Regelung, Sensoren & Motoren
Der Signalweg eines mechatronischen Systems: messen, regeln, bewegen. Regelungstechnik von der Übertragungsfunktion bis zum Zustandsraum, die Messkette mit Sensor-Katalog — und die Antriebe vom Motortyp über den Treiber bis zur Auslegung mit Getriebe.
01 / 14Start & Landkarte
Steuerung und Regelung
| Größe | Zeichen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Führungsgröße | w | Was erreicht werden soll — der Sollwert |
| Regelgröße | y | Was tatsächlich herauskommt — der Istwert |
| Regelabweichung | e = w − y | Die Differenz; sie treibt den Regler an |
| Stellgröße | u | Was der Regler an die Strecke gibt |
| Störgröße | z | Alles, was von außen auf die Strecke wirkt |
Landkarte
Die Kette, um die es geht
Jedes Glied dieser Kette fügt Fehler, Verzögerung und Rauschen hinzu. Wer eine Regelung verbessern will, prüft zuerst, welches Glied wirklich begrenzt — oft ist es nicht der Regler, sondern ein grob auflösender Sensor oder ein Getriebe mit Spiel.
Verwandte Module
- Jan Lunze, Regelungstechnik 1 und 2, Springer Vieweg — das Standardwerk im deutschsprachigen Raum.
- Karl Johan Åström, Richard Murray, Feedback Systems — vollständig kostenlos, modern, sehr gut lesbar.
- Åström & Hägglund, Advanced PID Control, ISA — die Referenz zu allem, was PID betrifft.
- Jörg Hoffmann (Hrsg.), Handbuch der Messtechnik, Hanser; Tränkler & Reindl (Hrsg.), Sensortechnik, Springer.
- Rolf Fischer, Elektrische Maschinen, Hanser — der Standard zu Motoren.
- Brian Douglas, Control System Lectures — die anschaulichste kostenlose Erklärung von Bode, Nyquist und Zustandsraum.
02 / 14Modellbildung & Übertragungsfunktion
Zwei Wege zum Modell
Theoretisch (weiße Box)
- Weg: Kräfte-, Energie-, Maschenbilanz → Differentialgleichung mit interpretierbaren Parametern
- Stärke: Aussagen vor dem Bau möglich
- Schwäche: Reibung, Spiel und Nichtlinearitäten fehlen meist
Experimentell (schwarze Box)
- Weg: Sprungantwort messen, Parameter ablesen
- Stärke: schneller und meist genauer — beschreibt das reale System
- Schwäche: gilt nur um den gemessenen Arbeitspunkt
In der Praxis mischt man beides („graue Box“): Struktur aus der Physik, Zahlenwerte aus der Messung — fast immer der schnellste Weg zu einem brauchbaren Regler.
Der Sprungversuch
Arbeitspunkt einstellen, Sprung fahren
Stellgröße sprunghaft um 10–20 % des Stellbereichs ändern — deutlich, aber unkritisch. In beide Richtungen messen (Heizen ist nicht Kühlen) und mindestens drei Versuche mitteln.Verstärkung ablesen
K_S = Δy / Δu im eingeschwungenen Zustand.Wendetangente anlegen
Schnitt mit der Anfangslinie → Verzugszeit T_u; Schnitt mit dem Beharrungswert → Ausgleichszeit T_g.Regelbarkeit beurteilen
T_g/T_u > 10 gut · 3 … 10 normal · < 3 schwierig. Bei schlechtem Verhältnis hilft kein besserer Regler, sondern nur eine bessere Strecke oder Vorsteuerung.Typische Streckenarten
| Art | Verhalten | Beispiel | Reglerwahl |
|---|---|---|---|
| P-Strecke (mit Ausgleich) | Neuer Beharrungswert nach Sprung | Heizung, Drehzahl bei konstanter Last | PI reicht meist |
| I-Strecke (ohne Ausgleich) | Läuft nach Sprung immer weiter | Füllstand, Position bei Drehzahlvorgabe | P oder PD — I-Anteil im Regler oft schädlich |
| Mit Totzeit | Reagiert erst nach Wartezeit | Förderband, Rohrleitung | Vorsichtig; ab T_t/T > 0,5 Smith-Prädiktor erwägen |
| Nichtminimalphasig | Läuft zuerst in die falsche Richtung | Kesselfüllstand, Boost-Wandler | Begrenzt die Bandbreite grundsätzlich — nicht wegregelbar |
| Instabil | Läuft ohne Regelung weg | Inverses Pendel, Quadrocopter, Magnetlager | Regelung zwingend; Sicherheitsabschaltung vorsehen |
| Nichtlinear | Verstärkung hängt vom Arbeitspunkt ab | Ventilkennlinie, Reibung, Sättigung | Linearisieren oder Gain Scheduling |
RLC-Kreis, gefedertes Werkzeug und Positionierantrieb gehorchen derselben Gleichung zweiter Ordnung — wer eine versteht, versteht alle. Siehe Elektrotechnik → Schaltvorgänge.
Laplace: Ableiten wird Multiplizieren
Pole und Nullstellen
| Pollage | Zeitverhalten | Beispiel |
|---|---|---|
| Reell, negativ | Abklingende e-Funktion; je weiter links, desto schneller | PT1-Glied |
| Konjugiert komplex, links | Gedämpfte Schwingung: Realteil = Abklingen, Imaginärteil = Frequenz | Schwingfähiges PT2 |
| Auf der imaginären Achse | Ungedämpfte Dauerschwingung | Stabilitätsgrenze |
| Im Ursprung | Integrierendes Verhalten | I-Glied, Position aus Drehzahl |
| Rechte Halbebene | Aufklingend — instabil | Inverses Pendel ohne Regelung |
| Nullstelle rechts | Nichtminimalphasig: erst falsche Richtung | Boost-Wandler, Kesselfüllstand |
Rechnen ohne Rücktransformation
Beispiel: bleibende Abweichung
Strecke G_S = 2/(1 + 5s), P-Regler mit K_R = 4 → G₀(0) = 8. Bleibende Abweichung beim Sollwertsprung: e(∞) = 1/(1 + G₀(0)) = 1/9 ≈ 11 %. Ein reiner P-Regler an einer Strecke mit Ausgleich lässt immer einen Rest stehen — erst der I-Anteil bringt G₀(0) auf unendlich und die Abweichung auf null.
- Lunze, Regelungstechnik 1 — Modellbildung, Laplace-Transformation, Übertragungsfunktion.
- Åström & Murray, Feedback Systems, Kapitel 2, 3, 8 und 9.
- Lennart Ljung, System Identification: Theory for the User — experimentelle Modellbildung.
- Papula, Mathematik für Ingenieure, Band 2 — Laplace mit Korrespondenztabelle.
- Werkzeuge: python-control und
scipy.signal— kostenlose Alternative zu MATLAB.
03 / 14Übertragungsglieder & Regelkreis
Die Grundglieder
| Glied | G(s) | Sprungantwort | Beispiel |
|---|---|---|---|
| P — proportional | K | Springt sofort auf K, bleibt dort | Spannungsteiler, Hebel, Getriebe |
| I — integrierend | K/s | Steigt linear an, ohne Ende | Füllstand, Position aus Drehzahl |
| D / DT1 — differenzierend | K·s bzw. K·s/(1 + T·s) | Ideal: Nadelimpuls (nicht realisierbar); real: Sprung, dann Abklingen | Jeder praktisch gebaute D-Anteil |
| PT1 | K/(1 + T·s) | e-Funktion; nach T sind 63 % erreicht, nach 3T 95 %, nach 5T 99 % | Erwärmung, RC-Glied, Drehzahl mit Reibung |
| PT2 | K/(1 + 2DT·s + T²s²) | Je nach D schwingend, aperiodisch oder kriechend | Feder-Masse-Dämpfer, RLC-Kreis |
| PTt — Totzeit | e^(−T_t·s) | Sprung, um T_t verzögert | Förderband, Rohrleitung, Rechenzeit |
| PD | K(1 + T_v·s) | Sprung über den Endwert, dann zurück | Regleranteil, Vorhalt |
Eine Kette vieler kleiner Zeitkonstanten ergibt den S-Verlauf mit T_u und T_g aus dem Sprungversuch — und lässt sich für Einstellregeln gut als PT1 mit Totzeit annähern.
PT2 und die Dämpfung
| Dämpfung D | Verhalten | Überschwingen | Einsatz |
|---|---|---|---|
| 0 | Dauerschwingung | 100 % | Stabilitätsgrenze — nie gewollt |
| 0,3 | Deutlich schwingend | ≈ 37 % | Zu wenig gedämpft für die meisten Fälle |
| 0,5 | Schwingend, klingt schnell ab | ≈ 16 % | Häufiger Kompromiss bei Antrieben |
| 0,707 | Optimum aus Schnelligkeit und Ruhe | ≈ 4,3 % | Der übliche Zielwert |
| 1 | Aperiodischer Grenzfall | 0 % | Schnellstmöglich ohne Überschwingen |
| > 1 | Kriechfall | 0 % | Wenn Überschwingen tabu ist |
Abschätzung: Anstiegszeit ≈ 1,8/ω₀ bei D = 0,7; Ausregelzeit auf 2 % ≈ 4/(D·ω₀). Aus der gewünschten Reaktionszeit folgt so die nötige Bandbreite des Kreises.
Totzeit — der unangenehmste Baustein
- T_t/T bestimmt die erreichbare Geschwindigkeit: über 0,5 schwierig, über 1 sehr schwierig.
- Wirksamster Hebel ist Verkleinern: schneller und näher am Prozess messen, Rechen- und Kommunikationszeit senken.
- Smith-Prädiktor kompensiert bekannte Totzeit rechnerisch — empfindlich gegen Modellfehler.
- Abtastung wirkt wie T_a/2 Totzeit — zu langsame Abtastung ist doppelt schädlich (Digitale Regelung).
Gütekriterien des Regelkreises
| Kriterium | Definition | Typische Zielwerte |
|---|---|---|
| Anstiegszeit T_an | Von 10 % auf 90 % des Endwerts | So kurz wie die Stellgröße zulässt |
| Überschwingen | Höchster Wert über dem Sollwert, in Prozent | 0 % bei Positionierung, 5–20 % bei schnellen Antrieben |
| Ausregelzeit | Bis der Wert dauerhaft im Toleranzband bleibt (meist ±2 %) | Das übliche Hauptkriterium |
| Bleibende Abweichung | Rest nach unendlicher Zeit | Null — dafür sorgt der I-Anteil |
| Robustheit | Amplituden- und Phasenreserve | > 6 dB bzw. 45–60° (Stabilität) |
| Stellaufwand | Wie stark die Stellgröße arbeitet | Dauerhaft an der Begrenzung = falsch eingestellt |
Führungs- oder Störverhalten?
Führungsverhalten optimiert
- Sollwert ändert sich häufig, Störungen gering: Positionierantriebe, Bahnsteuerung
- Vorsichtige Einstellung, wenig Überschwingen
- Vorsteuerung hilft am meisten: bekannten Sollwertverlauf direkt aufschalten, der Regler korrigiert nur den Rest
Störverhalten optimiert
- Sollwert steht fest, Lasten wechseln: Temperatur, Drehzahlkonstanz, Druckhaltung
- Aggressivere Einstellung, höhere Kreisverstärkung
- Vorsteuerung wirkungslos — außer die Störung wird gemessen (Störgrößenaufschaltung)
Die CHR-Einstellregeln geben genau deshalb getrennte Parametersätze an — siehe PID.
