelle oben, und im Zweifel eine Stufe dicker.
- Kreuzt der Draht etwas? Ja → isoliert, immer. Nein und kürzer als ein paar Millimeter → blank ist erlaubt.
- Bewegt sich das Ende? Ja → Litze, am besten versilbert mit PTFE. Massivdraht bricht an der Lötstelle durch Biegewechsel — die häufigste Ursache für „die Reparatur hat drei Wochen gehalten".
- Wie fein ist die Stelle? Unter dem Mikroskop an BGA- oder 0201-Pads: 0,05–0,1 mm Lackdraht. Alles Gröbere reißt beim Löten das Pad ab.
- Muss es jemand nachvollziehen können? Dann farbiger Kynar-Draht statt unsichtbarem Lackdraht — auch für dich selbst in einem Jahr.
Fädeldraht-Reparatur, Schritt für Schritt
Entlötlitze (Wick)
Feines, mit Flussmittel getränktes Kupfergeflecht. Flüssiges Lot wird durch Kapillarwirkung hineingesaugt — dieselbe Kraft, die Wasser in einem Schwamm hochzieht. Die Litze ist das Werkzeug für Lötbrücken, für das Leerräumen von THT-Löchern und für alles, was mit BGA-Pads zu tun hat.
Breite wählen
Die Litze soll etwa so breit wie die Lötstelle sein. Zu schmal saugt zu wenig und du fängst dreimal an; zu breit legt sich über Nachbarpads, zieht deren Lot mit ab und braucht viel mehr Wärme, bis überhaupt etwas passiert. Die Größennummern und Farben von Chemtronics Soder-Wick haben sich als Quasi-Standard etabliert:
| Größe | Breite | Farbe | Wofür |
|---|---|---|---|
| #1 | 0,8 mm (.030") | weiß | Einzelne feine Pins, 0402/0201-Pads, BGA-Einzelpad |
| #2 | 1,5 mm (.060") | gelb | Allrounder für SMD — QFP-Brücken, Chip-Pads, THT-Pads |
| #3 | 2,0 mm (.080") | grün | Allrounder für alles Größere — BGA-Felder abziehen, THT-Reihen, Steckerleisten |
| #4 | 2,8 mm (.110") | blau | Große Pads, Masseflächen, Abschirmbleche |
| #5 | 3,7 mm (.145") | braun | Sehr große Flächen, Akku-Kontakte |
Die wichtigste Regel: kurz abschneiden
Der häufigste Fehler ist, mit einem 10 cm langen Litzenschwanz zu arbeiten, der von der Rolle wegläuft. Kupfergeflecht ist ein hervorragender Wärmeleiter — der überstehende Teil zieht die Wärme aus der Arbeitsstelle ab und gibt sie an die Luft weiter. Das hat drei Folgen:
- Der Kolben muss dagegenheizen. Du drehst die Temperatur hoch, obwohl das Problem gar nicht die Lötstelle ist. Mehr Hitze und mehr Zeit auf dem Pad — genau das, was Pads ablöst.
- Die Litze saugt später. Das Flussmittel im Geflecht wird erst bei Temperatur aktiv. Ein kalter Zipfel verzögert diesen Moment.
- Die Rolle wird heiß. Und du verbrennst dir die Finger oder lässt los, während die Litze am Pad festbackt.
✓ 1–2 cm, direkt in die Pinzette
✗ Langer Schwanz von der Rolle
Technik
Tricks, die den Unterschied machen
- Im Winkel ansetzen: Legst du die Litze schräg (~30–45°) über einen Pad-Streifen statt längs, berührt nur eine schmale Kante die Lötstelle. Du bekommst eine schmalere, gezieltere Angriffsfläche — praktisch, wenn du zwischen zwei Pins nur eine Brücke wegnehmen willst, ohne das Lot der Nachbarn mitzunehmen. Zusätzlich liegt die Litze dann nicht flach auf und kühlt weniger stark.
- Litze vorher „anspitzen“: Ein schräger Schnitt mit der Seitenschneiderklinge gibt dir eine keilförmige Spitze für Einzelpads.
- Etwas frisches Lot dazu: Klingt widersinnig, hilft aber bei alten, oxidierten Stellen enorm — das frische Lot bringt Flussmittel mit und stellt überhaupt erst die Wärmebrücke her, damit das alte Lot fließen kann. Bei bleifreien Stellen zusätzlich bleihaltiges Lot einarbeiten: Es senkt den Schmelzpunkt der Mischung, alles fließt früher und die Litze zieht viel williger (Details im Tab Reballing).
- Breite Spitze nehmen. Eine Meißelspitze überträgt viel mehr Wärme durch die Litze als eine feine Kegelspitze. Bei Litze gilt: lieber groß und kurz als spitz und lange.
- Nicht drücken, bis das Pad quietscht. Sanfter, gleichmäßiger Druck reicht. Kraft ersetzt keine Wärme.
- Trocken gewordene Litze auffrischen: Ende kurz in Kolophonium oder Flussmittelgel tauchen.
05 / 18Reinigen & Schützen
Nach dem Löten
Was übrig bleibt: Flussmittelreste runter, blanke Stellen wieder abdecken.
Welches Flux — wie reinigen
Ob gereinigt werden muss, entscheidet der Flux-Typ. Womit, entscheidet seine Chemie — das falsche Mittel schmiert nur um, statt zu lösen.
| Flux-Typ | Muss ab? | Womit | Methode |
|---|---|---|---|
| No-Clean flüssig (Pen/Flasche, z. B. Kester #951) | darf bleiben | IPA 99 %, wenn doch | Rückstand ist minimal und inert. Abnehmen nur für die Optik oder vor Lack/Conformal Coating |
| No-Clean Tacky/Gel (SMD291, MG 8341, Nano-Flux) | bei Rework-Mengen ja | IPA 99 % + Pinsel | Kleine Mengen dürfen bleiben — nach BGA/Drag-Soldering klebt aber zu viel davon: zieht Staub, verdeckt die Sichtkontrolle. Dann komplett runter |
| Kolophonium / RA / RMA (z. B. MG 8342, klassischer Rosin-Flux) | ja, immer | IPA 99 % oder Flux-Remover | Aktivierte Harze bleiben leicht korrosiv und kriechen mit der Zeit. Frisch geht es mit IPA leicht, eingebrannt erst nach dem Heißluft-Anlösen |
| Wasserlösliches Flux (Water Soluble / OA) | ja, zwingend | demineralisiertes Wasser, warm | IPA wirkt hier kaum! Spülen, mit Pinsel nacharbeiten, danach gründlich trocknen (Druckluft + Wärme) — Rückstände sind stark korrosiv |
| Lötpasten-Reste (nach Reflow/Heißluft) | Ränder ja | IPA 99 % + Pinsel | Der Flux-Anteil der Paste sammelt sich als Kranz ums Bauteil. Prüfen, dass keine Lotkügelchen (Solder Balls) liegen bleiben — die machen später Kurzschlüsse |
| Unbekanntes / Billig-Flux | ja, immer | IPA 99 %, hartnäckig: Flux-Remover | Zusammensetzung unbekannt = im Zweifel korrosiv. Rückstände kommen sonst Monate später als Grünspan zurück |
Die Reinigungsmittel
- Nicht 70 % — der Wasseranteil bleibt zurück und hinterlässt Schlieren
- Brennbar, gut lüften
- Mit Sprühröhrchen unter ICs spülen
- Verträglichkeit an Kunststoffen/Beschriftung erst an einer Ecke testen
- Warm spülen, Pinsel, dann kompromisslos trocknen
- Nie Leitungswasser: Kalk + Salze bleiben zurück
- Nichts für Mikrofone, Lautsprecher, offene Stecker, Flüssigkeitsindikatoren
- Hobby-Alltag: IPA + Pinsel + Tuch reichen
Der Reinigungs-Ablauf
Lötstopplack (Solder Mask / „grünes Öl“)
Die grüne (oder blaue, schwarze, rote) Schicht auf jeder Platine ist der Lötstopplack. Er hat drei Aufgaben: Er isoliert die Leiterbahnen, er schützt das Kupfer vor Korrosion, und er begrenzt beim Löten das flüssige Lot auf die freien Pads — deshalb der Name. Ohne ihn würde Lot einfach über die Bahnen laufen.
Was du in der Werkstatt brauchst
Als Reparaturmaterial gibt es ihn als UV-härtenden Lötstopplack in kleinen Spritzen (Mechanic, Relife, Amaoe, MG Chemicals und viele No-Names). Er bleibt flüssig, bis du ihn mit UV-Licht bestrahlst — typisch 395 nm, also eine gewöhnliche UV-Härtungslampe aus der Handy-Reparatur.
| Anwendung | Warum |
|---|---|
| Abgeschabte Stellen abdecken | Nach dem Freilegen einer Leiterbahn liegt blankes Kupfer offen — es korrodiert und kann Kurzschlüsse machen |
| Fädeldraht fixieren | Ein Tropfen über der Reparatur nimmt jede Zugbelastung vom Pad. Der wichtigste Einsatz überhaupt |
| Pads gezielt maskieren | Verhindert Lotbrücken an Stellen, wo eng benachbarte Pads sonst zusammenlaufen |
| Isolieren vor Nachbarbahnen | Wenn ein Draht über andere Bahnen laufen muss und du keine isolierte Sorte hast |
| Kosmetik | Eine Reparatur unter grünem Lack sieht aus wie Serie — und man findet sie in einem Jahr trotzdem wieder, wenn man sie fotografiert hat |
So wird es sauber
- Kein Isolator für Netzspannung — nur Schutz gegen Zufallskontakt und Korrosion
- Nicht direkt an Lötpunkte (verbrennt beim Nachlöten zur Kruste)
- Spritze dunkel lagern, härtet sonst intern aus
- Nicht über Bauteile, die Wärme abgeben
- Härtet nur unter UV — Warten bringt nichts
06 / 18THT löten
Lötkolben THT löten
THT steht für Through-Hole Technology: bedrahtete Bauteile durch Bohrungen. Der einfachste Einstieg.
