Der ganze Maschinenbau-Unterbau in einem Modul: Statik, Festigkeit und Dynamik, die Maschinenelemente von der Schraube bis zur Kupplung, Werkstoffe mit Kennwerten und Tabellen — und die Konstruktionspraxis von der Zeichnung über Toleranzen bis zum 3D-Druck.
01 / 22Start & Landkarte
Dieses Modul ist der komplette Maschinenbau-Unterbau in 22 Abschnitten. Vier Gruppen bauen aufeinander auf: erst die Mechanik als Rechenverfahren, dann die Maschinenelemente als Bauteile, darunter die Werkstoffe mit ihren Kennwerten — und zuletzt die Konstruktionspraxis, die aus alldem eine fertigbare Zeichnung macht.
Alle Abschnitte liegen auf dieser Seite. Rechner gibt es zu Biegung und Knickung, Schraubenvorspannung, Lagerlebensdauer, Wärmedehnung, Passungen und Zerspanung; die großen Nachschlagetabellen zu Drehmoment und Kernloch stehen unter Schrauben & Gewinde, die Werkstoffkennwerte unter Werkstoffwahl & Tabellen.
Die Grundregel der Konstruktion: Erst nachsehen, ob es das Element genormt und kaufbar gibt. Ein Rillenkugellager 6000 kostet zwei Euro und hält Jahrzehnte; eine selbstgebaute Gleitlagerung ist in einer Stunde konstruiert und in einem Monat ausgeschlagen. Eigenkonstruktion lohnt erst, wenn das Katalogteil nachweislich nicht passt.
Herbert Wittel, Dieter Jannasch u. a., Roloff/Matek Maschinenelemente mit Tabellenbuch, Springer Vieweg — die Standardreferenz im deutschsprachigen Raum.
Gerhard Niemann, Hans Winter, Bernd-Robert Höhn, Maschinenelemente Band 1–3, Springer — das ausführliche Werk, besonders für Zahnräder.
Michael F. Ashby, Materials Selection in Mechanical Design, Butterworth-Heinemann — Systematik der Werkstoffauswahl.
Statik ist Buchhaltung mit Pfeilen. Ein Körper in Ruhe erfüllt ΣF = 0 und ΣM = 0 — daraus folgt jede Lagerkraft. Die Schnittgrößen sagen anschließend, wo im Bauteil die Belastung sitzt: dort, wo das Biegemoment am größten ist, versagt es.
Freikörperbild und Gleichgewicht
Das Freikörperbild ist der Schritt, an dem sich entscheidet, ob die Rechnung stimmt: Bauteil gedanklich freischneiden, jede entfernte Verbindung durch ihre Kräfte ersetzen.
Freischneiden
Ein geschlossener Schnitt um genau das Bauteil, das interessiert. Alles außerhalb verschwindet.
Äußere Kräfte eintragen
Betriebslast, Eigengewicht im Schwerpunkt, Vorspannkräfte — Richtung und Angriffspunkt zählen.
Lager durch Reaktionen ersetzen
Jedes Lager gibt genau die Kräfte ab, die es sperrt: Loslager 1, Festlager 2, Einspannung 3 (in der Ebene).
Koordinatensystem festlegen
Richtungen einmal definieren, konsequent mit Vorzeichen rechnen. Negativ heißt nur: der Pfeil zeigt andersherum.
Gleichgewicht auflösen
Momentenbezugspunkt so wählen, dass möglichst viele Unbekannte herausfallen.
ΣF_x = 0 ΣF_y = 0 ΣM_A = 0 M = F · r_⊥In der Ebene drei Gleichungen, also maximal drei Unbekannte; im Raum sechs. Ein Moment ist Kraft mal senkrechtem Abstand zur Wirklinie — der häufigste Fehler ist die schräge Strecke statt des Lotes.
Lagerarten und was sie sperren
Lager
Reaktionen (eben)
Typisch als
Loslager
1 (senkrecht zur Bahn)
Rillenkugellager mit Schiebesitz, Gleitschuh, Rolle
Lagerreaktionen = Gleichgewichtsbedingungen; Kräfte folgen allein aus dem Gleichgewicht
Träger auf zwei Stützen (Fest + Los), Kragarm
Von Hand rechenbar, unempfindlich gegen Toleranzen und Temperatur
Statisch überbestimmt
Mehr Lager als nötig — die Lastverteilung hängt von Steifigkeiten, Toleranzen und Temperatur ab
Welle in drei Lagern, Platte auf vier Füßen, beidseitige Einspannung
Braucht Verformungsbedingungen oder FEM
Faustregel für die Lagerwahl: ein Festlager, alle weiteren als Loslager. Zwei Festlager auf einer Welle verspannen sich bei jeder Temperaturänderung — konstruktiv gelöst wird das unter Lager & Führungen.
Die drei Schnittgrößen
Normalkraft N
Längs zur Stabachse, Zug oder Druck. Gleichmäßige Spannung σ = N/A über den Querschnitt.
Querkraft Q
Quer zur Achse, erzeugt Schub. Bei schlanken Trägern meist unkritisch, bei kurzen Teilen und Bolzen entscheidend.
Biegemoment M
Zug auf der einen, Druck auf der anderen Seite. Fast immer die maßgebende Größe.
q(x) = −dQ/dx Q(x) = dM/dxWo Q durch null geht, hat M ein Extremum — dort liegt die kritische Stelle. Einzellast: Sprung in Q, Knick in M. Gleichlast: Q linear, M parabelförmig.
Standardfälle zum Nachschlagen
F ist die Gesamtlast in N, L die Stützweite in mm, E·I die Biegesteifigkeit — damit deckt die Tabelle den Alltag ohne Integrieren ab.
Lastfall
M_max
Ort von M_max
Durchbiegung f_max
Lagerkräfte
Kragarm, Einzellast am Ende
F · L
an der Einspannung
F·L³ / (3·E·I)
A = F, M_A = F·L
Kragarm, Gleichlast
F · L / 2
an der Einspannung
F·L³ / (8·E·I)
A = F, M_A = F·L/2
Zwei Stützen, Last mittig
F · L / 4
in der Mitte
F·L³ / (48·E·I)
A = B = F/2
Zwei Stützen, Gleichlast
F · L / 8
in der Mitte
5·F·L³ / (384·E·I)
A = B = F/2
Zwei Stützen, Last bei a / b
F·a·b / L
am Lastangriff
≈ F·a²·b² / (3·E·I·L)
A = F·b/L, B = F·a/L
Beidseitig eingespannt, Gleichlast
F · L / 12
an den Einspannungen
F·L³ / (384·E·I)
A = B = F/2
Zwei Zahlen für den Kopf: Ein Kragarm biegt sich unter gleicher Last 16-mal so stark durch wie ein Träger auf zwei Stützen (L³/3 gegen L³/48) und trägt das vierfache Biegemoment. Zweiseitig lagern statt auskragen ist die billigste Steifigkeit, die es gibt. Zahlen einsetzen: Rechner unter Biegung, Torsion & Knicken.
Schwerpunkt und Standsicherheit
x_s = Σ(m_i · x_i) / Σm_iBohrungen und Ausschnitte gehen mit negativer Masse ein. Ein Körper kippt, sobald die Wirklinie der Gewichtskraft die Standfläche verlässt.
Schwere Bauteile nach unten, breite Basis — und bei beweglichen Achsen den wandernden Schwerpunkt mitdenken: ein Roboterarm ist ausgefahren kritisch, nicht eingefahren.
Superposition nutzen: mehrere Lastfälle einzeln rechnen und addieren — im linearen Bereich immer erlaubt. Gleichlast durch Einzellast in der Mitte ersetzen liefert eine sichere obere Schranke (Faktor 2 beim Moment).
Einspannung kritisch prüfen: zwei kurze Schrauben sind eher ein Gelenk als eine Einspannung. Im Zweifel beide Grenzfälle rechnen und den schlechteren nehmen.
Der teuerste Anfängerfehler: das Eigengewicht vergessen. Ein 2-m-Aluprofil 40×40 wiegt rund 3 kg — bei 5 kg Nutzlast über ein Drittel obendrauf, und es greift in der Mitte an, wo das Biegemoment am größten ist.
Quellen zu diesem Abschnitt
Gross/Hauger/Schröder/Wall, Technische Mechanik 1: Statik und 2: Elastostatik, Springer Vieweg — Freikörperbild, Lagerreaktionen, Schnittgrößen, Standardfälle der Balkenbiegung.
Roloff/Matek, Maschinenelemente — Tabellenbuch, Springer Vieweg — Tafeln zu Biegelinien und Lagerkräften für weitere Lastfälle.
MIT OCW 2.001 — Gleichgewicht und statische Bestimmtheit.
03 / 22Spannung & Festigkeit
Spannung ist Kraft pro Fläche, Dehnung ist relative Längenänderung — elastisch sind beide proportional (E-Modul). Und: Bauteile brechen fast nie dort, wo die Spannung im Mittel am höchsten ist, sondern an der schärfsten Kerbe. Ein Radius von zwei Millimetern ist oft wirksamer als ein besserer Werkstoff.
Die Grundgleichungen
GrößeFormelAnmerkung
Spannungσ = F / A1 N/mm² = 1 MPa; in N und mm rechnen
Dehnung / Hookeε = ΔL / L σ = E · εgilt im elastischen Bereich
Längenänderung ZugstabΔL = F·L / (E·A)E·A/L ist die Steifigkeit in N/mm — wie eine Federrate
SchubmodulG = E / (2·(1 + ν))Stahl: G ≈ 81 000 N/mm² bei E = 210 000
Steifigkeit ist nicht Festigkeit: Manche Aluminiumlegierung erreicht die Streckgrenze von Baustahl — aber der E-Modul ist mit 70 000 gegen 210 000 N/mm² nur ein Drittel. Ein Aluteil gleicher Geometrie biegt sich dreimal so stark durch; dagegen hilft nur mehr Querschnitt oder eine bessere Form.
Das Spannungs-Dehnungs-Diagramm
Elastischer Bereich — Gerade mit Steigung E; nach Entlastung ist das Teil wie vorher. Hier findet jede normale Auslegung statt.
R_p0,2 (Streckgrenze) — 0,2 % bleibende Dehnung. Die Grenze, gegen die man rechnet.
R_m (Zugfestigkeit) — der Höchstwert; als Auslegungsgrenze ungeeignet, das Teil ist längst unbrauchbar verformt.
Bruchdehnung A — Maß für Zähigkeit: über 10 % kündigt sich Versagen an, unter 5 % bricht es schlagartig.
Sicherheitsfaktor
σ_zul = R_p0,2 / SGegen die Streckgrenze rechnen, nicht gegen die Zugfestigkeit — außer bei spröden Werkstoffen ohne Streckgrenze (Grauguss, Keramik).
Situation
S
Begründung
Statisch, bekanntes Material und Last
1,5 – 2
Deckt Werkstoffstreuung und Toleranzen ab
Schwellend oder wechselnd belastet
2 – 3
Dauerfestigkeit liegt deutlich unter der statischen Grenze
σ_max = K_t · σ_nennDie Kerbformzahl K_t hängt nur von der Geometrie ab, nicht vom Werkstoff.
Kerbe
K_t (Richtwert)
Anmerkung
Querbohrung im Zugstab
2 – 3
K_t ≈ 3 für ein kleines Loch in einer breiten Platte
Wellenabsatz, gut ausgerundet (r/d ≈ 0,2)
1,2 – 1,5
So sollte es aussehen
Wellenabsatz, scharfkantig (r/d < 0,02)
2,5 – 4
Vermeidbar — kostet nur einen Radius
Passfedernut
2 – 3
Bei hoch belasteten Wellen Polygon oder Presssitz
Gewindegrund
3 – 5
Deshalb brechen Schrauben im ersten tragenden Gang
Scharfe Innenecke (r → 0)
theoretisch unendlich
Die Sollbruchstelle schlechthin
Die billigste Festigkeitsmaßnahme ist der Ausrundungsradius: von scharfkantig auf r = 0,1 · d halbiert die Spannungsspitze meist. Beim Fräsen entsteht er ohnehin durch den Werkzeugdurchmesser. Beim FDM-Druck ist eine scharfe Innenecke zusätzlich eine Schichtgrenze unter Zug — doppelt kritisch.
Vergleichsspannung
Gestaltänderungsenergie (von Mises)
σ_v = √(σ² + 3·τ²) — für zähe Werkstoffe: Stahl, Aluminium, technische Kunststoffe. Das ist die „von Mises stress“, die jede FEM-Software standardmäßig ausgibt.
Normalspannungshypothese
σ_v = σ_max (größte Hauptspannung) — für spröde Werkstoffe: Grauguss, Keramik, Glas, gehärteter Stahl. Sie versagen durch Trennbruch senkrecht zur größten Zugspannung.
Dauerfestigkeit: Versagen ohne Überlast
Eine statisch unkritische Last bricht ein Bauteil nach Millionen Wiederholungen: Der Riss startet an einer Kerbe, wächst je Lastwechsel und reißt zuletzt den Restquerschnitt durch. Die Bruchfläche zeigt es — glatter Bereich mit Rastlinien neben rauem Restbruch.
Bereich
Lastwechsel N
Verhalten
Statisch
< 10³
Es zählt die Streckgrenze
Zeitfestigkeit
10³ – 10⁶ … 10⁷
Ertragbare Spannung fällt in der Wöhlerkurve stetig ab
Dauerfestigkeit
> 10⁶ … 10⁷
Stahl erreicht eine Grenze, unterhalb derer er beliebig oft hält
Wechselfestigkeit der polierten Probe (bezogen auf R_m): Zug/Druck ≈ 0,40 · R_m, Biegung ≈ 0,45 · R_m, Torsion ≈ 0,30 · R_m. Am realen Bauteil kommen Abminderungen für Kerben, Größe und Oberfläche dazu — vollständiger Nachweis nach DIN 743 (Wellen) bzw. FKM-Richtlinie.
Oberfläche: poliert 1,0 · geschliffen ≈ 0,9 · gedreht ≈ 0,8 · geschruppt/gegossen ≤ 0,6. Eine Drehriefe quer zur Zugrichtung ist eine Mikrokerbe.
Druckeigenspannung hilft: Kugelstrahlen oder Festwalzen steigert die Dauerfestigkeit um 20–50 % — deshalb werden Federn und Zahnräder gestrahlt (siehe Wärme- & Oberflächenbehandlung).
Aluminium hat keine echte Dauerfestigkeitsgrenze. Die Wöhlerkurve fällt immer weiter — man legt auf eine Zielzyklenzahl aus (üblich 5 · 10⁸) und begrenzt die Lebensdauer bewusst. Deshalb haben Aluflugzeuge feste Austauschintervalle und Stahlbrücken nicht.
Flächenpressung — der vergessene Nachweis
Neben der Spannung im Bauteil zählt die Pressung in der Kontaktfläche p = F / A_proj: Sie entscheidet, ob sich ein Schraubenkopf eingräbt oder eine Passfedernut nachgibt.
Paarung
p_zul
Anmerkung
Stahl auf Stahl, ruhend
ca. 0,9 · R_p0,2
Bei S235 rund 210 N/mm²
Stahl auf Aluminium
60 – 120 N/mm²
Meist der begrenzende Partner
Bolzen in Kunststoff (PA, POM)
10 – 30 N/mm²
Kriecht unter Dauerlast — konservativ ansetzen
Schraubenkopf auf FDM-Druckteil
10 – 20 N/mm²
Große Unterlegscheibe ist kein Luxus
Deshalb die Unterlegscheibe: Ein M5-Zylinderkopf hat rund 30 mm² Auflagefläche — mit 5 kN Vorspannung über 160 N/mm², genug, um sich in Aluminium und erst recht in ein Druckteil einzugraben. Eine Scheibe mit 15 mm Außendurchmesser bringt rund 150 mm² und damit nur noch gut 30 N/mm².
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO 6892-1 — Zugversuch bei Raumtemperatur: definiert R_p0,2, R_m und Bruchdehnung A.
Biegung, Torsion und Knicken sind die drei Belastungen, bei denen die Form mehr ausmacht als das Material. Beim Biegen und Verdrehen arbeitet nur das Material weit außen — deshalb sind Rohre und I-Profile so effizient. Und ein schlanker Druckstab knickt schlagartig, lange bevor die Druckspannung kritisch wird.
Biegung: die zwei Größen
Flächenträgheitsmoment I [mm⁴]
Bestimmt die Steifigkeit: je größer I, desto weniger Durchbiegung. Geht als E·I in jede Durchbiegungsformel ein.
Widerstandsmoment W [mm³]
Bestimmt die Festigkeit: σ_b = M / W. Für symmetrische Querschnitte W = I / e (Randfaserabstand e). Wer nur eines prüft, hat die halbe Auslegung gemacht.
Querschnitt
Fläche A
I
W
Rechteck (b × h)
b · h
b · h³ / 12
b · h² / 6
Kreis (Ø d)
π·d² / 4
π·d⁴ / 64
π·d³ / 32
Rohr (D / d)
π·(D²−d²) / 4
π·(D⁴−d⁴) / 64
2·I / D
Quadratrohr (a, Wand t)
a² − (a−2t)²
(a⁴ − (a−2t)⁴) / 12
2·I / a
Dreieck (b, h, Schwerachse)
b·h / 2
b · h³ / 36
b · h² / 24
Zusammengesetzte Querschnitte rechnet der Satz von Steiner: I_ges = Σ (I_i + A_i · a_i²) — der Steiner-Anteil A·a² dominiert fast immer. Bei einem I-Profil steckt über 90 % des I im Steiner-Anteil der Flansche: „Material nach außen“ ist genau dieser Term.
Balken: Querschnittswerte, Biegespannung und Durchbiegung
Form schlägt Masse
Beim Rechteck geht die Höhe in der dritten Potenz ein, die Breite nur linear. Ein Brett 20 × 100 mm hochkant statt flach:
25×
Flächenträgheitsmoment I
5×
Widerstandsmoment W
1×
Material und Gewicht
Rohr statt Vollstab: Ein Rohr 30 × 2 mm wiegt ein Viertel eines Vollstabs Ø30, behält aber rund 43 % von dessen I — pro Gewicht deutlich überlegen.
Zu weich? Höher bauen, Rippen anbringen oder auf ein geschlossenes Profil wechseln — in dieser Reihenfolge. Mehr Material in der Mitte bringt fast nichts; bei Druckteilen schlägt eine 3-mm-Rippe das Verdoppeln der Wandstärke.
Durchbiegung: meist das eigentliche Kriterium
Ein Bauteil hält oft mühelos und ist trotzdem unbrauchbar, weil es sich zu stark verformt. Übliche Grenzwerte:
Anwendung
zulässige Durchbiegung
Maschinenrahmen, Werkzeugmaschine
L / 1000 und feiner
Führungen, 3D-Drucker-Portal, CNC-Achse
L / 500 … L / 1000
Allgemeiner Maschinenbau
L / 300
Regale, Konsolen, Gehäuse
L / 200 … L / 300
Rein optisch, ohne Funktion
L / 100
Die Länge ist der Hebel, nicht die Last. Die Durchbiegung wächst mit L³ — ein 20 % längerer Ausleger biegt sich 73 % mehr durch. Bevor man ein dickeres Profil kauft: Spannweite kürzen oder Zwischenabstützung prüfen.
Torsion
τ_t = T / W_t φ = T · L / (G · I_p)T Torsionsmoment [Nmm], W_t polares Widerstandsmoment, I_p polares Flächenträgheitsmoment, G Schubmodul (Stahl ≈ 81 000 N/mm²).
Querschnitt
I_p
W_t
Anmerkung
Vollkreis Ø d
π·d⁴ / 32
π·d³ / 16
Der Standardfall für Wellen
Kreisring D / d
π·(D⁴−d⁴) / 32
2·I_p / D
Die effizienteste Torsionsform: Rohr 30×5 statt Vollwelle Ø30 = 56 % Gewicht bei 80 % Tragfähigkeit und Steifigkeit
Geschlossenes Rechteckrohr
—
2·A_m·t (Bredt)
A_m = von der Profilmittellinie umschlossene Fläche
Offenes Profil (U, L, geschlitztes Rohr)
—
≈ Σ(b·t²)/3
Um Größenordnungen weicher
Offen gegen geschlossen ist der drastischste Effekt der ganzen Festigkeitslehre. Ein längs aufgeschlitztes Rundrohr verliert über 99 % seiner Torsionssteifigkeit (die Biegesteifigkeit bleibt fast erhalten). Verwindungssteife Gehäuse brauchen geschlossene Kästen — offene Winkel und U-Profile helfen dort nicht.
Biegung + Torsion gleichzeitig (Welle mit Riemenscheibe): Vergleichsspannung σ_v = √(σ_b² + 3·(α₀·τ_t)²) mit α₀ ≈ 0,7 bei ruhender Torsion und wechselnder Biegung. Vollständiger Nachweis rotierender Wellen: DIN 743.
Verdrehwinkel als Kriterium: Präzisionsantrieb ≤ 0,25°/m, allgemeiner Maschinenbau 0,25–0,5°/m, unkritisch bis 1°/m. Die Verdrehung geht direkt in den Positionsfehler ein.
Torsionsschwinger: lange weiche Welle plus schwere Masse — Erregerfrequenzen prüfen, siehe Schwingungen.
Knicken: die Eulersche Knicklast
F_krit = π² · E · I / L_k² L_k = β · LEs zählt das kleinste I des Querschnitts — der Stab knickt immer um die weichste Achse. Sicherheitsfaktor 3–5, denn Knicken kommt ohne Vorwarnung.
Eulerfall
Lagerung
β
Knicklast relativ
Typisch
1
eingespannt / frei
2,0
0,25×
Freistehende Säule, ausgefahrener Zylinder
2
beidseitig gelenkig
1,0
1×
Pendelstütze, Schubstange — der Referenzfall
3
eingespannt / gelenkig
0,699
2,05×
Stütze mit geführtem Kopf
4
beidseitig eingespannt
0,5
4×
Beidseitig fest verschraubte Strebe
Euler-Knicklast
Knicken: Gültigkeit und Praxis
Euler gilt nur elastisch, also oberhalb des Grenzschlankheitsgrads λ_g mit λ = L_k / i, i = √(I/A). Darunter fließt der Werkstoff vorher — dann Tetmajer oder ω-Verfahren: Baustahl S235 λ_g ≈ 104, Vergütungsstahl ≈ 89, Grauguss ≈ 80, Aluminium ≈ 60–75, Nadelholz ≈ 100.
Wirksam
Länge reduzieren — halbe Knicklänge = vierfache Knicklast
Zwischenabstützung — eine Führung in der Mitte vervierfacht die Knicklast
Rohr statt Stab, runder oder quadratischer Querschnitt statt flach
Bessere Einspannung — Fall 2 auf Fall 4 ist Faktor 4, wenn die Verschraubung das hergibt
Wirkungslos oder gefährlich
Festerer Stahl — E ist bei allen Stählen ≈ 210 000 N/mm², vergütet knickt bei derselben Last
Nur die Druckspannung prüfen — sagt beim schlanken Stab nichts aus
Einspannung annehmen, die keine ist — zwei Schrauben im dünnen Blech sind ein Gelenk
Vorkrümmung ignorieren — reale Stäbe sind nie ideal gerade
Der Klassiker: die Z-Spindel eines 3D-Druckers, Ø8 mm, 400 mm, unten im Motor eingespannt, oben frei (Fall 1) trägt rechnerisch nur wenige hundert Newton. Ein oberes Loslager wechselt auf Fall 3 und verdoppelt die Knicklast — und verhindert nebenbei das Peitschen bei hoher Drehzahl.
Quellen zu diesem Abschnitt
Gross/Hauger/Schröder/Wall, Technische Mechanik 2: Elastostatik — Balkenbiegung, Steiner, Torsion (inkl. Bredt), Knickung mit den vier Eulerfällen.
DIN 743-1 bis -4 — Tragfähigkeitsberechnung von Wellen und Achsen; DIN EN 1993-1-1 (Eurocode 3) — Knicknachweis im nicht-elastischen Bereich.
Roloff/Matek, Maschinenelemente mit Tabellenbuch — Querschnittswerte, Verdrehwinkel-Anhaltswerte, Tetmajer-Gleichungen.
DIN 1025 (I-Träger), EN 755-9 (Aluprofile) — genormte Profilkennwerte. Die Lastfälle des Rechners stehen unter Statik & Schnittgrößen.