Was die Reglertypen bewirken
| Regler | Bleibende Abweichung | Geschwindigkeit | Stabilität | Rauschverstärkung |
|---|---|---|---|---|
| P | bleibt bestehen | schnell | hohe Verstärkung destabilisiert | gering |
| PI | null | etwas langsamer als P | I-Anteil kostet Phasenreserve | gering |
| PD | bleibt bestehen | sehr schnell | D-Anteil verbessert die Phasenreserve | hoch |
| PID | null | schnell | guter Kompromiss | hoch — ohne Filter unbrauchbar |
Empfindlichkeitsfunktion — die Grenze jeder Regelung
- Niedrige Frequenzen: S klein — langsame Störungen ausregeln. Dafür sorgt hohe Kreisverstärkung, praktisch der I-Anteil.
- Um die Durchtrittsfrequenz: Geschwindigkeit und Stabilität — hier zählt die Phasenreserve.
- Hohe Frequenzen: T klein — Messrauschen darf nicht auf die Stellgröße durchschlagen.
- Wasserbett-Effekt (Bode-Integral): Was man bei einer Frequenz an Störunterdrückung gewinnt, verliert man bei einer anderen. Regelung verschiebt Probleme im Frequenzbereich, sie beseitigt sie nicht.
- Lunze, Regelungstechnik 1 — Übertragungsglieder, Güteforderungen, Empfindlichkeitsfunktion.
- Föllinger, Regelungstechnik, VDE Verlag — Tabellen zu Sprung- und Frequenzantworten.
- Åström & Murray, Feedback Systems, Kapitel 11 und 12 — Wasserbett-Effekt.
- Simulation: python-control mit
step_response(), oder Scilab/Xcos.
04 / 14PID: verstehen & einstellen
Die Gleichung
| Anteil | Reagiert auf | Bewirkt | Nachteil |
|---|---|---|---|
| P | die aktuelle Abweichung | Sofortige Reaktion, Grundgeschwindigkeit | Bleibende Abweichung; zu groß → Schwingen |
| I | die Summe aller Abweichungen | Beseitigt die bleibende Abweichung vollständig | Macht träger, kostet Phasenreserve, neigt zu Windup |
| D | die Änderungsgeschwindigkeit | Wirkt vorausschauend, dämpft Überschwingen, erlaubt höheres K_p | Verstärkt Messrauschen massiv; ohne Filter unbrauchbar |
Ausprobieren
Regelkreis-Spielwiese
Strecke: zwei hintereinandergeschaltete PT1-Glieder mit einstellbarer Zeitkonstante und Totzeit. Die Stellgröße ist auf ±3 begrenzt, mit Anti-Windup. Sollwertsprung bei t = 1 s.
Was man ausprobieren sollte: T_n auf 0 stellen (kein I-Anteil) — die Kurve bleibt unter dem Sollwert stehen, das ist die bleibende Regelabweichung. Dann T_n schrittweise verkleinern: Der Fehler verschwindet, aber es beginnt zu schwingen. Zuletzt Totzeit hinzufügen: Dieselben Parameter, die vorher gut waren, führen jetzt zu Dauerschwingen — ein guter Beleg dafür, warum Totzeit das eigentliche Problem ist.
| Änderung | Anstiegszeit | Überschwingen | Ausregelzeit | Bleibende Abweichung | Stabilität |
|---|---|---|---|---|---|
| K_p größer | kürzer | größer | kaum verändert | kleiner | schlechter |
| T_n kleiner (I stärker) | etwas kürzer | größer | länger | null | schlechter |
| T_v größer (D stärker) | kaum verändert | kleiner | kürzer | unverändert | besser (bis zu einem Punkt) |
Der Rechner
Reglerparameter aus Streckendaten
Beim Schwingversuch werden K_krit und T_krit gebraucht, bei den Sprungantwort-Verfahren T_u, T_g und die Streckenverstärkung K_S.
Ziegler-Nichols
Schwingversuch: I- und D-Anteil abschalten, K_p erhöhen, bis der Kreis eine gleichbleibende Dauerschwingung zeigt. K_krit = eingestellter Beiwert, T_krit = Periodendauer.
| Regler | K_p | T_n | T_v |
|---|---|---|---|
| P | 0,5 · K_krit | — | — |
| PI | 0,45 · K_krit | 0,85 · T_krit | — |
| PID | 0,6 · K_krit | 0,5 · T_krit | 0,12 · T_krit |
Aus der Sprungantwort (T_u, T_g, K_S aus dem Sprungversuch), bewusst schnell mit ~20 % Überschwingen:
| Regler | K_p | T_n | T_v |
|---|---|---|---|
| P | T_g/(K_S·T_u) | — | — |
| PI | 0,9 · T_g/(K_S·T_u) | 3,33 · T_u | — |
| PID | 1,2 · T_g/(K_S·T_u) | 2,0 · T_u | 0,5 · T_u |
Chien, Hrones und Reswick (aperiodisch, 0 % Überschwingen)
1952 mit zwei Verbesserungen gegenüber Ziegler-Nichols: getrennte Werte für Führungs- und Störverhalten, jeweils ohne und mit 20 % Überschwingen. Für Mechatronik ist die aperiodische Variante meist die richtige — Überschwingen ist dort mechanisch teuer.
| Fall | Regler | K_p | T_n | T_v |
|---|---|---|---|---|
| Führung | P | 0,3 · T_g/(K_S·T_u) | — | — |
| PI | 0,35 · T_g/(K_S·T_u) | 1,2 · T_g | — | |
| PID | 0,6 · T_g/(K_S·T_u) | 1,0 · T_g | 0,5 · T_u | |
| Störung | P | 0,3 · T_g/(K_S·T_u) | — | — |
| PI | 0,6 · T_g/(K_S·T_u) | 4,0 · T_u | — | |
| PID | 0,95 · T_g/(K_S·T_u) | 2,4 · T_u | 0,42 · T_u |
Lambda-Tuning (IMC)
Ein einziger Parameter mit klarer physikalischer Bedeutung — Standard in der Verfahrenstechnik. Grenzen: braucht ein brauchbares Streckenmodell, für instabile Strecken nicht direkt anwendbar.
Reglerformen — Vorsicht bei fremden Parametern
| Form | Gleichung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Standard (ISA) | K_p·[e + (1/T_n)∫e + T_v·ė] | K_p wirkt auf alles — der verbreitetste Fall, auch hier verwendet |
| Parallel | K_p·e + K_i·∫e + K_d·ė | In Bibliotheken üblich. Umrechnung: K_i = K_p/T_n, K_d = K_p·T_v |
| Serie (interagierend) | K_p'·(1 + 1/(T_n's))·(1 + T_v's) | Historisch (pneumatische Regler); manche Altgeräte |
Von Hand nachjustieren
Einen Parameter auf einmal, spürbar ändern
Faktor 1,5–2, nicht 5 % — und immer denselben Test fahren (gleicher Sprung oder gleiche Laststörung).Schwingt es? K_p verkleinern oder T_n vergrößern
Die Periode verrät die Ursache: nahe T_n → I-Anteil zu stark; deutlich kürzer → K_p zu groß.Zu träge? Erst K_p vergrößern
Dann erst den I-Anteil. Zu starker I bei zu kleinem K_p erzeugt langsame, hartnäckige Schwingungen.Überschwingen: T_n vergrößern, dann K_p senken, zuletzt D
Ein D-Anteil ohne Filter macht nur das Rauschen sichtbar — Umsetzung unter Digitale Regelung & Praxis.Ergebnis dokumentieren
Parameter, Streckenzustand, Datum, Sprungantwort. Spart beim nächsten Gerät die halbe Arbeit.- J. G. Ziegler, N. B. Nichols, Optimum Settings for Automatic Controllers, Transactions of the ASME, 1942.
- K. L. Chien, J. A. Hrones, J. B. Reswick, On the Automatic Control of Generalized Passive Systems, Transactions of the ASME, 1952.
- Åström & Hägglund, Advanced PID Control, ISA 2006 — Reglerformen, Relaisversuch, Lambda-Tuning.
- Brett Beauregard, Improving the Beginner's PID — praktische Umsetzung auf Mikrocontrollern.
- Deutschsprachige Tabellen: Faustformelverfahren (Automatisierungstechnik).
05 / 14Stabilität: Bode & Nyquist
Das Bode-Diagramm des offenen Kreises
| Kennwert | Definition | Zielbereich | Was er bedeutet |
|---|---|---|---|
| Durchtrittsfrequenz ω_d | Frequenz, bei der |G₀| = 1 (0 dB) | — | Bestimmt die Geschwindigkeit des geschlossenen Kreises |
| Phasenreserve φ_R | 180° + arg G₀ bei ω_d | 45–60°, unter 30° kritisch | Wie viel zusätzliche Phasendrehung der Kreis verträgt, bevor er schwingt |
| Amplitudenreserve A_R | 1/|G₀| bei arg G₀ = −180° | > 6 dB (Faktor 2), üblich 6–14 dB | Um welchen Faktor die Verstärkung steigen dürfte, bis es instabil wird |
| Totzeitreserve | φ_R (im Bogenmaß) / ω_d | möglichst groß | Wie viel zusätzliche Verzögerung der Kreis aushält — die praxisnächste Zahl |
Was Phasenreserve kostet
Das Nyquist-Kriterium
Die Verfahren im Vergleich
| Verfahren | Braucht | Liefert | Stärke |
|---|---|---|---|
| Bode | Frequenzgang des offenen Kreises | Phasen- und Amplitudenreserve | Direkt aus einer Messung erstellbar — kein Modell nötig |
| Nyquist | dasselbe als Ortskurve | Stabilitätsaussage auch bei instabilem offenem Kreis | Der allgemeinste Fall |
| Wurzelortskurve | Modell mit Polen und Nullstellen | Wanderung der Pole über K | Zeigt anschaulich, wann und wo Instabilität entsteht |
| Hurwitz / Routh | Nennerpolynom | Ja/Nein-Aussage | Rein rechnerisch, ohne Diagramm; gut für symbolische Grenzen |
| Simulation | Modell | Zeitverlauf | Anschaulich, beweist aber keine Stabilität — sie zeigt nur den geprüften Fall |
Frequenzgang messen statt rechnen
Sinus einspeisen
Am geschlossenen Kreis ein kleines Sinussignal auf den Sollwert oder die Stellgröße geben — klein genug, dass keine Begrenzung greift.Amplitude und Phase mitschreiben
Frequenz schrittweise durchfahren, je Punkt über mehrere Perioden mitteln. Das Ergebnis ist das Bode-Diagramm des realen Systems, inklusive aller Effekte, die kein Modell enthält.Reserven ablesen
Durchtrittsfrequenz, Phasen- und Amplitudenreserve direkt aus der Messung. Netzwerkanalysatoren machen genau das; für langsame Strecken genügt ein Skript.Alternative: Relaisversuch
Ein Zweipunktschalter mit kleiner Amplitude liefert aus Periode und Amplitude einen Punkt der Ortskurve — die Grundlage der Selbstoptimierung industrieller Regler (PID).- Lunze, Regelungstechnik 1 — Stabilität und Frequenzkennlinienverfahren.
- Åström & Murray, Feedback Systems, Kapitel 9 und 10 — Nyquist und Robustheit, mit sehr guten Abbildungen.
- Föllinger, Regelungstechnik, VDE Verlag — Wurzelortskurve und Hurwitz-Kriterium ausführlich.
- Brian Douglas, Control System Lectures — Videoreihe zu Bode, Nyquist und Stabilitätsreserven.