✓ Gute Lötstelle
- Konkave, geschlossene Kehle — das Lot ist auf Pad und Beinchen geflossen
- Glänzend bei bleihaltigem Lot, satiniert bis leicht matt bei bleifrei — beides in Ordnung
- Kontur von Pad und Beinchen noch erkennbar, kein Klumpen
✗ Kalte / schlechte Stelle
- Kugelig oder klumpig — das Lot sitzt auf, statt zu benetzen
- Körnige, rissige Oberfläche, Ränder heben sich ab
- Rettung: frisches Flussmittel dazu, beide Teile richtig erwärmen, neu aufschmelzen
Bestückungs-Reihenfolge
Immer von flach nach hoch — sonst liegt die Platine beim Umdrehen auf bereits bestückten Teilen auf und alles verrutscht.
| # | Bauteilgruppe | Warum an dieser Stelle |
|---|---|---|
| 1 | Drahtbrücken, liegende Widerstände, Dioden | Flachste Teile — Platine liegt beim Wenden plan |
| 2 | IC-Sockel, Keramikkondensatoren | Noch flach; Sockel statt IC direkt löten schützt den Chip |
| 3 | Transistoren, kleine Elkos, Stift-/Buchsenleisten | Mittelhoch |
| 4 | Große Elkos, Trafos, Relais, Kühlkörper | Hoch und schwer — zuletzt |
| 5 | Mechanik: Klemmen, Buchsen, Taster | Bestimmen die Gehäusepassung; zum Schluss ausrichten |
| 6 | ICs in die Sockel stecken | Erst nach allen Lötarbeiten — kein Hitzestress, kein ESD |
Durchkontaktiert oder nicht — der Unterschied
| Platinenart | Woran erkennbar | Was das fürs Löten heißt |
|---|---|---|
| Durchkontaktiert (PTH) | Bohrung innen metallisch, Pad auf beiden Seiten | Lot steigt durch die Bohrung. Von einer Seite löten reicht, wenn es oben austritt. Sehr haltbar |
| Einseitig / nicht durchkontaktiert | Pad nur auf einer Seite, Bohrung innen blank | Nur die Padseite trägt. Pads lösen sich leicht — weniger Hitze, kürzer, nicht am Bauteil ziehen |
| Mit Massefläche am Pad | Pad hängt an großer Kupferfläche | Zieht die Wärme weg. Größere Spitze, kurz vorwärmen — nicht einfach heißer stellen |
| Mit Wärmefalle (Thermal Relief) | Pad über vier schmale Stege an der Fläche | Genau dafür gebaut — lötet sich normal |
THT entlöten
Bauteil-Besonderheiten
- Verträgt Hitze schlecht — zügig löten
- Falsch gepolt kann er aufplatzen
- Nie ohne Vorwiderstand betreiben
- Zwei diagonale Eckpins tacken, ausrichten, dann Rest
- Besser: Sockel löten, IC danach stecken
- Bei TO-220 die Kühlfahne prüfen: oft mit einem Anschluss verbunden
- Eckpin tacken → ausrichten → Rest löten
- Kunststoffkörper verzieht sich bei zu viel Hitze
- Gehäuse liegt oft auf Masse — Kurzschlussgefahr zu Bahnen darunter
07 / 18SMD löten
Lötkolben SMD löten
Chip-Bauteile (Widerstand, Kondensator, 0603–1206)
✓ Guter Sitz
✗ Tombstone (Grabstein)
Tombstoning passiert beim Reflow, wenn ein Pad deutlich früher schmilzt als das andere — die Oberflächenspannung zieht das Bauteil hoch. Abhilfe: gleichmäßig erwärmen, Pastenmenge auf beiden Pads gleich.
ICs mit vielen Pins (SOIC, TSSOP, QFP) per Drag-Soldering
SMD entlöten (mit dem Lötkolben)
Ohne Heißluft geht das Abnehmen über den Trick, alle Anschlüsse gleichzeitig flüssig zu halten. Immer reichlich frisches Flussmittel dazugeben.
Chip-Bauteile (2-polig: Widerstand, Kondensator, LED)
Multipin-ICs (SOIC, TSSOP, QFP)
SMD-Troubleshooting: was tun, wenn …
Die häufigsten SMD-Pannen direkt am Kolben. Vollständige Fehlerbilder-Tabelle: Tab Fehler & Regeln.
Zu viel Lot / Lotbrücke zwischen Pins
- Frisches Flussmittel über die Stelle geben.
- Saubere Entlötlitze auflegen, Spitze fest draufdrücken — das überschüssige Lot saugt sich in die Litze.
- Litze zusammen mit der Spitze abheben (nie kalt abreißen — reißt Pads).
- Bei einer echten Brücke reicht oft schon: Flussmittel drauf und mit sauberer, heißer Spitze einmal drüberstreichen — die Oberflächenspannung zieht das Lot auseinander.
Zu wenig Lot / Pin hängt in der Luft
- Flussmittel auf den Pin, Spitze mit einem Hauch frischem Lot an Pin und Pad, bis ein kleines Fillet steht.
- Kein zusätzliches Bauteil-Lot nötig — nur so viel, dass die Kehle geschlossen ist.
- Bauteil sitzt schief / verrutscht: eine Seite wieder aufschmelzen und mit der Pinzette nachschieben, dann festhalten bis das Lot fest ist.
- Tombstone (ein Ende hochgestellt): beide Enden gleichzeitig erwärmen (Spitze quer über beide oder Heißluft), dann legt sich der Chip flach zurück.
- Lot fließt nicht, bildet Kugeln: zu wenig oder verbrauchtes Flussmittel → frisches Flux dazu; Spitze sauber und heiß genug?
- Pin lässt sich nicht treffen / zu klein: nicht einzeln kämpfen — reichlich Flussmittel und die ganze Reihe per Drag-Soldering ziehen, Brücken danach mit Litze abziehen.
- Pad hat sich gelöst (Lifted Pad): weniger Hitze/Zeit, nicht hebeln; wenn schon ab, die Leiterbahn freikratzen und mit dünnem Draht überbrücken.
08 / 18Heißluft & Reflow
Heißluft & Reflow — das Verfahren
Beim Kolben liegt die Wärme punktuell an einer Stelle an. Bei Heißluft und Reflow wird das ganze Bauteil über seinen Schmelzpunkt gebracht. Das ändert alles: Man kann Pads erreichen, die unter dem Gehäuse liegen — muss aber den Wärmeeintrag über die Zeit steuern, statt ihn zu „platzieren".
Warum das funktioniert: Oberflächenspannung
Flüssiges Lot zieht sich zur kleinsten Oberfläche zusammen und benetzt dabei bevorzugt Metall. Zwei Effekte fallen dabei für dich ab:
- Der Ruck ist dein Signal: jetzt ist alles durchgeschmolzen
- Danach sofort Hitze wegnehmen
- Kein Flux = Kugeln statt Kehlen
- Zu viel Flux = kocht auf und schiebt Bauteile weg
Die vier Phasen — bei beiden Verfahren gleich
| Phase | Was du machst | Was passiert | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|
| 1 · Vorwärmen | Board (und Umgebung) langsam auf 100–180 °C | Lösungsmittel dampfen ab, Temperaturdelta sinkt | Übersprungen → Board verzieht sich, Pads reißen |
| 2 · Soak | Temperatur kurz halten | Flussmittel wird aktiv und räumt Oxide weg | Zu kurz → Lot benetzt nicht sauber |
| 3 · Peak | Über den Schmelzpunkt, so kurz wie möglich | Lot wird flüssig, Self-Alignment | Zu lang → Bauteil und Pads nehmen Schaden |
| 4 · Abkühlen | Hitze weg, nichts bewegen | Lot erstarrt zu einem gleichmäßigen Gefüge | Anpusten/Wackeln → matte, spröde Stellen |
Heißluft Bauteil setzen
Heißluft Bauteil entlöten
Reflow Ganze Platine
Wann welches Verfahren
| Aufgabe | Werkzeug | Warum |
|---|---|---|
| Einzelnes QFN/QFP setzen oder tauschen | Heißluft | Gezielt, Nachbarn bleiben kalt |
| Multipin-IC schadenfrei abheben | Heißluft | Alle Pins gleichzeitig flüssig |
| Ganze Platine bestücken | Reflow | Ein Durchgang, gleichmäßiges Ergebnis |
| BGA aus-/einbauen | beides | Platte wärmt vor, Heißluft macht den Peak — Reballing |
| Einzelner THT-Pin | Kolben | Heißluft ist hier das falsche Werkzeug |
| Chip 0402 einzeln | beides möglich | Kolben schneller, Heißluft schonender |
Typische Fehlerbilder
| Bild | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Tombstoning — Chip stellt sich senkrecht | Ein Pad wurde früher flüssig als das andere | Gleichmäßiger erwärmen, Soak verlängern, Pastenmenge angleichen |
| Lotperlen rund um Bauteile | Rampe zu steil — Lösungsmittel kocht schlagartig | Langsamer aufheizen (Phase 1 verlängern) |
| Brücken zwischen Pins | Zu viel Paste oder Bauteil verrutscht | Weniger Paste, Flux + Litze zum Korrigieren |
| Matte, körnige Stellen | Beim Erstarren bewegt oder angepustet | Ruhig auskühlen lassen |
| Bauteil sitzt schief | Nicht alle Anschlüsse waren flüssig | Länger halten, vorwärmen, Düse größer |
| Pads abgerissen | Gehebelt oder zu lange zu heiß | Erst auf das Nachgeben warten, senkrecht abheben |
09 / 18Reballing
Reballing — was es ist und wann es sich lohnt
BGA-Kugeln unter dem Gehäuse sind elektrische Verbindung, Halt und Wärmebrücke zugleich — reißt eine, ist der Chip tot oder (schlimmer) nur manchmal tot. Chip-Kürzel: Tab SoC & BGA-Typen.
✓ Reballing ist sinnvoll
- Kugeln gerissen durch Wärmezyklen (Konsolen-Klassiker) oder Sturz/Verbiegen
- Chip wurde ausgebaut und soll wieder rein — ausgebaut = immer reballen, nie die alten, unregelmäßigen Kugelreste wiederverwenden
- Gebrauchter Chip vom Spenderboard (kommt nie mit brauchbaren Kugeln)
- Bleifreie Kugeln sollen gegen bleihaltige getauscht werden (haltbarer bei Reparaturen)
- NAND/eMMC-Tausch oder -Upgrade
✗ Reballing bringt nichts
- Der Chip selbst ist defekt (durchgebrannt, Kurzschluss intern) — neue Kugeln an einer Leiche
- Pads auf der Platine sind abgerissen — erst Pads reparieren, sonst hält nichts
- Korrosion/Flüssigkeitsschaden unter dem Chip ist die eigentliche Ursache
- Nur „mal reflowen“ als Schnellschuss — das ist Symptombekämpfung
- Du hast keine Vorwärmung: Bei großen Boards reißt du ohne Preheater eher Pads ab, als dass du etwas reparierst
Werkzeug und Material
| Werkzeug | Pflicht? | Worauf achten |
|---|---|---|
| Vorwärmer (Heizplatte oder IR-Preheater) | Pflicht | Der wichtigste Posten. Ohne Vorwärmung brauchst du oben so viel Hitze, dass Pads, Kleber und Nachbarbauteile leiden |
| Heißluftstation mit großer Düse | Pflicht | Düse etwa so groß wie der Chip oder etwas größer, Luftstrom fein regelbar |
| Mikroskop | Pflicht | Kugelreihen und Pads sind mit bloßem Auge nicht beurteilbar. Setup: Tab Mikroskop |
| Reball-Jig / Magnet-Plattform | sehr empfohlen | Hält Chip und Stencil spielfrei zueinander. Ohne Jig verrutscht dir der Stencil beim Abziehen |
| Stencils (Schablonen) | Pflicht | Universal-Set und/oder chipspezifisch — Details unten |
| Lotkugeln | Pflicht (oder Paste) | Sortiment 0,25–0,6 mm, bleihaltig Sn63Pb37 für Reparaturen |
| Tacky-Flux + dünnes Flux | Pflicht | Tacky zum Halten, dünnflüssig zum Kriechen unter den Chip. Tab Material |
| Entlötlitze 1,5–2,0 mm | Pflicht | Zum Abziehen der alten Kugeln. Technik: Draht & Litze → Entlötlitze |
| Bleihaltiges Lot Sn63Pb37, 0,5–0,8 mm | Pflicht | Auch wenn das Board bleifrei ist — zum Aufmischen der alten Kugeln (siehe Schritt 2) |
| Mini-Spachtel / Rakel | Pflicht | Metall- oder Kunststoffklinge, gerade Kante ohne Scharten |
| Kapton-Tape, Alufolie | empfohlen | Nachbarn und Kunststoffteile abdecken |
| IPA 99 % + fusselfreie Tücher | Pflicht | Wattestäbchen fusseln — für BGA-Arbeit ungeeignet |
| Vakuum-Pen / Saugheber | empfohlen | Hebt den Chip senkrecht ab, ohne ihn zu verkippen |
Schritt 1 · Chip ausbauen
Schritt 2 · Chip und Pads sauber machen
Das ist der Schritt, der über das Ergebnis entscheidet — nicht das eigentliche Kugelsetzen. Auf dem Chip muss am Ende eine plane, gleichmäßig verzinnte Padfläche stehen, ohne Hügel, ohne Reste, ohne Kratzer.