05 / 22Kinematik, Dynamik & Schwingungen
Kinematik beschreibt Bewegung, Dynamik verbindet sie mit Kräften, und jede Maschine ist eine Masse an einer Feder. Translatorisch gilt F = m·a, rotatorisch M = J·α — und kommt eine Erregung in die Nähe der Eigenfrequenz, wachsen die Amplituden um ein Vielfaches.
Bewegungsgrößen
v = ds/dt a = dv/dt j = da/dt ω = 2π·n / 60Weg, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Ruck — jeweils die Ableitung des Vorhergehenden. Die Umrechnung mit n in min⁻¹ ist die meistgebrauchte Zeile der Antriebstechnik: 3000 min⁻¹ = 314 rad/s.
Bewegung
Weg
Geschwindigkeit
Nützlich
Gleichförmig
s = v · t
v = konstant
—
Gleichmäßig beschleunigt
s = v₀·t + a·t²/2
v = v₀ + a·t
v² = v₀² + 2·a·s
Rotation, beschleunigt
φ = ω₀·t + α·t²/2
ω = ω₀ + α·t
v = ω · r, a_t = α · r
Drehung in Vorschub umrechnen
Antrieb
Vorschub je Umdrehung
Beispiel
Gewinde-/Kugelgewindetrieb
= Steigung P
KGT 1605: 5 mm/U → bei 600 min⁻¹ 3000 mm/min
Zahnriemen
= z_Scheibe · Teilung
GT2, 20 Zähne: 40 mm/U
Zahnstange
= π · m · z
Modul 2, 20 Zähne: 125,7 mm/U
Seiltrieb / Riemenscheibe
= π · d
Ø50 mm: 157 mm/U
Für Schrittmotoren folgt direkt steps/mm = (Schritte je U · Mikroschritte) / Vorschub je U — 1,8°-Motor (200 Schritte), 16 Mikroschritte, GT2 mit 20 Zähnen: 3200 / 40 = 80 steps/mm.
Verfahrprofile
Trapezprofil
Beschleunigen — konstant — bremsen; die Beschleunigung springt, der Ruck ist theoretisch unendlich
Einfach zu rechnen, regt aber Schwingungen an
Bei steifen, langsamen Achsen ausreichend
S-Kurve (ruckbegrenzt)
Beschleunigung wird selbst rampenförmig gefahren, Ruck bleibt endlich
Deutlich weniger Schwingungsanregung, schont Mechanik und Riemen
≈ 10–15 % längere Fahrzeit; Standard in CNC- und Robotersteuerungen
Dreiecksprofil erkennen: Unterhalb von s_min = v_max² / a wird die Zielgeschwindigkeit nie erreicht — dann bestimmt allein die Beschleunigung die Taktzeit, mehr v_max bringt nichts. Bei Pick-and-Place mit kurzen Wegen fast immer der Fall.
Translation und Rotation
Größe
Translation
Rotation
Trägheit
Masse m [kg]
Massenträgheitsmoment J [kg·m²]
Grundgesetz
F = m · a
M = J · α
Kinetische Energie
E = ½ · m · v²
E = ½ · J · ω²
Leistung
P = F · v
P = M · ω bzw. P [W] = M [Nm] · n [min⁻¹] / 9,55
Körper
J um die Symmetrieachse
Anmerkung
Vollzylinder / Scheibe
½ · m · r²
Riemenscheibe, Schwungrad, Rotor
Hohlzylinder (r_a, r_i)
½ · m · (r_a² + r_i²)
Dünner Ring → m·r² (maximale Trägheit pro Masse)
Kugel
⅖ · m · r²
—
Stab (Länge L, um Mitte)
1/12 · m · L²
Um das Ende: ⅓ · m · L²; Steiner gilt auch hier: J = J_s + m·a²
Der Radius zählt quadratisch, die Masse gleich mit: Eine Riemenscheibe mit doppeltem Durchmesser hat bei gleicher Dicke das sechzehnfache Trägheitsmoment. Wer eine Achse dynamischer machen will, sucht zuerst dort — nicht beim Motor.
Trägheit, Getriebe und Motormoment
J_reduziert = J_Last / i² J_translatorisch = m · (s_U / 2π)²Ein Getriebe reduziert die auf den Motor wirkende Trägheit quadratisch — der eigentliche Grund für Getriebe an dynamischen Achsen. Zielbereich für Servos: J_Last/J_Motor ≈ 1–5; über 10 wird der Regler schwer stabil.
Lastmoment
Gewichtskraft, Schnittkraft, Reibung — bestimmt das Dauermoment.
Beschleunigungsmoment
M_a = J_ges · α — bestimmt das Spitzenmoment, bei dynamischen Achsen der größte Anteil.
Reibmoment
Lager, Dichtungen, Getriebeverluste — oft unterschätzt, besonders bei Trapezspindel und Schnecke.
Effektivwert statt Spitzenwert:M_eff = √(Σ(M_i²·t_i) / Σt_i) muss unter dem Dauermoment liegen, das Spitzenmoment unter dem Maximalmoment. Den kompletten Auslegungsrechner gibt es unter Antriebe auslegen.
Eigenfrequenz und Resonanz
f₀ = (1 / 2π) · √(c / m) f₀ = (1 / 2π) · √(c_t / J) (Torsion)c Steifigkeit in N/m, m Masse in kg. Vierfache Steifigkeit verdoppelt f₀ — genau wie ein Viertel der Masse. Beispiel: Ausleger mit c = 200 N/mm und 5 kg am Ende → rund 32 Hz.
Weit unter f₀: Struktur folgt der Erregung, Verhältnis ≈ 1.
Bei f₀: Resonanz, Überhöhung ≈ 1/(2·D) — bei D = 0,02 rund 25-fach, bei D = 0,1 noch 5-fach.
Ab dem 1,41-fachen von f₀: echte Isolation beginnt. Schwingungsisolierung heißt: so weich aufstellen, dass f₀ mindestens Faktor 3 unter der Störfrequenz liegt.
n_krit ≈ 946 / √f [min⁻¹]Näherung (Dunkerley) mit der statischen Durchbiegung f in mm unter Eigengewicht. Betriebsdrehzahl unter 0,7 · n_krit oder über 1,3 · n_krit halten, den Bereich dazwischen zügig durchfahren — der Grund, warum lange Spindeln peitschen.
Gegen Resonanz
Verstimmen: Steifigkeit oder Masse ändern, bis f₀ weit genug weg ist
Reibkraft ist Normalkraft mal Reibwert — die Größe der Kontaktfläche geht nicht ein. Das ist der Kern des Coulombschen Gesetzes und überrascht die meisten. Haftreibung ist höher als Gleitreibung; daraus folgen Losbrechmoment, Ruckgleiten und Selbsthemmung.
Das Coulombsche Reibungsgesetz
F_R = µ · F_N µ_Haft > µ_Gleit ρ = arctan µF_N ist die Normalkraft senkrecht zur Kontaktfläche. Bei doppelter Fläche halbiert sich die Pressung, die Reibkraft bleibt gleich. ρ ist der Reibungswinkel: Solange die resultierende Kraft innerhalb des Reibkegels liegt, bleibt der Körper haften.
Ein Körper auf der schiefen Ebene rutscht genau dann, wenn der Neigungswinkel α größer wird als der Reibungswinkel ρ — unabhängig von seiner Masse.
Reibwerte
Paarung
µ trocken (Haft)
µ trocken (Gleit)
µ geschmiert
Stahl auf Stahl
0,15 – 0,25
0,10 – 0,20
0,05 – 0,10
Stahl auf Grauguss
0,18 – 0,25
0,15 – 0,20
0,05 – 0,10
Stahl auf Bronze
0,15 – 0,20
0,12 – 0,18
0,04 – 0,08
Stahl auf PTFE
0,04 – 0,10
0,04 – 0,08
0,04
Stahl auf POM
0,15 – 0,25
0,15 – 0,20
0,05 – 0,10
Stahl auf PA (Nylon)
0,20 – 0,35
0,15 – 0,30
0,08 – 0,15
Holz auf Holz
0,4 – 0,6
0,2 – 0,4
0,1 – 0,2
Gummi auf Asphalt
0,7 – 1,0
0,6 – 0,85
0,25 – 0,5 (nass)
Wälzlager, auf die Bohrung bezogen
—
0,001 – 0,004
—
Reibwerte streuen um den Faktor zwei und mehr — Rauheit, Pressung, Geschwindigkeit, Temperatur und Verunreinigung ändern sie. Wer eine Klemmung auslegt, rechnet mit dem kleinsten plausiblen Wert; wer Verluste abschätzt, mit dem größten. Die Tabelle taugt zur Abschätzung, nicht als Nachweis.
Selbsthemmung
Ein Schraub- oder Keiltrieb bewegt sich nicht von allein zurück, solange sein Steigungswinkel kleiner ist als der Reibungswinkel ρ. Bei µ = 0,15 sind das 8,5° — mehr als jedes gängige Bewegungsgewinde hat.
Trapezgewindespindel
Steigungswinkel meist 3–5°, also selbsthemmend: die Z-Achse fällt nicht herunter, wenn der Motor stromlos wird. Der Preis ist der Wirkungsgrad von 25–50 %.
Kugelgewindetrieb
Wälzkontakt, µ um 0,003 — nicht selbsthemmend. Über 90 % Wirkungsgrad, dafür braucht eine senkrechte Achse eine Bremse oder ein Gegengewicht.
Schneckengetriebe
Bei kleinem Steigungswinkel selbsthemmend, deshalb beliebt als Hubantrieb. Zahlen unter Zahnräder, Riemen & Spindeln.
Metrisches Gewinde
Steigungswinkel rund 2,5–3,5° und damit deutlich selbsthemmend. Schrauben lösen sich nicht durch Aufdrehen, sondern durch Setzen und Querbewegung — siehe Schrauben & Gewinde.
Selbsthemmung ist keine Sicherheitseinrichtung. Sie gilt für ruhende Last. Sobald Vibration dazukommt, bricht die Haftreibung periodisch zusammen und die Last wandert. Lasten über Personen dürfen nie allein durch Selbsthemmung gehalten werden — dafür gibt es formschlüssige Sicherungen oder Bremsen nach dem Ruhestromprinzip.
Seilreibung und Rollwiderstand
F₁ / F₂ = e^(µ·α) F_Roll = f_R · F_Nα ist der Umschlingungswinkel im Bogenmaß — die Kraft wächst exponentiell mit ihm (Eytelwein). f_R ist der Hebelarm der Rollreibung bezogen auf den Radradius.
Bei µ = 0,3 ergibt eine volle Umschlingung (α = 2π) das Kraftverhältnis 6,6, drei Windungen um einen Poller bereits 285 — deshalb hält ein Mensch ein Schiff. Dasselbe Gesetz begrenzt bei Riementrieben die übertragbare Leistung: maßgebend ist der Umschlingungswinkel an der kleinen Scheibe, nicht die Riemenfestigkeit.
Paarung
f_R
Stahlrad auf Stahlschiene
0,001 – 0,002
Wälzlager, gesamt auf die Welle bezogen
0,001 – 0,004
Kunststoffrolle auf Stahl
0,005 – 0,02
Autoreifen auf Asphalt
0,010 – 0,015
Luftreifen auf Schotter
0,02 – 0,05
Rad auf weichem Boden
0,1 – 0,3
Reibung ist nicht nur Feind: Klemmverbindungen, Presssitze, Riementriebe, Bremsen und Kupplungen leben von ihr. Bei einer Klemmung rechnet man mit dem niedrigsten Reibwert, legt die Anpresskraft danach aus — und schmiert die Fläche auf keinen Fall. Bei einer Führung ist es genau umgekehrt.
Quellen zu diesem Abschnitt
Gross/Hauger/Schröder/Wall, Technische Mechanik 1: Statik, Springer Vieweg — Haftung, Reibung, Reibkegel und Seilreibung nach Eytelwein.
Roloff/Matek, Maschinenelemente — Tabellenbuch, Springer Vieweg — Reibwerte für Werkstoffpaarungen und Rollwiderstandszahlen; Grundlage der Tabellen oben.
Valentin L. Popov, Kontaktmechanik und Reibung, Springer — die physikalische Vertiefung, warum die Fläche nicht eingeht.
Eine Schraube hält nicht durch ihren Schaft, sondern durch die Klemmkraft, die sie erzeugt. Die Bauteile werden zusammengepresst und übertragen die Last per Reibung in der Trennfuge. Wer das verstanden hat, zieht anders an und konstruiert andere Verbindungen. Alle Drehmoment-, Kernloch- und Gewindewerte des Projekts stehen hier.
Das Prinzip: Vorspannung
Beim Anziehen wird die Schraube gedehnt und die Bauteile werden gestaucht — die Schraube wirkt als sehr steife Zugfeder. Eine Querkraft läuft über die Reibung in der Trennfuge, nicht über den Schaft.
F_quer,übertragbar = µ_T · F_V · n / S_Rµ_T Reibwert in der Trennfuge (0,1–0,2 bei Stahl), F_V Vorspannkraft je Schraube, n Anzahl der Schrauben, S_R Rutschsicherheit (≥ 1,2).
Der häufigste Konstruktionsfehler: die Schraube als Bolzen zu benutzen. Im Durchgangsloch mit Spiel überträgt sie Querkraft nur durch Reibung. Rutscht die Verbindung, schlägt die Schraube im Loch und geht auf Abscherung — die hält deutlich weniger aus als die Reibung, für die die Verbindung gedacht war. Muss Querkraft formschlüssig aufgenommen werden: Passschrauben, Passstifte oder eine Verzahnung vorsehen.
Festigkeitsklassen
Klasse
R_m min [N/mm²]
R_p0,2 min [N/mm²]
Einsatz
4.6
400
240
Baumarktqualität, unbelastete Verbindungen
8.8
800 (d ≤ 16) · 830 (d > 16)
640 · 660
Der Standard im Maschinenbau; galvanisch verzinkt oder blank
10.9
1040
940
Höhere Vorspannung auf gleichem Bauraum; empfindlich gegen Wasserstoffversprödung
12.9
1220
1100
Innensechskantschrauben ISO 4762; hochbelastet, aber spröder
A2-70 (V2A)
700
450
Edelstahl für innen und feuchte Umgebung; neigt zum Fressen
A4-70 (V4A)
700
450
Edelstahl für Salzwasser und Chlor
Die Zahl vor dem Punkt ist die Nenn-Zugfestigkeit in Hundert N/mm², die Zahl danach das Zehnfache des Verhältnisses R_p0,2/R_m. Aus 8.8 folgt also R_m = 800 und R_p0,2 = 0,8 · 800 = 640 N/mm². Die Mindestwerte nach ISO 898-1 liegen bei 10.9 und 12.9 etwas über diesen Nennwerten — der Rechner unten rechnet mit den Mindestwerten.
Anziehdrehmoment und Vorspannkraft
Gewinde, Bohrung, Drehmoment
Metrisches Regelgewinde, alle Maße in Millimeter. Anziehdrehmomente in Nm für µ_ges = 0,14 und 90 % Ausnutzung der Streckgrenze — der Normalfall „verzinkt, leicht geölt“. Faustregel fürs Kernloch: d_Kern ≈ d − P.
Gewinde
Steigung P
Kernloch
Durchgang mittel
Senkung Ø
M_A 8.8
M_A 10.9
M_A 12.9
M2
0,40
1,6
2,4
4,0
0,4
0,55
0,65
M2,5
0,45
2,05
2,9
5,0
0,8
1,1
1,3
M3
0,50
2,5
3,4
6,3
1,3
1,8
2,1
M4
0,70
3,3
4,5
8,3
3,0
4,1
4,9
M5
0,80
4,2
5,5
10,4
5,9
8,1
9,7
M6
1,00
5,0
6,6
12,4
10
14
17
M8
1,25
6,8
9,0
16,4
25
35
41
M10
1,50
8,5
11,0
20,4
49
69
83
M12
1,75
10,2
13,5
24,4
86
120
145
M14
2,00
12,0
15,5
27,4
135
190
230
M16
2,00
14,0
17,5
30,4
210
295
355
Gewindefurcher statt Gewindebohrer lohnt sich bei Aluminium, Kupfer und weichem Stahl: keine Späne im Sackloch, höhere Gewindefestigkeit durch die verfestigte Randzone, längere Standzeit. Das Kernloch wird dabei größer gebohrt, etwa d − 0,55 · P. Bei Grauguss und gehärtetem Stahl funktioniert das Verfahren nicht. Feingewinde, Rohr-, Zoll- und Trapezgewinde stehen unter Gewinde & Normteile.
Reibungszahl und Anziehverfahren
Zustand
µ_ges
Wirkung auf die Vorspannung bei gleichem Moment
Geölt oder gefettet, blank
0,08 – 0,12
Deutlich höher — Gefahr, die Schraube zu überdehnen
Verzinkt, leicht geölt (Lieferzustand)
0,12 – 0,16
Der Standardfall, auf den sich alle Tabellen beziehen (µ = 0,14)
Trocken, entfettet, verzinkt
0,16 – 0,22
Spürbar geringer
Edelstahl auf Edelstahl, trocken
0,23 – 0,40
Stark streuend, Fressgefahr — immer mit Montagepaste
Mit Schraubensicherungsklebstoff
0,12 – 0,18
Wirkt beim Anziehen zugleich als Schmierstoff
Warum Drehmomentschlüssel weniger genau sind, als man denkt: Nur etwa 10 % des aufgebrachten Moments werden zu Vorspannung, der Rest überwindet Reibung unter dem Kopf und im Gewinde. Die Streuung der Vorspannkraft liegt beim Drehmomentanziehen bei ±20–25 %. Genauer wird es nur drehwinkelgesteuert (±10 %) oder über Längenmessung an der Schraube (±5 %).
Einschraubtiefe im Sacklochgewinde
Mutterwerkstoff
Mindest-Einschraubtiefe
Anmerkung
Stahl, Guss
1,0 × d
Bei 12.9-Schrauben eher 1,25 × d
Aluminium
1,5 – 2,0 × d
Weichere Legierungen ans obere Ende
Magnesium, Zinkdruckguss
2,0 – 2,5 × d
—
Technische Kunststoffe
2,0 – 2,5 × d
Besser Gewindeeinsatz oder Einpressmutter
FDM-Druckteil
Gewindeeinsatz verwenden
Heat-Set-Insert mit dem Lötkolben einschmelzen; direkt geschnittene Gewinde halten wenige Zyklen
Ziel ist immer, dass die Schraube versagt und nicht das Gewinde im Bauteil — ein abgerissener Bolzen ist ärgerlich, ein ausgerissenes Gewinde im teuren Gehäuse ist ein Schaden.
Warum Schrauben sich lösen
Setzen — Vorspannungsverlust ohne Drehung
Rauheitsspitzen in Trennfuge, unter dem Kopf und im Gewinde werden plattgedrückt
Typisch 3–10 µm je Trennfuge, überwiegend in den ersten Betriebsstunden
Gegenmittel: lange Klemmlänge, wenige Trennfugen, glatte Auflageflächen, Nachziehen nach der Einlaufzeit
Losdrehen — die Schraube dreht zurück
Querbewegung in der Trennfuge hebt kurzzeitig die Reibung auf; dann reicht das Rückdrehmoment aus der Steigung
Reine Zugschwellbelastung dreht Schrauben nicht auf — der Junker-Test von 1969 hat die Querbewegung als Ursache nachgewiesen
Gegenmittel: Querbewegung verhindern (hohe Vorspannung, Formschluss) oder formschlüssig sichern
Sicherungsmaßnahme
Wirkprinzip
Bewertung
Hohe Vorspannung
Verhindert die Querbewegung, die zum Losdrehen führt
Die mit Abstand wirksamste Maßnahme. Alles andere ist Ergänzung.
Klebstoff (mittelfest, Loctite 243 u. ä.)
Formschluss durch aushärtenden Kunststoff im Gewindespiel
Wirkt zuverlässig; für M5–M12 die richtige Wahl. Entfettete Flächen nötig, bei Edelstahl Aktivator.
Keilsicherungsscheiben (Nord-Lock u. ä.)
Keilflächen zwischen zwei Scheiben; Losdrehen erzeugt Klemmung statt Lockerung
Im Junker-Test durchgehend wirksam, auch bei starker Vibration. Teuer, aber begründbar.
Sperrzahnschraube / Rippscheibe
Zähne graben sich formschlüssig in die Auflage
Wirksam, beschädigt aber die Oberfläche — nicht auf eloxiertem oder lackiertem Alu.
Selbstsichernde Mutter (DIN 985)
Reibung im verformten Nylonring oder Metallklemmteil
Wirksam gegen Verlieren. Nylon nur bis ca. 120 °C, nach zwei bis drei Montagen erschöpft.
Kontermutter
Zwei Muttern verspannen sich gegeneinander
Wirkt nur bei richtiger Reihenfolge: dünne Mutter zuerst, dicke dagegen kontern.
Splint, Kronenmutter, Drahtsicherung
Vollständiger Formschluss
Sichert gegen Verlieren, nicht gegen Vorspannungsverlust. Klassiker in Luftfahrt und Kranbau.
Federring (DIN 127), Zahnscheibe (DIN 6797)
Federkraft soll die Vorspannung erhalten
Unwirksam bei hochfesten Schrauben; in DIN 25201-4 ausdrücklich als ungeeignet eingestuft. Für Kleinteile und Erdungsanschlüsse in Ordnung.
Der Federring ist die verbreitetste unwirksame Sicherung. DIN 127 stammt aus der Zeit der Klasse-4.6-Schrauben. Bei einer 8.8-Schraube ist die Vorspannkraft um eine Größenordnung höher als die Federkraft des Rings — im angezogenen Zustand ist er plattgedrückt und wirkt wie eine gewöhnliche Scheibe. „Hat bei mir immer gehalten“ stimmt oft; die Ursache war die Vorspannung, nicht der Ring.
Montage
Auflageflächen prüfen
Grat, Farbe und Rost unter dem Kopf kosten Vorspannung. Bei Kunststoff- und Aluteilen große Scheiben verwenden, sonst gräbt sich der Kopf ein.
Über Kreuz und in Stufen anziehen
Bei Flanschen und Deckeln erst alle Schrauben auf 30 %, dann 60 %, dann 100 %. Sonst verzieht sich das Bauteil und die zuerst angezogenen Schrauben verlieren wieder Vorspannung.
Reibungszustand einheitlich halten
Entweder alle Schrauben einer Verbindung trocken oder alle geölt. Gemischt ergibt bei gleichem Moment völlig unterschiedliche Vorspannkräfte.
Nach der Einlaufzeit nachziehen
Bei Verbindungen mit vielen Trennfugen nach einigen Betriebsstunden kontrollieren; danach ist das Setzen weitgehend abgeschlossen.
Edelstahl mit Montagepaste
A2 und A4 fressen bei trockener Montage: Gewinde und Mutter verschweißen kalt und sind nicht mehr zu trennen. Keramik- oder MoS₂-Paste verhindert das zuverlässig.
Klemmlänge ist Ihr Freund. Je länger der gedehnte Schaftbereich, desto elastischer die Verbindung und desto weniger stört das Setzen. Eine kurze, dicke Schraube verliert durch denselben Setzbetrag einen viel größeren Anteil ihrer Vorspannung als eine lange — Dehnschrauben mit verjüngtem Schaft treiben das auf die Spitze. Schrauben der Klasse 8.8 sind wiederverwendbar, solange sie unverformt sind; drehwinkelgesteuert angezogene und Dehnschrauben sind Einwegteile.
Quellen zu diesem Abschnitt
VDI 2230 Blatt 1 — Systematische Berechnung hochbeanspruchter Schraubenverbindungen; Grundlage von Rechner, Anziehdrehmomenten, Reibungszahlen und Setzbeträgen.
DIN EN ISO 898-1 (Festigkeitsklassen Stahl) und DIN EN ISO 3506-1 (nichtrostende Stähle A2, A4).
DIN 13-1 (metrisches ISO-Gewinde), DIN 336 (Kernlochbohrer), DIN EN 20273 / ISO 273 (Durchgangslöcher), DIN 74 und DIN EN ISO 15065 (Senkungen).
DIN 25201-4 — Konstruktionsrichtlinie Schraubensicherungen; enthält die Bewertung der Maßnahmen und stuft Federringe als ungeeignet ein. Prüfverfahren: DIN 65151 (Junker-Test).
Gerhard H. Junker, New Criteria for Self-Loosening of Fasteners Under Vibration, SAE Technical Paper 690055 (1969) — die Originalarbeit zum Losdrehmechanismus.
Roloff/Matek, Maschinenelemente — Kapitel Schraubenverbindungen mit Einschraubtiefen und Tragfähigkeitsnachweis.