06 / 14Digitale Regelung & Praxis
Abtastzeit wählen
| Regelgröße | Typische Streckenzeit | Sinnvolle Abtastzeit |
|---|---|---|
| Strom im Motor | 0,1–2 ms | 20–100 µs, meist synchron zur PWM |
| Drehzahl | 10–200 ms | 1–10 ms |
| Position | 50–500 ms | 1–10 ms |
| Temperatur (Lötspitze) | 1–3 s | 50–200 ms |
| Temperatur (Raum, Ofen) | Minuten bis Stunden | 1–10 s |
| Füllstand, Druck | Sekunden | 100 ms – 1 s |
Vom kontinuierlichen zum diskreten Regler
| Verfahren | Ersetzung | Eigenschaft |
|---|---|---|
| Vorwärtsdifferenz (Euler explizit) | s → (z − 1)/T_a | Einfachste Form; kann aus einem stabilen Regler einen instabilen machen |
| Rückwärtsdifferenz (Euler implizit) | s → (z − 1)/(z·T_a) | Erhält Stabilität immer; die pragmatische Standardwahl |
| Tustin / Bilinear | s → 2(z − 1)/(T_a(z + 1)) | Beste Übereinstimmung im Frequenzgang; für Filter die richtige Wahl |
| Direkter Entwurf im z-Bereich | — | Am genauesten, aber aufwendiger — lohnt bei grober Abtastung |
PID-Regler als Code
typedef struct {
float kp, ki, kd; /* ki = kp*Ta/Tn ; kd = kp*Tv/Ta */
float integral;
float y_prev; /* letzter Istwert (D auf y, nicht auf e) */
float d_filt; /* gefilterter D-Anteil */
float alpha; /* Filterfaktor, 0.1 ... 0.3 */
float u_min, u_max;
} pid_t;
float pid_step(pid_t *p, float w, float y)
{
float e = w - y;
float u = p->kp * e; /* P-Anteil */
p->integral += p->ki * e; /* I mit Anti-Windup */
if (p->integral > p->u_max) p->integral = p->u_max;
if (p->integral < p->u_min) p->integral = p->u_min;
u += p->integral;
float d_raw = -p->kd * (y - p->y_prev); /* D auf y, gefiltert */
p->d_filt += p->alpha * (d_raw - p->d_filt);
u += p->d_filt;
p->y_prev = y;
if (u > p->u_max) u = p->u_max; /* Stellbegrenzung */
if (u < p->u_min) u = p->u_min;
return u;
} Feste Abtastzeit sicherstellen
Die Funktion gehört in einen Timer-Interrupt, nicht in die Hauptschleife. Schwankt T_a, ändern sich effektiv K_i und K_d bei jedem Aufruf.T_a in die Beiwerte einrechnen
K_i = K_p·T_a/T_n, K_d = K_p·T_v/T_a. Wer die Abtastzeit ändert, muss beide anpassen.Messen, rechnen, stellen — unmittelbar hintereinander
ADC vom Timer triggern lassen, bei PWM-Lasten in der Mitte der Ein- oder Ausschaltphase messen, nie auf der Flanke. Jede Verzögerung dazwischen ist zusätzliche Totzeit.Rechenzeit und verpasste Takte überwachen
GPIO-Pin am Anfang und Ende der Regelroutine setzen und am Oszilloskop messen. Mehr als ein Drittel der Abtastperiode wird eng; ein Zähler für verpasste Zyklen gehört in jede ernsthafte Umsetzung.Stoßfrei umschalten
Beim Wechsel von Hand- auf Automatikbetrieb den Integralanteil so setzen, dass die Stellgröße unverändert bleibt — sonst springt der Antrieb.Anti-Windup
Steht die Stellgröße an ihrer Grenze, wirkt keine Änderung mehr — der Kreis ist offen, der I-Anteil summiert aber weiter. Beim Erreichen des Sollwerts muss dieser Berg erst abgebaut werden, und die Regelgröße schießt weit über.
| Verfahren | Prinzip | Bewertung |
|---|---|---|
| Integrator anhalten | Bei begrenzter Stellgröße nicht weiter integrieren, wenn der Fehler in dieselbe Richtung zeigt | Einfach, wirksam, zwei Zeilen Code |
| Integrator klemmen | Integralanteil auf den Stellbereich begrenzen | Sehr einfach (siehe Code oben), bei stark ungleichen Anteilen etwas grob |
| Back-Calculation | Differenz aus berechneter und tatsächlicher Stellgröße gewichtet vom Integral abziehen | Das Verfahren der Wahl; die Rückkehr aus der Begrenzung ist einstellbar |
| Bedingtes Integrieren | Nur integrieren, wenn der Fehler unter einer Schwelle liegt | Hilft bei großen Sollwertsprüngen |
Messrauschen und der D-Anteil
Kaskade und Vorsteuerung
- Wann sie lohnt: Eine schnelle innere Größe ist messbar und beeinflusst die langsame äußere — Strom vor Drehzahl vor Position, Vorlauf- vor Raumtemperatur.
- Der Gewinn: Störungen im inneren Kreis werden ausgeregelt, bevor sie außen ankommen; zusätzlich linearisiert der innere Kreis die Strecke für den äußeren.
- Die Regel: Der innere Kreis muss mindestens dreimal, besser fünf- bis zehnmal schneller sein als der äußere.
- Reihenfolge: Immer von innen nach außen einstellen — erst den inneren Kreis schließen, dann den äußeren mit dem geschlossenen inneren Kreis als Teil der Strecke.
- Begrenzungen weiterreichen: Der Ausgang des äußeren Reglers ist Sollwert des inneren und wird auf dessen zulässigen Bereich begrenzt — die eleganteste Strombegrenzung.
Führungsvorsteuerung
- Aus dem bekannten Sollwertverlauf direkt eine Stellgröße berechnen und aufschalten
- Beim Antrieb: Beschleunigungsmoment aus dem geplanten Geschwindigkeitsprofil vorausrechnen
- Reduziert den Schleppfehler oft um eine Größenordnung
Störgrößenaufschaltung
- Eine messbare Störung direkt kompensieren, ohne Umweg über die Regelabweichung
- Beispiele: Außentemperatur bei der Heizung, bekanntes Lastmoment, Eingangsspannung eines Wandlers
- Wirkt nur so gut, wie das Modell stimmt
Nichtlinearitäten beherrschen
| Effekt | Symptom | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Haftreibung | Antrieb bleibt kurz vor dem Ziel stehen und ruckt dann; Grenzzyklen | Losbrechmoment vorsteuern, Reibung senken, Toleranzband akzeptieren |
| Spiel im Getriebe | Beim Richtungswechsel passiert erst nichts, dann schlägt es durch | Mechanisch vorspannen, Spielkompensation, direkt am Abtrieb messen |
| Ventilkennlinie | Verstärkung ändert sich über den Hub um ein Vielfaches | Kennlinie invertieren, bevor die Stellgröße ausgegeben wird |
| Sättigung | Ab einem Punkt bewirkt mehr Stellgröße nichts | Begrenzung im Regler abbilden, Anti-Windup |
| Arbeitspunktabhängige Verstärkung | Bei kleiner Last zu träge, bei großer instabil | Gain Scheduling: Parametersätze je Bereich, sanft überblenden |
| Quantisierung | Grenzzyklen mit der Amplitude eines LSB | Auflösung erhöhen, Totband um den Sollwert, Dithering |
Sicherheit im Regelkreis
- Messwert plausibilisieren: Sensor abgerissen, kurzgeschlossen, Wert außerhalb des physikalisch Möglichen — jeder Fall muss zu definiertem Verhalten führen, nicht zu 100 % Stellgröße.
- Zeitüberwachung: Bleibt der Messwert konstant, obwohl gestellt wird, ist etwas kaputt.
- Stellgröße hart begrenzen — zusätzlich in Hardware, wo es gefährlich wird: Break-Eingang am Timer, Überstromkomparator.
- Definierter Zustand bei Start und Fehler: Heizung aus, Motor stromlos, Ventil in Sicherheitsstellung. Nie „letzter Wert“.
- Watchdog: Bleibt die Regelroutine stehen, muss die Anlage in den sicheren Zustand fallen. Anforderungen an die funktionale Sicherheit: Automatisierung & Robotik.
- Åström & Wittenmark, Computer-Controlled Systems: Theory and Design — das Standardwerk zur digitalen Regelung.
- Lunze, Regelungstechnik 2 — Abtastsysteme und mehrschleifige Regelung.
- Åström & Hägglund, Advanced PID Control — Anti-Windup, stoßfreies Umschalten, Filterung, Vorsteuerung.
- Texas Instruments und Analog Devices: Anwendungsberichte zur Motorregelung mit Kaskadenstruktur (Strom, Drehzahl, Position).
07 / 14Zustandsraum & Beobachter
Die Zustandsdarstellung
Zustandsrückführung und Polvorgabe
Steuerbarkeit prüfen
Nur ein steuerbares System erlaubt beliebige Pollagen. Rechnerisch über den Rang der Steuerbarkeitsmatrix.Wunschpole festlegen
Aus Überschwingen und Ausregelzeit — dieselben Zusammenhänge wie beim PT2-Glied (Glieder).K berechnen
Nach Ackermann oder mit Werkzeug (place() in python-control). Von Hand nur bis zur dritten Ordnung sinnvoll.Realistisch bleiben
Sehr schnelle Wunschpole ergeben sehr große Stellgrößen. Zehnmal schneller als die Strecke heißt: Der Regler steht ständig in der Begrenzung.Integralanteil ergänzen
Die reine Zustandsrückführung hat bei Modellfehlern eine bleibende Abweichung. Ein zusätzlicher Integrator über den Ausgangsfehler behebt das (erweiterter Zustandsvektor).LQR als Alternative: Statt Pole vorzugeben, gewichtet ein Gütefunktional Regelabweichung gegen Stellaufwand; das Ergebnis ist eine optimale Rückführmatrix mit guten Robustheitseigenschaften. Praktisch ist es oft leichter, zwei Gewichtungsmatrizen zu justieren als Pollagen zu erraten.
Beobachter
Meist lassen sich nicht alle Zustände messen — Geschwindigkeit ohne Tachogenerator, Lastmoment, Temperatur im Bauteilinneren. Ein Beobachter rechnet sie aus Modell und messbaren Größen.
| Beobachtertyp | Prinzip | Einsatz |
|---|---|---|
| Luenberger | Modell parallel zur Strecke, Korrektur proportional zum Ausgangsfehler | Deterministische Systeme, Geschwindigkeit aus Position |
| Reduzierter Beobachter | Schätzt nur die nicht gemessenen Zustände | Spart Rechenzeit |
| Störgrößenbeobachter | Erweitert den Zustand um die unbekannte Störung | Lastmomentschätzung bei Antrieben — sehr wirkungsvoll |
| Kalman-Filter | Optimaler Beobachter unter der Annahme normalverteilten Rauschens | Sensorfusion, Navigation, Lageschätzung |
| Erweitertes Kalman-Filter (EKF) | Linearisiert das Modell in jedem Schritt | Nichtlineare Systeme; Standard in der Robotik (Robotik) |
Kalman-Filter und Sensorfusion
| Schritt bzw. Größe | Was passiert |
|---|---|
| Vorhersage | Aus Modell und letzter Stellgröße wird der neue Zustand geschätzt — samt gewachsener Unsicherheit |
| Korrektur | Trifft eine Messung ein, wird zwischen Vorhersage und Messung gewichtet: Je verlässlicher die Messung, desto stärker zählt sie |
| Q (Modellrauschen) | Wie sehr man dem Modell misstraut. Größeres Q: Der Filter folgt der Messung schneller |
| R (Messrauschen) | Wie sehr man der Messung misstraut. Größeres R: Der Filter glättet stärker |
Der klassische Anwendungsfall
- Lageschätzung aus Beschleunigungs- und Drehratensensor
- Drehratensensor: kurzfristig genau, driftet langfristig
- Beschleunigungssensor: langfristig richtig, kurzfristig verrauscht und bewegungsempfindlich
- Der Filter kombiniert genau die jeweiligen Stärken
Wann es einfacher geht
- Komplementärfilter: Hochpass auf die integrierte Drehrate, Tiefpass auf die Beschleunigung, addieren
- Drei Zeilen Code, kaum Rechenaufwand, für viele Anwendungen gleichwertig
- Kalman lohnt bei mehreren Sensoren mit unterschiedlichen Raten und bekannten Unsicherheiten
Wann Zustandsraum wirklich lohnt
Ja
- Mehrere gekoppelte Ein- und Ausgänge
- Instabile Strecken (Balancieren, Magnetlager)
- Wichtige Größen sind nicht messbar
- Sensorfusion aus mehreren Quellen
- Optimierung nach einem Gütekriterium
Eher nicht
- Ein Eingang, ein Ausgang, gutmütige Strecke — PID reicht
- Kein verlässliches Modell verfügbar
- Starke Nichtlinearitäten, die das Modell nicht abbildet
- Rechenleistung sehr knapp
- Lunze, Regelungstechnik 2 — Zustandsraum, Beobachter, Mehrgrößensysteme.