Der Blei-Trick: bleifrei aufmischen, damit es leichter geht
Fast alle Geräte sind bleifrei gelötet (SAC305, Schmelzpunkt 217–220 °C). Bleifreies Restlot zäh abzusaugen kostet viel Hitze und Zeit — genau das, was Pads killt. Der Standardtrick:
Kugeln abziehen mit der Entlötlitze
Reinigen: Flussmittelreste runter
Schritt 3 · Stencil auswählen
Der Stencil (die Schablone) ist ein dünnes Stahlblech mit einem Lochraster. Die Löcher legen fest, wo eine Kugel landet und wie groß sie sein darf.
| Typ | Was es ist | Dicke | Stark | Schwach |
|---|---|---|---|---|
| Universal-Stencil (Direct-Heat) | Stahlblech mit mehreren Lochfeldern in Standard-Rastern (0,2 / 0,25 / 0,3 / 0,35 / 0,4 / 0,45 / 0,5 / 0,55 / 0,6 mm), Chip liegt darunter im Jig | 0,10–0,30 mm | Ein Set deckt „irgendein BGA“ ab, hitzefest — man kann durch den Stencil hindurch heizen | Das Raster passt nie exakt zum Chip. Bei ungewöhnlichen Rastern oder ausgesparten Feldern (Depopulated Areas) unbrauchbar |
| Chipspezifischer Stencil (dedicated) | Genau für einen Chip gefertigt, meist mit Positionierrahmen oder Chip-Umriss | 0,08–0,15 mm | Jede Kugel sitzt exakt, auch bei unregelmäßigen Feldern. Für Handy-/Konsolen-Arbeit die einzig sinnvolle Wahl | Pro Chip einer nötig, kostet Geld und Lagerplatz |
| Magnet-Plattform / Jig | Halterung mit Magneten oder Klemmen, hält Chip und Stencil deckungsgleich | — | Kein Verrutschen beim Rakeln und beim Abziehen | Stencil und Plattform müssen zueinander passen (Herstellersystem) |
| Polyimid-/Kapton-Stencil | Kunststofffolie statt Blech | ~0,1 mm | Billig, biegt sich an unebene Chips an | Verzieht sich bei Hitze, nur bedingt wiederverwendbar |
Schritt 4 · Bälle oder Paste?
Beide Wege funktionieren. Sie haben aber unterschiedliche Fehlerbilder.
| Verfahren | Prinzip | Stark | Schwach | Nimm es für |
|---|---|---|---|---|
| Lotkugeln (Solder Balls) | Vorgefertigte Kugeln definierter Größe rollen in die Stencil-Löcher | Gleichmäßige Höhe über das ganze Feld, 100 % Metall, praktisch keine Lunker (Voids), verzeiht Ungeübten mehr | Aufwendiger, Kugeln rollen weg, Größe muss stimmen | Der Standard. Alles, was hoch belastet ist: Konsolen-APU, Laptop-GPU, Handy-SoC |
| Lotpaste (Solder Paste) | Paste wird durch den Stencil auf die Pads gedruckt und zu Kugeln aufgeschmolzen | Schnell, kein Kugelsortiment nötig, gut für sehr feine Raster | Flussmittel in der Paste gast beim Schmelzen aus → Lunker im Ball; Höhe schwankt mit der Druckqualität | eMMC/NAND und kleine CSPs, wenn kein passendes Kugelmaß da ist |
| Fertige Ball-Preforms / Ball-Sheets | Kugeln sitzen bereits in einer Trägerfolie im Chip-Raster | Sehr schnell, keine Rakel nötig | Nur für gängige Chips erhältlich, teurer pro Anwendung | Wenn du denselben Chip oft machst |
Welche Kugelgröße?
Die Kugel richtet sich nach dem Pitch (Abstand Kugelmitte zu Kugelmitte) und nach der Pad-Größe. Faustregel: Kugeldurchmesser ≈ 0,6 × Pitch. Zu klein heißt offene Kontakte, zu groß heißt Brücken zum Nachbarn.
| Pitch | Kugel Ø (typisch) | Wo man das trifft |
|---|---|---|
| 0,30 mm | 0,15–0,18 mm | WLCSP, feinste Handy-Chips |
| 0,35 mm | 0,20 mm | Handy-SoC, PoP-Oberseiten |
| 0,40 mm | 0,25 mm | Handy-SoC, Apple T2, viele NAND |
| 0,50 mm | 0,30 mm (laut Datenblatt teils 0,25) | eMMC BGA153/169, viele CSP — die meistgebrauchte Größe |
| 0,65 mm | 0,35–0,40 mm | Mittlere BGA, RAM, kleinere SoCs |
| 0,80 mm | 0,45–0,50 mm | Laptop-GPU, Konsolen-APU, Chipsätze |
| 1,00 mm | 0,60 mm | Ältere große BGA (Xbox 360, PS3-Generation) |
| 1,27 mm | 0,75–0,76 mm | Alte Großgehäuse, Industrie |
Welche Legierung?
| Kugel-Legierung | Schmelzpunkt | Wann |
|---|---|---|
| Sn63Pb37 (bleihaltig) | 183 °C | Die Reparatur-Wahl. Niedrigere Prozesstemperatur, duktiler, verzeiht Wärmezyklen und Vibration besser. Genau deshalb reballt man RROD-Xboxen und Switches bleihaltig |
| SAC305 (bleifrei) | 217–220 °C | Wenn das Gerät bleifrei bleiben muss (Gewährleistung, Verkauf, RoHS) oder später nochmal höher erhitzt wird |
| SnBi Low-Temp | ~138 °C | Nicht für BGA-Kugeln. Zu spröde für die mechanische Last unter einem Chip |
Schritt 5 · Reballen — die zwei Methoden
Egal welche Methode: Chip planliegend in den Jig, Stencil deckungsgleich drauf, prüfen, dass jedes Pad mittig in seinem Loch sitzt. Ein halbes Loch Versatz und du reballst gegen die Lötstopplack-Kante.
Methode A · Direct-Heat (Stencil bleibt drauf)
Methode B · Stencil ab, dann schmelzen
Den Mini-Spachtel richtig halten
Die Klingenhaltung entscheidet, ob die Kugeln in die Löcher rollen oder darüber hinweggeschoben werden.
✓ Flach, fast parallel (Kugeln)
- Klinge fast parallel zum Stencil, ca. 10–30°
- Nur das Eigengewicht der Klinge, kein Drücken
- In eine Richtung streichen, dann neu ansetzen
- Die Kugeln rollen vor der Klinge her und fallen ins nächste freie Loch
✗ Steil aufgestellt (bei Kugeln)
- Steile Klinge schaufelt Kugeln über die Löcher hinweg
- Sie kratzt am Stencil und wirft schon gesetzte Kugeln wieder heraus
- Ergebnis: leere Stellen mitten im Feld, die man leicht übersieht
Schritt 6 · Kugeln und Pads nacharbeiten
Nach dem Abziehen des Stencils sieht das Feld selten perfekt aus: einzelne Kugeln stehen schief, manche sind noch matt, an den Rändern hängt Flux. Statt neu anzufangen, arbeitet man nach.