08 / 22Welle-Nabe, Schweißen & Kleben
Drehmoment kommt über Form- oder Reibschluss von der Welle ins Bauteil — Bleche und Profile werden geschweißt, geklebt oder genietet. Unlösbare Verbindungen sind leichter, steifer und billiger als geschraubte, solange man nie wieder heran muss. Bei Lastwechsel entscheidet, ob Spiel in der Verbindung sitzt.
Kerbwirkung in der Welle, Spiel in Umfangsrichtung, schlägt bei Lastwechsel aus, zentriert nicht
Presssitz / Schrumpfsitz
Reibschluss durch Übermaß
Höchste Momentdichte, spielfrei, zentriert perfekt, keine Kerbe
Montage nur mit Presse oder Temperaturunterschied, Demontage oft zerstörend, Toleranzen kritisch
Spannsatz / Schrumpfscheibe
Reibschluss über Kegelflächen, per Schrauben aufgebaut
Lösbar, spielfrei, kein Übermaß nötig, axial und winklig einstellbar
Braucht Bauraum, teurer, Anziehreihenfolge muss stimmen
Klemmnabe (geschlitzt)
Reibschluss durch Zusammenklemmen
Sehr einfach, lösbar, keine Wellenbearbeitung nötig
Begrenztes Moment, Nabe muss nachgiebig sein, Verformungsgefahr bei dünnen Wellen
Polygonprofil (DIN 32711/32712)
Formschluss über unrunde Kontur
Kaum Kerbwirkung, hohe Momentdichte, zentriert
Teure Fertigung — Unrunddrehen oder Erodieren
Zahnwelle / Keilwelle (DIN 5480)
Formschluss über viele Zähne
Sehr hohes Moment, axial unter Last verschiebbar
Teuer, Spiel vorhanden, braucht Wälzfräser oder Räumnadel
Stiftverbindung
Formschluss über Quer- oder Kerbstift
Sehr billig, definierte Position
Schwächt die Welle stark, kleines Moment; für Prototypen und leichte Antriebe
Passfeder und Presssitz auslegen
p = 2 · T / (d · h_tr · l_tr · n · φ) ≤ p_zul T_Presssitz = µ · p_Fuge · π · d² · l / 2Die Passfeder überträgt über Flächenpressung an den Flanken, nicht über Abscherung: h_tr tragende Höhe (≈ 0,45 · h), l_tr tragende Länge, n Anzahl, φ Traganteil (0,75 bei zwei Federn). Der Fugendruck des Presssitzes folgt aus Übermaß, Durchmessern und E-Moduln nach DIN 7190.
Wellen-Ø [mm]
b × h
Nuttiefe t₁
über 6 bis 8
2 × 2
1,2
über 8 bis 10
3 × 3
1,8
über 10 bis 12
4 × 4
2,5
über 12 bis 17
5 × 5
3,0
über 17 bis 22
6 × 6
3,5
über 22 bis 30
8 × 7
4,0
über 30 bis 38
10 × 8
5,0
über 38 bis 44
12 × 8
5,0
über 44 bis 50
14 × 9
5,5
Passung
Charakter
Fügen
H7 / k6
Übergangssitz
Leichter Schlag oder kleine Presse
H7 / m6
Fester Übergangssitz
Presse; Verdrehsicherung ratsam
H7 / n6
Fester Sitz
Presse; überträgt bereits Moment
H7 / p6
Presssitz
Presse oder Temperaturunterschied
H7 / s6
Starker Presssitz
Schrumpfen: Nabe erwärmen oder Welle kühlen
Passfeder und Wechsellast vertragen sich schlecht. Durch das Spiel in Umfangsrichtung schlägt die Nut bei jedem Drehrichtungswechsel aus, und die Kerbe in der Nut wird zum Dauerbruchausgang. Bei reversierenden Antrieben, Servoachsen und allem mit Lastspielen ist ein Spannsatz oder Presssitz die richtige Wahl. Grenzmaße und Übermaß liefert der Rechner unter Toleranzen, Passungen & Oberflächen.
Schrumpfen statt Pressen: 100 K Temperaturdifferenz ergeben bei Stahl rund 1,2 ‰ Durchmesseränderung — bei Ø 50 mm sind das 60 µm, deutlich mehr als jedes übliche Übermaß. Nabe auf 150 °C erwärmen oder Welle mit Trockeneis kühlen, dann fügt sich das Teil kraftlos. Der Vorteil: die Oberflächen werden nicht abgerissen, der Sitz hält deutlich mehr aus.
Unlösbare Verbindungen im Überblick
Verfahren
Werkstoffe
Stärken
Grenzen
MAG-Schweißen (135)
Un- und niedriglegierter Stahl
Schnell, günstig, automatisierbar, hohe Festigkeit
Deutlich geringere Festigkeit als Schweißen; Spaltmaß 0,05–0,2 mm entscheidend
Strukturkleben
Fast alles, auch Mischbau
Flächige Lasteinleitung, keine Kerbwirkung, dichtet, isoliert galvanisch
Oberflächenvorbereitung ist alles; Alterung, Temperatur und Medien prüfen; kein Schälen
Blindniet
Blech, Kunststoff, Mischbau
Einseitig zugänglich, schnell, kein Wärmeeintrag
Begrenzte Festigkeit, Loch schwächt, nur durch Ausbohren lösbar
Stanznieten / Clinchen
Bleche, auch Mischbau
Kein Vorloch, kein Zusatzwerkstoff, sehr schnell
Braucht Zange oder Presse mit Zugang von beiden Seiten
Einpressmutter / Gewindeeinsatz
Blech, Kunststoff, Druckteile
Macht dünnes Material schraubbar, wiederverwendbar
Braucht Vorbereitung; im Druckteil Heat-Set-Insert mit dem Lötkolben
Kleben
Klebeverbindungen versagen fast nie im Klebstoff, sondern an der Grenzfläche — und an der Kante, sobald geschält statt geschert wird.
Entfetten, aufrauen, nochmals entfetten
Isopropanol oder Aceton mit fusselfreiem Tuch in eine Richtung; Schleifpapier 120–240 oder Strahlen entfernt Oxidschichten und vergrößert die Fläche. Fingerabdrücke sind Trennmittel.
Primer bei kritischen Werkstoffen
PP, PE und PTFE haben so geringe Oberflächenenergie, dass ohne Primer oder Plasmavorbehandlung nichts hält.
Auf Scherung konstruieren
Eine überlappte Klebung hält ein Vielfaches einer stumpf gestoßenen. Schälbeanspruchung an der Kante ist der häufigste Versagensbeginn.
Schichtdicke 0,1–0,3 mm einhalten
Zu dünn heißt Klebstoffmangel, zu dick heißt geringere Festigkeit. Glaskugeln im Klebstoff oder Abstandsdrähte halten das Maß.
Klebstofftyp
Scherfestigkeit
Temperatur
Einsatz
Cyanacrylat (Sekundenkleber)
10–20 N/mm²
−30 … +80 °C
Kleine Flächen, schnelle Fixierung; spröde, feuchtigkeitsempfindlich
Epoxid, 2K
20–40 N/mm²
−40 … +120 °C
Der Strukturklebstoff: hohe Festigkeit, spaltfüllend, chemisch beständig
Methacrylat, 2K
20–35 N/mm²
−40 … +120 °C
Zäher als Epoxid, verzeiht schlechtere Oberflächenvorbereitung
Polyurethan, 1K/2K
8–20 N/mm²
−40 … +90 °C
Elastisch — für große Flächen und unterschiedliche Wärmedehnung
Anaerob (Loctite-Typen)
10–30 N/mm²
−55 … +150 °C
Nur im engen Spalt zwischen Metallen: Gewinde, Buchsen, Wellensitze
Silikon
1–3 N/mm²
−60 … +200 °C
Dichten, nicht tragen; sehr dehnbar
Kontaktkorrosion bei Mischbau: Aluminium in direktem Kontakt mit Edelstahl oder Kohlefaser korrodiert in feuchter Umgebung, weil es der unedlere Partner ist. Eine Klebeschicht oder eine Kunststoffscheibe trennt die Metalle elektrisch und löst das Problem gleich mit — Spannungsreihe und Schutzverfahren unter Wärmebehandlung & Korrosion.
Schweißnähte gestalten
Gut
Nähte aus hoch beanspruchten Zonen heraushalten
Symmetrisch schweißen, um Verzug auszugleichen
Heftpunkte großzügig setzen und über Kreuz durchschweißen
Kehlnahtdicke a ≈ 0,7 · kleinste Blechdicke
Zugänglichkeit für Brenner und Prüfung einplanen
Schlecht
Nähte kreuzen sich oder häufen sich an einem Punkt
Naht quer zur Hauptzugrichtung an der Stelle des größten Moments
Umlaufende Naht an einer Welle — eine Kerbe rundherum
Vergüteten Stahl ohne Vor- und Nachwärmen schweißen
Verzinkte Teile ohne Absaugung schweißen (Zinkdämpfe)
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN 6885-1 (Passfedern und Nuten, hohe Form) — Quelle der Maßtabelle; DIN 7190-1 (Pressverbände); DIN 5480 (Zahnwellen); DIN 32711/32712 (Polygonprofile P3G und P4C).
Roloff/Matek, Maschinenelemente, Springer Vieweg — Welle-Nabe-Verbindungen mit vollständigem Pressungsnachweis.
DIN EN ISO 4063 — Ordnungsnummern der Schweißverfahren (135, 141); DIN EN 1090-2 — Ausführung von Stahltragwerken.
DIN 2304-1 — Klebtechnische Fertigung: Anforderungen an den Prozess; die Norm hinter „Oberflächenvorbereitung ist alles“.
Technische Datenblätter der Hersteller als Primärquelle für Festigkeits- und Temperaturwerte: Henkel/Loctite, 3M, Weicon.
09 / 22Lager & Führungen
Ein Wälzlager ist ein Katalogteil mit berechenbarer Lebensdauer — und eine Welle braucht genau eine axiale Festlegung. Aus Tragzahl, Last und Drehzahl folgt L₁₀ direkt; ob dieser Wert erreicht wird, entscheiden Passung, Schmierung und Sauberkeit. Bei Linearführungen ersetzt die Steifigkeit die Lebensdauer als Hauptkriterium.
Bauformen
Bauform
Belastung
Drehzahl
Anmerkung
Rillenkugellager (6xxx)
radial, begrenzt axial
sehr hoch
Das Standardlager: billig, überall verfügbar, verträgt nur wenige Winkelminuten Schiefstellung
Schrägkugellager (7xxx)
radial + axial (einseitig)
hoch
Paarweise angestellt; für Spindeln und vorgespannte Lagerungen
Pendelkugellager (12xx)
radial
hoch
Verträgt mehrere Grad Schiefstellung — für lange, durchbiegende Wellen
Zylinderrollenlager (NU, N)
hoch radial
hoch
Hohe Tragzahl, axial verschiebbar — das ideale Loslager
Wartungsfrei, geräuscharm, unempfindlich gegen Stoß und Schmutz; höhere Reibung
Gleitlager statt Wälzlager lohnt sich bei langsamen, schwingenden oder stoßbelasteten Bewegungen und dort, wo Schmutz oder Wasser im Spiel sind: Gelenke, Klappen, Achsen mit wenigen Umdrehungen pro Minute. Kunststoffgleitlager sind dann wartungsfrei, leise und billiger — der Preis ist der höhere Reibwert und ein temperaturabhängiges Spiel.
Lebensdauer berechnen
L₁₀ = (C / P)^p L₁₀h = 10⁶ · L₁₀ / (60 · n) P = X · F_r + Y · F_aC dynamische Tragzahl aus dem Katalog, P äquivalente Belastung, p = 3 für Kugel- und 10/3 für Rollenlager. L₁₀ heißt: 90 % der Lager erreichen diesen Wert. X und Y stehen im Herstellerkatalog; bei reiner Radiallast ist P = F_r.
Nominelle Lebensdauer
Der Exponent macht den Unterschied. Beim Kugellager geht die Belastung mit der dritten Potenz ein: 25 % mehr Last halbieren die Lebensdauer, doppelte Last bedeutet ein Achtel. Umgekehrt verlängert eine Baugröße mehr die Lebensdauer oft um das Drei- bis Fünffache — meist die billigste Verbesserung an einer Maschine.
Neben C gibt es C₀, die statische Tragzahl. Sie begrenzt die Last im Stillstand und bei sehr langsamer Drehung, wo die Wälzkörper sich an einer Stelle in die Laufbahn drücken (Brinellieren). Die Kennzahl S₀ = C₀ / P₀ sollte bei 1 bis 2,5 liegen, bei Stoßlast und Präzisionsanspruch höher.
Falschbrinellierung durch Stillstandsvibration: Ein stehendes Lager, das dauerhaft vibriert (Transport, benachbarte Maschine), bekommt Riffel in der Laufbahn, ohne je gelaufen zu sein. Deshalb werden Maschinen für den Transport an der Welle festgesetzt und Ersatzlager nicht neben laufenden Anlagen gelagert.
Fest, los oder angestellt
Fest-Los-Lagerung
Ein Lager nimmt Radial- und Axialkräfte auf, das andere nur radial und darf axial wandern. Der Standardfall — unempfindlich gegen Temperaturdehnung und Toleranzen.
Angestellte Lagerung
Zwei Schräg- oder Kegelrollenlager gegeneinander vorgespannt (X- oder O-Anordnung). Spielfrei und steif, aber temperaturempfindlich. Für Spindeln und Präzisionsachsen.
Schwimmende Lagerung
Beide Lager axial lose mit definiertem Gesamtspiel (0,2–0,5 mm). Einfach und billig, dafür hat die Welle Axialspiel. Für unkritische Antriebe.
Der Klassiker im Eigenbau: zwei Rillenkugellager, beide innen und außen fest eingepresst und beidseitig angeschlagen. Bei 30 K Temperaturunterschied dehnt sich eine 200 mm lange Stahlwelle um 0,07 mm — die Lager verspannen sich axial, laufen heiß, dehnen sich weiter und fressen. Die Lösung kostet nichts: das zweite Lager im Gehäuse axial frei lassen.
Passungen an der Lagerstelle
Die Grundregel: der umlaufende Ring bekommt Übermaß, der stillstehende Ring Spiel. Sonst wandert der belastete Ring auf seinem Sitz und trägt ihn ab.
Fall
Wellenpassung
Gehäusepassung
Beispiel
Umfangslast am Innenring (normaler Antrieb)
k6, m6 bei höherer Last
H7 oder J7
Motorwelle, Getriebewelle, Riemenscheibe
Umfangslast am Außenring (Rad auf feststehender Achse)
g6 oder h6
N7 oder P7
Laufrolle, Umlenkrolle, Spannrolle
Loslagerstelle im Gehäuse
k6
H7 (verschiebbar)
Zweites Lager der Welle
Kleine Last, einfache Anwendung
j6
H7
Hobby, leichte Antriebe
Dünnwandiges Aluminiumgehäuse
k6
J7 bis K7
Alu dehnt sich stärker — engere Gehäusepassung wählen
Grenzmaße liefert der Passungsrechner unter Toleranzen, Passungen & Oberflächen. Verbindlich ist immer der Lagerkatalog des Herstellers; die Tabelle ist dessen Kurzfassung.
Einbau, Schmierung, Dichtung
Anlageschulter und Freistich
Die Schulter muss am Ring anliegen, nicht am Käfig oder an der Dichtung; die Katalogtabelle nennt den zulässigen Durchmesserbereich. Der Übergang braucht einen Radius kleiner als die Kantenfase des Lagers — ein Freistich nach DIN 509 löst beides.
Erwärmen statt schlagen
Lager auf 80–100 °C erwärmen (Heizplatte, Ölbad, Induktionsgerät) und aufschieben. Über 120 °C leiden Wärmebehandlung und Fettfüllung.
Kraft nur über den Ring mit Übermaß
Beim Aufziehen auf die Welle nur auf den Innenring drücken, beim Einpressen ins Gehäuse nur auf den Außenring. Eine Presshülse kostet wenig und rettet viele Lager.
Loslager wirklich frei lassen
Bei H7 im Gehäuse muss der Außenring auch axial Platz haben. Ein zu eng gesetzter Deckel macht aus dem Loslager wieder ein Festlager.
Kennung
Bedeutung
Einsatz
offen (z. B. 6000)
Keine Abdichtung
Ölbad- und Umlaufschmierung, saubere Umgebung
Z / 2Z
Deckscheibe aus Blech, berührungsfrei
Geringe Reibung, hohe Drehzahl; hält groben Schmutz ab
RS / 2RS
Dichtscheibe aus Elastomer, schleifend
Guter Schmutz- und Feuchteschutz; mehr Reibung, geringere Grenzdrehzahl
C3
Vergrößerte Radialluft
Bei Temperaturdifferenz zwischen den Ringen, festem Sitz auf beiden Ringen, Elektromotoren
Rund 80 % aller vorzeitigen Lagerausfälle gehen auf Schmierung, Verschmutzung oder Einbaufehler zurück, nicht auf Werkstoffermüdung. Fettmenge im Standardfall: 30–50 % des freien Lagerraums — zu viel Fett führt zu Walkarbeit und Übertemperatur.
Wärmedehnung mitrechnen
Wärmedehnung und Zwangsspannung
Aluminiumgehäuse mit Stahlwelle ist der häufigste Mischbaufall: Aluminium dehnt sich mit 23 · 10⁻⁶/K fast doppelt so stark wie Stahl mit 12 · 10⁻⁶/K. Bei Erwärmung wird der Lagersitz im Gehäuse also weiter — deshalb dort eine engere Passung wählen (J7 statt H7) und den Sitz bei starker Erwärmung zusätzlich sichern.
Linearführungen
Bauart
Steifigkeit
Genauigkeit
Preis
Anmerkung
Profilschienenführung (HIWIN HG/MG, THK SHS)
sehr hoch
sehr hoch
hoch
Der Standard im Maschinenbau; nimmt Momente in alle Richtungen auf. Braucht eine plane, steife Montagefläche.
Rundwelle mit Kugelbuchse (LM/SC..UU)
gering
mittel
niedrig
Verbreitet im 3D-Druck. Die Welle biegt sich durch; ab etwa 400 mm freier Länge nur noch unterstützt brauchbar.
Unterstützte Rundwelle (SBR)
mittel
mittel
mittel
Welle liegt auf einem Profil auf — guter Kompromiss für Hobby-CNC.
Gleitführung (PTFE, POM, Bronze auf Stahl)
mittel
mittel
niedrig
Dämpfend, unempfindlich gegen Schmutz und Stoß. Höhere Reibung, Losbrechmoment.
Schwalbenschwanzführung
hoch
hoch
mittel
Klassische Werkzeugmaschinenführung, über Keilleiste nachstellbar. Sehr dämpfend, aufwendig zu fertigen.
V-Rollen auf Profil (OpenBuilds u. ä.)
gering
mittel
sehr niedrig
Einfach zu montieren und einzustellen. Punktkontakt begrenzt Last und Lebensdauer.
Luftlager
hoch
höchste
sehr hoch
Reibungsfrei, nanometergenau. Messtechnik und Halbleiterfertigung.
Zwei Wagen sperren Nicken und Gieren nur so gut, wie ihr Abstand es hergibt. Bei 100 mm Wagenabstand und 200 mm Auskraglänge sieht der vordere Wagen die doppelte Kraft plus Nutzlast — und der hintere wird nach oben gezogen.
Minimum
1 : 1
Wagenabstand zu Auskraglänge
Gute Praxis
2 : 1
für normale Achsen
Präzision
3 : 1
für steife Positionierachsen
Richtig montiert
Anschlagkante für mindestens eine Schiene vorsehen, die zweite dagegen ausrichten
Montagefläche fräsen oder schleifen; Ebenheit nach Herstellervorgabe (oft 20–50 µm/m)
Schienen von der Mitte nach außen mit Drehmoment anziehen, Parallelität messen
Vorspannklasse zur Montagefläche passend wählen: leicht (Z0/ZF) verzeiht mehr als hoch (Z1/Z2)
Typische Fehler
Schienen auf ein rohes Strangpressprofil schrauben und Parallelität erzwingen
Wagen ohne Montagehilfe von der Schiene ziehen — die Kugeln fallen heraus
Schmierung vergessen: ein trocken laufender Wagen hält Wochen statt Jahre
Späne und Kühlmittel ohne Abdeckung auf die Laufbahn lassen
Statische Überbestimmung ist bei Führungen die Regel. Zwei parallele Schienen mit je zwei Wagen sperren rechnerisch mehr Freiheitsgrade, als vorhanden sind — das funktioniert nur, weil die Bauteile etwas nachgeben. Je steifer und höher vorgespannt die Führung, desto genauer muss die Fertigung sein. Deshalb ist eine einfache Führung auf einer schlechten Fläche manchmal die praktischere Lösung als eine teure.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN ISO 281 (dynamische Tragzahlen und nominelle Lebensdauer), DIN ISO 76 (statische Tragzahlen), DIN 5425-1 (Toleranzen für den Einbau), DIN 509 (Freistiche).
Roloff/Matek, Maschinenelemente, Springer Vieweg — Wälzlagerungen und Führungen mit Gestaltungsbeispielen.
10 / 22Zahnräder, Riemen & Spindeln
Ein Getriebe tauscht Drehzahl gegen Drehmoment — und reduziert die vom Motor gesehene Lastträgheit quadratisch. Der zweite Effekt wird oft übersehen und ist bei dynamischen Achsen der wichtigere. Bei linearen Antrieben entscheidet die Wahl zwischen Riemen und Spindel darüber, wie steif die Achse regelbar ist.
Zahnradgeometrie
d = m · z a = m · (z₁ + z₂) / 2 i = z₂ / z₁m Modul in mm, z Zähnezahl, d Teilkreisdurchmesser, a Achsabstand. Zwei Zahnräder kämmen nur bei gleichem Modul und gleichem Eingriffswinkel (Standard 20°).
Der Modul ist die genormte Größenangabe: Modul 1 heißt, die Teilung auf dem Teilkreis — Zahn plus Lücke — beträgt π ≈ 3,14 mm. Genormte Reihe nach DIN 780: 0,5 · 0,6 · 0,8 · 1 · 1,25 · 1,5 · 2 · 2,5 · 3 · 4 · 5 · 6 · 8 · 10.
Größe
Formel
Anmerkung
Kopfkreisdurchmesser
d_a = m · (z + 2)
Der Außendurchmesser, den man messen kann
Fußkreisdurchmesser
d_f = m · (z − 2,5)
Bei Standardverzahnung
Zahnhöhe
h = 2,25 · m
—
Teilung
p = π · m
Zahn plus Lücke auf dem Teilkreis
Zahnbreite
b ≈ (6 … 12) · m
Breiter trägt mehr, verlangt aber bessere Ausrichtung
Modul eines vorhandenen Zahnrads bestimmen: Zähne zählen, Außendurchmesser messen, dann m = d_a / (z + 2). Kommt eine krumme Zahl heraus, ist es vermutlich eine Zollverzahnung (Diametral Pitch): dort gilt m = 25,4 / DP.
Zähnezahl, Unterschnitt, Profilverschiebung
Unter 17 Zähnen tritt bei Standardverzahnung mit 20° Eingriffswinkel Unterschnitt auf — das Werkzeug schneidet den Zahnfuß an und schwächt ihn.
Zähnezahl
Beurteilung
≥ 17
Unbedenklich bei Standardverzahnung
14 – 16
Leichter Unterschnitt, mit Profilverschiebung (x > 0) beherrschbar
10 – 13
Nur mit deutlicher Profilverschiebung; Tragfähigkeit prüfen
< 10
Sonderverzahnung nötig
Profilverschiebung heißt, das Werkzeug beim Wälzfräsen radial zu versetzen. Das vermeidet Unterschnitt, verändert aber den Achsabstand — und erlaubt es umgekehrt, ein Zahnradpaar auf einen vorgegebenen Achsabstand anzupassen.