- Åström & Murray, Feedback Systems, Kapitel 6 bis 8.
- Roger Labbe, Kalman and Bayesian Filters in Python — kostenloses, interaktives Buch; der beste Einstieg.
- Dan Simon, Optimal State Estimation, Wiley — die Theorie dahinter.
- Werkzeuge: python-control (
place,lqr,lqe) und Scilab.
08 / 14Messkette & Kalibrierung
Signalkonditionierung
| Stufe | Aufgabe | Typische Umsetzung |
|---|---|---|
| Anregung | Der Sensor braucht eine Speisung: Strom durch einen Widerstandssensor, Spannung an einer Brücke | Konstantstromquelle, geregelte Referenz; möglichst gepulst gegen Selbsterwärmung |
| Schutz | Überspannung, ESD, Verpolung abfangen | Reihenwiderstand plus Klemmdioden, TVS am Steckverbinder |
| Verstärkung | Signal auf den Eingangsbereich des Wandlers bringen | Instrumentenverstärker bei Differenzsignalen, OPV bei Einzelsignalen |
| Filterung | Alles oberhalb der Nutzbandbreite entfernen | RC oder aktives Filter — vor dem ADC, analog |
| Pegelanpassung | Nullpunkt verschieben, damit auch negative Werte messbar sind | Bezug auf halbe Versorgung, oder Wandler mit Differenzeingang |
| Wandlung | Analog zu digital | SAR für schnelle Messungen, Delta-Sigma für hochauflösende langsame |
| Linearisierung | Kennlinie in physikalische Einheiten umrechnen | Polynom oder Tabelle mit Interpolation — in Software |
Verstärker-, Filter- und Wandlerauswahl im Detail: Analogtechnik → Wandler.
Brücke und Anschlussart
| Anschluss | Prinzip | Fehler durch Leitungswiderstand | Typisch für |
|---|---|---|---|
| Zweileiter | Strom und Messung über dieselben Leitungen | Voll wirksam: 1 Ω Leitung sind beim Pt100 rund 2,6 K | Kurze Strecken, unkritische Messungen |
| Dreileiter | Eine zusätzliche Leitung erlaubt Kompensation, wenn alle drei gleich sind | Weitgehend kompensiert | Der Industriestandard beim Pt100 |
| Vierleiter (Kelvin) | Getrennte Strom- und Messleitungen; über die Messleitungen fließt kein Strom | Vollständig eliminiert | Präzisionsmessung, Shunts, Labormessgeräte |
Störungen fernhalten und 4–20 mA
Differentiell übertragen
Zwei Leitungen, die Störung wirkt auf beide gleich, der Instrumentenverstärker zieht sie ab. Die wirksamste Einzelmaßnahme bei kleinen Signalen.Verdrillen, schirmen, trennen
Verdrillen gegen magnetische, Schirm gegen elektrische Einkopplung — bei niederfrequenten Analogsignalen den Schirm einseitig auflegen. Analog- und Leistungsleitungen nie parallel führen, Kreuzungen im rechten Winkel. Nur ein Massebezugspunkt, sonst Brummschleife; getrennte Systeme galvanisch trennen. Vertiefung: Elektrotechnik → EMV.50 Hz gezielt eliminieren
Über ein ganzzahliges Vielfaches der Netzperiode mitteln (20 ms). Genau das steckt hinter der NPLC-Einstellung von Tischmultimetern.- Warum der Standard hält: Der Leitungswiderstand ist egal, ein Drahtbruch ist erkennbar (0 mA sind ein Fehler, nicht der Bereichsanfang), und die Übertragung ist über hunderte Meter störfest.
- Zweileitertechnik: Der Sensor speist sich aus dem Messstrom selbst.
- Empfängerseite: Bürdewiderstand, meist 250 Ω → 1–5 V. HART überlagert dem Strom ein digitales Signal für Konfiguration und Diagnose.
- Im Gerät, über kurze Strecken, ist ein digitaler Bus einfacher und billiger.
- Immer in dieselbe Richtung, reproduzierbar
- Offset, Verstärkungsfehler, Nichtlinearität, falsche Referenz
- Durch Kalibrierung zu beseitigen — das ist ihr ganzer Sinn
- Streut um den Mittelwert: Rauschen, Quantisierung, Einstreuung
- Durch Mitteln zu reduzieren — um √N bei N unabhängigen Messungen
- Mitteln hilft nicht gegen einen Offset
- Bereichsprüfung: Liegt der Wert im physikalisch Möglichen? −273 °C oder 900 °C am Raumfühler heißt: Sensor defekt oder abgerissen.
- Änderungsrate prüfen: Kann sich die Größe so schnell ändern? 20 K Raumtemperatursprung in einer Sekunde ist ein Fehler, kein Messwert.
- Stillstand erkennen: Ein über Minuten exakt konstanter Wert ist verdächtig — vermutlich hängt die Kommunikation.
- Redundanz: Zwei Sensoren vergleichen; bei drei lässt sich der Ausreißer sogar identifizieren.
- Statusregister auslesen: Viele digitale Sensoren melden ungültige Werte oder Übertemperatur selbst — das kostet nichts.
- Definiertes Verhalten bei Ausfall: Nicht der letzte gültige Wert, sondern ein festgelegter sicherer Zustand (Digitale Regelung).
- Analog Devices, Practical Design Techniques for Sensor Signal Conditioning — kostenloses Handbuch, sehr gründlich.
- Texas Instruments, Analog Engineer's Circuit Cookbook: Sensors und die Precision-Labs-Serie zu Brückensensoren.
- HBM, Grundlagen der Dehnungsmessstreifen-Technik — frei verfügbar, sehr praxisnah.
- JCGM 100:2008 (GUM) beim BIPM — Ermittlung der Messunsicherheit; DIN 1319 — Begriffe der Messtechnik.
- DIN EN 60751 — Platin-Widerstandsthermometer (Pt100/Pt1000) mit Toleranzklassen; Hoffmann, Handbuch der Messtechnik.
Auflösung, Richtigkeit, Wiederholbarkeit
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Auflösung | Kleinste unterscheidbare Änderung | 16-Bit-ADC an 3,3 V: 50 µV |
| Richtigkeit (Genauigkeit) | Abweichung vom wahren Wert | Thermoelement Typ K, Klasse 1: ±1,5 K |
| Wiederholbarkeit (Präzision) | Streuung bei mehrfacher Messung derselben Größe | ±0,05 mm bei einem Positionsantrieb |
| Hysterese | Unterschied zwischen steigender und fallender Messung | Bei mechanischen Sensoren und Ferromagnetika typisch |
| Drift | Änderung über Zeit oder Temperatur | ±50 ppm/K bei einer einfachen Referenzspannung |
| Ansprechzeit | Bis 63 % (τ) bzw. 90 % des Endwerts erreicht sind | Temperaturfühler im Schutzrohr: mehrere Sekunden |
Warum die Unterscheidung praktisch zählt: Für eine Regelung ist Wiederholbarkeit meist wichtiger als absolute Richtigkeit — ein systematischer Offset wird vom Integralanteil ausgeglichen. Für eine Anzeige oder eine Abnahme ist es umgekehrt. Für eine Differenzmessung zählt nur die Auflösung.
Fehlerarten und Unsicherheit
Systematisch
Zufällig
| Typische Fehlerquelle | Größenordnung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Selbsterwärmung | Pt100 mit 1 mA: 0,1–1 K je nach Einbau | Messstrom senken oder gepulst messen |
| Thermospannungen | einige µV je Kelvin Gefälle über die Platine | Symmetrischer Aufbau, gleiche Materialien, Zugluft vermeiden |
| Leitungswiderstand | Pt100 im Zweileiteranschluss: 2,6 K je Ohm | Drei- oder Vierleiteranschluss |
| Alterung und Einbau | Referenzen driften im ersten Jahr am stärksten; verschraubte Druck- und Kraftsensoren zeigen Offset | Nachkalibrieren, im Einbauzustand nullen |
Kalibrieren und plausibilisieren
Einpunkt: Offset
Genügt, wenn die Steigung stimmt — etwa beim Tarieren einer Waage.Zweipunkt: Offset und Verstärkung
Zwei bekannte Punkte, möglichst weit auseinander, aber innerhalb des Nutzbereichs. Für die meisten Sensoren ausreichend.Mehrpunkt: nichtlineare Kennlinien
Stützstellen aufnehmen und interpolieren, oder ein Polynom anpassen. Vorsicht bei hoher Ordnung — sie schwingt zwischen den Stützstellen.Rückführbarkeit sicherstellen
Ein Referenzgerät, das selbst nicht kalibriert ist, überträgt seinen Fehler. Für ernsthafte Messungen braucht es eine Kette bis zu einem nationalen Normal.Kalibrierdaten dauerhaft speichern
In EEPROM oder Flash, mit Datum und Prüfsumme — sonst gehen sie beim nächsten Firmware-Update verloren.09 / 14Sensoren: Prinzipien & Katalog
Die Prinzipien
| Prinzip | Effekt | Misst | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Resistiv | Widerstand ändert sich mit der Messgröße | Temperatur, Dehnung, Position, Gas, Licht | Einfach, billig, breit einsetzbar | Temperaturdrift, Selbsterwärmung, Alterung |
| Kapazitiv | Abstand, Fläche oder Dielektrikum ändern die Kapazität | Abstand, Füllstand, Feuchte, Berührung, Beschleunigung | Sehr empfindlich, berührungslos, verschleißfrei | Streukapazitäten, Feuchte, aufwendige Auswertung |
| Induktiv | Metall im Feld ändert die Induktivität | Näherung, Position, Drehzahl | Robust, unempfindlich gegen Schmutz und Öl | Nur metallische Ziele, begrenzte Reichweite |
| Hall / magnetoresistiv | Magnetfeld erzeugt Querspannung bzw. ändert den Widerstand | Position, Drehzahl, Strom, Winkel | Berührungslos, robust, auch durch Kunststoff | Fremdfelder, Temperaturdrift, Offset |
| Optisch | Licht wird unterbrochen, reflektiert oder gebeugt | Position, Drehwinkel, Anwesenheit, Farbe, Entfernung | Sehr hohe Auflösung, berührungslos | Verschmutzung, Fremdlicht, Nebel |
| Piezoelektrisch | Kraft erzeugt Ladung | Dynamische Kraft, Beschleunigung, Schall, Druck | Sehr hohe Bandbreite, keine Speisung nötig | Nur dynamisch — statisch nur mit Ladungsverstärker und Drift |
| Thermoelektrisch | Seebeck-Effekt an der Verbindung zweier Metalle | Temperatur | Sehr großer Bereich, robust, schnell | Kleine Spannungen (µV/K), Vergleichsstelle nötig |
| Elektrochemisch | Reaktion erzeugt Strom oder ändert die Leitfähigkeit | Gas, pH, Sauerstoff | Sehr spezifisch | Begrenzte Lebensdauer, Querempfindlichkeit, Drift |