Schritt 7 · Chip wieder einlöten
Vorwärmen — warum, wann, wie heiß
Vorwärmen ist keine Beschleunigung, sondern Schadensvermeidung. Drei Gründe:
| Situation | Vorwärmung von unten | Halten | Warum genau so |
|---|---|---|---|
| Kleine Handy-/Konsolen-Tochterplatine | 100–130 °C | 1–2 min | Reicht, um das Delta zu brechen, ohne Kleber und Folien zu belasten |
| Handy-Mainboard mit Underfill | 150–180 °C (kurzzeitig bis ~200 °C) | 2–3 min | Underfill wird erst hier zäh-weich. Über ~200 °C verändert er sich und wird zum Kampf |
| Laptop-Mainboard | 130–160 °C | 2–4 min | Große Kupferlagen brauchen Zeit, bis die Wärme wirklich durch ist |
| Konsolen-Mainboard (PS4/Xbox) | 150–180 °C | 3–5 min | Sehr hohe Wärmemasse, riesige Chips. Ohne das wird die Chipmitte nie flüssig |
| Einzelner Chip im Reball-Jig | ohne, oder 80–120 °C | — | Der Chip allein hat kaum Masse. Etwas Vorwärmung stabilisiert nur das Ergebnis |
Workflows nach Chip-Typ
| Chip-Typ | Pitch / Kugel | Vorwärmen | Heißluft (bleihaltig) | Besonderheiten im Ablauf |
|---|---|---|---|---|
| eMMC / NAND (BGA153/169) | 0,5 mm / 0,30 mm | 100–130 °C | 290–320 °C, Luft 20–30 % | Der beste Einstieg. Kleiner Chip, kein Underfill, chipspezifische Stencils überall erhältlich. Vorher Datenerhalt klären — beim Reballing kann der Inhalt verloren gehen |
| Handy-SoC (PoP, Apple A-Serie & Co.) | 0,35–0,4 mm / 0,20–0,25 mm | 150–180 °C | 300–330 °C, Luft 20–30 % | Underfill entfernen, RAM-Lage nicht ablösen, chipspezifischer Stencil zwingend. Königsklasse |
| Konsolen-APU (PS4, Xbox, Switch) | 0,65–0,8 mm / 0,35–0,5 mm | 150–180 °C | 320–350 °C, Luft 25–35 % | Riesige Wärmemasse, langer Anlauf. Vorwärmung ist hier nicht optional. Original bleifrei → bleihaltig reballen erhöht die Lebensdauer deutlich |
| Laptop-GPU / Chipsatz | 0,8 mm / 0,45–0,5 mm | 130–160 °C | 320–350 °C, Luft 25–35 % | Vorsicht mit den umliegenden SMD-Kondensatoren — die fliegen bei zu viel Luft als erstes weg. Kapton drumherum |
| RAM / LPDDR | 0,5–0,65 mm / 0,30–0,40 mm | 120–150 °C | 300–330 °C, Luft 20–30 % | Dünnes Gehäuse, verzieht sich leicht. Kurz und mit Vorwärmung arbeiten |
| Kleine CSP / WLCSP (PMIC, WiFi, Audio) | 0,3–0,4 mm / 0,15–0,25 mm | 100–130 °C | 280–310 °C, Luft 15–25 % | Fliegt bei jedem Lufthauch weg. Meist ist es günstiger, das Teil zu ersetzen als zu reballen |
Häufige Fehler beim Reballing
| Fehler | Woran man ihn merkt | Ursache und Abhilfe |
|---|---|---|
| Ungleiche Kugelhöhe | Von der Seite betrachtet keine gerade Linie; nach dem Einbau einzelne Signale tot | Alte Lotreste nicht restlos entfernt oder Pads unterschiedlich verzinnt. Chip nochmal komplett abziehen und neu aufbauen |
| Leere Löcher im Feld | Nach dem Reballing fehlen einzelne Kugeln | Spachtel zu steil gehalten oder zu wenig Kugeln nachgeschoben. Vor dem Aufschmelzen immer das ganze Feld unter dem Mikroskop absuchen |
| Kugeln zusammengelaufen | Zwei oder mehr Kugeln bilden eine Wurst | Zu viel Flux (kocht und zieht Kugeln zusammen) oder Kugeln zu groß für den Pitch. Weniger Flux, Größe prüfen |
| Chip verrutscht beim Einlöten | Kanten sitzen sichtbar schief, Kurzschlüsse | Beim Aufsetzen gedrückt oder nachgeschoben, während das Lot flüssig war. Nach dem Auflegen nicht mehr anfassen — das Self-Alignment macht den Rest |
| Board verzogen | Nach dem Einbau nur Randkugeln kontaktieren, Mitte offen | Zu wenig Vorwärmung, zu viel Hitze von oben. Vorwärmung erhöhen, oben zurücknehmen |
| Pads am Chip abgerissen | Beim Kontrollblick fehlen Pads / hängen an der Litze | Litze kalt abgerissen, geschabt oder zu lange heiß geblieben. Litze immer mit der Spitze abheben |
| Chip funktioniert, fällt nach Tagen aus | Zuerst alles gut, dann wieder derselbe Fehler | Mischlegierung durch Reste, kalte Kugeln in der Mitte oder Underfill fehlt bei mechanisch belasteten Geräten. Sauberer neu aufbauen |
| Nachbarbauteile weggeflogen | Nach dem Job fehlt ein 0201-Kondensator | Luftstrom zu hoch. Kapton drumherum und Luft runter — und vorher ein Foto machen, damit du weißt, was wohin gehört |
10 / 18Temperaturen
Temperaturen
Richtwerte für klassische Kolben. Höher heißt nicht besser: Zu viel Hitze beschädigt Pads und Bauteile, zu wenig gibt kalte Stellen. Wenn Spitze und Lot passen, reicht meist die untere Hälfte des Bereichs. Wichtig: Die Werkzeug-Temperatur liegt deutlich über dem Schmelzpunkt des Lots — die Reserve gleicht Wärmeverluste an Pad und Beinchen aus.
Reflow-Profil (Heizplatte / Ofen)
Die Platine durchläuft vier Phasen. Bei der Heizplatte steuerst du das grob über das Hochregeln der Temperatur.
Kurve beispielhaft für bleifrei (SAC305, Peak 240–250 °C). Bleihaltig läuft identisch ab, nur rund 30–35 °C niedriger (Peak 205–215 °C).
Schmelzpunkte auf einen Blick
Der Schmelzpunkt ist die Untergrenze. Werkzeug-Temperaturen liegen darüber, weil Pad und Bauteil Wärme abziehen.
| Legierung | Schmelzpunkt | Peak beim Reflow | Kolben-Startwert |
|---|---|---|---|
| Sn42Bi58 (Low-Temp) | 138 °C | 165–180 °C | 210–240 °C |
| Sn63Pb37 (eutektisch) | 183 °C | 205–215 °C | 300–330 °C |
| Sn60Pb40 | 183–190 °C | 205–215 °C | 300–330 °C |
| SAC305 (bleifrei Standard) | 217–220 °C | 240–250 °C | 330–370 °C |
| Sn96,5Ag3,5 | 221 °C | 245–255 °C | 340–370 °C |
| Sn99,3Cu0,7 | 227 °C | 250–260 °C | 350–380 °C |
Was Bauteile aushalten
| Bauteil | Grenze | Praxis |
|---|---|---|
| Standard-SMD (Widerstand, MLCC) | 260 °C / 10 s | Unkritisch — hält jedes normale Profil aus |
| Elektrolytkondensator | 260 °C / 10 s, oft weniger | Zügig arbeiten. Zischen oder Wölben = zu lange heiß |
| LED | 240–260 °C / 5 s | Empfindlich. Kurz und mit ausreichend Flux |
| Kunststoff-Steckverbinder | je nach Material 230–260 °C | Verformt sich, bevor das Lot merklich leidet |
| Quarze, Sensoren, Kameramodule | oft < 240 °C | Datenblatt lesen. Im Zweifel Low-Temp-Lot |
| Platinenmaterial FR-4 | ca. 250–280 °C kurzzeitig | Darüber: Delamination, braune Verfärbung, Pads lösen sich |
| Lötstopplack | ca. 260 °C | Blasen und Verfärbung sind das erste sichtbare Warnsignal |
Welche Temperatur für welche Aufgabe
| Aufgabe | Werkzeug | bleihaltig | bleifrei |
|---|---|---|---|
| THT, normale Pads | Kolben | 300–320 °C | 330–350 °C |
| SMD-Chips 0603–1206 | Kolben | 300–320 °C | 330–350 °C |
| Feines SMD 0402/0201 | Kolben | 280–300 °C | 310–330 °C |
| Masseflächen, dicke Kabel | Kolben | 350–380 °C kurz | 380–400 °C kurz |
| Entlötlitze auf Pads | Kolben | 320–350 °C | 350–380 °C |
| SMD setzen / abheben | Heißluft | 290–320 °C | 320–360 °C |
| Reflow ganze Platine | Platte | Peak 205–215 °C | Peak 240–250 °C |
| Vorwärmen für Rework | Platte | 100–180 °C je nach Boardgröße | |
| Harten Flux lösen | Heißluft | 150–160 °C | |
| Schrumpfschlauch | Heißluft | 100–150 °C | |
Woran du merkst, dass die Temperatur falsch ist
✗ Zu kalt
- Lot bleibt zäh, verläuft nicht zur Kehle
- Kugelige, aufgesetzte Stellen
- Man muss lange draufbleiben — das schadet dann wirklich
- Flussmittel wird nicht aktiv, bleibt klebrig
✗ Zu heiß
- Flussmittel raucht sofort stark und ist weg, bevor es wirkt
- Spritzer, braune Verfärbung am Lötstopplack
- Spitze oxidiert schnell, benetzt schlechter
- Pads lösen sich, Kunststoff verformt sich
11 / 18Bauteile
Bauteile und Bauformen
Diese Tabelle sortiert nach Lötbarkeit. Was ein Bauteil tut (Funktion, Kennwerte, Anwendungsbeispiele): Elektronik 101 → Bauteil-Datenbank.
Filtere nach Typ und sieh, wie schwer das Teil von Hand zu löten ist und womit.
Bauteil-Kürzel lesen (Schaltplan & Platine)
Auf der Platine und im Schaltplan hat jedes Bauteil ein Kürzel + eine Nummer (z. B. R1, C13, D2, Q1, U1). Der Buchstabe sagt, was es ist — die Zahl ist nur die laufende Nummer (Position), kein Wert.
| Kürzel | Bauteil |
|---|---|
| R | Widerstand (Resistor) |
| C | Kondensator (Capacitor) |
| L | Spule / Induktivität |
| D (oft „LED") | Diode oder LED |
| Q | Transistor oder MOSFET |
| U / IC | integrierter Schaltkreis (IC) — z. B. NE555, CD4017 |
| Y / X / XTAL | Quarz / Oszillator |
| SW / S | Schalter / Taster |
| J / P / CN | Steckverbinder / Stiftleiste |
| JP | Jumper / Lötbrücke |
| RV / VR / POT | Potentiometer |
| F | Sicherung (Fuse) |
| TP | Testpunkt (zum Messen) |
| BT / BAT | Batterie / Akku |
| K / RY | Relais |
| T / TR | Transformator |
| TH / RT | Thermistor (NTC/PTC) |
| M | Motor |
| LS / SP | Lautsprecher / Buzzer |
| ANT / E | Antenne |
Welches Gehäuse enthält was?
Das Gehäuse (die Bauform) verrät dir oft schon, um welche Art Bauteil es sich handelt. Grobe Zuordnung:
| Gehäuse | Typ | Pins | Was typischerweise drinsteckt |
|---|---|---|---|
| Chip (0402–1206) | SMD | 2 | Widerstand, Kondensator, Spule oder LED |
| SOT-23 | SMD | 3–6 | Transistor, MOSFET, kleiner Spannungsregler, Referenz |
| SOT-223 / DPAK | SMD | 3–4 | Leistungs-MOSFET/-Transistor, Spannungsregler |
| SOIC / SOP | SMD | 8–16 | ICs: Operationsverstärker, Logik, EEPROM, kleine Controller |
| TSSOP | SMD | 8–28 | schmalere ICs, Treiber, Logik |
| QFP / TQFP | SMD | 32–100+ | Mikrocontroller und größere ICs (Pins ringsum) |
| QFN / DFN | SMD | 6–64 | moderne ICs, Mikrocontroller, Regler, Funk-Chips (Pads unter dem Gehäuse) |
| BGA | SMD | viele | komplexe Chips: große Mikrocontroller, Speicher, ganze Systeme |
| DIP | THT | 8–40 | bedrahtete ICs (fürs Steckbrett) |
| TO-92 | THT | 3 | kleine Transistoren |
| TO-220 | THT | 3 | Leistungstransistoren/-MOSFETs, Spannungsregler (z. B. 7805) |
SMD-Chips: Größen erkennen & Werte ablesen
Die zweipoligen Chip-Bauteile im gleichen Gehäuse können ein Widerstand (R), Kondensator (C), eine Spule (L) oder LED sein — von außen oft nur schwer zu unterscheiden (siehe unten). Der Name ist das Zoll-Maß: „1206" = 0,12″ × 0,06″ lang×breit. Gleiche Größe gilt für R und C.
| Bauform | Maße (L × B) | Von Hand löten |
|---|---|---|
| 1206 | 3,2 × 1,6 mm | sehr gut — größter gängiger Chip, guter Einstieg |
| 0805 | 2,0 × 1,25 mm | einsteigerfreundlich |
| 0603 | 1,6 × 0,8 mm | mit etwas Übung gut |
| 0402 | 1,0 × 0,5 mm | fummelig — Pinzette und Lupe nötig |
| 0201 | 0,6 × 0,3 mm | von Hand kaum sinnvoll (Reflow) |
Widerstand oder Kondensator? So unterscheidest du sie
Widerstand (R)
- Beschriftet — trägt fast immer einen Zahlencode
- Körper meist schwarz mit heller Schrift, Enden silbrig
- Ungepolt — Richtung egal
Keramik-Kondensator (MLCC)
- Unbeschriftet — praktisch nie ein Aufdruck
- Körperfarbe beige / hellbraun / grau
- Ungepolt; Wert nur aus Rolle/Doku oder per Messung (LCR-P1)
SMD-Widerstand ablesen (Code)
| Aufdruck | Bedeutung | Wert |
|---|---|---|
| 103 | 10 + 3 Nullen (3-stellig, E24) | 10 000 Ω = 10 kΩ |
| 472 | 47 + 2 Nullen | 4 700 Ω = 4,7 kΩ |
| 220 | 22 + 0 Nullen | 22 Ω (nicht 220 Ω!) |
| 4R7 | R = Komma | 4,7 Ω |
| R100 | R = Komma vorne | 0,1 Ω |
| 1002 | 100 + 2 Nullen (4-stellig, Präzision 1 %) | 10 000 Ω = 10 kΩ |
| 000 / 0 | Null-Ohm-Brücke | 0 Ω (nur eine Drahtbrücke) |
Kondensator-Wert ermitteln
Kondensatoren sind kniffliger als Widerstände, weil viele keinen Wert aufgedruckt haben. So kommst du dran:
- SMD-Keramik (MLCC) — unbeschriftet: kein Aufdruck. Wert nur durch Messen (Bauteiltester/LCR-Meter wie der FNIRSI LCR-P1 oder Multimeter mit Kapazitäts-Bereich „Cx") oder aus Schaltplan / Stückliste (BOM) / Rollenbeschriftung.