Getriebebauarten
Bauart
i je Stufe
Wirkungsgrad
Spiel
Anmerkung
Stirnradgetriebe
1 : 1 … 1 : 8
96 – 98 %
mittel
Einfach und robust; Geradverzahnung ist laut, Schrägverzahnung leiser, erzeugt aber Axialkraft
Planetengetriebe
1 : 3 … 1 : 10
90 – 97 %
gering
Koaxial, kompakt, hohe Momentdichte — der Standard an Servomotoren
Schneckengetriebe
1 : 5 … 1 : 100
40 – 90 %
gering
Sehr große Untersetzung in einer Stufe, oft selbsthemmend; Wirkungsgrad fällt stark mit der Untersetzung
Kegelradgetriebe
1 : 1 … 1 : 6
94 – 98 %
mittel
Winkelumlenkung, meist 90°; Spiralverzahnung läuft ruhiger als Geradverzahnung
Wellgetriebe (Harmonic Drive)
1 : 30 … 1 : 320
70 – 90 %
praktisch spielfrei
In Robotergelenken; teuer, begrenzte Torsionssteifigkeit bei kleinen Momenten
Zykloidgetriebe
1 : 10 … 1 : 200
85 – 93 %
gering
Sehr stoßfest, hohe Momentdichte, baut größer als ein Wellgetriebe
Wirkungsgrade multiplizieren sich, Spiel addiert sich. Drei Stufen mit je 95 % ergeben zusammen 86 %. Beim Spiel ist es umgekehrt: Spiel in einer frühen Stufe wird durch die nachfolgende Untersetzung geteilt und wirkt sich am Abtrieb kaum aus — Spiel in der letzten Stufe geht voll in die Positioniergenauigkeit ein. Wer ein Getriebe optimieren will, fängt hinten an.
Trägheitsreduktion nicht vergessen: Eine Untersetzung i reduziert die vom Motor gesehene Lastträgheit um i² — bei i = 10 also um Faktor 100. Genau deshalb bekommen Servoachsen ein Getriebe, auch wenn das Moment ohne reichen würde: erst dadurch wird die Achse sauber regelbar. Zahlen und Zielverhältnis unter Kinematik, Dynamik & Schwingungen.
Welche Bauart wofür
Bauart
i je Stufe
Effizienz
Spielfrei
Kompakt
Günstig
Stirnradgetriebe
2 von 5
5 von 5
3 von 5
3 von 5
5 von 5
StarkEinfach, robust, hoher Wirkungsgrad, überall zu kaufen.SchwachWenig Untersetzung je Stufe, mittleres Spiel, Geradverzahnung ist laut.Nimm es fürAllgemeiner Antrieb, Modellbau, Werkzeuge.
Planetengetriebe
3 von 5
4 von 5
4 von 5
5 von 5
3 von 5
StarkKoaxial, kompakt, hohe Momentdichte, geringes Spiel.SchwachMehrere Stufen summieren Spiel und Verluste; teurer als Stirnrad.Nimm es fürServomotoren, Getriebemotoren, Roboter-Basisgelenke.
Schneckengetriebe
5 von 5
2 von 5
4 von 5
4 von 5
4 von 5
StarkBis 1:100 in einer Stufe, oft selbsthemmend, leise.SchwachWirkungsgrad fällt mit der Untersetzung; Wärme und Verschleiß am Schneckenrad.Nimm es fürHubachsen, Drehtische, wo die Last ohne Strom halten muss.
Kegelradgetriebe
2 von 5
5 von 5
3 von 5
3 von 5
3 von 5
StarkWinkelumlenkung mit gutem Wirkungsgrad.SchwachEmpfindlich gegen Achsversatz, Axialkräfte, mittleres Spiel.Nimm es für90°-Umlenkung im Antriebsstrang.
WellgetriebeHarmonic Drive
5 von 5
3 von 5
5 von 5
5 von 5
1 von 5
StarkPraktisch spielfrei, hohe Untersetzung, sehr kompakt und leicht.SchwachTeuer, begrenzte Torsionssteifigkeit bei kleinen Momenten, mäßiger Wirkungsgrad.Nimm es fürRobotergelenke, Präzisionsdrehtische.
Zykloidgetriebe
5 von 5
4 von 5
4 von 5
3 von 5
2 von 5
StarkSehr stoßfest, hohe Momentdichte, geringes Spiel.SchwachBaut größer als ein Wellgetriebe, teurer als ein Planetengetriebe.Nimm es fürSchwere Roboterachsen, stoßbelastete Antriebe.
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
Spiel vermeiden
Vorgespannte Doppelzahnräder
Zwei gegeneinander verdrehte Zahnradhälften mit Feder dazwischen. Nimmt das Spiel vollständig heraus, erhöht aber Reibung und Verschleiß. Verbreitet in Rundachsen von Werkzeugmaschinen.
Achsabstand verringern
Das Zahnrad enger setzen reduziert das Flankenspiel. Zu eng heißt Klemmen bei Wärme und Schmutz — hier gibt es wenig Reserve.
Elektronisch vorspannen
Zwei Motoren gegeneinander arbeiten lassen (Master-Slave mit Vorspannmoment). Aufwendig, aber vollständig spielfrei und verschleißarm.
Bauart wechseln
Wellgetriebe und Zykloidgetriebe sind konstruktiv nahezu spielfrei — meist die einfachste Lösung, wenn das Budget es hergibt.
Lineare Antriebe im Vergleich
Antrieb
Geschwindigkeit
Steifigkeit
Wirkungsgrad
Anmerkung
Zahnriemen (GT2, GT3, HTD, AT)
sehr hoch
gering–mittel
95 – 98 %
Schnell, leise, günstig. Die Riemendehnung begrenzt Positioniersteifigkeit und Reglerbandbreite.
Keilriemen / Flachriemen
hoch
gering
92 – 96 %
Reibschlüssig, also Schlupf möglich. Für Drehzahlübertragung, nicht für Positionierung.
Kette (Rollenkette)
mittel
mittel
95 – 98 %
Hohe Last, unempfindlich gegen Hitze und Schmutz. Braucht Schmierung, längt sich, Polygoneffekt bei kleinen Rädern.
Trapezgewindespindel
niedrig
hoch
25 – 50 %
Meist selbsthemmend — hält die Z-Achse ohne Strom. Wirkungsgrad und Verschleiß sind die Nachteile.
Kugelgewindetrieb
mittel
sehr hoch
90 – 95 %
Präzise, spielfrei vorspannbar, langlebig. Nicht selbsthemmend — senkrechte Achsen brauchen eine Bremse.
Zahnstange & Ritzel
hoch
hoch
90 – 97 %
Beliebig lange Achsen ohne Steifigkeitsverlust. Spiel nur mit vorgespanntem Doppelritzel im Griff.
Linearmotor
sehr hoch
—
—
Kein mechanisches Zwischenglied, kein Spiel, höchste Dynamik. Teuer, braucht Kühlung, hält bei Stromausfall nicht.
Zahnriemen und Spindeln
Riemenprofil
Teilung
Einsatz
GT2 / 2GT
2 mm
3D-Drucker, leichte Positionierachsen; sehr geringes Spiel im Eingriff
GT3 / 3GT
3 mm
wie GT2, höhere Last
HTD 5M / 8M
5 / 8 mm
Leistungsübertragung, CNC-Achsen
AT5 / AT10
5 / 10 mm
Positionierantriebe mit hoher Steifigkeitsanforderung
T5 / T10
5 / 10 mm
Ältere Norm, mehr Spiel als AT
MXL / XL
2,032 / 5,08 mm
Zollprofile, Ersatzteilbedarf an älteren Geräten
Spindel
Ø × Steigung
Vorschub bei 1500 min⁻¹
1204
12 × 4 mm
6 000 mm/min
1605
16 × 5 mm
7 500 mm/min
1610
16 × 10 mm
15 000 mm/min
2005
20 × 5 mm
7 500 mm/min
2510
25 × 10 mm
15 000 mm/min
Die Bezeichnung 1605 heißt: 16 mm Nenndurchmesser, 5 mm Steigung — und damit 5 mm Vorschub je Umdrehung.
Riemenspannung richtig einstellen: Zu locker heißt Zahnüberspringen und Spiel, zu straff heißt Lagerbelastung und Riemenverschleiß. Praktisch prüft man über die Eigenfrequenz des freien Trums — anzupfen und mit einer Frequenz-App messen. Die Sollfrequenz je Profil, Breite und freier Länge gibt der Riemenhersteller an.
Die kritische Drehzahl begrenzt lange Spindeln. Eine Spindel Ø 16 mm mit 1000 mm freier Länge wird ab wenigen hundert Umdrehungen pro Minute instabil und peitscht — unabhängig davon, wie stark der Motor ist. Abhilfe: größerer Durchmesser, kürzere freie Länge, beidseitig feste Lagerung oder ein Antrieb mit rotierender Mutter bei stillstehender Spindel. Die Rechnung dazu unter Kinematik, Dynamik & Schwingungen.
Riemen oder Spindel?
Riemen nehmen, wenn …
lange Wege schnell zurückgelegt werden sollen
Positioniergenauigkeit im Zehntelmillimeterbereich reicht
geringe bewegte Masse wichtig ist
es leise und wartungsarm sein soll
das Budget begrenzt ist
Spindel nehmen, wenn …
Prozesskräfte auftreten (Fräsen, Pressen, Bohren)
Wiederholgenauigkeit im Hundertstelbereich gefordert ist
eine senkrechte Achse gehalten werden muss
die Achse steif genug für einen straffen Regelkreis sein soll
die Wege kurz sind (unter etwa 800 mm)
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN 780 (Modulreihe), DIN 867 (Bezugsprofil für Evolventenverzahnung), DIN 3990 / ISO 6336 (Tragfähigkeit von Stirnrädern).
Gerhard Niemann, Hans Winter, Maschinenelemente Band 2: Getriebe allgemein, Zahnradgetriebe, Springer — das Standardwerk.
KHK Gear Technical Reference — frei zugängliche, praxisnahe Einführung in Verzahnungsgeometrie und Profilverschiebung.
DIN ISO 5296 / DIN 7721 (Synchronriemen) und DIN ISO 3408 (Kugelgewindetriebe: Steigungen, Genauigkeitsklassen, kritische Drehzahl).
Federn, Dichtungen und Kupplungen sind die Bauteile, an denen Konstruktionen im Betrieb scheitern. Eine Feder definiert eine Kraft über einen Weg — die Federrate ist fast immer wichtiger als die Maximalkraft. Eine Dichtung ist nur so gut wie die Nut, in der sie liegt, und eine Kupplung nur so gut, wie sie Versatz ausgleicht, ohne ihn in Lagerkräfte zu verwandeln.
Federrate
c = F / s E = ½ · c · s² c = G · d⁴ / (8 · D_m³ · n)c in N/mm, s in mm. Für die zylindrische Schraubendruckfeder: d Drahtdurchmesser, D_m mittlerer Windungsdurchmesser, n federnde Windungen, G Schubmodul (Federstahl ≈ 81 500 N/mm²). In Reihe addieren sich die Kehrwerte (weicher), parallel die Raten (steifer) — genau umgekehrt zu Widerständen.
Der Drahtdurchmesser geht in der vierten Potenz ein. 10 % dickerer Draht ergibt eine 46 % steifere Feder. Der Windungsdurchmesser geht kubisch und umgekehrt ein: 10 % größerer Durchmesser macht die Feder 25 % weicher. Wer eine Feder anpassen will, dreht zuerst an der Windungszahl — der einzige Parameter mit linearem Einfluss.
Federbauformen und Dämpfung
Bauform
Belastung
Kennlinie
Einsatz
Schraubendruckfeder
Druck
linear
Der Standardfall: Ventile, Rückstellungen, Andruck
Schraubenzugfeder
Zug
linear mit Vorspannung
Rückholung, Klappen; die Ösen sind die Schwachstelle
Schenkelfeder (Torsionsfeder)
Drehmoment
linear
Scharniere, Klemmen, Wäscheklammerprinzip
Tellerfeder (DIN 2093)
Druck
je nach h/t degressiv oder progressiv
Sehr hohe Kraft auf kurzem Weg; stapelbar zu beliebigen Kennlinien
Blattfeder
Biegung
linear
Festkörpergelenke, Klemmen, Fahrzeugfederung
Gasdruckfeder
Druck
nahezu konstant
Klappen und Deckel: die Kraft bleibt über den Weg fast gleich
Elastomerpuffer
Druck / Schub
progressiv
Anschläge und Endlagen; Feder und Dämpfer in einem Bauteil
Eine Feder allein speichert Energie und gibt sie zurück — sie schwingt. Erst ein Dämpfer entzieht dem System Energie:
Elastomerpuffer: innere Reibung im Werkstoff — die einfachste Lösung für Anschläge.
Hydraulikdämpfer: Drosselung einer Flüssigkeit, Kraft steigt mit der Geschwindigkeit, einstellbar.
Reibungsdämpfer: Coulombsche Reibung, Kraft geschwindigkeitsunabhängig — einfach, aber Stick-Slip.
Wirbelstromdämpfer: induzierte Ströme im Leiter, verschleißfrei und berührungslos; in Messgeräten und Waagen.
Dämpfung wirkt nur in der Nähe der Resonanz. Wie stark, zeigt die Vergrößerungsfunktion unter Kinematik, Dynamik & Schwingungen — bei einem Dämpfungsgrad von 0,02 überhöht die Resonanz noch 25-fach, bei 0,1 nur noch 5-fach.
Tellerfedern stapeln
Gleichsinnig (parallel)
Alle Federn in dieselbe Richtung: die Kraft addiert sich, der Weg bleibt der einer Einzelfeder. Die Reibung zwischen den Tellern erzeugt Dämpfung.
Wechselsinnig (Reihe)
Abwechselnd gedreht: der Weg addiert sich, die Kraft bleibt die einer Einzelfeder.
Kombination
Pakete zu je zwei oder drei gleichsinnig, diese wechselsinnig gestapelt — damit lässt sich fast jede Kennlinie in wenig Bauraum bauen.
Tellerfedern unter Schraubenköpfen wirken dort, wo Setzen unvermeidlich ist — bei Kunststoffbauteilen oder vielen Trennfugen. Anders als der Federring bringen sie eine relevante Kraft über einen nennenswerten Weg auf. Eine Sicherung gegen Losdrehen ersetzen sie nicht, siehe Schrauben & Gewinde.
Federn auslegen
Richtig
Feder im mittleren Drittel ihres Weges arbeiten lassen — nicht nahe Blocklänge, nicht nahe null
Knicksicherheit prüfen, sobald L₀/D_m > 4 wird; frei aufliegende Enden knicken schon ab etwa 2,6, fest geführte erst ab 5,2
Führung über Dorn oder in einer Bohrung vorsehen
Bei dynamischer Belastung kugelgestrahlte Federn wählen
Katalogfedern nehmen: verfügbar, geprüft, mit Kennlinie im Datenblatt
Falsch
Feder auf Block fahren lassen — die Spannung steigt schlagartig, der häufigste Bruchgrund
Zugfeder über die Ösen hinaus belasten; dort sitzt die Kerbspannung
Federstahl in korrosiver Umgebung ohne Schutz: Rostnarben sind Rissausgänge
Zugfedern für Dauerschwinglast — deutlich geringere Dauerfestigkeit als Druckfedern
Kaltverformte Federn dauerhaft über 120 °C einsetzen; sie erschlaffen
Dichtungsarten
Art
Bewegung
Druck
Anmerkung
O-Ring (ISO 3601)
statisch, langsam bewegt
bis 400 bar mit Stützring
Billigste und verbreitetste Dichtung; die Nutgeometrie entscheidet alles
Wellendichtring (DIN 3760, „Simmerring“)
rotierend
drucklos bis ca. 0,5 bar
Dichtlippe mit Feder; Welle gehärtet und drallfrei geschliffen, Ra 0,2–0,8 µm
Braucht ausreichende Flächenpressung — Schraubenabstand und Flanschsteifigkeit prüfen
Flüssigdichtung (anaerob, Silikon)
statisch
mittel
Passt sich jeder Form an; Aushärtezeit und Chemikalienbeständigkeit beachten
Labyrinth / Spaltdichtung
rotierend
drucklos
Berührungslos und verschleißfrei, für hohe Drehzahlen; hält nur Spritzwasser und Staub ab
Gleitringdichtung
rotierend
hoch
Pumpen: zwei geläppte Ringe gleiten aufeinander. Teuer, aber sehr dicht und langlebig
O-Ring richtig einbauen
Verpressung einstellen
Statisch 18–25 %, dynamisch 10–18 %. Zu wenig heißt undicht, zu viel heißt bleibende Verformung und frühes Versagen.
Füllgrad der Nut 70–90 %
Der Ring braucht Platz, um bei Wärmedehnung und Quellung auszuweichen. Eine randvolle Nut sprengt bei Erwärmung das Bauteil.
Einführfase 15–20° vorsehen
Ohne Fase wird der Ring an der Kante angeschnitten. Alle Kanten, über die er läuft, gebrochen und gratfrei.
Werkstoff nach Medium wählen
NBR für Öl und Kraftstoff bis 100 °C, FKM (Viton) für Chemie und bis 200 °C, EPDM für Wasser, Dampf und Bremsflüssigkeit — nicht für Mineralöl, dort quillt es stark. Silikon für Lebensmittel und tiefe Temperaturen.
Ab ca. 100 bar Stützring einsetzen
Sonst wird der Ring in den Spalt gedrückt (Spaltextrusion). Ein PTFE-Stützring auf der druckabgewandten Seite verhindert das.
Die häufigsten Dichtungsfehler sind selten der Ring selbst: zu große Spaltmaße, scharfe Kanten bei der Montage, falscher Werkstoff für das Medium, zu raue oder zu glatte Dichtfläche — und bei Wellendichtringen ein Drall aus dem Drehen, der wie eine Förderschnecke wirkt. Deshalb Wellensitze einstechschleifen, nicht drehen.
Kupplungen
Bauart
Versatzausgleich
Torsionssteifigkeit
Einsatz
Starre Kupplung / Klemmnabe
keiner
sehr hoch
Nur bei exakt fluchtenden, gemeinsam gelagerten Wellen
Balgkupplung (Metallbalg)
axial und winklig, wenig radial
sehr hoch
Servoachsen, Messtechnik; spielfrei und steif, aber empfindlich gegen Überlast
Klauenkupplung mit Elastomerstern
alle Richtungen, moderat
mittel
Der robuste Standard; dämpft Stöße, verschiedene Härtegrade wählbar
Oldham-Kupplung
hoher Radialversatz
mittel
Für parallel versetzte Wellen; die Kunststoffscheibe ist Verschleißteil
Wellfederkupplung (Beam)
alle Richtungen, gering
gering–mittel
Billig, für Encoder und leichte Antriebe
Kreuzgelenk (Kardan)
großer Winkel
hoch
Einfaches Gelenk überträgt ungleichförmig — nur paarweise sinnvoll
Sicherheitskupplung
je nach Typ
hoch
Rutscht oder rastet bei Überlast aus; schützt Getriebe und Werkzeug
Eine Kupplung gleicht Versatz aus — sie beseitigt ihn nicht. Jeder Versatz erzeugt Rückstellkräfte, die als zusätzliche Radial- und Axiallast in den Lagern landen und deren Lebensdauer verkürzen (siehe Lager & Führungen). Ausrichten bleibt Pflicht; die Kupplung fängt nur den Rest ab.
Kupplung als bewusste Sollbruchstelle: Ein Elastomerstern kostet wenige Euro und ist in Minuten getauscht. Wer ihn so auslegt, dass er vor dem Getriebe versagt, hat eine billige Überlastsicherung. Bei Servoantrieben tut das ohnehin die Strombegrenzung — aber nur, solange die Software läuft.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN 13906-1 bis -3 — Zylindrische Schraubenfedern aus runden Drähten: Berechnung und Knicksicherheit von Druck-, Zug- und Drehfedern; DIN 2093 — Tellerfedern mit Kennlinien und Stapelvorschriften.
Roloff/Matek, Maschinenelemente, Springer Vieweg — Kapitel Federn mit Auslegungsbeispielen und Dauerfestigkeitsdiagrammen für Federstahl.
Katalogdaten der Federhersteller als Primärquelle, etwa Gutekunst Federn mit frei nutzbarem Auslegungsprogramm.
ISO 3601-1 bis -5 (O-Ringe: Maße, Toleranzen, Einbauräume) und DIN 3760 / DIN 3761 (Radial-Wellendichtringe, Anforderungen an Gegenlauffläche und Drallfreiheit).
DIN 740 — Nachgiebige Wellenkupplungen: Kennwerte und Auslegung.
12 / 22Kennwerte richtig lesen
Ein Werkstoffdatenblatt liest sich anders, wenn man weiß, was die Zahlen bedeuten und wie sie gemessen wurden. Der häufigste Fehler ist, Festigkeit und Steifigkeit zu verwechseln — sie sind völlig unabhängig voneinander.
Festigkeit. Ab hier bleibt Verformung zurück — die Grenze, gegen die man auslegt
Zugversuch, 0,2 % bleibende Dehnung
Zugfestigkeit (R_m)
N/mm²
Höchstwert vor dem Einschnüren; als Auslegungsgrenze ungeeignet, aber Basis vieler Faustformeln
Zugversuch, Maximum
Bruchdehnung (A)
%
Zähigkeit. Über 10 % kündigt sich Versagen an, unter 5 % bricht es schlagartig
Zugversuch, Reststreckung
Kerbschlagarbeit (KV)
J
Zähigkeit unter Stoß, besonders bei tiefer Temperatur
Charpy-Pendelschlagversuch
Härte (HB, HV, HRC)
—
Widerstand gegen Eindringen; korreliert grob mit Verschleißfestigkeit und R_m
Brinell, Vickers, Rockwell
Dichte (ρ)
g/cm³
Für Leichtbau die Bezugsgröße der spezifischen Kennwerte
—
Ausdehnungskoeffizient (α)
10⁻⁶/K
Dehnung bei Erwärmung; bei Mischbau zählt die Differenz
Dilatometer
Wärmeleitfähigkeit (λ)
W/(m·K)
Kühlkörper, Heizelemente, alles Thermische
—
Steifigkeit ≠ Festigkeit. Ein Federstahl mit R_p0,2 = 1400 N/mm² ist viermal so fest wie Baustahl — aber exakt genauso steif (E = 210 000 N/mm²). Er hält mehr aus, bevor er bleibend verformt, biegt sich unter derselben Last aber genau gleich weit durch. Wer eine „steifere“ Achse will, braucht mehr Querschnitt oder eine bessere Form, nicht besseren Stahl.
Härteskalen umrechnen
Die Skalen sind nicht exakt ineinander umrechenbar, aber die Zuordnung nach DIN EN ISO 18265 ist für die Praxis brauchbar. Faustformel für un- und niedriglegierte Stähle: R_m ≈ 3,3 · HB.
HRC
HV
HB
R_m ≈ [N/mm²]
Typisch
—
120
114
385
S235 Baustahl, weichgeglüht
20
240
228
770
Vergütungsstahl C45V
30
302
287
970
42CrMo4 vergütet
40
392
371
1 250
Werkzeugstahl, angelassen
50
513
—
1 740
Einsatzgehärtete Randschicht
60
697
—
—
Wälzlagerstahl 100Cr6, HSS-Fräser
65+
> 800
—
—
Hartmetall, Keramik
Was Datenblätter verschweigen
Vorsicht bei
Kunststoff-Zugfestigkeiten: gemessen bei 23 °C, kurzzeitig, an spritzgegossener Normprobe. Ein gedrucktes Teil bei 50 °C unter Dauerlast erreicht oft weniger als ein Drittel davon
Werten „bis zu“: meist der Bestwert einer Legierungsgruppe im optimalen Zustand
Fehlender Prüfnorm: ISO- und ASTM-Prüfungen liefern für Kunststoffe unterschiedliche Zahlen
Kriechen: Kunststoffe verformen sich unter konstanter Last monatelang weiter — steht selten im Datenblatt
Dickenabhängigkeit: dicke Querschnitte härten schlechter durch und haben niedrigere Kennwerte
Verlässlich
E-Modul von Metallen — praktisch unabhängig von Legierung und Wärmebehandlung
Dichte — ändert sich kaum
Genormte Werkstoffe mit Werkstoffnummer — Mindestwerte der Norm sind garantiert
Werte mit Prüfnorm, Temperatur und Probengeometrie
Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 — misst das konkrete Los, nicht den Katalogwert
Für Leichtbau zählen spezifische Kennwerte wie E/ρ — und bei freier Wandstärke E^(1/3)/ρ. Die Systematik nach Ashby samt Zahlenbeispielen steht unter Werkstoffwahl & Tabellen.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO 6892-1 — Zugversuch an metallischen Werkstoffen; Definition von R_p0,2, R_m und A.
DIN EN ISO 148-1 — Kerbschlagbiegeversuch nach Charpy.
DIN EN ISO 18265 — Umwertung von Härtewerten; Grundlage der Umrechnungstabelle.