| Ultraschall | Laufzeit einer Schallwelle | Entfernung, Füllstand, Durchfluss | Unempfindlich gegen Farbe und Transparenz | Schallgeschwindigkeit ist temperaturabhängig, breite Keule, weiche Ziele |
| MEMS | Mikromechanik auf dem Chip, meist kapazitiv ausgewertet | Beschleunigung, Drehrate, Druck, Schall | Winzig, billig, digital angebunden | Nullpunktdrift, empfindlich gegen Vibration und Löthitze |
Temperatur — die vier Wege
| Typ | Bereich | Genauigkeit | Kennlinie | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| NTC-Thermistor | −40 … 150 °C (Glasperle bis 300 °C) | ±0,5 … 2 K | stark nichtlinear (Steinhart-Hart) | Sehr billig, empfindlich, schnell. Der Standard im 3D-Drucker |
| Pt100 / Pt1000 | −200 … 850 °C (Dünnschicht enger) | Klasse A: ±(0,15 + 0,002·|t|) K | nahezu linear | Industriestandard nach DIN EN 60751. Pt1000 ist im Zweileiteranschluss unkritischer |
| Thermoelement | −200 … 1800 °C je nach Typ | Typ K Klasse 1: ±1,5 K | nichtlinear, Polynome nach IEC 60584 | Braucht Vergleichsstellenkompensation. Typ K ist der Allrounder |
| Halbleitersensor (I²C) | −40 … 125 °C | ±0,1 … 1 K | digital, bereits linearisiert | Am einfachsten anzubinden: TMP117, SHT4x, BME280 |
| Infrarot (berührungslos) | −70 … 1000 °C | ±1 … 2 K | abhängig vom Emissionsgrad | Misst die Oberfläche. Blankes Metall täuscht viel zu niedrige Werte vor |
Inertialsensorik und Abstand
| Abstandsverfahren | Reichweite | Auflösung | Blind bei | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Induktiver Näherungsschalter | 1–20 mm | Schalter | nichtmetallischen Zielen | gering |
| Kapazitiver Näherungsschalter | 1–30 mm | Schalter | — | gering |
| Reflexlichtschranke | 1–100 mm | Schalter oder analog | schwarzen und spiegelnden Oberflächen | sehr gering |
| Ultraschall | 2 cm – 6 m | ±1 cm | weichen, schallschluckenden Zielen | gering |
| Time-of-Flight (VL53L1x) | 4 cm – 4 m | ±3 mm | direkter Sonneneinstrahlung | mittel |
| LiDAR | 0,1–100 m | ±1–30 mm | Nebel, Regen, sehr dunklen Oberflächen | hoch |
| Radar (60/77 GHz) | 0,1–50 m | ±1 cm | — | mittel bis hoch |
| Kamera mit Bildauswertung | beliebig | je nach Auflösung | schlechten Lichtverhältnissen | mittel, hoher Rechenaufwand |
Katalog verfügbarer Sensoren
| Sensor | Kategorie | Messgröße | Bereich | Genauigkeit | Schnittstelle | Hinweis aus der Praxis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| DS18B20 | Temperatur | Temperatur | −55 … +125 °C | ±0,5 K (−10…85 °C) | 1-Wire | Mehrere Sensoren an einer Leitung, jeder mit eigener 64-Bit-Kennung. Ideal für verteilte Messstellen. Parasitäre Speisung möglich, aber störanfällig. |
| TMP117 | Temperatur | Temperatur | −55 … +150 °C | ±0,1 K (−20…50 °C) | I²C | Präzisionsklasse, ersetzt oft ein Pt100 samt Auswertung. Vier Adressen wählbar. |
| Pt1000 (Klasse A) | Temperatur | Temperatur | −50 … +500 °C (Dünnschicht) | ±(0,15 + 0,002·|t|) K | analog / Widerstand | Industriestandard nach DIN EN 60751. Als Pt1000 auch im Zweileiteranschluss brauchbar, weil der Leitungsfehler zehnmal weniger wiegt als beim Pt100. |
| Thermoelement Typ K + MAX31855 | Temperatur | Temperatur | −200 … +1350 °C | ±2 K (−200…700 °C) | SPI | Für Lötspitze, Ofen, Schmelze. Vergleichsstellenkompensation im Wandler eingebaut. Auf geerdete gegen isolierte Messspitze achten. |
| NTC 100 kΩ B3950 | Temperatur | Temperatur | −40 … +300 °C (Glasperle) | ±1 … 2 K | analog | Der Standard im 3D-Drucker-Hotend. Kennlinie über Steinhart-Hart oder Tabelle linearisieren. |
| MLX90614 / MLX90640 | Temperatur | Temperatur berührungslos | −70 … +380 °C | ±0,5 K (um Raumtemperatur) | I²C | Infrarot. Der Emissionsgrad der Oberfläche ist die dominierende Fehlerquelle. MLX90640 liefert ein 32×24-Wärmebild. |
| BME280 / BME680 | Klima | Temperatur, Feuchte, Druck (BME680 zusätzlich Gas) | 300–1100 hPa, 0–100 % rF | ±1 hPa, ±3 % rF | I²C / SPI | Der Allrounder für Wetter- und Raumklima. Eigenerwärmung beachten: Sensor thermisch vom Board entkoppeln. |
| SHT4x | Klima | Temperatur und Feuchte | −40 … +125 °C, 0–100 % rF | ±0,2 K, ±1,8 % rF | I²C | Sehr genau, mit Heizelement gegen Kondensation. Nachfolger der weit verbreiteten SHT2x-Reihe. |
| SCD41 (SCD4x) | Klima | CO₂ (photoakustisch) | 400–5000 ppm | ±(40 ppm + 5 %) | I²C | Echte CO₂-Messung, nicht nur VOC-Schätzung. SCD40: bis 2000 ppm, ±(50 ppm + 5 %). Braucht regelmäßig Frischluft für die Selbstkalibrierung. |
| SPS30 / PMS5003 | Klima | Feinstaub PM1/PM2.5/PM10 | 0–1000 µg/m³ | ±10 µg/m³ | UART / I²C | Optische Streulichtmessung mit Lüfter. Lebensdauer begrenzt, Lüfter verschmutzt. |
| HX711 + Wägezelle | Mechanik | Kraft, Masse | je nach Zelle (1 kg … 200 kg) | 0,05 % vom Endwert | seriell (2 Pin) | 24-Bit-Wandler speziell für Brückensensoren. Sehr langsam (10/80 Hz), dafür extrem einfach. Wägezelle mechanisch spannungsfrei montieren. |
| DMS (Dehnungsmessstreifen) | Mechanik | Dehnung, Kraft, Moment | ±3000 µm/m | 0,1 % | Brücke, analog | Die Klebung entscheidet über die Qualität. Immer als Halb- oder Vollbrücke, sonst dominiert die Temperaturdrift. |
| MPU-6050 / ICM-42688 | Mechanik | Beschleunigung und Drehrate | ±2…16 g, ±250…2000 °/s | 0,5–2 % nach Kalibrierung | I²C / SPI | MPU-6050 ist billig und überall dokumentiert, aber alt. ICM-42688 oder LSM6DSO sind deutlich rausch- und driftärmer. |
| BMI270 / LSM6DSV | Mechanik | 6-Achsen-IMU | ±16 g, ±2000 °/s | — | I²C / SPI | Aktuelle Generation mit sehr niedrigem Stromverbrauch und eingebauter Bewegungserkennung. |
| MPX5700 / ABP-Serie | Mechanik | Druck | 0–700 kPa (= 0–7 bar) | ±1 … 2,5 % | analog / I²C | Absolut-, Relativ- und Differenzdruck unterscheiden. Für Pneumatik und Füllstandsmessung. |
| Piezo-Beschleunigungssensor | Mechanik | Schwingung | bis 10 kHz | 1–5 % | analog (IEPE) | Für Zustandsüberwachung an Maschinen. Misst nur dynamisch, keine statische Beschleunigung. |
| Inkrementalgeber (AB, 1024 Imp.) | Position | Drehwinkel relativ | unbegrenzt | Quadratur → 4096 Flanken/U | 2 Digitalsignale | Braucht Referenzfahrt nach jedem Einschalten. Auswertung im Timer-Encodermodus des Controllers, nicht per Interrupt. |
| AS5600 / AS5047 | Position | Absoluter Drehwinkel | 0–360° | 12 bzw. 14 Bit, ±0,3 … 1° | I²C / SPI / PWM | Magnetischer Winkelsensor mit diametral magnetisiertem Magneten über dem Chip. Kein Referenzieren nötig. |
| Linearpotentiometer | Position | Weg absolut | 10 mm … 1 m | 0,1–1 % | analog | Billig und einfach, aber Verschleiß am Schleifer. Für langsame und wenig zyklische Anwendungen. |
| LVDT | Position | Weg absolut | ±0,5 … ±500 mm | 0,1 % | analog (Trägerfrequenz) | Berührungslos, sehr langlebig, hochauflösend. Braucht eine Auswerteelektronik mit Trägerfrequenz. |
| Glasmaßstab / Linearencoder | Position | Weg absolut oder inkremental | bis mehrere Meter | 1 µm und feiner | AB / BiSS / EnDat | Der Standard an Werkzeugmaschinen. Empfindlich gegen Späne und Kühlmittel. |
| VL53L1x | Position | Entfernung (Time-of-Flight) | 4 cm … 4 m | ±3 mm bis ±5 % | I²C | Sehr klein, sehr genau für die Baugröße. Bei Sonnenlicht reduzierte Reichweite. |
| HC-SR04 | Position | Entfernung (Ultraschall) | 2 cm … 4 m | ±1 cm | Trigger/Echo | Sehr billig, aber temperaturabhängig (Schallgeschwindigkeit) und mit breiter Keule. Für Näherung ausreichend, für Messtechnik nicht. |
| ACS712 / ACS724 | Elektrisch | Strom (Hall, isoliert) | ±5 … ±30 A | 1,5–3 % | analog | Galvanisch getrennt, misst AC und DC. Offsetdrift und Rauschen begrenzen die Auflösung. |
| INA219 / INA226 | Elektrisch | Strom über Shunt | je nach Shunt | 0,5 % | I²C | Misst Strom, Spannung und Leistung. Der Standard für Verbrauchsmessung an Baugruppen. |
| Stromwandler (SCT-013) | Elektrisch | Wechselstrom | 10–100 A | 1–3 % | analog | Klemmbar, ohne Auftrennen der Leitung. Sekundär niemals offen lassen. Nur für AC. |
| Spannungsteiler + Optokoppler | Elektrisch | Netzspannung erkennen | 230 V AC | — | digital | Für Nulldurchgangserkennung und Phasenanschnitt. Isolationsabstände einhalten. |
| Fotowiderstand (LDR) | Optisch | Helligkeit | 1 – 100 kΩ | grob | analog | Sehr billig, träge, stark exemplarstreuend. Für Hell/Dunkel-Entscheidungen ausreichend. |
| BH1750 / VEML7700 | Optisch | Beleuchtungsstärke | 1 – 65 000 lx | ±20 % | I²C | Mit an das menschliche Auge angepasster Spektralkurve — im Gegensatz zum LDR ein echter Lux-Wert. |
| TCS34725 / AS7341 | Optisch | Farbe / Spektrum | — | — | I²C | Farbmessung mit eigener Beleuchtung. AS7341 liefert elf Spektralkanäle. |
| Gabellichtschranke | Optisch | Anwesenheit, Endlage | wenige mm | Schalter | digital | Der Standard für Endschalter an Achsen. Verschmutzung ist die Hauptausfallursache. |
| Kamera (OV2640, OV5640) | Optisch | Bild | — | — | DVP / MIPI | Ab hier beginnt Bildverarbeitung. Rechenleistung und Speicher werden zum bestimmenden Faktor. |
- Jacob Fraden, Handbook of Modern Sensors, Springer; Tränkler & Reindl (Hrsg.), Sensortechnik, Springer.