- Bedrahteter Keramik-C — Code auf dem Körper (in Pikofarad!): kleiner Wert direkt („18" = 18 pF), sonst 3-stellig wie beim Widerstand, aber das Ergebnis ist pF.
- Folien-C: Wert meist im Klartext aufgedruckt (z. B. „100n", „0.1µF").
- Elko / Tantal: Wert und Spannung stehen drauf, gepolt (z. B. „470µF 25V").
| Aufdruck | Bedeutung | Wert |
|---|---|---|
| 18 (oder 180) | direkt in pF | 18 pF (typische Quarz-Lastkapazität) |
| 47 | direkt in pF | 47 pF |
| 101 | 10 + 1 Null (pF) | 100 pF |
| 102 | 10 + 2 Nullen (pF) | 1 000 pF = 1 nF |
| 104 | 10 + 4 Nullen (pF) | 100 000 pF = 100 nF (der Standard-Entkoppler) |
| 224 | 22 + 4 Nullen (pF) | 220 000 pF = 220 nF |
Ein Buchstabe dahinter ist die Toleranz: J = ±5 %, K = ±10 %, M = ±20 %.
Gepolte SMD-Bauteile erkennen
- Tantal-Kondensator: hat einen aufgedruckten Balken = Pluspol (+). Achtung Ausnahme! Bei fast allem anderen markiert ein Strich den Minus/die Kathode — beim Tantal ist es Plus.
- SMD-Alu-Elko (rund, Metalltopf): die abgeschrägte/dunkle Seite = Minus.
- Diode / LED: Strich oder farbige Markierung = Kathode (Minus).
12 / 18SoC & BGA-Typen
SoC, APU, PMIC — was die Begriffe bedeuten
Auf einem modernen Board sitzen wenige große Chips, die fast alles machen. Die Kürzel darauf sagen, welche Rolle ein Chip spielt — nicht, wie er gelötet ist.
| Begriff | Ausgeschrieben | Was drin steckt |
|---|---|---|
| SoC | System on a Chip | Ein einziger Chip, der praktisch ein ganzes Computersystem enthält: CPU-Kerne, GPU, Speichercontroller, I/O, oft auch WLAN/Modem, Video-Encoder, Krypto-Einheit. Das Gegenteil des klassischen PCs mit CPU + Northbridge + Southbridge + Grafikkarte. Handys, Tablets, Konsolen, Router, Smart-TVs — alle laufen auf SoCs |
| APU | Accelerated Processing Unit | AMDs Bezeichnung für CPU + GPU auf einem Die. In der Praxis das Gleiche wie ein SoC — der Begriff, den Sony und Microsoft für ihre Konsolenchips benutzen |
| CPU / GPU | Central / Graphics Processing Unit | Rechenwerk bzw. Grafikeinheit. In Laptops oft noch als getrennte Chips, in Handys und Konsolen im SoC aufgegangen |
| PMIC | Power Management IC | Erzeugt aus einer Eingangsspannung die vielen Schienen, die der SoC braucht. Häufiger Ausfallkandidat — und wenn er stirbt, ist meist nicht der SoC schuld |
| SiP | System in Package | Mehrere separate Dies in einem Gehäuse, nicht auf einem Die. Von außen ein Chip, innen mehrere |
| PoP | Package on Package | Zwei Gehäuse übereinander gelötet — typisch SoC unten, LPDDR-RAM oben. Beim Ausbau darf sich die obere Lage nicht lösen |
| eMMC / UFS | embedded MultiMediaCard / Universal Flash Storage | Der fest verlötete „Datenträger“. eMMC ist der ältere, langsamere Standard, UFS der moderne serielle Nachfolger |
| eMCP | embedded Multi-Chip Package | Flash und RAM in einem Gehäuse — in günstigen Handys sehr verbreitet |
| Baseband | — | Der Mobilfunk-Prozessor. Eigener Chip neben dem SoC (Qualcomm, Intel, MediaTek) |
Gehäuse mit Kugeln — die Abkürzungen
| Kürzel | Ausgeschrieben | Typischer Pitch | Was es in der Praxis heißt |
|---|---|---|---|
| BGA | Ball Grid Array | 0,8–1,27 mm | Der Oberbegriff: Kugelraster unter dem Gehäuse. Alles Weitere sind Varianten davon |
| PBGA / CBGA | Plastic / Ceramic BGA | 0,8–1,27 mm | Substratmaterial. Keramik ist steifer und thermisch anders — ältere Konsolen- und Industriechips |
| FBGA | Fine-pitch BGA | 0,4–0,8 mm | Der Standard für RAM, Flash und mittlere SoCs |
| FCBGA | Flip-Chip BGA | 0,65–1,0 mm | Der Die liegt „auf dem Kopf“ direkt auf dem Substrat. Große CPUs, GPUs und Konsolen-APUs |
| µBGA / CSP | Micro BGA / Chip Scale Package | 0,3–0,5 mm | Gehäuse kaum größer als der Die (Definition: ≤ 1,2 × Die-Fläche). Handy-Innereien |
| WLCSP | Wafer Level Chip Scale Package | 0,3–0,4 mm | Kugeln werden noch auf dem Wafer aufgebracht — praktisch ein nackter Die mit Kugeln. Kein Substrat, sehr empfindlich |
| LGA | Land Grid Array | — | Keine Kugeln, nur flache Pads. Wird über Paste oder Sockel kontaktiert. Reballing macht daraus faktisch ein BGA |
| QFN / DFN | Quad/Dual Flat No-lead | 0,4–0,65 mm | Pads am Rand der Unterseite, kein Raster. Kein BGA — aber ebenfalls nur mit Heißluft machbar (Tab Heißluft) |
BGA-Chips in echten Geräten
Die Bezeichnungen, die auf den Chips stehen, und wofür sie gut sind. Nützlich, um Stencils, Kugelgrößen und Ersatzchips zu suchen.
Konsolen und Handhelds
| Gerät | Bezeichnung auf dem Chip | Funktion | Notiz |
|---|---|---|---|
| Nintendo Switch (2017, „Erista“) | ODNX02-A2 | SoC — NVIDIA Tegra X1 (T210) | Der Klassiker. „ODN“ kommt vom Nvidia/Nintendo-Codenamen Odin fürs Board. Typischer Reball-Kandidat bei Blackscreen/BSOD |
| Nintendo Switch (ab 2019, Lite, OLED — „Mariko“) | ODNX10-A1 | SoC — Tegra X1+ (T214) | Sparsamere 16-nm-Revision |
| Nintendo Switch | THGBMHG8C2LBAIL · BGA153 | eMMC (32 GB Toshiba) | Reball/Tausch bei defektem NAND oder für Speicher-Upgrades. Pitch 0,5 mm |
| PS4 Fat (CUH-10xx/11xx) | CXD90026G (auch -AG, -BG) | APU | Sony-Teilenummern beginnen mit CXD |
| PS4 Fat (CUH-12xx) | CXD90037G | APU | Spätere Fat-Revision |
| PS4 Slim (CUH-20xx) | CXD90044GB / GC / GD | APU | |
| PS4 Slim & Pro | CXD90046GG | Southbridge („Aeolia/Belize“) | Keine APU, aber ein sehr häufiger Defekt- und Tauschkandidat |
| PS4 Pro (CUH-7xxx) | je nach Revision — vom Chip ablesen | APU | Größerer Die als die Slim-APU |
| PS3 (90 nm) | CXD2964GB (+ A/B/C-Varianten) | Cell Broadband Engine | Reball-Klassiker der Yellow-Light-Ära |
| PS3 (65 nm / 45 nm) | CXD2981x / CXD2999x | Cell BE | Die-Shrinks derselben CPU |
| PS3 (90 nm) | CXD2971GB (+ A/B/C/D) | RSX GPU | Später u. a. CXD5302 in kleineren Fertigungen |
| Xbox One (2013, „Durango“) | X887732-001, Die-Marking DG3001FEG84HR | APU (AMD Jaguar + Radeon) | Microsoft nutzt X-Nummern statt Herstellerteilenummern |
| Xbox 360 | revisionsabhängig (Xenon, Zephyr, Falcon, Jasper …) | CPU „Xenon“ / GPU „Xenos“ | Der RROD-Klassiker: Die originalen bleifreien Kugeln reißen. Reparatur = bleihaltig reballen, nicht reflowen |
| Steam Deck | AMD Custom APU 0405 (LCD: „Aerith“, OLED: „Sephiroth“) | APU „Van Gogh“ | Zen 2 + RDNA 2 |
Handys, Tablets und Laptops
| Gerät / Klasse | Bezeichnung auf dem Chip | Funktion | Notiz |
|---|---|---|---|
| iPhone 7 / 7 Plus | APL1W24 | SoC — Apple A10 Fusion | Apple-SoCs tragen APL-Nummern, nicht „A10“. PoP mit RAM obendrauf |
| iPhone 8 / X | APL1W72 | SoC — Apple A11 Bionic | |
| iPhone XS / XR, iPad (2019+) | APL1W81 | SoC — Apple A12 Bionic | Auch als A12X/A12Z in iPad Pro |
| MacBook (2018–2020) | Sandwich-Gehäuse mit RAM-Lage | Apple T2 Security Chip | Beliebter Reball-Job (SSD/SMC/Touch-ID-Funktionen). Üblich: 0,25-mm-Kugeln mit chipspezifischem Jig. Die RAM-Lage darf sich beim Ausbau nicht trennen |
| Android-Flaggschiffe | z. B. SM8550-AB, S5E9925, MT6983 | SoC (Snapdragon, Exynos, Dimensity, Tensor) | Fast immer PoP mit Underfill. Chipspezifischer Stencil nötig |
| Handy-Speicher | BGA153, BGA169, BGA254, BGA221 | eMMC / UFS / eMCP | Die Ballzahl ist der Gehäusename. BGA153/169: Pitch 0,5 mm, Ball ~0,25–0,30 mm |
| Laptop-Grafik (NVIDIA) | N16P-GT-A2, N17P-G0-A1, N15S-GT-B-A2 … | Mobile-GPU | N = Notebook, Zahl = Generation, Buchstabe = Leistungsklasse, -A1/-A2 = Die-Revision. Achtung: Dieselbe Nummer wird je nach Charge als unterschiedliches Marketing-Modell verkauft (z. B. GTX 860M vs. 950M) — nach Teilenummer kaufen, nicht nach Modellnamen |
| Laptop-Grafik (AMD) | 216-08xxxxx | Mobile-GPU | AMD/ATI-Mobilchips tragen 216-er Nummern |
| Laptop-Chipsatz | SR-Code + Bezeichnung (z. B. BD82HM76) | Intel PCH | Der SR-Code auf dem Deckel identifiziert die genaue Variante |
Stencils, die man haben sollte
Was sich lohnt, hängt davon ab, was auf deinem Tisch landet. Von allgemein nach speziell:
13 / 18Fehler & Regeln
Typische Fehler und Lösungen
Diagnose immer über Form und Benetzung, nicht über den Glanz: Bleifreies Lot ist von Natur aus matter als bleihaltiges.