DIN EN 10204 — Arten von Prüfbescheinigungen (2.1, 2.2, 3.1, 3.2).
Michael F. Ashby, Materials Selection in Mechanical Design — spezifische Kennzahlen und Werkstoffdiagramme.
13 / 22Stahl, Guss & NE-Metalle
Stahl ist Eisen mit weniger als 2,06 % Kohlenstoff — darüber heißt es Gusseisen; Aluminium ist eine Familie mit Streckgrenzen von 30 bis 500 N/mm². Der E-Modul bleibt innerhalb jeder Familie praktisch konstant: Stahl 210 000, Aluminium 70 000 N/mm². Die Legierung ändert die Festigkeit, nie die Steifigkeit.
Stahlbezeichnungen entschlüsseln
Beispiel
System
Bedeutung
S235JR
Nach Verwendung
S = Stahlbau, 235 = Mindeststreckgrenze in N/mm², JR = 27 J Kerbschlagarbeit bei +20 °C
C45
Unlegiert
0,45 % Kohlenstoff — der Klassiker für Wellen und Achsen
42CrMo4
Niedriglegiert (< 5 % je Element)
0,42 % C; Legierungsanteile mit Faktor: Cr, Co, Mn, Ni, Si, W ·4 — Mo, Ti, V, Al ·10. Die 4 heißt also 4/4 = 1 % Cr
X5CrNi18-10
Hochlegiert (X, ≥ 5 %)
0,05 % C, 18 % Cr, 10 % Ni — der bekannte V2A / 1.4301
1.4301
Werkstoffnummer
1 = Stahl, 43 = nichtrostend mit Ni, 01 = laufende Nummer. Eindeutiger als der Kurzname
Die Stahlgruppen
Gruppe
Typische Vertreter
R_p0,2 [N/mm²]
Einsatz und Eigenschaften
Baustahl
S235JR (1.0038), S355J2 (1.0577)
235 / 355
Der Brot-und-Butter-Stahl: gut schweißbar, billig, überall verfügbar; nicht härtbar (zu wenig C)
Vergütungsstahl
C45 (1.0503), 42CrMo4 (1.7225)
490 / 750–900
Durchhärtend und anlassbar; Wellen, Achsen, hochbelastete Teile. Schweißen nur mit Vorwärmen
Einsatzstahl
16MnCr5 (1.7131), 20MnCr5
Kern 590–780
Wenig C im Kern, randaufgekohlt: harte Oberfläche, zäher Kern — Zahnräder, Bolzen
Nitrierstahl
31CrMoV9 (1.8519)
800–1000
Sehr harte, dünne Randschicht ohne Verzug; Spindeln, Führungsbahnen
Automatenstahl
11SMn30 (1.0715)
≈ 300
Schwefelzusatz für kurze Späne: beste Zerspanbarkeit, schlecht schweißbar
Werkzeugstahl
C105W1, X155CrVMo12-1, HSS
—
Hoher C-Gehalt und Karbidbildner: hart und verschleißfest, spröde
Federstahl
51CrV4 (1.8159), 1.4310
1200–1500
Hohe Streckgrenze bei guter Zähigkeit
Wälzlagerstahl
100Cr6 (1.3505)
—
Durchhärtend auf 60–64 HRC, sehr reine Schmelze
Nichtrostende Stähle
Typ
Gefüge
Magnetisch
Eigenschaften
1.4301 (V2A, AISI 304)
austenitisch
nein
Der Standard. Beständig gegen Wasser und viele Chemikalien, nicht gegen Chlorid; zäh, schlecht zerspanbar, nicht härtbar
1.4404 (V4A, AISI 316L)
austenitisch
nein
Mit Molybdän: beständig gegen Salzwasser und Chlorid; niedriger C-Gehalt für Schweißbarkeit
1.4021 / 1.4034
martensitisch
ja
Härtbar auf 50–56 HRC; Messer, Wellen mit Korrosionsanforderung
1.4016 (AISI 430)
ferritisch
ja
Billiger, weniger beständig; Blenden, Haushaltsgeräte
1.4462 (Duplex)
austenitisch-ferritisch
teilweise
Doppelte Festigkeit gegenüber 1.4301, sehr beständig; teuer
„Rostfrei“ ist irreführend. Nichtrostende Stähle schützen sich durch eine Chromoxid-Passivschicht. Wird sie durch Schleifstaub von normalem Stahl, durch Chlorid oder durch Sauerstoffmangel im Spalt verletzt, rosten sie sehr wohl. Deshalb: getrennte Bürsten und Schleifmittel für Edelstahl, nach dem Schweißen beizen und passivieren, Spalte vermeiden — Details unter Wärmebehandlung & Korrosion.
Gusseisen
Sorte
E-Modul [N/mm²]
R_m [N/mm²]
Eigenschaften
Grauguss EN-GJL-250
≈ 110 000
250
Lamellengraphit: spröde, aber hervorragend dämpfend und gut gleitend. Maschinenbetten, Gehäuse
Sphäroguss EN-GJS-400-15
≈ 170 000
400
Kugelgraphit: deutlich zäher (15 % Bruchdehnung), fast wie Stahl belastbar
Temperguss EN-GJMB-350
≈ 175 000
350
Dünnwandige, komplexe Teile; Fittings, Beschläge
Warum Maschinenbetten aus Grauguss sind: Der Lamellengraphit wirkt wie Millionen kleiner Kerben und senkt die Festigkeit — dämpft Schwingungen aber zwei- bis dreimal so gut wie Stahl. Für ein Maschinenbett zählt Dämpfung mehr als Festigkeit; der moderne Nachfolger ist Mineralguss (siehe Kunststoffe & Verbund).
Bleche, gut umformbar und schweißbar, seewasserfest
EN AW-6060 / 6063
140–180
gut
Der Strangpress-Standard: Konstruktionsprofile, Kühlkörper, gut eloxierbar
EN AW-6082 (AlMgSi1)
250–290
gut
Der Konstruktionswerkstoff schlechthin: Platten, Wellen, Frästeile. Schweißbar
EN AW-7075 (AlZnMgCu)
450–500
sehr gut
Höchste Festigkeit, fast Stahlniveau. Nicht schweißbar, spannungsrisskorrosionsanfällig, teuer
Al-Guss (AlSi9Cu3 u. ä.)
140–200
gut
Druckguss für Gehäuse; komplexe Formen, weniger fest als Knetlegierungen
Der Zustand steht hinter der Legierung: T6 = lösungsgeglüht und warmausgelagert (der übliche Festigkeitszustand), T651 zusätzlich spannungsarm gereckt, O = weichgeglüht, H = kaltverfestigt.
Für Frästeile aus Platte immer den gereckten Zustand nehmen. Gewalzte Aluplatte ohne Spannungsarmglühen enthält Eigenspannungen — einseitig ausgefräst verzieht sich das Teil bei 300 mm Länge um mehrere Zehntel. Plattenqualität wie 6082 T651 oder 5083 H111 (Alumec, Certal u. ä.) löst das.
Kupfer, Titan, Magnesium
Werkstoff
Charakter
Einsatz
Kupfer Cu-ETP
λ = 390 W/(m·K), zäh, schlecht zerspanbar
Elektrische Leiter, Kühlkörper, Wärmetauscher
Messing CuZn39Pb3 (MS58)
Hervorragend zerspanbar
Der Drehteilwerkstoff: Fittings, Inserts. Nicht für Ammoniak (Spannungsrisskorrosion)
Rotguss / Zinnbronze CuSn8
Gleitfreudig, seewasserbeständig
Lagerbuchsen, Schneckenräder — der klassische Gleitpartner zu Stahl
Beryllium-Kupfer CuBe2
Aushärtbar auf 1300 N/mm²; Staub giftig
Federkontakte, funkenfreie Werkzeuge
Titan Grade 5 (Ti6Al4V)
R_p0,2 bis 900 N/mm² bei 4,4 g/cm³, E nur 110 000; schwer zerspanbar, Späne brennbar, teuer
Leichtbau, Implantate, korrosive Medien
Magnesium (AZ91, AZ31)
1,8 g/cm³, gut dämpfend; wenig fest, Späne leicht entzündlich — nie mit Wasser löschen
Druckgussgehäuse, extremer Leichtbau
Kontaktkorrosion beim Mischbau: Aluminium ist gegenüber Edelstahl, Kupfer und Kohlefaser das unedlere Metall und korrodiert bei Feuchtigkeit. Abhilfe und Spannungsreihe unter Wärmebehandlung & Korrosion; alle Zahlenwerte in der Werkstofftabelle.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN 10027-1/-2 — Bezeichnungssysteme für Stähle: Kurznamen und Werkstoffnummern.
DIN EN 10025 (Baustähle), 10083 (Vergütungsstähle), 10084 (Einsatzstähle), 10088 (nichtrostende Stähle), DIN EN 1561/1563 (Gusseisen).
DIN EN 573-3 und DIN EN 515 — Aluminium: Legierungs- und Zustandsbezeichnungen; DIN EN 755-2 — Strangpressprofile.
DIN EN 1652 / EN 12164 — Kupfer und Kupferlegierungen.
Kunststoffe und Verbunde sind kein Metallersatz, sondern eigene Werkstoffklassen mit eigenen Regeln. Kunststoffe kriechen unter Dauerlast und ändern sich mit Temperatur und Feuchte; Faserverbunde sind nur in Faserrichtung stark. Wer damit rechnet, bekommt sehr gute Bauteile.
Die drei Kunststofffamilien
Thermoplaste
Schmelzen wieder auf: spritzgießbar, schweißbar, recyclingfähig. PE, PP, PA, POM, PC, PEEK — die technisch wichtigste Gruppe.
Duroplaste
Vernetzen irreversibel: hart, formstabil bis zur Zersetzung, nicht schweißbar. Epoxid, Phenolharz — als Matrix in Faserverbunden.
Chemisch sehr beständig, gleitfreudig, billig; weich, schlecht klebbar
PP
1 400
100 °C
Chemikalienbeständig, Filmscharniere möglich; UV-empfindlich ohne Additive
POM (Delrin, Ertacetal)
2 800
100 °C
Der Konstruktionswerkstoff: steif, maßhaltig, hervorragend zerspanbar, gleitfreudig. Schlecht klebbar
PA6 / PA66 (Nylon)
1 700–3 000
100 °C
Zäh, abriebfest, gut für Zahnräder. Hygroskopisch: nimmt bis 3 % Wasser auf, wird weicher und wächst bis 0,6 %
PC (Polycarbonat)
2 300
115 °C
Transparent, extrem schlagzäh; Spannungsrisse durch Lösemittel
PMMA (Acrylglas)
3 300
80 °C
Klarer als Glas, gut lasercuttbar und polierbar; spröde, kratzempfindlich
PTFE (Teflon)
500
260 °C
Geringster Reibwert aller Feststoffe (0,04), chemisch inert; kriecht stark, nicht klebbar
PEEK
3 600
250 °C
Hochleistungskunststoff: fest, chemisch inert, sterilisierbar. Sehr teuer
ABS
2 200
85 °C
Gut zerspanbar und klebbar, schlagzäh; UV-empfindlich, quillt in Aceton (nutzbar zum Glätten)
3D-Druckwerkstoffe (PLA, PETG, ASA, PA-CF, TPU) mit Druckparametern und Düsenempfehlungen stehen gesammelt unter 3D-Druck → Filamente; Konstruktionsregeln für Druckteile unter Konstruieren für den 3D-Druck.
Kriechen ist die Falle bei Kunststoffen. Ein Teil, das eine Last kurzzeitig mühelos trägt, verformt sich unter derselben Last über Wochen weiter — bei Wärme beschleunigt. Für Dauerlast gilt der Kriechmodul, der nach 1000 h oft nur noch die Hälfte des Kurzzeitwerts beträgt. Praktisch: bei Dauerlast höchstens ein Viertel bis ein Drittel der zulässigen Kurzzeitspannung ansetzen.
Konstruktionsregeln für Kunststoff
Beachten
Große Auflageflächen unter Schraubenköpfen — zulässige Flächenpressung nur 10–30 N/mm²
Gewindeeinsätze statt geschnittener Gewinde bei mehrfacher Montage
Wärmedehnung fünf- bis achtmal so hoch wie Stahl — Langlöcher vorsehen
Radien an allen Innenecken; Kunststoffe sind kerbempfindlich
Beim Spritzguss gleichmäßige Wandstärken, Rippen höchstens 60 % der Wandstärke
Vermeiden
Kunststoff als Zugelement unter Dauerlast
Nylon ohne Trocknung verarbeiten oder vermessen
PC mit lösemittelhaltigen Reinigern behandeln
PLA in Außenanwendung, im Auto oder in Motornähe
Metallkennwerte direkt auf Kunststoff übertragen
Faserverbunde
Werkstoff
E-Modul längs [N/mm²]
Dichte [g/cm³]
Anmerkung
CFK, unidirektional
130 000–180 000
1,5
Bezogen aufs Gewicht steifer als Stahl; quer zur Faser nur rund 10 000 N/mm²
CFK, Gewebe (0/90)
60 000–70 000
1,5
In beide Hauptrichtungen brauchbar, in keiner optimal
GFK (Glasfaser)
20 000–45 000
1,9
Deutlich billiger, elektrisch isolierend, zäher als CFK
Aramid (Kevlar)
60 000–80 000
1,4
Sehr schlagzäh und schnittfest; schlecht auf Druck, schwer zu bearbeiten
CFK-Rohre aus dem Modellbau sind nicht das, wonach sie aussehen. Gewickelte Rohre mit Fasern überwiegend in Umfangsrichtung sind biegeweich, obwohl das Material CFK ist. Für Biegesteifigkeit müssen die Fasern längs liegen (pultrudiert oder unidirektional) — den Lagenaufbau erfragen, nicht nur „Carbon“ lesen.
Kohlefaser leitet elektrisch und ist gegenüber Aluminium edler. Ein CFK-Rohr in einer Aluklemme korrodiert die Klemme in feuchter Umgebung weg — Zwischenlage aus GFK, Kunststoff oder Klebstoff einplanen. Kohlestaub vom Schleifen ist leitfähig und legt Elektronik lahm: räumlich trennen und absaugen.
Holz, Keramik, Mineralguss
Holz arbeitet: quer zur Faser schwindet und quillt es um bis zu 0,3 % je Prozent Holzfeuchteänderung, längs praktisch gar nicht — starr verschraubte Vollholzplatten reißen. Kennwerte für Fichte, Buche, Multiplex und MDF stehen in der Werkstofftabelle.
Technische Keramik (Al₂O₃, ZrO₂, Si₃N₄)
E-Modul 300 000–400 000 N/mm², extrem hart, temperaturbeständig über 1000 °C, chemisch inert, isolierend. Aber: praktisch keine Bruchdehnung, empfindlich gegen Zug und Stoß, nur schleifend bearbeitbar. Lagerkugeln, Schneidstoffe, Isolatoren.
Mineralguss / Polymerbeton
Mineralische Körnung in Epoxidmatrix: E ≈ 40 000 N/mm², Dämpfung sechs- bis zehnmal besser als Grauguss, geringe Wärmeleitung und -dehnung. Gießbar mit eingelegten Gewinden ab Stückzahl eins — der moderne Werkstoff für Maschinenbetten.
Sandwich schlägt Vollmaterial. Zwei dünne, feste Decklagen auf leichtem Kern (Schaum, Wabe, Holz) nutzen das Prinzip aus Balken & Biegung: Material weit weg von der neutralen Faser. 20 mm Kern mit 1-mm-Decklagen erreicht bei einem Bruchteil des Gewichts die Biegesteifigkeit einer 10-mm-Vollplatte. Kritisch ist nur die Verklebung — sie überträgt den Schub.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO 527 — Zugversuch an Kunststoffen; DIN EN ISO 75 — Wärmeformbeständigkeit (HDT); DIN EN ISO 899-1 — Kriechverhalten.
DIN EN ISO 14125 — Biegeversuch an Faserverbundkunststoffen; DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5) — Kennwerte für Konstruktionsholz.
Wärmebehandlung ändert die Festigkeit eines Stahls um den Faktor fünf — ohne den E-Modul anzurühren. Korrosion wiederum ist ein elektrochemischer Vorgang, der Metall, Elektrolyt und ein Potenzialgefälle braucht. Beides entscheidet sich meist in der Konstruktion, nicht am Werkstoffregal.
Wärmebehandlungsverfahren für Stahl
Verfahren
Ablauf
Ergebnis
Typisch für
Härten
Austenitisieren (800–900 °C), abschrecken in Wasser, Öl oder Luft
Martensit: bis 65 HRC, sehr spröde, mit Eigenspannungen
Sehr harte dünne Schicht (0,1–0,5 mm), kaum Verzug
Nitrierstähle, Spindeln, Formen
Induktionshärten
Örtlich mit Spule erwärmen und abschrecken
Selektiv gehärtete Zonen
Laufflächen, Zahnflanken, Nockenwellen
Normalglühen
30–50 K über A₃, Luftabkühlung
Gleichmäßiges feinkörniges Gefüge
Nach Schweißen oder Schmieden
Weichglühen
Lange bei 680–720 °C, langsam abkühlen
Weichstes Gefüge, beste Zerspanbarkeit
Vor der Bearbeitung hochlegierter Stähle
Spannungsarmglühen
550–650 °C, sehr langsam abkühlen
Eigenspannungen weg, Gefüge bleibt
Nach dem Schweißen, vor der Feinbearbeitung
Nach dem Härten immer anlassen — sofort. Frisch gehärteter Martensit steht unter enormen Eigenspannungen und kann über Nacht von selbst reißen. Anlassen gehört zum Härten dazu; Anlasstemperatur und Haltezeit bestimmen die Endhärte (Anlassschaubild im Werkstoffdatenblatt).
Reihenfolge in der Fertigung
Weichbearbeitung
Drehen, Fräsen, Bohren im weichen Zustand; 0,2–0,5 mm Zugabe für das spätere Schleifen stehen lassen.
Spannungsarmglühen
Bei stark zerspanten oder geschweißten Teilen vor dem Härten — sonst verzieht sich das Teil unkontrolliert.
Härten und Anlassen
Gleichmäßige Querschnitte gestalten; Sprünge und scharfe Kanten sind Härterissausgänge. Bohrungen und Nuten vorher fertigstellen — gehärtet lässt sich nur noch schleifen oder erodieren.
Hartbearbeitung
Schleifen oder Hartdrehen auf Endmaß nimmt den Härteverzug weg.
Oberflächenbehandlung
Brünieren, Beschichten als Abschluss. Bei galvanischen Verfahren an hochfesten Teilen: Wasserstoffversprödung — danach tempern.
Für Einzelteile: Ein gewerblicher Härter kostet oft unter zwanzig Euro je Teil und liefert ein Prüfprotokoll. Noch einfacher: bereits vergütet gekauftes Material (C45 vergütet, 42CrMo4 QT) verwenden und die Wärmebehandlung ganz vermeiden.
Aushärten bei Aluminium
6000er- (AlMgSi) und 7000er-Legierungen (AlZn) werden durch Lösungsglühen (ca. 500 °C), Abschrecken und Auslagern fest: Kaltauslagern ergibt T4, Warmauslagern bei 150–190 °C den Standardzustand T6.
Aluminium verliert seine Festigkeit beim Schweißen. Die Wärmeeinflusszone überaltert und fällt nahe auf den weichgeglühten Zustand zurück — bei 6082-T6 von 290 auf rund 150 N/mm². Das ist physikalisch unvermeidlich: geschweißte Alukonstruktionen werden mit den Werten der Wärmeeinflusszone gerechnet (Eurocode 9).
Korrosionsarten erkennen
Art
Mechanismus
Gegenmaßnahme
Flächenkorrosion
Gleichmäßiger Abtrag durch Feuchte und Sauerstoff
Beschichtung, Verzinkung, Wandstärkenzugabe
Kontaktkorrosion
Zwei Metalle mit Potenzialdifferenz im Elektrolyten; das unedlere löst sich auf
Niedriggekohlte oder stabilisierte Sorten (1.4404, 1.4571)
Spannungsreihe: wer opfert sich für wen
Praktische Potenziale in Seewasser, von unedel nach edel — bei Kontakt wird das unedlere Metall angegriffen: Magnesium (−1,6 V) → Zink (−1,0) → Aluminium (−0,8) → Baustahl (−0,6) → Blei/Zinn, Messing, Bronze (−0,3) → Kupfer (−0,2) → Edelstahl passiv (−0,1) → Titan, Graphit/Kohlefaser (+0,1).
Das Flächenverhältnis entscheidet über die Geschwindigkeit. Eine kleine Edelstahlschraube im großen Aluteil ist wenig kritisch; eine kleine Aluminiumniete im großen Edelstahlblech ist in kurzer Zeit weg. Merksatz: kleine Kathode, große Anode ist unkritisch — umgekehrt fatal.
Schutzverfahren
Verfahren
Schichtdicke
Anmerkung
Galvanisch verzinken
5–25 µm
Kathodischer Schutz, Standard bei Normteilen. Hochfeste Teile (12.9): Wasserstoffversprödung — tempern
Feuerverzinken
50–150 µm
Jahrzehnte im Freien; Verzug durchs Tauchbad, Maße ändern sich
Eloxieren (Alu)
5–25 µm (Hartcoat bis 60)
Harte, isolierende, einfärbbare Oxidschicht; Maße wachsen um etwa die halbe Schichtdicke
Pulverbeschichten
60–120 µm
Robuster Barriereschutz; unterrostet bei Beschädigung (kein kathodischer Schutz)
Brünieren
< 1 µm
Nur mit Öl wirksam; maßneutral — Werkzeuge und Lehren
Chemisch Nickel
10–50 µm
Sehr gleichmäßig, auch in Bohrungen; hart, teurer
Opferanode
—
Kathodischer Schutz durch unedleres Metall; Boote, Boiler — regelmäßig tauschen
Konstruktiver Korrosionsschutz
Richtig
Wasser ablaufen lassen: geneigte Flächen, Ablauflöcher an den tiefsten Stellen
Spalte vermeiden oder verschließen (durchgehende Naht statt Heftpunkte)
Metalle mit Kunststoffscheibe, Klebstoff oder Beschichtung trennen
Kanten brechen — Beschichtungen reißen an scharfen Kanten auf
Edelstahl nach dem Schweißen beizen und passivieren
Falsch
Nach unten offene Hohlprofile ohne Ablauf
Edelstahl mit einer Bürste bearbeiten, die vorher an normalem Stahl war (Fremdrost)
Aluminium direkt gegen Kohlefaser oder Edelstahl im Freien
Beschichtung als einzige Maßnahme bei bekannter Beschädigungsgefahr
Hochfeste Schrauben galvanisch verzinken ohne anschließendes Tempern
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO 4885 — Wärmebehandlung von Eisenwerkstoffen: Begriffe und Verfahren; DIN EN 10083 — Vergütungsstähle mit Anlassschaubildern.
DIN EN 515 — Aluminium-Zustandsbezeichnungen; DIN EN 1999-1-1 (Eurocode 9) — Abminderung in der Wärmeeinflusszone.
DIN EN ISO 8044 (Korrosionsbegriffe), DIN EN ISO 12944 (Beschichtungssysteme, Korrosivitätskategorien C1–C5), DIN EN ISO 1461 (Feuerverzinken), DIN EN ISO 4042 (galvanische Überzüge, Wasserstoffversprödung), DIN EN ISO 7599 (Eloxal).
Berns/Theisen, Eisenwerkstoffe — Stahl und Gusseisen, Springer; Wendler-Kalsch/Gräfen, Korrosionsschadenkunde, Springer.
16 / 22Werkstoffwahl & Tabellen
Werkstoffauswahl beginnt nicht mit einer Werkstoffliste, sondern mit der Frage, welche Eigenschaft das Bauteil begrenzt. Steifigkeit, Festigkeit, Temperatur, Korrosion, Verschleiß oder Preis — erst danach lohnt der Blick in die Tabelle unten: alle Kennwerte in denselben Einheiten, sortier- und filterbar.
Vorgehen in fünf Schritten
Begrenzende Eigenschaft benennen
„Der Ausleger darf sich unter 200 N um höchstens 0,5 mm durchbiegen“ ist eine rechenbare Anforderung. „Muss stabil sein“ ist keine.
Ausschlusskriterien setzen
Dauertemperatur, Medien, Lebensmittelzulassung, Leitfähigkeit, Magnetismus, Masse, Brandschutz — diese Liste streicht meist drei Viertel der Kandidaten.