- DIN EN 60751 (Pt100/Pt1000) und IEC 60584 (Thermoelemente) — die verbindlichen Kennlinien und Toleranzklassen.
- Datenblätter der Hersteller: Bosch Sensortec, Sensirion, TDK InvenSense, ams OSRAM, STMicroelectronics, Texas Instruments, Analog Devices — MEMS-Datenblätter mit Layout- und Montagehinweisen.
- Bezugsquellen mit belastbaren Datenblättern: Mouser, Digi-Key, Reichelt, TME, LCSC.
- Bibliotheken: Adafruit und SparkFun auf GitHub, dazu die Hersteller-Treiber (Bosch BSEC, Sensirion Embedded Drivers).
- Weitere Bauteile jenseits der Sensorik: Nachschlagewerk → Komponenten-Katalog.
10 / 14Encoder & Positionsmessung
Inkrementalgeber und Quadratur
| Punkt | Detail |
|---|---|
| Quadratur | Zwei um 90° versetzte Signale. Aus ihrer Reihenfolge folgt die Drehrichtung, aus der Flankenzahl der Weg |
| Vierfachauswertung | Ein Geber mit 1024 Strichen liefert 4096 auswertbare Flanken je Umdrehung — steigende und fallende Flanke beider Spuren |
| Indexspur (Z) | Ein Impuls je Umdrehung. Erlaubt Referenzierung ohne Endschalter und deckt verlorene Impulse auf |
| Auswertung | Immer den Hardware-Encodermodus des Timers verwenden, nie per Interrupt — bei hoher Drehzahl gehen sonst Impulse verloren (Embedded → Peripherie) |
| Störfestigkeit | Differentielle Signale (RS-422, „A/A quer“) ab etwa einem Meter Leitungslänge. Single-Ended fängt im Schaltschrank zuverlässig Störungen ein |
| Referenzfahrt | Nach jedem Einschalten nötig: zum Endschalter fahren, dann bis zum nächsten Indeximpuls. Erst danach ist die Position bekannt |
Absolutgeber und Resolver
Geber im Vergleich
| Geber | Auflösung | Robust | Einfach | Kompakt | Günstig |
|---|---|---|---|---|---|
| Inkrementalgeber, optischinkremental | 5 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 |
| StarkHohe Auflösung fürs Geld; der Timer wertet in Hardware aus. SchwachKennt nach dem Einschalten nichts: Referenzfahrt Pflicht; Störimpulse zählen mit. Nimm es fürMotorwellen, Achsen mit Endschalter, Handräder. | |||||
| Magnetischer Winkelsensorabsolut · AS5047, MA732 | 4 von 5 | 4 von 5 | 4 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 |
| StarkWinkel sofort nach dem Einschalten; ein Magnet, ein Chip, SPI oder PWM. SchwachNur Singleturn; Magnetausrichtung und Fremdfelder verschieben den Wert. Nimm es fürBLDC-Kommutierung, Gelenke, Drehknöpfe, Kleinserien. | |||||
| Optischer Absolutgeberabsolut · Multiturn | 5 von 5 | 3 von 5 | 2 von 5 | 2 von 5 | 1 von 5 |
| StarkPosition über viele Umdrehungen ohne Referenzfahrt, bis 19 Bit. SchwachTeuer, Schnittstellen herstellerabhängig (SSI, BiSS, EnDat), empfindlich gegen Schmutz. Nimm es fürServoachsen, Werkzeugmaschinen, alles, was nach Stromausfall weiß, wo es steht. | |||||
| Resolverabsolut · elektromagnetisch | 2 von 5 | 5 von 5 | 1 von 5 | 3 von 5 | 2 von 5 |
| StarkKeine Elektronik im Sensor: verträgt Hitze, Vibration, Öl und Strahlung. SchwachBraucht Trägerfrequenz und R/D-Wandler, gröbere Auflösung, im System teuer. Nimm es fürFahrzeug- und Luftfahrtantriebe, heiße Motoren. | |||||
| Potentiometerabsolut · analog | 2 von 5 | 2 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 | 5 von 5 |
| StarkAbsolut, ein ADC-Pin, kostet fast nichts. SchwachSchleifer verschleißt, rauscht, begrenzter Drehbereich. Nimm es fürSollwertgeber, Klappenstellung, langsame Achsen mit wenigen Zyklen. | |||||
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
Auflösung, die tatsächlich ankommt
Endschalter und Referenzieren
| Typ | Wiederholgenauigkeit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Mechanischer Mikroschalter | 10–50 µm | Billig, prellt, verschleißt. Öffner verwenden, damit ein Kabelbruch als Auslösung erkannt wird |
| Gabellichtschranke | 5–20 µm | Verschleißfrei, aber empfindlich gegen Späne und Staub |
| Induktiver Näherungsschalter | 20–100 µm | Sehr robust gegen Schmutz und Öl, dafür gröber |
| Hall-Sensor mit Magnet | 50–200 µm | Berührungslos, funktioniert durch Kunststoff hindurch |
| Anschlagerkennung über Strom | 0,1–1 mm | Sensorless Homing: Der Treiber erkennt den Anschlag am Motorstrom. Spart Bauteile, hängt aber von Reibung und Temperatur ab (Treiber) |
Grob anfahren
Mit höherer Geschwindigkeit in Richtung Endschalter, bis er auslöst.Freifahren
Ein Stück zurück, bis der Schalter wieder frei ist.Langsam anfahren
Stark reduzierte Geschwindigkeit, erneut bis zum Auslösen. Die Wiederholgenauigkeit steigt dabei um eine Größenordnung.Auf den Index setzen
Falls vorhanden, bis zum nächsten Indeximpuls weiterfahren. Erst dieser Punkt ist auf die Geberauflösung genau reproduzierbar.Nullpunkt setzen, dann Grenzen aktivieren
Software-Endlagen dürfen erst nach erfolgreicher Referenzfahrt wirken — vorher sind sie bedeutungslos.- Heidenhain, Messgeräte für elektrische Antriebe und Längenmessgeräte — kostenlose technische Broschüren, sehr fundiert.
- Analog Devices, Application Notes zum Resolver-zu-Digital-Wandler AD2S1210.
- ams OSRAM, Datenblätter und Application Notes zu AS5600 und AS5047 — inklusive Magnetauswahl und Montagetoleranzen.
- Referenzhandbücher zu STM32-Timern im Encodermodus.
11 / 14Motoren im Vergleich
Eignungsprofil: Stärken und Schwächen
Wofür jeder Motortyp gebaut ist — und wo er einen ausbremst. Sechs Kriterien mit je fünf Punkten, daneben die drei Sätze, die die Entscheidung tragen. Spalten sind sortierbar.
| Motortyp | Präzision | Kraft im Stand | Drehzahl | Kompakt | Einfach | Günstig |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bürsten-GleichstrommotorPWM + H-Brücke | 1 von 5 | 2 von 5 | 4 von 5 | 3 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 |
| StarkPWM und H-Brücke genügen; billig, überall verfügbar, dreht sofort los. SchwachBürsten verschleißen und funken; Position nur mit Geber. Nimm ihn fürFahrantriebe, Werkzeuge, alles, was einfach drehen soll. | ||||||
| GetriebemotorDC + Untersetzung | 2 von 5 | 4 von 5 | 2 von 5 | 3 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 |
| StarkHohes Moment bei kleiner Drehzahl, ohne eigene Getriebeauslegung. SchwachGetriebespiel begrenzt die Positionierung; jede Stufe kostet Wirkungsgrad. Nimm ihn fürRäder, Förderbänder, langsame Achsen. | ||||||
| Schrittmotoroffen, ohne Geber | 4 von 5 | 5 von 5 | 2 von 5 | 2 von 5 | 4 von 5 | 4 von 5 |
| StarkPositioniert ohne Geber, volles Haltemoment im Stand, ein Treiber für alles. SchwachVerliert bei Überlast stumm Schritte; Moment fällt mit der Drehzahl; im Stand fließt dauernd Strom. Nimm ihn für3D-Drucker, CNC, Positionierachsen mit planbarer Last. | ||||||
| Modellbau-ServoRegler eingebaut | 3 von 5 | 3 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 |
| StarkRegler, Getriebe und Geber im Gehäuse; ein PWM-Pin genügt. SchwachNur Stellbereich statt Dauerdrehung, Kunststoffgetriebe verschleißt, zittert um den Sollwert. Nimm ihn fürKlappen, Greifer, Ruder, kleine Gelenke. | ||||||
| BLDC (blockkommutiert)Hall oder sensorlos | 3 von 5 | 2 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 | 2 von 5 | 3 von 5 |
| StarkHöchste Drehzahl und Leistungsdichte, keine Bürsten, praktisch wartungsfrei. SchwachBraucht einen Kommutierungsregler; sensorlos kein Moment im Stand. Nimm ihn fürPropeller, Lüfter, Pumpen, Spindeln, E-Bikes. | ||||||
| PMSM mit FOCServoantrieb | 5 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 | 1 von 5 | 1 von 5 |
| StarkVolles Moment ab Stillstand, sehr gleichmäßig, bester Wirkungsgrad, mit Absolutgeber hochgenau. SchwachRegler, Strommessung und Encoder nötig; die teuerste Kette. Nimm ihn fürServoachsen, Robotergelenke, Werkzeugmaschinen, Fahrzeugantriebe. | ||||||
| AsynchronmotorNetz oder Umrichter | 2 von 5 | 1 von 5 | 4 von 5 | 2 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 |
| StarkRobust, günstig je Kilowatt, läuft direkt am Netz, keine Magnete. SchwachSchwer; Drehzahl nur mit Frequenzumrichter, Positionierung nur mit Geber und Vektorregelung. Nimm ihn fürPumpen, Lüfter, Kompressoren, Spindeln ab einigen hundert Watt. | ||||||
| LinearmotorDirektantrieb | 5 von 5 | 4 von 5 | 5 von 5 | 3 von 5 | 1 von 5 | 1 von 5 |
| StarkKeine Spindel, kein Spiel, höchste Beschleunigung, Messung direkt am Abtrieb. SchwachTeuer, hält ohne Strom nicht, Streufeld zieht Späne an, braucht Kühlung. Nimm ihn fürBestückungsautomaten, Messmaschinen, Präzisionsachsen. | ||||||
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
Der Vergleich in Zahlen
| Motortyp | Ansteuerung | Positionierung | Drehzahl | Wirkungsgrad | Wartung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bürsten-Gleichstrommotor | PWM plus H-Brücke | nur mit Geber | hoch | 50–75 % | Bürstenverschleiß | Billige Antriebe, Modellbau, Werkzeuge |
| Getriebemotor | wie oben | nur mit Geber | niedrig, hohes Moment | 40–70 % | Getriebespiel | Fahrantriebe, Fördereinrichtungen |
| Schrittmotor | Schrittsequenz mit Stromregelung | ohne Sensor, solange nicht überlastet | niedrig bis mittel | 30–60 % | gering | 3D-Drucker, CNC, Positionierachsen |
| Modellbau-Servo | Pulsbreite 1,0–2,0 ms bei 50 Hz (Mitte 1,5 ms) | eingebaut, Stellbereich typ. 90–180° | gering | — | Getriebeverschleiß | Modellbau, Klappen, einfache Achsen |
| BLDC (blockkommutiert) | elektronisch, mit Hall-Sensoren oder sensorlos | nur mit Geber | sehr hoch | 85–92 % | praktisch keine | Drohnen, Lüfter, Pumpen, E-Bikes |
| PMSM mit FOC | feldorientierte Regelung | mit Absolutgeber sehr genau | hoch | 90–96 % | keine | Servoantriebe, Werkzeugmaschinen, Fahrzeugantriebe |
| Asynchronmotor | direkt am Netz oder über Frequenzumrichter | nur mit Geber | hoch | 85–95 % | sehr gering | Pumpen, Lüfter, Werkzeugmaschinen-Spindeln |
| Linearmotor | wie PMSM | direkt, ohne Umsetzung | sehr hohe Beschleunigung | hoch | keine | Bestückungsautomaten, Präzisionsachsen |
Schrittmotor im Detail
BLDC und PMSM
| Aspekt | Blockkommutierung (6-Schritt) | Feldorientierte Regelung (FOC) |
|---|---|---|
| Stromform | Rechteck, jeweils zwei Phasen bestromt | Sinus, alle drei Phasen |
| Rundlauf | Drehmomentwelligkeit spürbar | sehr gleichmäßig |
| Rechenaufwand | gering | Clarke- und Park-Transformation, zwei Stromregler, meist 10–20 kHz Regeltakt |
| Positionsinformation | drei Hall-Sensoren oder Gegen-EMK | Encoder oder Beobachter, hochauflösend |
| Moment bei Stillstand | schlecht (sensorlos gar nicht) | volles Moment |
| Wirkungsgrad | gut | am besten |
Motorkennwerte lesen
- Rolf Fischer, Elektrische Maschinen, Hanser — das deutschsprachige Standardwerk.