Gerissene BGA-Kugel finden
Unter einem BGA-Chip kommst du mit dem Auge nicht hin und mit der Messspitze auch nicht. Trotzdem lässt sich ein gerissener Ball mit Bordmitteln ziemlich weit eingrenzen — man muss nur wissen, wonach man sucht. Der Ausbau- und Reparaturweg steht im Tab Reballing.
Wie sich ein Riss überhaupt anfühlt
Eine Lötkugel reißt fast nie sauber durch. Sie bekommt einen Haarriss — meist an der Grenzfläche zum Pad, wo die mechanische Spannung am größten ist. Die Bruchflächen berühren sich noch, mal mehr, mal weniger. Daraus folgt das typische Fehlerbild:
Messtechnisch eingrenzen
Provozieren statt raten
Wenn passives Messen nichts zeigt, muss der Fehler reproduziert werden. Alle Verfahren zielen darauf, den Riss kontrolliert zu öffnen oder zu schließen:
| Methode | Vorgehen | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Wärmetest | Heißluft auf niedriger Temperatur (~100–130 °C, weit unter Schmelzpunkt) gezielt auf den Chip. Gerät dabei laufen lassen bzw. Signal messen | Fehler verschwindet bei Wärme → sehr starker Hinweis auf einen Riss. Fehler kommt bei Wärme → auch möglich (Riss geht durch Ausdehnung auf) |
| Kältetest | Kältespray punktuell auf einzelne Chips | Grenzt ein, welcher Chip reagiert. Sparsam einsetzen — Kondenswasser |
| Drucktest | Mit einem Kunststoffwerkzeug ganz leicht mittig auf den Chip drücken, während gemessen wird oder das Gerät läuft | Fehler ändert sich beim Drücken → mechanischer Kontaktfehler. Sehr vorsichtig: zu viel Druck macht aus einem Riss einen Totalschaden |
| Biegetest | Board minimal verwinden (nur bei ausgebautem Board, sehr behutsam) | Reproduzierbarer Aussetzer = Kontaktproblem. Nur als letztes Mittel — Biegen erzeugt neue Risse |
| Röntgen | Röntgenaufnahme des Kugelfelds | Der einzige echte Beweis ohne Ausbau. Zeigt Lunker, Brücken und fehlende Kugeln — feine Haarrisse aber nur bedingt |
| Ausbauen und ansehen | Chip abnehmen, Kugelfeld unterm Mikroskop begutachten | Die endgültige Antwort. Gerissene Kugeln sehen matt, zerklüftet oder abgeschert aus; eine offene zeigt einen sauberen, blanken Padabdruck ohne Lot |
✓ Gesunde Kugel
✗ Gerissene Kugel
Verkaufsfertig: Normen & Standards
Fürs Hobby und Reparaturen gilt nichts davon. Sobald du etwas Gelötetes aber verkaufst, greifen Regeln. Die wichtigsten zur Orientierung — für echte Zertifizierung immer den Normtext bzw. eine Prüfstelle heranziehen (das hier ist keine Rechtsberatung).
Recht & Pflicht (Verkauf in der EU)
| Norm | Worum es geht | Fürs Verkaufen |
|---|---|---|
| RoHS (2011/65/EU, RoHS 3: 2015/863) | verbietet u. a. Blei über 0,1 % in Elektronik | bleifrei löten (SAC305) — bleihaltig nur für Reparatur, Prototyp oder gelistete Ausnahmen |
| REACH (EG 1907/2006) | Beschränkung von Chemikalien (Blei ist SVHC, dazu Flussmittel-Inhaltsstoffe) | Sicherheitsdatenblätter beachten, gelistete Stoffe meiden |
| WEEE (2012/19/EU) | Rücknahme & Recycling von Elektroschrott | Registrierung + Symbol „durchgestrichene Mülltonne" aufs Produkt |
| CE-Kennzeichnung | Selbsterklärung, dass alle zutreffenden EU-Richtlinien erfüllt sind (EMV, Niederspannung, RoHS …) | Konformitätserklärung + technische Doku erstellen, dann CE-Zeichen anbringen |
Qualität & Abnahme (IPC-Standards)
| Standard | Worum | Einordnung |
|---|---|---|
| IPC-Klassen 1 / 2 / 3 | Zuverlässigkeitsklassen für Baugruppen | 1 = Consumer · 2 = Gebrauchsgüter/Industrie (üblicher Verkaufs-Standard) · 3 = lebenswichtig (Medizin, Luftfahrt, Militär) |
| IPC-A-610 | Abnahmekriterien: wie eine akzeptable Lötstelle/Baugruppe aussehen muss | die „ist es gut genug?"-Referenz — Bilder für gut/nacharbeiten/Ausschuss je Klasse |
| J-STD-001 | Anforderungen an den Lötprozess (Material, Ablauf, Qualifikation) | was beim Fertigen einzuhalten ist (Schwester zur A-610) |
| J-STD-004 | Klassifizierung von Flussmitteln (Aktivität/Halogenide, z. B. ROL0) | sagt, ob ein Flux rückstandsarm/zulässig für dein Produkt ist |
Goldene Regeln
14 / 18Sicherheit
Sicherheit und Gesundheit
Hier geht es um thermische und chemische Gefahren beim Löten. Die elektrischen Gefahren (Spannung, Kondensatoren, 230 V) stehen in Elektronik 101 → Sicherheit.
- Absaugung mit Aktivkohle oder gut lüften
- Nicht direkt über der Lötstelle atmen
- Nach dem Löten Hände waschen
- Am Arbeitsplatz nicht essen oder trinken
- Kolben immer in den Halter
- Heiße Teile nicht mit den Fingern prüfen
- Erdungsarmband und ESD-Matte bei kritischen Teilen
- ESD-Pinzetten verwenden
- Fern von der heißen Spitze halten
- Augenschutz, falls Flussmittel spritzt
- Hitzefeste Unterlage
- Kabel so legen, dass nichts hängen bleibt
15 / 18Lötstation C245/C210
Meine Lötstation im Griff
Kartuschen-System: Heizelement und Sensor sitzen in der Spitze. Die Wärme kommt nach dem Aufsetzen in Millisekunden zurück — deshalb arbeitest du hier kühler als mit einem klassischen Kolben und trotzdem schneller. Was die Bauarten unterscheidet, steht in Werkzeug-Typen.
Die zwei Griffe: wann welcher
| Kartusche | Griff | Wofür | Anteil |
|---|---|---|---|
| C245 | T245 | THT, Stiftleisten, SMD-Chips ab 0603, Drag-Soldering, Kabel, Masseflächen, Steckverbinder | ~80 % |
| C210 | T210 | 0402/0201, feine IC-Pins, Fädeldraht, Pad-Reparatur unterm Mikroskop | ~20 % |
| C115 / C105 | T115 / Nano | noch feiner — fürs Hobby praktisch nie nötig | — |
Alle Einstellungen
| Einstellung | Bereich | Standard | Wofür ändern |
|---|---|---|---|
| Arbeitstemperatur | ~90–450 °C | Preset 1 des Griffs | Nur hoch, wenn eine größere Spitze nicht reicht |
| Presets (3 pro Griff) | frei belegbar | siehe Tabelle unten | Bleihaltig / bleifrei / Masseflächen — spart Menü-Fummelei |
| Sleep / Standby | aus, ~0,5–10 min | 1–2 min, an | Nie ausschalten — größter Hebel für die Kartuschen-Lebensdauer |
| Sleep-Temperatur | ~150–200 °C | ~180 °C | Hoch genug für schnelles Aufwachen, tief genug gegen Oxidation |
| Hibernation / Abschaltung | aus, ~10–60 min | ~30 min | Vergessene Station schaltet sich ab |
| Temperatur-Offset / Kalibrierung | ±ca. 50 K | 0 | Nur nach Messung mit Spitzenthermometer anpassen |
| Einheit | °C / °F | °C | — |
| Tempern / Power-Limit | gerätespezifisch | voll | Nur wenn empfindliche Bauteile Hitzeschocks bekommen |
Temperatur-Presets: die Startwerte
| Griff | Preset | Temperatur | Wofür |
|---|---|---|---|
| T210 fein | 1 | 300 °C | bleihaltig: 0402/0201, feine IC-Pins, Fädeldraht, Pad-Reparatur |
| 2 | 330 °C | Allround: bleihaltig größere Chips, bleifrei fein | |
| 3 | 360 °C | bleifrei: mehrere Pins am Stück, kleine Masseflächen | |
| T245 allround | 1 | 330 °C | bleihaltig Standard: THT, Stiftleisten, SMD, Drag |
| 2 | 360 °C | bleifrei Standard (SAC305), Drag über lange Pinreihen | |
| 3 | 400 °C | nur kurz Masseflächen, dicke Kabel, Abschirmbleche |
Spitzenwahl in der Praxis
Die Zahl hinter dem Bindestrich codiert Form und Größe: C245-947 = Meißel 2,4 mm. Formen-Übersicht: Werkzeug-Typen.