Zielgröße maximieren
Bei gegebener Steifigkeit und minimaler Masse E^(1/3)/ρ, bei gegebener Festigkeit R_p0,2^(2/3)/ρ, bei minimalen Kosten die Eigenschaft je Euro (Systematik nach Ashby).
Fertigbarkeit und Verfügbarkeit prüfen
Der beste Werkstoff nützt nichts, wenn er nicht lieferbar ist, die Werkstatt ihn nicht bearbeiten kann oder die Mindestmenge bei 500 kg liegt.
Gegenrechnen und absichern
Mit den Kennwerten des Lieferanten rechnen, nicht mit dem Katalogmittelwert; bei kritischen Teilen Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 verlangen.
Entscheidungshilfen für häufige Fälle
Anforderung
Erste Wahl
Alternative
Begründung
Steifer Rahmen, Kosten zählen
Stahl S235/S355, geschweißt
Aluprofil 6060 mit Verbindern
Stahl hat den dreifachen E-Modul; das Profilsystem ist schneller montiert und änderbar
Leichtes, steifes Bauteil
Aluminium 6082 T651
CFK-Sandwich
Bei gleicher Biegesteifigkeit spart Alu über größere Wandabstände; CFK ist besser, aber teuer
Hoch belastete Welle
42CrMo4 vergütet
C45 vergütet
Höhere Streckgrenze bei gleichem E-Modul und Bauraum
Gleitlager, wartungsfrei
Kunststoff (iglidur, PTFE-Verbund)
Zinnbronze CuSn8
Kunststoff braucht keine Schmierung; Bronze trägt mehr und verträgt mehr Temperatur
Frästeil, viele Bohrungen
Aluminium 6082 oder POM-C
Automatenstahl 11SMn30
Beste Zerspanbarkeit, kurze Bearbeitungszeit
Außenanwendung, Feuchte
Edelstahl 1.4301, feuerverzinkter Stahl
Eloxiertes Aluminium
Bei Salzwasser 1.4404 statt 1.4301
Maschinenbett, dämpfend
Mineralguss
Grauguss EN-GJL-250
Dämpfung schlägt hier Festigkeit
Transparente Abdeckung
PMMA (Acrylglas)
PC (Polycarbonat)
PMMA ist klarer und kratzfester; PC ist schlagzäh — die Wahl für Schutzscheiben
Funktionsteil aus dem Drucker
PETG oder ASA
PA-CF
PLA ist zu temperaturempfindlich und zu spröde
Heiß und chemisch aggressiv
PEEK oder 1.4404
PTFE (drucklos)
PEEK bis 250 °C mechanisch belastbar; PTFE ist inert, kriecht aber
Die Werkstofftabelle
E-Modul und R_p0,2 in N/mm², Dichte in g/cm³, α in 10⁻⁶/K, λ in W/(m·K).
Werkstoff
Gruppe
E-Modul
R_p0,2
Dichte
α
λ
Hinweis
S235JR (1.0038)
Stahl
210 000
235
7,85
12
50
Der Baustahl. Gut schweißbar, überall verfügbar, nicht härtbar.
S355J2 (1.0577)
Stahl
210 000
355
7,85
12
45
Höherfester Baustahl, gleiche Verarbeitung wie S235 bei 50 % mehr Streckgrenze.
C45 vergütet (1.0503)
Stahl
210 000
490
7,85
11
45
Der Wellenwerkstoff (490 N/mm² bis Ø 16, größere Abmessungen weniger). Induktionshärtbar.
42CrMo4 vergütet (1.7225)
Stahl
210 000
750
7,85
11
42
Hochbelastete Wellen und Schrauben. Schweißen nur mit Vorwärmen.
16MnCr5 (1.7131)
Stahl
210 000
590 (Kern)
7,85
11
44
Einsatzstahl für Zahnräder: harte Randschicht, zäher Kern.
51CrV4 (1.8159)
Stahl
206 000
1 200
7,85
12
45
Federstahl. Hohe Streckgrenze bei guter Zähigkeit.
100Cr6 (1.3505)
Stahl
210 000
gehärtet 60–64 HRC
7,85
11,5
45
Wälzlagerstahl, sehr reine Schmelze. Durchhärtend.
11SMn30 (1.0715)
Stahl
210 000
≈ 300
7,85
11
50
Automatenstahl: beste Zerspanbarkeit, kurze Späne. Nicht schweißbar.
X5CrNi18-10 (1.4301, V2A)
Stahl
200 000
210
7,90
16
15
Der Edelstahl-Standard. Nicht chloridbeständig, nicht härtbar, magnetfrei.
X2CrNiMo17-12-2 (1.4404, V4A)
Stahl
200 000
220
8,00
16,5
15
Mit Molybdän: salzwasser- und chloridbeständig.
X20Cr13 (1.4021)
Stahl
215 000
500 (vergütet)
7,70
10,5
30
Härtbarer nichtrostender Stahl. Messer, Wellen mit Korrosionsanforderung.
EN-GJL-250 (Grauguss)
Stahl
110 000
R_m 250
7,20
10
48
Lamellengraphit: spröde, aber hervorragend dämpfend. Maschinenbetten.
EN-GJS-400-15 (Sphäroguss)
Stahl
169 000
250
7,10
12,5
36
Kugelgraphit: 15 % Bruchdehnung, fast wie Stahl belastbar.
EN AW-1050A (Al 99,5)
NE-Metall
69 000
35
2,70
23,5
229
Rein-Aluminium: sehr gut leitend und umformbar, schlecht zerspanbar.
EN AW-5754 (AlMg3)
NE-Metall
70 000
80
2,67
23,8
147
Blechlegierung, gut umformbar und schweißbar, seewasserfest.
EN AW-6060 T6
NE-Metall
69 000
150
2,70
23,4
200
Der Strangpress-Standard: Konstruktionsprofile, Kühlkörper, gut eloxierbar.
EN AW-6082 T6
NE-Metall
70 000
260
2,70
23,4
170
Der Konstruktionswerkstoff: Platten und Frästeile, schweißbar.
EN AW-7075 T6
NE-Metall
72 000
460
2,80
23,6
130
Höchste Festigkeit, fast Stahlniveau. Nicht schweißbar, teuer.
Kupfer Cu-ETP
NE-Metall
125 000
60 (weich)
8,90
16,5
390
Bester bezahlbarer Wärme- und Stromleiter. Zäh, schlecht zerspanbar.
Messing CuZn39Pb3 (MS58)
NE-Metall
96 000
250
8,40
20,9
113
Der Drehteilwerkstoff. Nicht für Ammoniak (Spannungsrisskorrosion).
Zinnbronze CuSn8
NE-Metall
115 000
300
8,80
18,5
62
Klassischer Gleitpartner zu Stahl: Buchsen, Schneckenräder.
Titan Grade 5 (Ti6Al4V)
NE-Metall
110 000
830
4,43
8,6
6,7
Beste Festigkeit je Gewicht unter den Metallen, sehr korrosionsbeständig, schwer zerspanbar.
Magnesium AZ91
NE-Metall
45 000
160
1,81
26
72
Leichtestes Konstruktionsmetall, gut dämpfend. Späne brennbar.
POM-C
Kunststoff
2 800
65
1,41
110
0,31
Der Konstruktionskunststoff: steif, maßhaltig, hervorragend zerspanbar.
PA6
Kunststoff
3 000 (trocken)
80
1,14
80
0,29
Zäh und abriebfest. Nimmt bis 3 % Wasser auf und wird dabei weicher.
PE-HD
Kunststoff
1 000
25
0,95
200
0,43
Chemisch sehr beständig, gleitfreudig, billig. Weich, schlecht klebbar.
Geringster Reibwert aller Feststoffe (0,04). Kriecht stark, nicht klebbar.
PC (Polycarbonat)
Kunststoff
2 300
65
1,20
65
0,21
Transparent und extrem schlagzäh. Spannungsrisse durch Lösemittel.
PMMA (Acrylglas)
Kunststoff
3 300
72
1,19
70
0,19
Klarer als Glas, gut lasercuttbar und polierbar. Spröde.
PEEK
Kunststoff
3 600
100
1,30
47
0,25
Hochleistungskunststoff: 250 °C dauerhaft, chemisch inert. Sehr teuer.
ABS
Kunststoff
2 200
45
1,05
90
0,17
Gut zerspanbar und klebbar, schlagzäh. UV-empfindlich.
PLA (Druck)
Kunststoff
3 500
R_m 50
1,24
68
0,13
Steif und einfach zu drucken, aber ab 55 °C weich. Mehr im Modul 3D-Druck.
PETG (Druck)
Kunststoff
2 100
R_m 50
1,27
60
0,20
Zäher und chemisch beständiger als PLA, gute Schichthaftung.
ASA (Druck)
Kunststoff
2 200
R_m 45
1,07
90
0,17
UV- und temperaturbeständig, für Außenteile. Braucht geschlossenen Bauraum.
TPU 95A (Druck)
Kunststoff
30
R_m 30
1,20
150
0,20
Flexibel und abriebfest. Direktextruder und langsamer Druck nötig.
CFK unidirektional, längs
Sonstige
150 000
R_m 1 500
1,55
≈ 0
10
Steifer als Stahl bei einem Fünftel der Dichte — aber nur längs zur Faser.
CFK Gewebe (0/90)
Sonstige
65 000
R_m 600
1,55
2
5
In beiden Hauptrichtungen brauchbar, in keiner optimal.
GFK Gewebe
Sonstige
25 000
R_m 400
1,90
10
0,3
Deutlich billiger als CFK, elektrisch isolierend, zäher.
Fichte, längs zur Faser
Sonstige
11 000
R_m 40
0,45
4 (längs)
0,13
Hervorragendes Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht, quer deutlich schwächer.
Buche
Sonstige
15 000
—
0,70
—
0,16
Werkbänke, Führungen, Hämmer.
Multiplex Birke
Sonstige
8 000
R_m 60
0,68
—
0,15
Kreuzweise verleimt, in beiden Richtungen tragfähig; als Siebdruckplatte feuchtebeständig.
MDF
Sonstige
3 000
—
0,75
—
0,10
Isotrop, glatte Oberfläche, billig; quillt bei Feuchte stark.
Aluminiumoxid Al₂O₃ 99,7
Sonstige
380 000
R_m (Biegung) 350
3,90
8
30
Extrem hart und verschleißfest, elektrisch isolierend. Spröde.
Zirkonoxid ZrO₂
Sonstige
210 000
R_m (Biegung) 1 000
6,05
10,5
2,5
Die zäheste technische Keramik. Lagerkugeln, Schneiden, Implantate.
Borosilikatglas
Sonstige
64 000
R_m 60
2,23
3,3
1,2
Geringe Wärmedehnung, daher temperaturwechselbeständig.
Mineralguss (Polymerbeton)
Sonstige
40 000
R_m (Druck) 130
2,40
12
1,5
Dämpft sechs- bis zehnmal besser als Grauguss. Gießbar mit eingelegten Gewinden.
Beton C25/30
Sonstige
30 000
R_m (Druck) 25
2,40
10
2,1
Für schwere, dämpfende Maschinenfundamente.
Kein Werkstoff passt zu dieser Auswahl.
Alle Werte sind Richtwerte für den Vergleich, keine Auslegungsgrundlage. Sie hängen von Zustand, Abmessung, Temperatur und Charge ab — bei Kunststoffen zusätzlich von Feuchte und Belastungsdauer. Für die Berechnung gilt das Datenblatt des Lieferanten, bei genormten Werkstoffen der Mindestwert der Norm.
Wie sich die Gruppen unterscheiden
Steifigkeit je Gewicht
E/ρ ist bei Stahl, Aluminium und Titan fast gleich (rund 26 · 10⁶ m²/s²). Gewicht spart daher nicht der Werkstoffwechsel allein, sondern die Form: größere Wandabstände bei dünnerer Wand.
Wärmedehnung
Kunststoffe dehnen sich fünf- bis achtmal so stark wie Stahl, Aluminium doppelt so stark. Bei Mischbau zählt die Differenz; Langlöcher und Loslager sind die Antwort.
Wärmeleitfähigkeit
Kupfer leitet 26-mal besser als Edelstahl und 3 000-mal besser als PLA. Für Kühlkörper zählt λ, für Isolierung das Gegenteil — Edelstahl ist ein erstaunlich schlechter Wärmeleiter.
Die typischen Fehlgriffe
Häufige Fehler
Festeren Stahl gegen zu weiche Konstruktion: ändert nichts, weil E gleich bleibt
Aluminium ohne Steifigkeitsrechnung als Stahlersatz: gleiche Geometrie heißt dreifache Durchbiegung
PLA für Funktionsteile mit Wärme- oder Dauerlast
Edelstahl als Universallösung: teuer, schlecht zerspanbar, frisst beim Verschrauben
Nur den Werkstoffpreis vergleichen: bei Frästeilen dominiert oft die Bearbeitungszeit
Kunststoff-Kurzzeitkennwerte für Dauerlast
Was sich bewährt
Erst die Form optimieren, dann den Werkstoff — Geometrie hat den größeren Hebel
Lagerhaltige Standardwerkstoffe und -abmessungen wählen
Bei Unsicherheit den zäheren Werkstoff: er kündigt Versagen an
Prototyp im Zielwerkstoff bauen, nicht nur im Druckwerkstoff
Beim Lieferanten nach Restposten und Zuschnitten fragen
Der Trick mit der Steifigkeit: Bei freier Wandstärke ist nicht E/ρ die richtige Kennzahl, sondern E^(1/3)/ρ, weil die Biegesteifigkeit mit der dritten Potenz der Höhe wächst. Mit E in N/mm² und ρ in g/cm³: Fichte ≈ 49, CFK (UD) ≈ 34, Multiplex ≈ 29, Aluminium ≈ 15, Stahl ≈ 7,6. Genau deshalb sind Flugzeugflügel und Fahrradrahmen so gebaut, wie sie gebaut sind — mit gleichem Gewicht bekommt man dickere Querschnitte.
Quellen zu diesem Abschnitt
Michael F. Ashby, Materials Selection in Mechanical Design, Butterworth-Heinemann — Materialindizes und Werkstoffdiagramme; dazu Granta EduPack.
Roloff/Matek, Maschinenelemente — Tabellenbuch, Springer Vieweg — Kennwerte für Stähle, Guss und NE-Metalle.
Normblätter: DIN EN 10025, 10083, 10084, 10088 (Stahl), DIN EN 1561/1563 (Guss), DIN EN 573-3/755-2 (Aluminium), DIN EN 12164/1652 (Kupfer); DIN EN 10204 (Prüfbescheinigungen); VDI 2225 (technisch-wirtschaftliches Konstruieren).
Kunststoffkennwerte nach DIN EN ISO 527 und ISO 75 aus Datenblättern von Ensinger und Mitsubishi Chemical; MatWeb und MakeItFrom für Verbund- und Keramikwerte.
17 / 22Methodik & Zeichnung
Methodik schützt vor der ersten Idee, die Zeichnung vor dem Missverständnis. Wer sofort zeichnet, was ihm einfällt, verliebt sich in eine Lösung, bevor er die Aufgabe verstanden hat. Und was am Ende nicht in der Zeichnung steht, ist nicht gefordert — Weglassen ist dort so wichtig wie Eintragen.
Vom Auftrag zur Fertigungsunterlage
Phase
Ergebnis
Werkzeuge
1 · Klären der Aufgabe
Anforderungsliste
Fragenkatalog, Gespräch mit dem Nutzer, Wettbewerbsanalyse
Die Vier-Phasen-Gliederung stammt aus der Konstruktionslehre nach Pahl/Beitz; VDI 2221 beschreibt denselben Ablauf als iteratives Modell — die Phasen laufen in der Praxis nie streng nacheinander.
Die Anforderungsliste
Jede Zeile wird als Forderung (muss erfüllt sein) oder Wunsch (mit Gewichtung) eingestuft und, wo möglich, mit einer Zahl versehen. Eine Anforderung ohne Zahl lässt sich nicht prüfen.
Funktion: welche Kraft, welcher Weg, welche Geschwindigkeit, welche Genauigkeit, wie oft?
Montage und Wartung: wer baut es zusammen, mit welchem Werkzeug, wie oft muss man heran?
Kosten und Recht: Zielpreis je Stück, Werkzeugkosten, CE, RoHS, Lebensmittelkontakt
Der wirksamste einzelne Handgriff ist die Frage nach der Funktion statt nach dem Bauteil. „Ich brauche eine Halterung für den Motor“ engt sofort ein. „Das Motormoment muss ins Gestell abgeleitet werden, die Welle muss auf 0,1 mm fluchten“ öffnet Lösungen, die man sonst nicht sieht — etwa den Motor direkt anzuflanschen und die Halterung ganz zu sparen.
Varianten erzeugen und bewerten
Der morphologische Kasten ist das einfachste Werkzeug: Teilfunktionen in die Zeilen, mögliche Lösungen in die Spalten, dann Kombinationen bilden. Drei Teilfunktionen mit je drei Lösungen ergeben 27 Varianten — die meisten unsinnig, zwei oder drei überraschend gut.
Teilfunktion
Lösung A
Lösung B
Lösung C
Drehmoment übertragen
Passfeder
Spannsatz
Presssitz
Axial festlegen
Wellenmutter
Sicherungsring
Anschlagschulter
Position messen
Inkrementalgeber
Absolutgeber
Endschalter + Schrittzählung
Bewertet wird nach VDI 2225 zweidimensional: technische Wertigkeit gegen wirtschaftliche. Eine Variante, die technisch führt und wirtschaftlich abfällt, ist selten die richtige.
Gestaltungsgrundregeln
Eindeutig
Jede Funktion hat genau ein zuständiges Element. Kein Bauteil, das gleichzeitig zentriert, dichtet und Kraft überträgt — sonst verhindert eine Anforderung die andere.
Einfach
Wenige Teile, wenige Fertigungsschritte, symmetrische Formen. Jedes eingesparte Teil spart Kosten, eine Toleranzkette und eine Fehlerquelle.
Sicher
Sicheres Bestehen (überdimensioniert), beschränktes Versagen (Sollbruchstelle) oder Redundanz — bewusst entscheiden, nicht dem Zufall überlassen.
Prinzip
Bedeutung
Kraftfluss kurz halten
Der direkteste Weg von der Last zum Lager ist der steifste und leichteste. Umwege bedeuten Biegemomente.
Abgestimmte Verformung
Zusammenwirkende Bauteile sollen sich gleichsinnig verformen — sonst entstehen Zwangskräfte.
Ein Festpunkt, alles andere beweglich — bei Temperatur, Feuchte und Setzen.
Fehlmontage ausschließen
Poka Yoke: asymmetrische Lochbilder, Passstifte, unterschiedliche Steckerformen. Was falsch montiert werden kann, wird es irgendwann.
Normteile bevorzugen
Verfügbar, geprüft, billig, austauschbar — und die Auslegung hat jemand anderes schon gemacht.
Die Zeichnung ist ein Vertrag
Beide Projektionsmethoden sind genormt und sehen auf den ersten Blick gleich aus. Ohne Symbol im Schriftfeld entsteht bei jedem unsymmetrischen Teil das Spiegelbild.
Projektionssymbol immer ins Schriftfeld. Bei einem rotationssymmetrischen Teil ist die Methode egal — bei einem Winkelstück kommt ohne Symbol das Spiegelbild zurück. Das ist einer der teuersten Zeichnungsfehler in internationaler Zusammenarbeit.
Bereiche mit besonderer Behandlung, z. B. gehärtet
Schmale Strich-Zweipunktlinie
b/2
Nachbarteile, Endstellungen, Rohteilumriss
Freihandlinie
b/2
Bruchkanten, Ausbruchgrenzen
Bemaßen
Richtig
Von Funktionsflächen aus bemaßen, nicht von beliebigen Kanten
Maßketten vermeiden — sie addieren Toleranzen
Jedes Maß genau einmal; keine überbestimmte Bemaßung
Bezugskante wählen, die in der Fertigung auch als Anschlag dient
Maße außerhalb der Ansicht, kleine innen, große außen
Bohrungen über Bezug und Durchmesser, nicht über Abstände zueinander
Falsch
Maße in die Ansicht legen, wo sie Kanten kreuzen
Von verdeckten Kanten aus bemaßen
Rechenmaße eintragen, die der Fertiger erst addieren muss
Alles eng tolerieren „zur Sicherheit“
So bemaßen, wie in CAD modelliert wurde, statt wie gemessen wird
Maßstab eintragen und dann aus der Zeichnung abmessen lassen
Toleranzketten sind der häufigste Grund, warum Teile trotz korrekter Fertigung nicht passen. Vier Maße mit je ±0,1 mm ergeben in der Kette ±0,4 mm im ungünstigsten Fall. Müssen drei Bohrungen zueinander stimmen, wird von einer gemeinsamen Bezugskante aus bemaßt, nicht von Loch zu Loch — besser noch mit einer Positionstoleranz nach ISO 1101, siehe Toleranzen, Passungen & Oberflächen.
Allgemeintoleranzen nach ISO 2768
Alle Maße ohne eigene Toleranzangabe fallen unter die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld, angegeben zum Beispiel als ISO 2768-mK: Kleinbuchstabe für Längenmaße (Teil 1), Großbuchstabe für Form und Lage (Teil 2).
Nennmaßbereich
f (fein)
m (mittel)
c (grob)
v (sehr grob)
0,5 – 3 mm
±0,05
±0,1
±0,2
—
über 3 – 6 mm
±0,05
±0,1
±0,3
±0,5
über 6 – 30 mm
±0,1
±0,2
±0,5
±1,0
über 30 – 120 mm
±0,15
±0,3
±0,8
±1,5
über 120 – 400 mm
±0,2
±0,5
±1,2
±2,5
über 400 – 1000 mm
±0,3
±0,8
±2,0
±4,0
über 1000 – 2000 mm
±0,5
±1,2
±3,0
±6,0
Winkelmaße (nach der Länge des kürzeren Schenkels): bis 10 mm ±1° für f und m, 10–50 mm ±30′, 50–120 mm ±20′, 120–400 mm ±10′; c und v jeweils eine bis zwei Stufen gröber.
Form und Lage (Teil 2, Klassen H / K / L): Geradheit und Ebenheit bei 30–100 mm Länge 0,1 / 0,2 / 0,4 mm, bei 100–300 mm 0,2 / 0,4 / 0,8 mm. Rechtwinkligkeit bis 100 mm Schenkel 0,2 / 0,4 / 0,6 mm. Rundlauf 0,1 / 0,2 / 0,5 mm unabhängig vom Nennmaß.
m ist für Frästeile der übliche Standard und ohne Zusatzaufwand herstellbar, f verlangt bereits sorgfältige Arbeit, c reicht für Schweiß- und Brennteile.
Was auf jede Zeichnung gehört
Element
Inhalt
Schriftfeld
Benennung, Zeichnungsnummer, Maßstab, Werkstoff, Projektionssymbol, Ersteller, Datum, Blattnummer (ISO 7200)
Werkstoffangabe
Kurzname und Werkstoffnummer, plus Zustand — z. B. EN AW-6082 T651 (siehe Werkstoffwahl)
Oberflächenangaben
Allgemeine Rauheit plus abweichende Werte an Funktionsflächen
Kantenzustand
„Kanten gebrochen 0,3 × 45° soweit nicht anders angegeben“ nach ISO 13715
Oberflächenbehandlung
Eloxieren, Verzinken, Lackieren — mit Schichtdicke und der Angabe, ob die Maße vor oder nach der Behandlung gelten
Änderungsstand
Index, Datum und was geändert wurde
Bei beschichteten Teilen vermerken, ob die Maße vor oder nach der Beschichtung gelten. Harteloxal wächst etwa zur Hälfte der Schichtdicke nach außen — bei 40 µm Schicht sind das rund 20 µm je Fläche, also 40 µm im Durchmesser einer Bohrung. Eine H7-Passung ist damit weg.
Quellen zu diesem Abschnitt
VDI 2221 Blatt 1 und 2 — Entwicklung technischer Produkte und Systeme; VDI 2225 Blatt 1–4 — technisch-wirtschaftliches Konstruieren, Quelle des Bewertungsverfahrens.
Pahl/Beitz/Feldhusen/Grote, Konstruktionslehre, Springer Vieweg — Phasenmodell, Gestaltungsgrundregeln und Gestaltungsprinzipien.
DIN EN ISO 128 (Darstellung, Linienarten), DIN EN ISO 5456-2 (Projektionsmethoden), DIN EN ISO 5457 (Formate), DIN EN ISO 7200 (Schriftfeld), DIN ISO 13715 (Kanten).