- Duane Hanselman, Brushless Permanent Magnet Motor Design — für BLDC und PMSM.
- Trinamic/Analog Devices, Stepper Motor Application Notes — Chopper-Verfahren, StealthChop, StallGuard.
- SimpleFOC — quelloffene FOC-Bibliothek mit sehr guter Dokumentation.
- Texas Instruments, Field Oriented Control of Permanent Magnet Motors (BPRA073) und die InstaSPIN-Unterlagen.
12 / 14Motortreiber & Ansteuerung
Die Treiberklassen
| Klasse | Für | Beispiele | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Einfache H-Brücke | Bürsten-Gleichstrommotoren | DRV8871, TB6612FNG, BTS7960 | Vier Schalter, PWM plus Richtung. Auf Strombegrenzung und Übertemperaturschutz achten |
| Schrittmotortreiber | Schrittmotoren | A4988, DRV8825, TMC2209, TMC5160 | Zwei H-Brücken mit Chopper-Stromregelung, Mikroschritt, Step/Dir-Schnittstelle |
| Dreiphasen-Gatetreiber | BLDC und PMSM | DRV8313, DRV8323, L6234 | Drei Halbbrücken mit Bootstrap-Versorgung, einstellbarer Totzeit, Überstromschutz |
| Frequenzumrichter | Asynchron- und Synchronmotoren | Industriegeräte | Gleichrichter, Zwischenkreis, Wechselrichter; Regelverfahren U/f oder vektoriell |
| Servoverstärker | PMSM mit Geber | Industriegeräte | Kaskade Strom-Drehzahl-Position, Feldbus, Sicherheitsfunktionen (STO und Co.) |
Die Totzeit (Dead Time) zwischen dem Ausschalten des einen und dem Einschalten des anderen Schalters eines Brückenzweigs ist Pflicht — sonst leiten beide für Nanosekunden gleichzeitig. Integrierte Treiber erzeugen sie selbst, bei diskretem Aufbau muss der Timer sie liefern.
Strombegrenzung — der wichtigste Parameter
Warum sie nötig ist
Ein stehender Motor ist elektrisch fast ein Kurzschluss: Nur der Wicklungswiderstand begrenzt. 1 Ω an 24 V bedeutet 24 A — weit über dem Nennstrom.Wie sie funktioniert
Der Treiber misst den Strom über einen Shunt und schaltet ab, sobald der Sollwert erreicht ist; nach fester Zeit wieder ein. Das ist das Chopper-Verfahren.Einstellen beim Schrittmotortreiber
Bei A4988 und DRV8825 über Potentiometer und Referenzspannung V_ref. Die Formel unterscheidet sich je Modul — den Wert immer nachmessen, nicht raten. Startwert: 70–85 % des Motornennstroms.Erwärmung prüfen
Nach zehn Minuten Betrieb: Motor deutlich über 80 °C oder Treiber zu heiß zum Anfassen heißt zu viel Strom. Motoren dürfen warm werden — die Grenze setzen oft benachbarte Kunststoffteile.Beim eigenen Treiber
Überstromabschaltung in Hardware: Komparator auf den Shunt, direkt auf den Break-Eingang des Timers. Software allein reagiert bei einem Kurzschluss zu langsam.Schrittmotortreiber im Vergleich
| Treiber | Strom | Spannung | Mikroschritt | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| A4988 | 1 A, mit Kühlung bis 2 A | bis 35 V | bis 1/16 | Der Klassiker: billig, laut, wenig Spannungsreserve |
| DRV8825 | 1,5 A, mit Kühlung bis 2,2 A | 8,2–45 V | bis 1/32 | Etwas kräftiger als A4988, ähnliches Verhalten |
| TMC2208 / TMC2209 | 1,4 A effektiv, 2 A Spitze | bis 29 V | bis 1/256 interpoliert | StealthChop (leise), StallGuard beim TMC2209 (sensorlose Anschlagerkennung). UART-Konfiguration |
| TMC5160 | Gate-Treiber für externe MOSFETs — fertige Module typisch 3 A effektiv, mit größeren FETs deutlich mehr | bis 60 V | bis 1/256 | Rampengenerator im Chip, SPI. Für große Achsen; der Treiber übernimmt die Bewegungsplanung |
| Closed-Loop-Module | je nach Typ | je nach Typ | — | Encoder am Motor, Schrittverluste werden nachgeregelt — Einfachheit des Schrittmotors mit der Sicherheit eines Servoantriebs |
Welcher Treiber wofür
| Treiber | Strom & Spannung | Laufruhe | Einfach | Funktionen | Günstig |
|---|---|---|---|---|---|
| A4988der Klassiker | 2 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 |
| StarkBillig, überall erhältlich, Step/Dir und fertig. SchwachLaut, nur 1/16 Mikroschritt, wenig Spannungsreserve, wird schnell heiß. Nimm ihn fürErste Versuche, unkritische Achsen, Ersatz im Altgerät. | |||||
| DRV8825A4988 mit Reserve | 3 von 5 | 2 von 5 | 5 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 |
| StarkEtwas mehr Strom und bis 45 V, 1/32 Mikroschritt. SchwachGleiche Bauart, gleiches Pfeifen; Mikroschrittfehler bei kleinen Strömen. Nimm ihn fürWo ein A4988 zu schwach ist und Lautstärke egal. | |||||
| TMC2209leise, UART | 3 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 | 4 von 5 | 4 von 5 |
| StarkStealthChop nahezu lautlos, StallGuard für sensorloses Referenzieren, per UART konfigurierbar. SchwachBis 29 V; StealthChop kostet Moment bei hoher Drehzahl; die UART-Verdrahtung will sauber gemacht sein. Nimm ihn für3D-Drucker, Laborgeräte, alles im Wohnraum. | |||||
| TMC5160externe MOSFETs, SPI | 5 von 5 | 5 von 5 | 2 von 5 | 5 von 5 | 2 von 5 |
| StarkBis 60 V, Strom nur durch die FETs begrenzt, Rampengenerator im Chip übernimmt die Bewegungsplanung. SchwachSPI-Konfiguration mit vielen Registern; Modulqualität streut stark. Nimm ihn fürGroße Achsen, NEMA 23/34, hohe Zwischenkreisspannung. | |||||
| Closed-Loop-ModulSchrittmotor + Encoder | 4 von 5 | 4 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 | 2 von 5 |
| StarkEncoder am Motor regelt Schrittverluste nach; Alarm statt stiller Fehlposition. SchwachTeurer, größer, Abstimmung nötig; ersetzt keinen echten Servoantrieb. Nimm ihn fürCNC-Achsen, bei denen ein verlorener Schritt teuer ist. | |||||
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
PWM richtig einstellen
| Frequenz | Wirkung | Bewertung |
|---|---|---|
| < 1 kHz | Hörbares Brummen, sichtbare Drehmomentwelligkeit | Nur bei Lüftern und unkritischen Anwendungen |
| 1–15 kHz | Mitten im Hörbereich — es pfeift | Der ungünstigste Bereich; wenn möglich meiden |
| 16–25 kHz | Für die meisten Ohren nicht mehr hörbar | Der übliche Kompromiss bei Motoren |
| > 30 kHz | Sicher unhörbar, aber deutlich mehr Schaltverluste | Bei kleinen Strömen und guten MOSFETs sinnvoll |
Feldorientierte Regelung — der Ablauf
Ströme messen
Zwei der drei Phasenströme genügen, der dritte folgt aus der Summe null. Gemessen wird per Shunt, synchron zur PWM-Mitte.Clarke-Transformation
Aus drei Phasenströmen werden zwei orthogonale Komponenten (α, β) im statorfesten System.Park-Transformation
Mit dem Rotorwinkel entstehen daraus i_d (feldbildend) und i_q (momentbildend) im rotorfesten System. Ab hier sind es aus Sicht des Reglers Gleichgrößen.Zwei PI-Regler
Einer regelt i_d auf null (kein unnötiger Feldstrom), einer i_q auf den Momentsollwert. Weil es Gleichgrößen sind, genügt ein einfacher PI-Regler.Rücktransformation und Modulation
Inverse Park, dann Raumzeigermodulation (SVPWM) auf die drei Halbbrücken. SVPWM nutzt die Zwischenkreisspannung rund 15 % besser aus als reine Sinusmodulation.Alles in einem Regeltakt
Typisch 10–20 kHz, synchron zur PWM — der ganze Ablauf muss in unter 50 µs fertig sein. Auf einem Cortex-M4 mit FPU gut machbar.Layout und Störungen
- Leistungs- und Signalmasse getrennt führen und an genau einem Punkt verbinden — am besten am Shunt.
- Motorleitungen verdrillen und möglichst schirmen: Sie führen steile Flanken und strahlen kräftig ab.
- Zwischenkreiskondensator direkt an der Brücke, nicht am Netzteil. Der pulsförmige Strom muss auf kürzestem Weg fließen.
- Gate-Widerstände nicht weglassen: 10–47 Ω dämpfen die Schwingung und senken die Störabstrahlung deutlich.
- Encoderleitung getrennt von der Motorleitung führen — eine gestörte Encoderleitung erzeugt Positionssprünge, die wie Software-Fehler aussehen.
- Bremswiderstand vorsehen, wenn Massen abgebremst werden. Sonst treibt die zurückgespeiste Energie die Zwischenkreisspannung hoch, bis der Treiber abschaltet oder stirbt.
- Grundlagen zu Schirmung, Filter und Entstörung: Elektrotechnik → EMV.
- Trinamic/Analog Devices, Datenblätter TMC2209 und TMC5160 — StealthChop, SpreadCycle, StallGuard, externe Gate-Treiberstufe.
- Texas Instruments, Motor Drive Fundamentals und die DRV83xx-Anwendungsberichte.
- ST, AN5397 — FOC with STM32 und die Dokumentation des Motor Control SDK.
- SimpleFOC — quelloffene Umsetzung mit erklärten Schritten.
- VESC Project — offener Motorregler für BLDC und PMSM, sehr lehrreicher Quelltext.