| Aufgabe | Griff | Spitze | Preset |
|---|---|---|---|
| THT, Stiftleisten, Widerstände | T245 | Meißel 2,4 mm | 1 |
| SMD-Chips 0603–1206 | T245 | Meißel 2,4 mm oder 1,0 mm | 1 |
| Drag-Soldering QFP/TSSOP | T245 | Hufeisen / Bevel | 1–2 |
| Masseflächen, dicke Kabel, Schirmbleche | T245 | Meißel breit / Klinge | 3 (kurz) |
| 0402 / 0201, feine IC-Pins | T210 | Meißel 0,4–0,8 mm | 1 |
| Fädeldraht, Pad-Reparatur | T210 | Nadel / konisch fein | 1 |
| Entlötlitze auf BGA-Restlot | T245 | Meißel 2,4 mm (breit!) | 1–2 |
Workflows
① Session starten
② Kartusche wechseln
③ Session beenden
Werte richtig deuten
| Beobachtung | Was es bedeutet | Reaktion |
|---|---|---|
| Anzeige fällt beim Aufsetzen um 10–30 K und kommt sofort zurück | Normal — genau dafür ist das System gebaut | nichts |
| Anzeige fällt um >50 K und bleibt unten | Spitze zu klein für die Wärmemasse | größere Spitze, ggf. vorwärmen |
| Lot fließt trotz richtiger Temperatur zäh | Flussmittel verbraucht oder Oxid | Flux dazu, nicht heißer stellen |
| Lot perlt an der Spitze ab | Spitze oxidiert / Eisenschicht defekt | Tip Tinner; hilft das nicht: tauschen |
| Station heizt, Spitze bleibt kalt | Kartusche nicht kontaktiert oder Heizer defekt | neu einsetzen, andere Kartusche testen |
| Temperatur schwankt sichtbar im Leerlauf | Sensorkontakt schlecht — Kartusche sitzt locker | fest einschieben, Kontakte prüfen |
Grenzen und häufige Fehler
✓ Kann das System gut
- Schnelle Serien mit vielen Lötstellen ohne Nachheizpause
- Empfindliche Bauteile bei niedriger Temperatur
- Drag-Soldering über lange Pinreihen
- Große Masseflächen (kurz, Preset 3, breite Spitze)
✗ Kann es nicht
- Bauteile mit Pads nur unter dem Gehäuse (QFN, BGA) → Heißluft
- Ganze Platinen auf einmal → Heizplatte
- Große Wärmemassen ohne Vorwärmung dauerhaft halten
- Fehlendes Flussmittel ersetzen
16 / 18Heißluftstation
Meine Heißluftstation im Griff
Die Heißluft erwärmt alle Anschlüsse gleichzeitig. Das macht sie zum Werkzeug der Wahl für alles, was der Kolben nicht erreicht — und zum einzigen schadensfreien Weg, ein bestücktes SMD-Bauteil wieder abzuheben.
Bedienelemente
| Element | Was es tut | Wann du es anfasst |
|---|---|---|
| Temperatur-Regler | Solltemperatur der austretenden Luft | Nach Lot-Legierung und Bauteilgröße |
| Luftstrom-Regler | Volumenstrom — bestimmt den Wärmeeintrag pro Sekunde und die mechanische Kraft auf Bauteile | Bei jedem Wechsel der Bauteilgröße |
| Düse (Nozzle) | Bündelt den Luftstrom auf die Zielfläche | Passend zur Bauteilgröße wechseln |
| Ablage-Sensor / Reed-Schalter | Startet beim Abheben, kühlt beim Ablegen automatisch aus | Nie überbrücken — der Cooldown schützt das Heizelement |
| Cooldown-Anzeige | Handstück wird mit kalter Luft heruntergekühlt | Auslaufen lassen, erst dann Netzschalter aus |
Temperatur × Luftstrom — die Arbeitsmatrix
Fetter Wert = so einstellen und loslegen. Die Klammer ist der Korridor zum Nachregeln, wenn Board oder Bauteil aus der Reihe fallen. Alle Temperaturen sind Düsenwerte bei 1–2 cm Abstand.
| Aufgabe | Start bleihaltig | Start bleifrei | Luftstrom | Düse | Abstand · Zeitgefühl |
|---|---|---|---|---|---|
| Chip 0402 / 0201 setzen oder abheben | 290 °C (270–300) | 320 °C (300–330) | 20 % (15–25) | klein, 3–4 mm | 1,5–2 cm · 10–20 s |
| Chip 0603–1206, SOT, SOD | 310 °C (290–320) | 340 °C (320–350) | 30 % (25–35) | 4–6 mm | 1–2 cm · 15–25 s |
| SOIC / TSSOP / QFP | 320 °C (300–330) | 350 °C (330–360) | 35 % (30–40) | Bauteilgröße | 1–2 cm · 20–40 s |
| QFN / DFN | 320 °C (300–330) | 350 °C (330–360) | 30 % (30–40) | Bauteilgröße | 1–2 cm · 20–45 s |
| BGA aufschmelzen + Vorwärmung | 320 °C (300–330) | 350 °C (330–360) | 30 % (25–35) | groß / Chipgröße — oder ohne Düse bei 15–25 % | 2–3 cm · 30–90 s |
| BGA ausbauen + Vorwärmung | 340 °C (320–350) | 365 °C (350–380) | 30 % | groß / Chipgröße gerichtet | 2–3 cm · 30–120 s |
| Große Masseflächen, Abschirmbleche | 365 °C (350–380) | 390 °C (380–400) | 60 % (50–70) | groß | 1–2 cm · bis es nachgibt |
| Schrumpfschlauch | 120 °C (100–150) | 40 % (30–50) | Reflektor | 2–3 cm · wenige s je Stelle | |
| Kleber/Underfill weich machen | 190 °C (180–200) | 30 % | mittel | 2–3 cm · 20–60 s | |
| Harten Flux wieder lösen | 155 °C (150–160) | 35 % (30–40) | offen / mittel | 2–3 cm · 5–10 s je Stelle | |
Die Luftstrom-Stufen — was die Prozente bedeuten
| Stufe | Charakter | Wofür | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|---|
| 15–25 % · sehr sanft | Luft trägt kaum Kraft | 0201/0402, lose BGA-Kugeln, frische Lötpaste, alles was verrutschen kann | Ein Papierstreifen in 2 cm Abstand zittert nur |
| 25–40 % · Standard | Der Arbeitsbereich | Fast alle IC-Arbeiten: SOIC, QFP, QFN, BGA | Papierstreifen flattert deutlich, knickt aber nicht weg |
| 40–55 % · kräftig | Schneller Wärmeeintrag in offene Flächen | Schrumpfschlauch, Flux lösen, Vorwärmen freier Bereiche | Papierstreifen knickt weg |
| 55–80 % · stark | Maximaler Durchsatz | Nur Masseflächen und Abschirmbleche — bläst alles Kleine davon | Deutlich hörbar, Kleinteile in der Umgebung bewegen sich |
Düsenwahl
| Düse | Wirkung | Einsatz |
|---|---|---|
| Rund, klein (3–5 mm) | Punktuell, hohe Strömungsgeschwindigkeit | Einzelne kleine Chips, gezielte Stellen |
| Rund, mittel (6–10 mm) | Der Allrounder | SOIC, QFP, mittlere Bauteile |
| Rund, groß (>10 mm) | Flächig, sanfter | BGA, große ICs, Masseflächen |
| Ohne Düse (offen) | Breit, ungerichtet, sehr sanft — kaum mechanische Kraft auf das Bauteil | BGA einlöten (Self-Alignment, 15–25 % Luft) · Vorwärmen kleiner Bereiche · Flux lösen |
| Reflektor / gebogen | Lenkt die Luft um das Bauteil | Schrumpfschlauch, empfindliche Nachbarn |
Workflows
① SMD-Bauteil abheben
② SMD-Bauteil setzen
③ Schrumpfschlauch
Fehlerbilder
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kleinteile fliegen weg | Luftstrom zu hoch | Luft runter, Düse größer, Kapton drumherum |
| Bauteil lässt sich nicht lösen, Board wird trotzdem heiß | Wärme fließt in die Massefläche ab | Vorwärmen von unten — nicht oben mehr Grad geben |
| Platinen-Beschriftung wird braun, Lot bleibt fest | Punktuell zu heiß, zu lange auf einer Stelle | Kreisen, Abstand vergrößern, Düse größer |
| Kunststoffteile verformen sich | Keine Abdeckung, zu breiter Strahl | Kapton/Alufolie, kleinere Düse |
| Lötstellen matt und körnig nach dem Abkühlen | Beim Erstarren bewegt oder angepustet | Ruhig auskühlen lassen |
| Handstück heizt nicht mehr | Heizwendel oder Reed-Schalter defekt | Ablage-Sensor prüfen, Handstück tauschen |
| Pads lösen sich vom Board | Zu lange zu heiß — Kleber unter dem Pad gibt auf | Kürzer, mit Vorwärmung, niedrigere Temperatur |
Grenzen
✓ Dafür ist sie da
- QFN, QFP, BGA — Pads unter dem Gehäuse
- Multipin-Bauteile schadenfrei abheben
- Rework, ohne Nachbarn auszulöten
- Schrumpfschlauch, Kleber, harter Flux
✗ Falsches Werkzeug
- Einzelne THT-Pins — dafür der Kolben
- Dicke Kabel und große Masseflächen ohne Vorwärmung
- Ganze Platinen bestücken → Heizplatte
- Alles, was neben Elkos und Kunststoff liegt, ohne Abdeckung
17 / 18Heizplatte / Vorwärmer
Meine Heizplatte im Griff
Die Platte bringt Wärme flächig von unten ein. Damit löst sie das Grundproblem jeder Rework-Arbeit: Ein kaltes Board saugt die Wärme aus der Lötstelle weg, und man hält mit immer mehr Hitze von oben dagegen — bis Pads, Kleber und Nachbarn leiden.
Bedienelemente
| Element | Was es tut | Hinweis |
|---|---|---|
| Solltemperatur | Zieltemperatur der Plattenoberfläche | Die Platine wird immer kühler als die Platte — Differenz je nach Kontakt und Boardmasse |
| Profil-Steuerung falls vorhanden | Fährt Vorheizen → Soak → Peak → Abkühlen automatisch | Nur so gut wie das hinterlegte Profil — Lotdatenblatt schlägt Werksvorgabe |
| Externes Thermoelement | Misst dort, wo es zählt: direkt neben dem Bauteil | Der wichtigste Zusatz. Ohne ihn rätst du die Boardtemperatur |
| Timer / Halte-Zeit | Begrenzt die Zeit auf Temperatur | Gesamtzeit über 150 °C im Minutenbereich halten, nicht Viertelstunde |
Betriebsart A · Vorwärmen (der Normalfall)
| Situation | Platte | Halten | Warum genau so |
|---|---|---|---|
| Kleine Tochterplatine, wenig Kupfer | 100–130 °C | 1–2 min | Bricht das Temperaturdelta, ohne Kleber und Folien zu belasten |
| Handy-Mainboard mit Underfill | 150–180 °C (kurz bis ~200 °C) | 2–3 min | Underfill wird erst hier zäh-weich |
| Laptop-Mainboard | 130–160 °C | 2–4 min | Große Kupferlagen brauchen Zeit, bis die Wärme durch ist |
| Konsolen-Mainboard | 150–180 °C | 3–5 min | Sehr hohe Wärmemasse — sonst wird die Chipmitte nie flüssig |
| Einzelner Chip im Reball-Jig | ohne oder 80–120 °C | — | Der Chip allein hat kaum Masse |
Platte-Soll ist nicht Board-Ist
Die Platte regelt ihre Oberfläche. Was im Board ankommt, ist immer weniger — abhängig von Masse, Kupferlagen und wie plan das Board aufliegt. Deshalb stellt man die Platte höher ein als die gewünschte Boardtemperatur.