DIN ISO 2768-1 und -2 — Allgemeintoleranzen für Längen-, Winkel-, Form- und Lagemaße; Quelle der Tabellen. DIN EN ISO 22081 als moderner Nachfolger.
Hoischen/Fritz, Technisches Zeichnen, Cornelsen — das Standardwerk mit allen Eintragungsbeispielen.
18 / 22Toleranzen, Passungen & Oberflächen
Kein Teil lässt sich auf ein exaktes Maß fertigen — die Frage ist nur, wie weit es abweichen darf. Drei Angaben beschreiben das vollständig: die Maßtoleranz (ISO 286), die Form- und Lagetoleranz (ISO 1101) und die Rauheit (ISO 21920). Jede davon kostet Geld, sobald sie enger wird als nötig.
Das ISO-286-System lesen
Ø 20 H7 / g6Großbuchstabe = Bohrung, Kleinbuchstabe = Welle. Buchstabe = Lage des Toleranzfelds zur Nulllinie, Zahl = Grundtoleranzgrad IT (Breite des Felds).
Der Buchstabe
Bei Wellen liegt h genau an der Nulllinie (oberes Abmaß 0), a bis g liegen darunter (Spiel), k bis z darüber (Übermaß). Bei Bohrungen ist H das Gegenstück mit unterem Abmaß 0.
Die Zahl (IT-Grad)
IT01 bis IT18. Je kleiner, desto enger und teurer. IT7 ist mit einer guten Drehmaschine machbar, IT6 verlangt Schleifen, IT5 Läppen oder Honen.
Zentrierungen, die sich noch bewegen dürfen; Passschrauben, Kolben
H7 / h6
Schiebesitz
von Hand mit Widerstand
Zentrierung von Deckeln und Flanschen, austauschbare Teile
H7 / k6
Übergangssitz
leichter Hammerschlag
Wälzlager auf der Welle, Zahnräder, Riemenscheiben mit Passfeder
H7 / m6
Fester Übergang
Presse
Höhere Momente, weniger Spiel als k6
H7 / n6
Festsitz
Presse
Buchsen, Lagerringe bei Umfangslast am Außenring
H7 / p6
Presssitz
Presse oder Temperatur
Drehmomentübertragung ohne Passfeder
H7 / s6
Schrumpfsitz
Erwärmen oder Kühlen
Zahnkränze, hoch belastete Nabensitze
H11 / h11
Grobes Spiel
lose
Durchgangsbohrungen, unkritische Anschläge
Einheitsbohrung ist der Normalfall (über 90 % der Fälle): Die Bohrung bleibt H, die Passung wird über die Welle eingestellt — Bohrungen sind teurer zu fertigen und zu messen, und ein Satz Reibahlen genügt für alle Passungen. Einheitswelle (h) lohnt nur bei gezogenem Rundmaterial, das nicht nachgedreht wird, und bei durchgehenden Wellen mit mehreren Sitzen. Für Wälzlager gibt der Lagerhersteller Welle und Gehäuse direkt vor — siehe Lager & Führungen.
Was welcher IT-Grad kostet
IT-Grad
Feldbreite bei Ø 20 mm
Erreichbar mit
IT5
9 µm
Feinschleifen, Honen, Läppen
IT6
13 µm
Schleifen, sehr gutes Feindrehen
IT7
21 µm
Feindrehen, Reiben, gutes Fräsen — die praktische Grenze der Werkstatt
IT8
33 µm
Drehen, Fräsen, Bohren mit Aufreiben
IT9 – IT10
52 – 84 µm
Normales Drehen und Fräsen
IT11 – IT12
130 – 210 µm
Spiralbohrer, Sägen, Druckguss
IT13 – IT16
0,33 – 1,3 mm
Schmieden, Sandguss, Brennschneiden, FDM-Druck
Enge Toleranzen kosten überproportional. Von IT9 auf IT7 verdoppelt sich der Aufwand ungefähr, von IT7 auf IT5 vervielfacht er sich, weil ein weiteres Verfahren, temperierte Räume und andere Messmittel dazukommen. Deshalb: Allgemeintoleranz nach ISO 2768 als Grundlage (siehe Methodik & Zeichnung) und nur die echten Funktionsmaße verengen — meist zwei oder drei je Bauteil.
Form- und Lagetoleranzen nach ISO 1101
Eine Welle kann überall den richtigen Durchmesser haben und trotzdem eine Banane sein. Maßtoleranzen und geometrische Toleranzen gelten unabhängig voneinander (Unabhängigkeitsprinzip nach ISO 8015).
Symbol
Merkmal
Gruppe
Bezug
Typische Anwendung
⏤
Geradheit
Form
nein
Lange Wellen, Führungsbahnen
⏥
Ebenheit
Form
nein
Auflageflächen für Linearführungen, Dichtflächen, Maschinentische
○
Rundheit
Form
nein
Lagersitze, Gleitflächen
⌭
Zylindrizität
Form
nein
Hydraulikzylinder, Präzisionsbolzen
⌓
Flächenprofil
Form / Ort
optional
Freiformflächen, Kurvenscheiben
∥
Parallelität
Richtung
ja
Gegenüberliegende Führungs- und Auflageflächen
⊥
Rechtwinkligkeit
Richtung
ja
Anschraubflächen, Anschlagkanten, Flansche
∠
Neigung
Richtung
ja
Schrägflächen, Keilflächen
⌖
Position
Ort
ja
Lochbilder — die praktisch wichtigste Ortstoleranz
◎
Koaxialität, Konzentrizität
Ort
ja
Mehrere Lagersitze auf einer Welle
⌯
Symmetrie
Ort
ja
Nuten, Mitnehmerflächen
↗
Rundlauf, Planlauf
Lauf
ja
Wellenabsätze, Anlageflächen, Riemenscheiben
⌰
Gesamtlauf
Lauf
ja
Ganze Mantel- oder Stirnfläche statt einzelner Schnitte
Bezüge und Positionstoleranz
Ein Bezugssystem legt das Bauteil im Raum fest — genau wie eine Spannvorrichtung. Die 3-2-1-Regel: eine Fläche sperrt drei Freiheitsgrade (A), eine zweite zwei (B), eine dritte einen (C).
Klassische Bemaßung ±0,1 in X und Y
Das zulässige Feld ist ein Quadrat mit 0,2 mm Kantenlänge. Diagonal darf die Bohrung um 0,14 mm vom Sollpunkt abweichen, geradeaus nur um 0,10 mm — obwohl für die Funktion nur der Abstand vom Sollpunkt zählt.
Positionstoleranz ⌖ Ø0,2 A B C
Zulässiges Feld ist ein Kreis von 0,2 mm Durchmesser — bildet die Funktion korrekt ab
Der Umstieg vom ±0,1-Quadrat auf den umschriebenen Kreis Ø0,28 mm bringt rund 57 % mehr Toleranzfläche bei identischer Funktion
Mit Maximum-Material-Bedingung Ⓜ wächst die Toleranz zusätzlich um genau den Betrag, um den die Bohrung größer als ihr Kleinstmaß ausfällt
Sollmaße werden als theoretisch genaue Maße im Kasten eingetragen, ohne eigene Toleranz
Bezüge und Fertigungsanschlag sollen übereinstimmen. Liegt das Teil an Fläche A an, die Zeichnung bemaßt aber von Kante D, muss der Fertiger umrechnen und die Toleranzen addieren sich. Bezüge sollen außerdem messbar sein: eine gedachte Mittelebene ist erlaubt, eine reale Fläche aber leichter zu prüfen — am besten dieselbe, an der das Teil später montiert wird.
Was realistisch forderbar ist: Ebenheit 0,02 mm auf 100 mm schafft eine gute Fräse, 0,005 mm verlangt Schleifen und spannungsarme Aufspannung. Rechtwinkligkeit 0,05 mm auf 100 mm ist Standard, 0,01 mm Präzisionsarbeit. Positionstoleranz Ø0,2 mm ist für Bohrbilder normal, Ø0,05 mm braucht Maschine und Aufspannkonzept. Und jede eingetragene Toleranz muss geprüft werden — Zylindrizität und Gesamtlauf brauchen eine Koordinatenmessmaschine. Wo eine Lauftoleranz genügt, ist sie der Zylindrizität vorzuziehen.
Oberflächenrauheit
Ra — arithmetischer Mittenrauwert, der verbreitetste Wert. Robust, aber unempfindlich gegen einzelne tiefe Riefen.
Rz — gemittelte Rautiefe aus fünf Einzelstrecken; reagiert auf Spitzen und Riefen und ist für Dichtflächen aussagekräftiger. Faustregel Rz ≈ 4 … 7 · Ra.
Rz1max — größte Einzelrautiefe; für kritische Dichtflächen zählt genau die eine tiefe Riefe.
Rk, Rpk, Rvk — Kennwerte der Abbott-Kurve für Gleitflächen: Rvk beschreibt die Schmiertaschen, Rpk die einlaufenden Spitzen.
Verfahren
Ra üblich [µm]
Ra erreichbar
Anmerkung
Brennschneiden
12,5 – 50
—
Rohzustand, Bearbeitungszugabe einplanen
Sägen, Schruppfräsen
3,2 – 12,5
—
—
Fräsen und Drehen, schlichten
0,8 – 3,2
0,4
Der Standard; der Vorschub bestimmt die Rauheit stärker als die Drehzahl
Reiben
0,4 – 1,6
0,2
Für H7-Bohrungen
Schleifen
0,2 – 0,8
0,05
Lagersitze, Führungsbahnen
Honen
0,05 – 0,4
0,025
Zylinderlaufbahnen; erzeugt gezielt Kreuzschliff mit Schmiertaschen
Läppen, Polieren
0,012 – 0,1
0,006
Dicht- und Messflächen, Optik
Druckguss
0,8 – 3,2
—
Sehr gute Oberfläche direkt aus der Form
SLS / MJF
6 – 15
—
Gleichmäßig matt, durch Gleitschleifen gut nachbearbeitbar
FDM-3D-Druck
6 – 25
—
Stark richtungsabhängig; die Schichthöhe dominiert
Wann Rauheit wirklich zählt
Funktion
Zielwert
Warum
Gegenlauffläche Wellendichtring
Ra 0,2 – 0,8 µm, Rz 1 – 4 µm, drallfrei
Zu glatt heißt kein Schmierfilm, zu rau heißt Verschleiß der Dichtlippe. Drall aus dem Drehen fördert Öl heraus — deshalb einstechschleifen
O-Ring, statisch
Ra ≤ 1,6 µm, Rz ≤ 6,3 µm
Riefen quer zur Dichtlinie sind Leckagepfade
O-Ring, dynamisch
Ra 0,1 – 0,4 µm
Der Ring gleitet darüber
Wälzlagersitz
Ra ≤ 0,8 µm Welle, ≤ 1,6 µm Gehäuse
Sonst setzt sich der Presssitz und verliert Übermaß
Gleitlagerfläche
Ra 0,2 – 0,4 µm
Der Schmierfilm muss tragen können
Klebefläche
Ra 1,6 – 6,3 µm
Hier ist rau besser — größere Fläche, mechanische Verankerung
Dauerfest belastetes Bauteil
Ra ≤ 0,8 µm an der kritischen Stelle
Jede Riefe ist eine Mikrokerbe und ein Rissausgang
Allgemeine Funktionsfläche
Ra 3,2 µm
Fällt beim Schlichtfräsen ohne Zusatzaufwand an
Zu glatt kann schlechter sein als zu rau. Eine polierte Zylinderlaufbahn hält keinen Ölfilm — deshalb wird gehont statt poliert, mit Kreuzriefen als Schmiertaschen. Dasselbe gilt für Gleitlager und Wellendichtringe. In der Zeichnung genügt praktisch „Ra 3,2 allgemein, Ra 0,8 an den bezeichneten Flächen“; jede Halbierung des Ra-Werts kostet ungefähr das Doppelte.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO 286-1 und -2 — ISO-Toleranzsystem: Grundlagen, Grundtoleranzgrade und Grenzabmaße; Datengrundlage des Rechners (Nennmaße bis 120 mm, darüber gilt das Normblatt).
DIN EN ISO 1101 (geometrische Tolerierung), ISO 5459 (Bezüge und Bezugssysteme), ISO 2692 (Maximum-Material-Bedingung), ISO 8015 (GPS-Grundlagen, Unabhängigkeitsprinzip).
DIN EN ISO 21920-1 bis -3 — Oberflächenbeschaffenheit, Profilverfahren (löst ISO 4287 und ISO 1302 ab); DIN EN ISO 13565-2 für Rk, Rpk, Rvk.
Roloff/Matek Tabellenbuch und Hoischen/Fritz, Technisches Zeichnen — Passungsauswahl, erreichbare Rauheiten je Verfahren, Eintragungsregeln.
19 / 22Gewinde & Normteile
Ein Gewinde ist eine schiefe Ebene, die um einen Zylinder gewickelt ist — und je nach Flankenwinkel und Steigung entweder eine Verbindung, eine Abdichtung oder ein Antrieb. Wer die Bauart richtig wählt, spart sich die halbe Konstruktion; wer Norm und Bauart verwechselt, bekommt Leckagen und ausgerissene Gewinde. Das metrische Regelgewinde mit Kernloch, Durchgang und Anziehmoment steht kanonisch unter Schrauben & Anziehen — hier stehen alle übrigen Gewinde.
Nennmaß ist der Rohr-Innendurchmesser, nicht der Gewindedurchmesser
Dichtet über Dichtring an der Stirnfläche
Rohrgewinde kegelig (R / Rc)
ISO 7-1
55°
Kegel 1:16
Dichtet im Gewinde, mit Hanf oder PTFE-Band
NPT / NPTF
ASME B1.20.1
60°
Kegel 1:16, anderer Flankenwinkel als R
US-Pneumatik und -Hydraulik
Trapezgewinde (Tr)
DIN 103
30°
Symmetrisches Trapez
Bewegungsgewinde, Spindeln, Schraubstöcke
Sägengewinde (S)
DIN 513
30° / 3°
Unsymmetrisch
Hohe Kraft in einer Richtung, z. B. Pressen
Blechschraubengewinde (ST)
ISO 1478
60°
Scharfgängig, formt sein Gegengewinde selbst
Bleche, Kunststoffgehäuse
Regel- oder Feingewinde? Feingewinde trägt bei gleichem Außendurchmesser mehr (größerer Spannungsquerschnitt), stellt feiner ein und hält Vibration etwas besser stand. Dafür ist es empfindlicher gegen Beschädigung und Schmutz, verträgt weniger Montagezyklen und braucht ein exakteres Kernloch. Im Zweifel Regelgewinde — es ist überall verfügbar und verzeiht mehr.
Maße jenseits des Regelgewindes
Kernloch für rund 75 % Tragtiefe, Durchgang in mittlerer Reihe nach ISO 273, Spannungsquerschnitt A_s nach DIN 13-28 bzw. ASME B1.1.
Gewinde
Steigung
Kernloch
Durchgang mittel
A_s
Hinweis
Metrisches Feingewinde — DIN 13-2 bis -11
M8 × 1
1,0 mm
7,0 mm
9,0 mm
39,2 mm²
7 % mehr Querschnitt als M8 Regelgewinde
M10 × 1
1,0 mm
9,0 mm
11,0 mm
64,5 mm²
Sensor- und Verschraubungsgewinde
M10 × 1,25
1,25 mm
8,8 mm
11,0 mm
61,2 mm²
—
M12 × 1,25
1,25 mm
10,8 mm
13,5 mm
92,1 mm²
Fahrzeugtechnik
M12 × 1,5
1,5 mm
10,5 mm
13,5 mm
88,1 mm²
—
M16 × 1,5
1,5 mm
14,5 mm
17,5 mm
167 mm²
Hydraulikverschraubungen
M20 × 1,5
1,5 mm
18,5 mm
22,0 mm
272 mm²
—
Rohrgewinde — Zollangabe = lichter Rohrquerschnitt, nicht Gewindedurchmesser
G 1/8″
28 Gänge/Zoll
8,8 mm
—
—
Zylindrisch ISO 228, dichtet an der Stirnfläche
G 1/4″
19 Gänge/Zoll
11,8 mm
—
—
Manometer, Pneumatik
G 3/8″
19 Gänge/Zoll
15,25 mm
—
—
—
G 1/2″
14 Gänge/Zoll
19,0 mm
—
—
Sanitär, Hydraulik
R 1/4″
19 Gänge/Zoll
11,4 mm
—
—
Kegelig ISO 7, dichtet im Gewinde
NPT 1/4″
18 Gänge/Zoll
11,1 mm
—
—
60° Flankenwinkel, passt nicht zu G oder R
Zoll UNC — ASME B1.1
#4-40 UNC
40 TPI
2,26 mm
3,1 mm
3,90 mm²
US-Elektronik, etwas schwächer als M3
#6-32 UNC
32 TPI
2,70 mm
3,6 mm
5,86 mm²
Computergehäuse, 19-Zoll-Technik
#8-32 UNC
32 TPI
3,45 mm
4,3 mm
9,04 mm²
—
#10-24 UNC
24 TPI
3,80 mm
5,1 mm
11,3 mm²
—
1/4″-20 UNC
20 TPI
5,10 mm
6,6 mm
20,5 mm²
Stativgewinde, entspricht etwa M6
5/16″-18 UNC
18 TPI
6,50 mm
8,4 mm
33,8 mm²
—
3/8″-16 UNC
16 TPI
7,90 mm
10,0 mm
50,0 mm²
Großes Stativgewinde, Mikrofonstative
Trapezgewinde — DIN 103, Kernloch der Mutter = d − P
Tr 8 × 1,5
1,5 mm
6,5 mm
—
—
Z-Achsen im 3D-Druck, selbsthemmend
Tr 8 × 8 (P2, 4-gängig)
P 2 mm, Vorschub 8 mm
6,0 mm
—
—
Schnellhub, nicht selbsthemmend
Tr 10 × 2
2 mm
8,0 mm
—
—
—
Tr 12 × 3
3 mm
9,0 mm
—
—
Werkbank- und Schraubstockspindeln
Tr 16 × 4
4 mm
12,0 mm
—
—
Größere Hubachsen
Rohrgewinde: die häufigste Verwechslung
G, R und NPT sind nicht austauschbar.G (zylindrisch, ISO 228) dichtet nicht im Gewinde, sondern über einen Dichtring oder eine Dichtkante an der Stirnfläche. R (kegelig, ISO 7) dichtet im Gewinde selbst und braucht Hanf oder PTFE-Band. NPT ist ebenfalls kegelig, hat aber 60° statt 55° Flankenwinkel und eine andere Gewindeform — es lässt sich einige Gänge weit einschrauben und leckt danach zuverlässig. Ein R-Außengewinde passt dagegen in ein zylindrisches Rp-Innengewinde: die übliche Kombination in der Pneumatik.
Nennmaß nicht verwechseln: G 1/4 hat rund 13,2 mm Außendurchmesser, nicht 6,35 mm — die Zollangabe bezeichnet den lichten Rohrquerschnitt.
Bei Kegelgewinde nicht überdrehen: es zentriert sich selbst und sprengt bei zu viel Moment das Gehäuse — besonders in Aluminium und Guss.
Bewegungsgewinde
Bauart
Wirkungsgrad
Selbsthemmend
Anmerkung
Trapezgewinde, eingängig (z. B. Tr 8 × 1,5)
ca. 25 – 40 %
ja
Hält die Last ohne Bremse; Standard für Z-Achsen, Schraubstöcke, Pressen
Trapezgewinde, mehrgängig (z. B. Tr 8 × 8, P2, viergängig)
ca. 50 – 70 %
nein
8 mm Vorschub je Umdrehung; sinkt bei Stromausfall ab, braucht Bremse oder Gegengewicht
Kugelgewindetrieb
90 – 95 %
nein
Wenig Reibung, kaum Verschleiß, sehr steif — aber teurer und nie selbsthemmend
tan φ = P_h / (π · d₂) · selbsthemmend, wenn φ < ρ′Steigungswinkel φ aus Steigung P_h (Vorschub je Umdrehung) und Flankendurchmesser d₂; ρ′ ist der Reibungswinkel, für Stahl auf Bronze rund 6°. Tr 8 × 1,5 kommt auf 3,8° und hemmt, Tr 8 × 8 auf 20° und hemmt nicht.
Gewinde herstellen
d_Kern ≈ d − PKernlochdurchmesser für rund 75 % Gewindetragtiefe, den Normalfall. M8 mit P = 1,25 mm ergibt 6,75 mm — der genormte Bohrer ist 6,8 mm. Fertige Maße: Regelgewinde unter Schrauben & Anziehen, alle übrigen in der Tabelle oben.
Situation
Tragtiefe
Kernloch
Warum
Stahl, Guss — Normalfall
75 %
d − P
Bester Kompromiss aus Tragfähigkeit und Schneidkraft
Zäher Werkstoff, Edelstahl, tiefes Sackloch
60 – 65 %
rund 0,1 mm größer
Nur etwa 5 % weniger Tragfähigkeit, aber deutlich weniger Schneidkraft — der Bohrer bricht seltener
Aluminium, Kunststoff, weiches Material
75 – 80 %
d − P
Weiches Material trägt weniger, hier lohnt die volle Tiefe
Gewindefurchen statt schneiden
—
rund d − 0,55 · P
Material wird verdrängt statt abgetragen — größeres Kernloch, höhere Festigkeit
Gewindefurcher statt Gewindebohrer ist bei Aluminium, Kupfer und weichem Stahl fast immer die bessere Wahl: keine Späne und damit kein Spänestau im Sackloch, höhere Gewindefestigkeit durch den kaltverfestigten Rand, längere Standzeit. Bei spröden Werkstoffen wie Grauguss und bei gehärtetem Stahl funktioniert das Verfahren nicht.
Einschraubtiefe und Gewindeeinsätze
Mindesttiefe
Stahl 1,0 × d · Grauguss 1,25 × d · Aluminium 1,5 – 2,0 × d · Zinkdruckguss und Kunststoff 2,0 – 2,5 × d. Ziel ist immer, dass die Schraube versagt und nicht das Gewinde im Bauteil.
Gewindeeinsätze
Drahtgewindeeinsätze nach DIN 8140 (Helicoil) und selbstschneidende Buchsen (Ensat) machen weiches Material tragfähig und reparieren ausgerissene Gewinde. In Aluminium ab etwa zehn Montagezyklen sinnvoll.
Im Druckteil
Heat-Set-Inserts mit dem Lötkolben einschmelzen ist die haltbarste Lösung, eine eingelegte Sechskantmutter die billigste — Details unter Konstruieren für den 3D-Druck.
Normteile, die man ständig braucht
Teil
Norm
Wofür und worauf achten
Sicherungsring, Welle
DIN 471
Axiale Festlegung ohne Bearbeitungsaufwand. Nimmt nur mäßige Axialkraft auf und braucht eine genormte Nut; Zange in der richtigen Größe einplanen
Sicherungsring, Bohrung
DIN 472
Gegenstück im Gehäuse, etwa zur Lagerfestlegung
Passscheiben
DIN 988
0,1 bis 1 mm dünn, zum Ausgleich von Lagerspiel und Toleranzketten. Billiger als jede Nacharbeit
Zylinderstift
ISO 2338 (m6 / h8)
Übernimmt Lage und Querkraft, die Schraube nur die Vorspannung. Zwei Stifte legen ein Bauteil eindeutig fest
Spannstift (Spannhülse)
ISO 8752 / 13337
Verzeiht grobe Bohrungstoleranzen, weil er federt. Für Wiederholgenauigkeit ist der Zylinderstift besser
Scheibe
ISO 7089 / 7090
Verteilt die Auflagekraft und schützt weiche Oberflächen. ISO 7090 hat die Fase, ISO 7093 den großen Außendurchmesser für Kunststoff und Blech
Sechskantmutter
ISO 4032
Normalfall; ISO 4035 ist die niedrige Form für beengten Bauraum und trägt weniger
Klemmmutter
ISO 7040 / 10511
Ganzmetall (bis 300 °C) oder mit Polyamidring (bis ca. 120 °C, begrenzt wiederverwendbar)
Gewindestift
ISO 4026 – 4029
Kegelkuppe, Spitze, Zapfen oder Ringschneide — die Kuppenform entscheidet, ob er zentriert, gräbt oder klemmt
Blindnietmutter
—
Gewinde in dünnem Blech oder Rohr, von einer Seite setzbar. Ersetzt Schweißmutter und Gewindeschneiden
Nutenstein
herstellerspezifisch
Für Aluprofile: Nut 6 nimmt M5, Nut 8 nimmt M6 und M8. Nicht zwischen Herstellern austauschbar — Nutgeometrie prüfen
Schlüsselweiten haben sich geändert. Nach DIN EN ISO 4014/4017 hat M10 die Schlüsselweite 16, M12 die 18 und M14 die 21 mm; nach dem zurückgezogenen DIN 931/933 waren es 17, 19 und 22 mm. Beide Varianten sind im Handel und sehen im Regal gleich aus — bei einer Serie deshalb die Norm mitbestellen, sonst passt der Drehmomentschlüssel-Einsatz nicht zu jedem Los.