13 / 14Antrieb auslegen & Getriebe
Die Grundgleichungen
Momenten- und Leistungsrechner
Das Gesamtmoment zusammensetzen
Lastmoment
Was die Anwendung selbst braucht: Gewicht mal Hebelarm beim Heben, Vorschubkraft mal Spindelradius beim Fräsen, Prozesskraft beim Umformen.Reibmoment
Lager, Führungen, Dichtungen — in der Praxis meist unterschätzt. Ein Trapezgewindetrieb hat 25–50 % Wirkungsgrad, eine Kugelumlaufspindel rund 90 %. Beim Losbrechen liegt die Haftreibung deutlich über der Gleitreibung.Beschleunigungsmoment
M_besch = J_gesamt · α. J_gesamt umfasst Rotor, Kupplung, Getriebe und die auf die Motorwelle umgerechnete Last. Bei schnellen Achsen ist das oft der größte Anteil.Reserve
20–50 % auf die Summe. Motoren altern, Reibung steigt, Spannungen brechen ein, und irgendwann kommt eine unvorhergesehene Last.Betriebsart prüfen
Ein Motor darf kurzzeitig das Zwei- bis Dreifache seines Nennmoments abgeben. Bei zyklischem Betrieb zählt der Effektivwert über den Zyklus — Betriebsarten S1 bis S10 nach IEC 60034-1.Trägheit umrechnen
Getriebe
| Bauart | Untersetzung je Stufe | Wirkungsgrad | Spiel | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Stirnradgetriebe | 1:1 … 1:8 | 96–98 % | mittel | Einfach, robust, laut bei hoher Drehzahl |
| Planetengetriebe | 1:3 … 1:10 | je Stufe 96–97 %, mehrstufig 90–94 % | gering (5–20′) | Kompakt, koaxial, hohe Momentdichte — der Standard bei Servoantrieben |
| Schneckengetriebe | 1:5 … 1:100 | 40–90 % | gering | Große Untersetzung in einer Stufe. Der Wirkungsgrad sinkt stark mit der Untersetzung; unter etwa 50 % wird es selbsthemmend |
| Harmonic Drive | 1:30 … 1:320 | 70–90 % | praktisch spielfrei | In Robotergelenken. Teuer, begrenzte Torsionssteifigkeit bei kleinen Momenten |
| Zykloidgetriebe | 1:10 … 1:200 | 85–93 % | gering | Sehr stoßfest, hohe Momentdichte |
| Zahnriemen | 1:1 … 1:6 | 95–98 % | gering, aber elastisch | Leise, günstig, dämpfend. Die Riemendehnung begrenzt die Steifigkeit — bei Positionsregelung spürbar |
| Kugelumlaufspindel | — | 90–95 % | vorspannbar auf null | Wandelt Drehung in Vorschub; nicht selbsthemmend, Haltebremse einplanen |
| Trapezgewindespindel | — | 25–50 % | abhängig von der Mutter | Billig, oft selbsthemmend, hoher Verschleiß im Dauerbetrieb |
Zahnräder, Wellen, Lager und Passungen im Detail: Mechanik → Getriebe und Lager.
Rampen fahren
Thermik nicht vergessen
- Nennmoment gilt bei der angegebenen Kühlung. Ein Motor in einem geschlossenen Gehäuse ohne Luftbewegung verträgt deutlich weniger.
- Ein Schrittmotor zieht im Stillstand vollen Strom. Bei Wartezeiten Stromabsenkung aktivieren, sonst wird er ohne jede mechanische Arbeit heiß.
- Der Effektivwert zählt, nicht der Spitzenwert: Bei 3 s Beschleunigung mit 2 Nm und 27 s Stillstand ist M_eff = √((2²·3 + 0²·27)/30) = 0,63 Nm.
- Motoren dürfen heiß werden — 80–100 °C Gehäusetemperatur sind bei Industriemotoren normal. Die Grenze setzen meist benachbarte Kunststoffteile oder Kabel.
- Fischer, Elektrische Maschinen — Betriebsarten und Erwärmung.
- IEC 60034-1 — Betriebsarten S1 bis S10 für elektrische Maschinen.
- Auslegungshandbücher der Hersteller: SEW-Eurodrive, Nanotec, Faulhaber, maxon motor — frei verfügbar und sehr brauchbar.
- Roloff/Matek, Maschinenelemente — Getriebe- und Spindelberechnung; Kennwerte und Normteile: Mechanik → Werkstoffauswahl, Nachschlagewerk → Komponenten.
14 / 14Pneumatik, Hydraulik & Mechanik
Elektrisch, pneumatisch oder hydraulisch
| Kriterium | Elektrisch | Pneumatisch | Hydraulisch |
|---|---|---|---|
| Arbeitsdruck | — | 6–8 bar Netz, meist 6 bar am Zylinder | 150–350 bar, mobil bis 420 bar |
| Kraftdichte | mittel | gering | sehr hoch |
| Positionierbarkeit | sehr gut | schlecht — ohne Aufwand nur Endlagen | gut (Servoventile) |
| Geschwindigkeit | gut | sehr hoch | mittel |
| Wirkungsgrad gesamt | 85–95 % | 10–25 % (Kompressor, Leckage, Entspannung) | 50–70 % |
| Fehlerfall | bleibt stehen oder fällt | lässt sich definiert entlüften | hält die Last, kann aber schlagartig absacken |
| Umgebung | empfindlich gegen Nässe und Staub | sehr robust, auch nass und in Ex-Zonen | robust, aber Öl im Umfeld |
| Steifigkeit | hoch | gering — Luft federt | sehr hoch |
| Antriebsart | Kraft | Präzision | Tempo | Effizienz | Robust | Einfach & günstig |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ElektrischMotor, Spindel, Getriebe | 3 von 5 | 5 von 5 | 4 von 5 | 5 von 5 | 2 von 5 | 4 von 5 |
| StarkPositioniert exakt, effizient, sauber; Regelung ist Standardware. SchwachEmpfindlich gegen Nässe und Staub; hohe Kräfte brauchen Getriebe oder Spindel. Nimm es fürGeregelte Achsen, Roboter, alles, was positionieren muss. | ||||||
| Pneumatisch6 bar Druckluft | 2 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 |
| StarkBillig, schnell, schmutzunempfindlich, entlüftet sich definiert. SchwachLuft federt: ohne Aufwand nur Endlagen; im Betrieb die teuerste Energieform. Nimm es fürGreifen, Klemmen, Auswerfen, Ex-Zonen und nasse Umgebungen. | ||||||
| Hydraulisch150–350 bar Öl | 5 von 5 | 4 von 5 | 3 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 | 2 von 5 |
| StarkEnorme Kräfte auf kleinstem Raum, sehr steif, hält die Last. SchwachTeuer, Leckage, Öl im Umfeld, Aggregat und Filter nötig. Nimm es fürPressen, Baumaschinen, schwere Lasten. | ||||||
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
Pneumatik-Bausteine
| Baustein | Funktion | Auswahlhinweis |
|---|---|---|
| Wartungseinheit | Filter, Druckregler, optional Öler | Filter 5 µm für Standard, feiner für Sensorik und Lackieren. Kondensatablass nicht vergessen |
| Zylinder, einfachwirkend | Druck in eine Richtung, Feder zurück | Für Klemmen und Auswerfen; definierte Ruhelage bei Druckausfall |
| Zylinder, doppeltwirkend | Druck in beide Richtungen | Kraft beim Ausfahren größer als beim Einfahren — die Kolbenstange verkleinert die Fläche |
| Wegeventil (5/2, 5/3) | Verteilt die Luft auf die Zylinderkammern | Erste Zahl = Anschlüsse, zweite = Schaltstellungen. 5/3 mit Mittelstellung zum Halten oder Entlüften |
| Drosselrückschlagventil | Geschwindigkeit einstellen | Abluftdrosselung ist der Regelfall — sie läuft ruhiger als Zuluftdrosselung |
| Endlagendämpfung | Bremst kurz vor dem Anschlag | An jedem Zylinder einstellen, sonst schlägt er und die Mechanik leidet |
| Näherungsschalter am Zylinder | Endlagenabfrage über den Kolbenmagneten | Der Standard für die Rückmeldung an die Steuerung |
| Vakuumerzeuger (Ejektor) | Erzeugt Unterdruck aus Druckluft | Für Sauggreifer. Energiehungrig — mit Luftsparfunktion ausstatten |
Für die Auslegung 30–50 % Reserve einplanen: Der Netzdruck schwankt, die Dichtungsreibung steigt mit dem Alter, und beim Einfahren steht weniger Fläche zur Verfügung.
Praxis und Sicherheit
Typische Fehler
- Schlauchquerschnitt zu klein — der Zylinder wird spürbar langsamer als berechnet
- Kein Wasserabscheider: Kondensat zerstört Ventile und friert im Winter ein
- Zuluft- statt Abluftdrosselung — die Bewegung ruckelt
- Endlagendämpfung nicht eingestellt: Der Zylinder schlägt, die Halterung reißt aus
- Ventilinsel weit vom Zylinder entfernt: Das Totvolumen verlängert jede Bewegung
- Kein definierter Zustand bei Druckluftausfall
Was hilft
- Ventile möglichst nah am Zylinder
- Abluftdrosseln, für beide Richtungen getrennt einstellbar
- Wartungseinheit mit automatischem Kondensatablass
- Sicherheitsventil zum Entlüften vor Wartungsarbeiten
- Leckagesuche mit Ultraschallmessgerät — spart im Dauerbetrieb bares Geld
- Bei Not-Halt: definiert entlüften oder klemmen, nicht einfach den Druck wegnehmen
Was die Mechanik der Regelung vorgibt
| Effekt | Woran man ihn erkennt | Auswirkung auf die Regelung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Umkehrspiel | Beim Richtungswechsel passiert erst nichts | Regler übersteuert, dann schlägt es durch; Grenzzyklen | Vorgespannte Mutter, spielarmes Getriebe, am Abtrieb messen, immer aus derselben Richtung anfahren |
| Haftreibung | Antrieb bleibt kurz vor dem Ziel stehen und ruckt dann | Bleibende Abweichung, Grenzzyklen mit dem I-Anteil | Wälz- statt Gleitführung, Losbrechmoment vorsteuern, Dither aufschalten |
| Geringe Steifigkeit | Achse schwingt sichtbar nach | Begrenzt die erreichbare Reglerbandbreite hart | Kürzere Hebel, größere Querschnitte, steifere Kupplung, zusätzliche Abstützung |
| Riemendehnung | Position stimmt statisch, nicht dynamisch | Zusätzliche Feder im Regelkreis, Resonanz | Riemen vorspannen, breiter wählen, Trumlängen kurz halten |
| Unwucht | Vibration proportional zur Drehzahl | Periodische Störung, Lagerverschleiß | Auswuchten, symmetrisch aufbauen |
| Wärmedehnung | Position driftet über die Betriebszeit | Ohne Messung am Werkstück nicht wegregelbar | Symmetrischer Aufbau, Warmlaufphase, Kompensation über Temperaturmessung |
- Kraftfluss kurz halten: Jeder zusätzliche Übergang bringt Nachgiebigkeit und Spiel.
- Messen, wo es zählt: Ein Geber am Motor sieht das Getriebespiel nicht (Positionsmessung).
- Kupplung nach Torsionssteifigkeit wählen: Balgkupplung für Servoachsen; Elastomer- und Schlitzkupplungen sind torsionsweich und verschlechtern die Positionsregelung. Klemmnabe statt Madenschraube.
- Bewegte Masse reduzieren — ein mitbewegter Motor zählt doppelt.
- Mechanische Anschläge hinter den Endschaltern als letzte Sicherung, wenn Software oder Sensorik versagen.
- Lager, Führungen, Kupplungen und Festigkeitsnachweise im Detail: Mechanik → Lager und Verbindungen; Schmierstoffauswahl: Schmiermittel-Vergleich.
- Festo Didactic, Grundlagen der Pneumatik und Grundlagen der Hydraulik — Lehrunterlagen, teilweise frei verfügbar.
- SMC und Festo: Auslegungshandbücher und Online-Rechner für Zylinderkraft und Luftverbrauch.
- ISO 1219-1 — Schaltzeichen für fluidtechnische Anlagen.
- DGUV-Informationen zu Druckluftanlagen und zur Gefährdung durch Fluidstrahlen.
- Roloff/Matek, Maschinenelemente; SKF und Schaeffler — technische Handbücher zu Lagerung, Passungen und Steifigkeit.