| Board | Board-Ziel | Platte einstellen | Differenz | Bis der Wert steht |
|---|---|---|---|---|
| Kleine Platine, wenig Kupfer | 100–110 °C | 120 °C | ~10–20 K | 1–2 min |
| Handy-Mainboard | 130–150 °C | 160–170 °C | ~20–30 K | 2–3 min |
| Handy-Board mit Underfill | 150–170 °C | 170–190 °C | ~20–30 K | 3–4 min |
| Laptop-Mainboard | 120–140 °C | 150–170 °C | ~30–40 K | 3–5 min |
| Konsolen-Mainboard, dicke Massefläche | 140–160 °C | 170–200 °C | ~30–50 K | 4–6 min |
| Einzelner Chip im Reball-Jig | 80–100 °C | 90–120 °C | ~10 K | unter 1 min |
Was die Vorwärmung oben spart
Das ist der eigentliche Sinn der Platte: Je wärmer das Board schon ist, desto weniger muss die Heißluft leisten — und desto weniger leiden Pads, Kleber und Nachbarn.
| Board-Temperatur | Heißluft bleihaltig | Heißluft bleifrei | Luftstrom | Folge |
|---|---|---|---|---|
| kalt (~25 °C) | 350–380 °C | 370–400 °C | 40–50 % | Pads reißen, Lack wird braun, Kleber gibt auf — der Zustand, den man vermeiden will |
| 100 °C | 330–350 °C | 350–370 °C | 35–40 % | Schon spürbar entspannter, reicht für kleine Boards |
| 150 °C | 300–330 °C | 330–360 °C | 30 % | Der Arbeitspunkt — Matrix-Werte im Tab Heißluftstation gehen von hier aus |
| 170–180 °C | 290–310 °C | 320–340 °C | 25–30 % | BGA und große Chips lösen sich gleichmäßig statt von den Rändern her |
Was wie viel Vorwärmung verträgt
| Was auf dem Board sitzt | Unkritisch bis | Kritisch ab | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Platinenmaterial FR-4 | ~200 °C | 250 °C (Delamination) | Beim Vorwärmen kein Thema — Grenze setzt das Lot |
| Lot bleihaltig / bleifrei | 175 °C / 205 °C | 183 °C / 217 °C = Schmelzpunkt | Die harte Obergrenze. Darüber lösen sich Nachbarbauteile |
| Kleber, Underfill | — | wird ab ~150 °C weich | Genau erwünscht beim BGA-Ausbau — sonst Vorsicht bei geklebten Teilen |
| Elkos | ~105 °C dauerhaft | über 125 °C, minutenlang | Zeit kurz halten oder Elkos vorher auslöten |
| Kunststoffstecker, Halterahmen | ~120 °C | ab ~140 °C verformt es sich | Vorher abziehen — geht fast immer |
| Display, OCA-Kleber, Folienkabel | ~80 °C | ab ~100 °C irreversibel | Komplett entfernen, nicht abdecken |
| Akku / Zelle | — | ab ~60 °C gefährlich | Immer raus. Keine Ausnahme, kein „nur kurz" |
| Kapton-Tape | ~250 °C | — | Das richtige Abdeckmaterial für alles, was bleiben muss |
Betriebsart B · Reflow (ganze Platine)
Ein Reflow-Profil hat vier Phasen. Jede hat eine Aufgabe — deshalb funktioniert „einfach auf Peak heizen" nicht zuverlässig.
| Phase | Bereich | Dauer | Was dort passiert |
|---|---|---|---|
| 1 · Vorheizen (Ramp) | 25 → 150 °C | 60–90 s | Lösungsmittel dampfen aus der Paste ab. Zu schnell = Spritzer und Lotperlen |
| 2 · Soak | 150–180 °C | 60–120 s | Alles gleicht sich an, Flussmittel wird aktiv und räumt Oxide weg |
| 3 · Reflow (Peak) | bleihaltig 205–215 °C bleifrei 240–250 °C | 30–60 s über Schmelzpunkt | Lot wird flüssig, Bauteile ziehen sich mittig (Self-Alignment) |
| 4 · Abkühlen | Peak → < 100 °C | langsam | Schockkühlen macht Lötstellen spröde und verzieht das Board |
Workflows
① Vorwärmen für Rework
② Reflow einer bestückten Platine
Was schiefgeht
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Board verzieht sich (Warpage) | Zu schnelle Rampe oder einseitige Wärme | Langsamer aufheizen, Soak einhalten |
| Chip in der Mitte wird nicht flüssig, Rand schon | Kein Vollkontakt, Wärme fließt seitlich weg | Board plan auflegen, mittig positionieren, länger halten |
| Lotperlen und Spritzer rund um Bauteile | Rampe zu steil — Lösungsmittel kocht | Phase 1 verlängern |
| Tombstoning (Chip stellt sich auf) | Pads ungleich erwärmt oder ungleiche Pastenmenge | Gleichmäßiger auftragen, Soak verlängern |
| Matte, körnige Lötstellen | Board beim Erstarren bewegt oder zu schnell gekühlt | Ruhig abkühlen lassen |
| Elkos zischen / wölben sich | Zu lange über Temperatur | Gesamtzeit kürzen, empfindliche Teile später von Hand |
Grenzen
✓ Dafür ist sie da
- Einseitige SMD-Bestückung komplett
- Vorwärmen für Heißluft- und BGA-Arbeit
- Gleichmäßige Wärme über große Flächen
- Kleinserien reproduzierbar
✗ Nicht dafür
- Doppelseitig bestückte Boards (untere Seite fällt ab)
- Einzelne Korrekturen — dafür Kolben oder Heißluft
- Boards mit Kunststoff, Akku oder Displays dran
- Ersatz für eine saubere Pastenmenge
18 / 18Mikroskop
Stereo-Mikroskop für Micro-Soldering
Was in einem typischen Trinokular-Stereomikroskop-Set steckt und was du davon fürs Löten wirklich brauchst.
Optik: Okular, Objektiv, Vergrößerung
Drei Dinge bestimmen das Bild. Gesamtvergrößerung = Okular × Zoom-Knopf × Vorsatz-Objektiv (der Zoom-Körper läuft typisch von 0,7× bis 4,5×). WD = Working Distance = der Platz zwischen Linse und Platine, in dem du arbeitest.
| Teil | Variante | Kennwert | Fürs Löten |
|---|---|---|---|
| Okular da schaust du rein | WF10X | 10-fach, großes Sichtfeld | Standard — immer diese |
| WF20X | 20-fach, kleines Sichtfeld | selten: verliert Übersicht und Augenabstand | |
| Vorsatz-Objektiv schraubt unten dran | 0.5X | WD 165 mm | ideal — viel Platz für Kolben und Hände |
| 0.7X | WD 120 mm | okay, wenn mehr Detail nötig ist; Abstand wird knapper | |
| 2.0X | WD 30 mm | ungeeignet — kein Platz für den Lötkolben darunter | |
| Kombination was am Ende rauskommt | WF10X + 0.5X | 3,5× – 22,5× | Der Löt-Sweetspot — vom Kabel bis 0402 und QFN |
| WF10X + 0.7X | 4,9× – 31,5× | feinste Inspektion, Abstand nur noch 120 mm | |
| WF10X ohne Vorsatz | 7× – 45× | reine Inspektion — zu wenig Platz zum Arbeiten |
Zubehör
| Teil | Funktion | Fürs Löten |
|---|---|---|
| Protection Glass | klare Schutzscheibe ganz unten — fängt Flussmittelspritzer und Lötrauch ab | immer benutzen, schützt die teure Objektivlinse |
| LED-Ringlicht | Ringbeleuchtung, schiebt sich unten aufs Objektiv | notwendig — ohne Licht kein sauberes Bild |
| Silikon-Matte (25×35 cm) | hitzebeständige Unterlage, magnetisch für Schrauben | praktisch, kein Muss |
| Gelenkarm + Tischklemme | Halterung des Mikroskops | Basis-Aufbau |
Kamera-Adapter (nur bei Monitor-Betrieb)
Diese drei brauchst du nur, wenn eine Kamera an den dritten Tubus (Trinokular-Ausgang oben) soll, um das Bild auf einen Monitor zu übertragen. Fürs Löten durch die Okulare komplett irrelevant.
- 1x Adapter Lens — Grundadapter für die Kamera
- 1/2 Adapter Reduce Lens — reduziert das Bild auf 1/2-Zoll-Sensoren
- SZM CTV1/2 — Anschlussstück für die C-Mount-Kamera
Aufbau-Reihenfolge fürs Löten
Arbeiten unterm Mikroskop: Praxis-Tipps
Einstellungen — einmal richtig, dann nie wieder
| Einstellung | Wie | Woran du merkst, dass es stimmt |
|---|---|---|
| Augenabstand (IPD) | Tuben auseinander-/zusammenschieben | Aus zwei Kreisen wird ein runder Kreis, ohne Anstrengung |
| Dioptrien-Ausgleich | Auf mittleren Zoom stellen, mit dem festen Okular scharfstellen, dann nur mit dem Dioptrien-Ring das andere Auge nachziehen | Beide Augen sehen gleich scharf, Bild bleibt beim Zoomen scharf (parfokal) |
| Zoom (0,7–4,5×) | Drehknopf am Körper | Arbeiten unten, Prüfen oben |
| Arbeitshöhe | Gelenkarm, Board ca. 165 mm unter dem Objektiv (mit 0.5×) | Kolben passt aufrecht darunter, Handballen liegen auf |
| Ringlicht-Helligkeit | Regler am Netzteil | Lot glänzt, ohne zu spiegeln — bei zu viel Licht verschwinden Kanten |
| Ringlicht-Segmente falls schaltbar | Einzelne Quadranten abschalten | Schräges Licht macht Lötstellen-Kehlen und Risse überhaupt erst sichtbar |
Häufige Probleme
| Symptom | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kopfschmerzen nach kurzer Zeit | Augenabstand oder Dioptrien nicht eingestellt | Beides einmal sauber machen (Tabelle oben) |
| Doppelbild | Tuben-Abstand falsch | IPD nachjustieren |
| Bild wird beim Zoomen unscharf | Dioptrien-Abgleich fehlt | Bei mittlerem Zoom neu abgleichen |
| Milchiges, kontrastarmes Bild | Flussmittelfilm auf dem Protection Glass | Mit IPA und fusselfreiem Tuch reinigen |
| Kein Platz für den Kolben | Objektiv mit zu kurzem Arbeitsabstand | 0.5×-Vorsatz montieren (WD 165 mm) |
| Man verliert die Stelle beim Zoomen | Board nicht zentriert | Erst niedrig zoomen, Stelle mittig legen, dann hochzoomen |
Begriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| WD (Working Distance) | Abstand zwischen Objektivlinse und Werkstück — der Platz, in dem du arbeitest |
| WF (Wide Field) | Weitfeld-Okular mit großem Sichtfeld |
| Trinokular | Mikroskop mit drittem Tubus oben für den Kamera-Anschluss |
| C-Mount | Standard-Gewinde für Mikroskop-Kameras |
| Parfokal | bleibt beim Zoomen scharf — einmal fokussieren reicht |