Grenzen dieses Abschnitts: Festigkeitsklassen, Vorspannkraft, Anziehmomente und Schraubensicherung stehen unter Schrauben & Anziehen, Passfedern, Spannsätze, Kleben und Schweißen unter Verbindungen & Fügen.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN 13-1 bis -11 (metrisches ISO-Gewinde), ISO 68-1 (Grundprofil), DIN 336 (Kernlochdurchmesser), DIN EN 20273 / ISO 273 (Durchgangslöcher).
ISO 228-1 (G, zylindrisch), ISO 7-1 (R, kegelig), ASME B1.20.1 (NPT), ASME B1.1 (UNC/UNF).
DIN 103 (Trapezgewinde), DIN 513 (Sägengewinde), DIN ISO 3408 (Kugelgewindetriebe), ISO 1478 (Blechschraubengewinde).
DIN 471/472, DIN 988, ISO 2338, ISO 8752, ISO 7089/7090/7093, ISO 4032/4035/7040/10511, ISO 4026–4029, DIN 8140 — Normreihen der genannten Normteile.
Roloff/Matek, Maschinenelemente — Kapitel Schraubenverbindungen und Bewegungsschrauben: Einschraubtiefen, Wirkungsgrade, Selbsthemmung.
20 / 22CAD & FEM
Ein CAD-Modell ist nur so gut wie sein Aufbau, und eine FEM-Rechnung nur so gut wie ihre Randbedingungen. Beide sehen immer plausibel aus — auch wenn sie falsch sind. Die Regeln dagegen sind programmübergreifend dieselben.
Programme im Vergleich
Programm
Art
Kosten
Anmerkung
FreeCAD
parametrisch, Historie
frei, Open Source
Seit 1.0 deutlich stabiler; Baugruppen, FEM-Workbench, CAM. Kein Cloud-Zwang, Dateien bleiben lokal
Onshape
parametrisch, Cloud
frei für öffentliche Dokumente
Läuft im Browser, sehr gute Versionierung und Zusammenarbeit. In der Gratisversion sind alle Modelle öffentlich
Autodesk Fusion
parametrisch + direkt
eingeschränkt frei für privat
CAD, CAM und Simulation in einem; die Gratisversion wurde mehrfach beschnitten
SolidWorks / Inventor / Creo
parametrisch
kommerziell
Industriestandard, Studentenlizenzen verfügbar
OpenSCAD
Skript (CSG)
frei, Open Source
Modell als Programmcode: perfekt versionier- und parametrierbar. Ungeeignet für Freiformflächen
Blender
Polygonmodellierung
frei, Open Source
Stark für Optik und Visualisierung, nicht für maßhaltige Technik gedacht
Regeln für robuste Modelle
Skizzen vollständig bestimmen
Eine Skizze mit Freiheitsgraden verschiebt sich bei jeder Änderung. Die farbliche Warnung der meisten Programme ist ernst gemeint.
Auf Ursprungsebenen referenzieren, nicht auf Flächen
Die topologische Namensproblematik: Eine Skizze auf einer Fläche verliert ihren Bezug, sobald diese Fläche durch eine frühere Änderung eine andere interne Kennung bekommt. Ursprungs- und Hilfsebenen bleiben stabil.
Parameter zentral pflegen
Wandstärke, Lochabstand, Materialstärke als benannte Variablen. Dann ändert sich das ganze Modell konsistent statt an achtzehn Stellen von Hand.
Wenige große Features statt vieler kleiner
Eine Skizze mit sechs Bohrungen schlägt sechs Skizzen mit je einer: schnellere Neuberechnung, weniger Bruchstellen.
Fasen und Radien zuletzt
Sie sind die empfindlichsten Features. Am Ende des Baums stören sie keine spätere Änderung und sind leicht zu reparieren.
Baugruppen von unten nach oben
Ein festes Basisteil, alles andere daran ausrichten. Verknüpfungen sparsam setzen — überbestimmte Baugruppen sind so unangenehm wie überbestimmte Skizzen.
Der teuerste CAD-Fehler: ein Modell, das nur der Ersteller ändern kann. Versteht nach drei Monaten niemand mehr, warum eine Bohrung dort sitzt, wird sie beim nächsten Mal neu gezeichnet — samt Fehler. Sprechende Namen für Features und Parameter, ein flacher Baum und eine kurze Notiz im Modell sind billiger als jede Nacharbeit.
Datenformate
Format
Art
Wofür
Grenzen
STEP (.stp, .step)
exakte Geometrie (BREP)
Der Austauschstandard — an Fertiger, an andere CAD-Programme, in die Simulation
Ohne Historie und Parametrik; AP242 kann zusätzlich Toleranzen (PMI) tragen
IGES (.igs)
exakte Geometrie
Ältere Systeme, Flächenmodelle
Veraltet, oft mit Lücken in den Flächen — wo möglich STEP nehmen
STL
Dreiecksnetz
3D-Druck, schnelle Visualisierung
Nur Facetten: keine exakten Radien, keine Einheiten, keine Farben
3MF
Netz + Metadaten
Moderner STL-Ersatz für den Druck
Trägt Einheiten, Farben und Druckeinstellungen mit
DXF
2D-Kontur
Laserschneiden, Wasserstrahl, Blechzuschnitt
Splines vorher in Polylinien wandeln; Einheiten und Layer prüfen
PDF (2D)
Zeichnung
Fertigungsunterlage mit Toleranzen
Bleibt neben dem STEP nötig — das 3D-Modell allein ist kein Vertrag
An den Fertiger gehören immer beide Dateien: STEP für die Geometrie, PDF für Toleranzen, Oberflächen, Werkstoff und Kantenangaben (siehe Methodik & Zeichnung). Ein STEP allein ist maßlich exakt, sagt aber nicht, welche Maße wichtig sind — dann wird alles mit Allgemeintoleranz gefertigt oder nachgefragt.
Versionierung: CAD-Dateien sind Binärdateien und lassen sich in Git nicht zusammenführen. Praktikabel sind Onshapes eingebaute Versionierung, ein PDM-System oder bei kleinen Projekten ein sauberes Namensschema mit Datum, Index und Änderungsnotiz. OpenSCAD ist die Ausnahme — als Textdatei funktioniert es in Git perfekt.
FEM: was es leistet und was nicht
Gut geeignet für
Komplexe Geometrien ohne geschlossene Formel
Spannungsverteilung finden: wo ist es kritisch?
Varianten vergleichen (Rippe hier oder dort?)
Verformung und Steifigkeit ermitteln
Eigenfrequenzen und Schwingungsformen (Modalanalyse)
Topologieoptimierung: Material weglassen, wo keine Last fließt
Heikel oder ungeeignet
Absolute Spannungswerte an Kerben — stark netzabhängig
Kontakt, Reibung, Schraubenvorspannung — aufwendig und fehleranfällig
Plastisches Verhalten und Bruch ohne passendes Werkstoffmodell
Ermüdung — braucht ein separates Nachweisverfahren, siehe Festigkeit
Alles, wo die Randbedingungen unbekannt sind
Als Ersatz für die Überschlagsrechnung
FEM-Vorgehen
Zuerst von Hand überschlagen
Ein Balkenmodell mit σ = M/W liefert die Größenordnung (siehe Biegung & Torsion). Weicht FEM um mehr als Faktor zwei ab, stimmt meist das FEM-Modell nicht.
Geometrie vereinfachen
Kleine Fasen, Gewinde und Schriftzüge raus. Sie erzeugen winzige Elemente, vervielfachen die Rechenzeit und verbessern nichts.
Randbedingungen realistisch setzen
Der häufigste Fehler. Eine Fläche vollständig einzuspannen ist fast nie realistisch — reale Verschraubungen sind nachgiebig, zu starre Einspannung erzeugt künstliche Spannungsspitzen am Rand.
Netzkonvergenz prüfen
Einmal mit grobem, einmal mit halb so großem Netz rechnen. Ändert sich das Ergebnis um weniger als 5 %, ist es konvergiert; ändert es sich weiter, ist der Wert nicht belastbar.
Ergebnisse hinterfragen
Fließt die Last plausibel? Verformt sich das Teil in eine sinnvolle Richtung? Passt die Größenordnung zum Überschlag? Ist die Spitze real oder eine Singularität?
Singularitäten sind die Falle jeder FEM-Rechnung. An einer scharfen Innenecke geht die Spannung mathematisch gegen unendlich — je feiner das Netz, desto höher der Wert. Der Rechner zeigt einen roten Fleck mit 900 N/mm², und das Bauteil hält trotzdem. Erkennungsmerkmal: der Wert wächst mit jeder Netzverfeinerung weiter, statt zu konvergieren. Abhilfe: einen realen Radius modellieren, dann konvergiert es.
Elemente und freie Werkzeuge
Element
Wofür
Anmerkung
Tetraeder linear (TET4)
—
Zu steif, unterschätzt Verformungen deutlich. Für Spannungsanalysen ungeeignet
Tetraeder quadratisch (TET10)
Allgemeine Volumenkörper
Der Standard. Vernetzt beliebige Geometrie automatisch, ausreichend genau
Hexaeder (HEX8/HEX20)
Regelmäßige Geometrie
Genauer und schneller bei gleicher Elementzahl, aber schwer automatisch zu vernetzen
Schalenelemente
Bleche, dünnwandige Teile
Deutlich effizienter als Volumen, solange die Wand dünn gegenüber der Fläche ist
Balkenelemente
Rahmen, Fachwerke, Profile
Sehr schnell, ideal für Gestellrechnungen mit vielen Profilen
FreeCAD FEM — nutzt CalculiX als Löser und Gmsh als Vernetzer; Statik, Modalanalyse, Thermik, direkt mit dem CAD-Modell verbunden.
CalculiX — der Löser dahinter, mit Abaqus-kompatibler Eingabedatei; auch eigenständig nutzbar, steile Lernkurve.
Code_Aster / Salome-Meca — von EDF entwickelt, industriell validiert, sehr umfangreich und entsprechend anspruchsvoll.
Der beste Nutzen von FEM im Prototypenbau ist der Vergleich, nicht der Absolutwert. „Variante B verformt sich 40 % weniger als Variante A“ ist robust, auch wenn beide Absolutwerte um 20 % danebenliegen — die Fehler wirken in beiden Modellen gleich. „Die Spannung beträgt 187 N/mm²“ darf man erst nach Netzkonvergenz und geprüften Randbedingungen sagen.
Quellen zu diesem Abschnitt
ISO 10303 (STEP), insbesondere AP242 für Geometrie mit Produkt- und Fertigungsinformationen.
Jedes Fertigungsverfahren hat Regeln, die nicht verhandelbar sind. Ein Frästeil braucht Innenradien, ein Blechteil Biegeradien und Mindestabstände, ein Gussteil Formschrägen. Wer sie beim Konstruieren beachtet, bekommt dasselbe Teil zum halben Preis.
Die Verfahren im Vergleich
Verfahren
Stückzahl
Toleranz
Stärken und Grenzen
Fräsen (3-Achs)
1 – 1 000
IT7 – IT9
Sehr flexibel, keine Werkzeugkosten. Innenecken bekommen immer einen Radius, Zugang nur von oben
Fräsen (5-Achs)
1 – 1 000
IT7
Komplexe Geometrie in einer Aufspannung, dadurch bessere Lagetoleranzen. Teurer je Stunde
Drehen
1 – 100 000
IT6 – IT8
Rotationssymmetrie, sehr schnell und genau. Mit angetriebenen Werkzeugen auch Bohrungen und Flächen
Blech: Laser + Kanten
1 – 10 000
±0,2 mm Kontur, ±0,5° Winkel
Sehr günstig für Gehäuse und Halter. Braucht Biegeradien, Mindestschenkel und Freischnitte
Drahterodieren
1 – 100
IT5 – IT6
Gehärteter Stahl, scharfe Innenecken, sehr genau. Nur durchgehende Konturen, langsam
Senkerodieren
1 – 100
IT6 – IT7
Formen und Taschen mit scharfen Ecken in gehärtetem Material. Elektrode nötig
Spritzguss
ab ca. 1 000
IT10 – IT12
Sehr billig je Stück, aber vier- bis fünfstellige Werkzeugkosten. Formschrägen und gleichmäßige Wände zwingend
Druckguss
ab ca. 1 000
IT11 – IT13
Wie Spritzguss, für Aluminium und Zink. Gute Oberfläche, poröser Kern — schlecht schweißbar
Sandguss
1 – 500
IT13 – IT16
Große Teile, günstiges Modell. Grobe Oberfläche, Bearbeitungszugabe einplanen
Scharfe Innenecken — ein Fräser ist rund. Freistich vorsehen oder erodieren lassen
Tiefe schmale Taschen: der lange dünne Fräser schwingt, es dauert ewig
Bearbeitung von fünf Seiten bei einem Einzelteil
Enge Toleranzen an unkritischen Maßen
Hinterschnitte ohne Zugang
Bohrungen, die schräg auf eine Fläche treffen — der Bohrer verläuft
Schnittdaten: Drehzahl, Vorschub, Zeitspanvolumen
Werkstoff
v_c HSS [m/min]
v_c Hartmetall, beschichtet
f_z bei Ø 6 mm [mm]
Baustahl S235, S355
25 – 35
120 – 180
0,03 – 0,06
Vergütungsstahl 42CrMo4
15 – 25
80 – 140
0,025 – 0,05
Edelstahl 1.4301 / 1.4404
10 – 18
60 – 100
0,02 – 0,04
Grauguss EN-GJL
18 – 25
80 – 150
0,04 – 0,07
Aluminium-Knetlegierung
60 – 150
300 – 800
0,06 – 0,09
Messing, Bronze
60 – 100
150 – 300
0,04 – 0,07
Kunststoff (POM, PA, PE)
100 – 250
200 – 500
0,05 – 0,10
Zahnvorschub skaliert mit dem Durchmesser: Richtwert 0,005–0,01 × d bei Stahl, 0,01–0,015 × d bei Aluminium. Beim Bohren gilt der Vorschub je Umdrehung, nicht je Zahn.
Zu kleiner Vorschub ist gefährlicher als zu großer: die Schneide reibt statt zu schneiden, wird heiß und stumpf.
Dünne Fräser mögen kleines a_e und großes a_p (Trochoidalfräsen): gleiche Zerspanleistung bei viel kleinerer Querkraft.
Blechgerecht konstruieren
Regel
Richtwert
Warum
Mindestbiegeradius innen
≥ 1 × Blechdicke (Alu: 1,5 – 2 ×)
Sonst reißt die Außenfaser
Mindestschenkellänge
≥ 4 × Blechdicke + Radius
Kürzer bekommt die Abkantpresse nicht gefasst
Abstand Bohrung zur Biegekante
≥ 2,5 × Blechdicke + Radius
Sonst verzieht sich die Bohrung zum Langloch
Abstand Bohrung zur Außenkante
≥ 2 × Blechdicke
Sonst reißt der Rand aus
Mindestbohrungsdurchmesser
≥ 1 × Blechdicke
Beim Stanzen; der Laser kann kleiner
Freischnitt an Biegeecken
Radius ≥ Blechdicke
Verhindert Einreißen an der Ecke
Alle Biegungen in derselben Richtung
—
Spart Umspannen und damit Zeit und Toleranz
Biegen verändert die Abwicklungslänge. Das Blech wird an der Biegung gestreckt, die Abwicklung ist deshalb kürzer als die Summe der Schenkel. Der Korrekturwert (K-Faktor, meist 0,33–0,45) hängt von Werkstoff, Dicke und Radius ab und ist im Zweifel beim Blechfertiger zu erfragen. CAD-Blechmodule rechnen das automatisch — aber nur mit dem richtigen Faktor.
Gussgerecht konstruieren
Formschrägen
Spritzguss 1–2° an glatten, 3–5° an genarbten Flächen; Druckguss 1–3°; Sandguss 2–3°, an tiefen Innenflächen bis 5°. Ohne Schräge lässt sich das Teil nicht entformen — das ist keine Empfehlung, sondern eine Bedingung.
Gleichmäßige Wandstärken
Materialanhäufungen erstarren langsamer und erzeugen Lunker und Einfallstellen. Rippen höchstens 40–60 % der angrenzenden Wandstärke, Übergänge mit Radien.
Bearbeitungszugabe
Bei Sandguss 2–5 mm an allen Flächen, die später gefräst werden. Die Rohgussfläche ist zu ungenau und zu rau für Funktionsflächen.
Hinterschnitte vermeiden
Jeder Hinterschnitt braucht einen Schieber im Werkzeug und kostet vierstellig. Oft lässt er sich durch eine kleine Geometrieänderung ganz vermeiden.
Vor dem Bestellen
Werkstoff und Halbzeug am Lager wählen — Standardabmessungen und lagerhaltige Legierungen sparen mehr als jede Werkstoffoptimierung (siehe Werkstoffwahl).
STEP und PDF zusammen schicken, mit Werkstoff, Oberfläche, Kantenzustand und Stückzahl im Schriftfeld.
Fünf Minuten Rückfrage sparen regelmäßig 30 % der Kosten. Die meisten Lohnfertiger prüfen eine STEP-Datei kostenlos auf Fertigbarkeit und melden zurück, welche Details teuer sind — meist ist es ein einziger Radius, eine Toleranz oder eine zusätzliche Aufspannung. Online-Anbieter mit sofortiger Kalkulation zeigen den Preisunterschied direkt beim Ändern.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN 8580 — Fertigungsverfahren: Einteilung in die sechs Hauptgruppen.
DIN 6935 — Kaltbiegen von Flacherzeugnissen aus Stahl: Mindestbiegeradien und Ausgleichswerte.
DIN EN ISO 8062-3 — Gussteile: Maß- und Bearbeitungszugabetoleranzen.
Ein FDM-Teil ist kein Vollmaterial, sondern ein Stapel verschweißter Fäden. Es ist in der Schichtebene deutlich fester als quer dazu, und die Druckorientierung entscheidet über die Belastbarkeit oft mehr als das Material. Wer das mitkonstruiert, bekommt brauchbare Funktionsteile. Filamente, Düsen und Druckparameter stehen im Modul 3D-Druck.
Anisotropie: die zentrale Eigenschaft
Zwischen den Schichten hält nur die Verschweißung der Fäden. Quer zur Schichtebene erreicht ein FDM-Teil typischerweise 40 bis 70 % der Festigkeit, die es in der Schichtebene hat — bei kühlem Druck und dünnen Schichten auch weniger.
Last in die Schichtebene legen
Die Orientierung auf dem Druckbett ist eine Konstruktionsentscheidung, keine Slicer-Einstellung. Im Zweifel das Teil so drehen, dass die größte Zugspannung längs der Fäden läuft.
Perimeter statt Infill
Für Festigkeit bringen mehr Außenwände (4–6 statt 2) deutlich mehr als ein höherer Füllgrad. Infill über 40 % lohnt sich fast nie.
Heißer drucken
10–15 K mehr Düsentemperatur und weniger Bauteilkühlung verbessern die Schichthaftung spürbar — der einfachste Hebel für Z-Festigkeit, solange die Optik es zulässt.
Geometrieregeln
Merkmal
Richtwert
Anmerkung
Überhangwinkel ohne Stützen
≤ 45° von der Senkrechten
Darüber braucht es Stützstrukturen oder eine Fase
Brücken über Freiraum
bis ca. 30 mm
Nur mit guter Kühlung; darüber hängt der Faden durch
Minimale Wandstärke
2 × Düsendurchmesser
Bei 0,4 mm Düse also 0,8 mm; besser ein ganzzahliges Vielfaches der Linienbreite
Minimale Bohrung
≥ 2 mm
Kleinere Löcher besser bohren als drucken
Erste Schicht (Elefantenfuß)
0,1 – 0,3 mm breiter
Eine Fase von 0,5 mm an der Unterkante kompensiert das
Innenradien
≥ 1 mm
Scharfe Innenecken sind Sollbruchstellen an der Schichtgrenze
Vertikale Bohrungen
0,1 – 0,4 mm zu klein
Der Kreis wird durch die Fadenbreite verengt; im Zweifel Toleranztest drucken
Gedruckte Löcher werden zu eng. Ursache ist der Kurvenradius: der extrudierte Faden wird nach innen gedrückt. Praktisch heißt das, eine Bohrung 0,2–0,4 mm größer zu zeichnen als das Sollmaß — oder sie nachzubohren. Für Passungen ist Nachbohren mit einem Standardbohrer die zuverlässigste Methode, denn dann kommt die Toleranz vom Bohrer und nicht vom Drucker.
Passungen und Spiel
Verbindung
Spiel je Seite
Anmerkung
Presssitz (einpressen)
−0,05 … 0 mm
Braucht Kraft; bei zu viel Übermaß reißt die Wand auf
Übergangssitz (mit Kraft von Hand)
0,1 mm
Der übliche Fall für Steckverbindungen
Spielpassung (leicht beweglich)
0,2 mm
Scharniere und Drehachsen
Gleitführung
0,3 – 0,4 mm
Schubladen, Deckel, große Flächen
Gedrucktes Gewinde M3 – M8
0,2 – 0,3 mm
Hält wenige Zyklen; besser Insert oder eingelegte Mutter
Diese Werte sind druckerabhängig. Ein Toleranztest — ein Testkörper mit gestaffelten Spaltmaßen — kostet zwanzig Minuten und macht alle folgenden Teile passgenau. Die Passungssystematik nach ISO 286 lässt sich auf FDM nicht anwenden: die erreichbare Genauigkeit liegt bei IT13 und gröber, siehe Toleranzen, Passungen & Oberflächen.
Gewinde, Einsätze und konstruktive Kniffe
Heat-Set-Inserts
Messingeinsätze mit dem Lötkolben einschmelzen — die haltbarste Gewindelösung im Druckteil: mehrfach montierbar, hohe Auszugskraft. Das Loch auf den kleineren Einführdurchmesser des Inserts zeichnen, typisch 0,3–0,5 mm unter dem Außendurchmesser (M3-Insert mit Ø 4,6 mm → Loch Ø 4,0–4,2 mm); Herstellerangabe schlägt die Faustregel.
Sechskanttaschen
Eine normale Mutter in einer passenden Tasche versenken, bei Bedarf im laufenden Druck einlegen. Billigste Lösung mit voller Metallfestigkeit — Übersicht der Normteile unter Gewinde & Normteile.
Kanten brechen
Eine 0,5-mm-Fase an der Unterkante gleicht den Elefantenfuß aus, eine Fase an Steckverbindungen erleichtert das Fügen — genau wie bei Metallteilen.
Teilen und verkleben
Ein Teil in zwei Hälften mit jeweils optimaler Orientierung drucken und verkleben ist oft fester und schneller als ein Stück mit Stützstrukturen — und die Oberfläche wird besser.
Wann nicht gedruckt wird
Der Drucker glänzt bei
Komplexer Geometrie, die spanend teuer wäre
Anpassungs- und Adapterteilen, Einzelstücken
Gehäusen, Halterungen, Vorrichtungen und Bohrschablonen
Schnellen Iterationen: Form am Objekt prüfen statt am Bildschirm
Besser gekauft oder gefertigt
Lagerstellen und Führungen — Buchse oder Wälzlager einsetzen
Wellen und Achsen — Rundstahl ist billiger und genauer
Hoch belastete Verbindungen und tragende Gewinde
Alles über 50 °C Dauertemperatur bei PLA und PETG
Dichtflächen und Druckbehälter — Schichtgrenzen sind Leckagepfade
Die Kombination ist meist die beste Konstruktion. Ein Winkel aus Aluminium, eine Welle aus Rundstahl, eine gekaufte Lagerbuchse und drumherum ein gedrucktes Gehäuse kosten wenig und sind jedem reinen Druckteil überlegen. Werkstoffkennwerte für den Vergleich stehen unter Werkstoffwahl.
Quellen zu diesem Abschnitt
DIN EN ISO/ASTM 52900 — Additive Fertigung: Grundlagen, Begriffe und Verfahrenseinteilung.