Analogtechnik

Referenz ⚙️ Mechatronik 8 Abschnitte Stand 02.09.2026

Bauelemente und Schaltungen, in denen jeder Zwischenwert zählt: Diode, Transistor und Operationsverstärker, Filter und Rauschen, ADC und DAC, Linear- und Schaltregler — und EMV mit sauberer Masseführung.

01 / 08Start & Landkarte

Analogtechnik ist Elektrotechnik mit Halbleitern — und jeder Zwischenwert zählt. Diode, Transistor und Operationsverstärker machen aus Netzwerkgesetzen Schaltungen, die verstärken, filtern, wandeln und versorgen. Der Preis: alles ist ein Abwägen — Verstärkung gegen Bandbreite, Genauigkeit gegen Stromverbrauch, Wirkungsgrad gegen Störabstrahlung.

Voraussetzung sind die Netzwerkgesetze aus der Elektrotechnik. Was hier steht, braucht man beim Schaltungsentwurf, beim Lesen von Datenblättern und beim Leiterplattenentwurf.

Landkarte

Wo analog bleibt — und wo digital übernimmt

Am Sensor
Die ersten Millivolt eines Sensors sind immer analog: verstärken, filtern, dann wandeln. Fehler hier lassen sich später nicht mehr wegrechnen.
Am Aktor
Motortreiber, Leistungsstufen, Regler — Halbleiter, die Ampere schalten. Wirkungsgrad und Wärme entscheiden das Design.
Bei der Versorgung
Jedes Gerät braucht saubere Spannungen. Ob LDO oder Schaltregler, ist eine analoge Entscheidung mit digitalen Folgen (Rauschen, Störungen).
Dazwischen: digital
Sobald das Signal gewandelt ist, übernimmt die Digitaltechnik — mit regenerierten Pegeln, exakten Kopien und Programmierbarkeit.
Die Grenze und ihre Fallen — Auflösung, Aliasing, Referenzen, Masseführung am Wandler — stehen unter ADC & DAC.

Wie dieses Modul zum Rest des Hubs steht

Die Gesetze, die hier vorausgesetzt werden: Netzwerke, Wechselstrom, Felder, Leistung.
Zahlen, Logik, Flipflops, Timing, Speicher — die andere Hälfte der Elektronik.
Wo aus Schaltplänen Layouts werden: Stackup, Impedanzen, EMV-gerechtes Routing.
Bauteile erkennen, Steckbrett, Messgeräte, Fehlersuche — die Praxis zu diesem Modul.
Grundlage dieses Moduls
  • Paul Horowitz, Winfield Hill, The Art of Electronics, 3. Auflage, Cambridge University Press — die praxisnächste Referenz überhaupt; dazu The x-Chapters zur Vertiefung.
  • Ulrich Tietze, Christoph Schenk, Eberhard Gamm, Halbleiter-Schaltungstechnik, Springer Vieweg.
  • Adel Sedra, Kenneth Smith, Microelectronic Circuits, Oxford University Press.
  • Application Notes von Texas Instruments und Analog Devices — mit gerechneten Beispielen.

02 / 08Halbleiter & Dioden

Ein Halbleiter leitet nur, wenn man es ihm erlaubt. Durch Dotierung entstehen Bereiche mit Elektronen- oder Löcherüberschuss; an ihrer Grenze bildet sich der pn-Übergang — die Grundlage von Diode, Transistor und jedem Chip. Die Diode selbst ist in der Praxis öfter ein Schutzbauteil als ein Gleichrichter.

Dotierung und pn-Übergang

n-Dotierung (Donator)
Fünfwertige Atome (Phosphor, Arsen) im Siliziumgitter. Vier Bindungen werden gebraucht, das fünfte Elektron ist frei. Ladungsträger: Elektronen.
p-Dotierung (Akzeptor)
Dreiwertige Atome (Bor). Es fehlt ein Elektron — das „Loch“ wandert, weil Nachbarelektronen nachrücken. Ladungsträger: Löcher.
p-Gebiet n-Gebiet Raumladungszone ⊕ ⊕ ⊕⊕ ⊕ ⊕ ⊖ ⊖ ⊖⊖ ⊖ ⊖ − − −+ + + − − −+ + + Diffusionsspannung ≈ 0,6–0,7 V (Si) · 0,2–0,4 V (Schottky/Ge)
  • Durchlass (p an +): Die Raumladungszone wird schmal, Strom fließt, sobald die Diffusionsspannung überwunden ist.
  • Sperrrichtung (p an −): Die Zone wird breiter, es bleibt ein Sperrstrom von nA bis µA — stark temperaturabhängig.
  • Sperrschichtkapazität: Die Zone wirkt als Plattenkondensator mit spannungsabhängigem Abstand — begrenzt die Schaltgeschwindigkeit, gezielt genutzt in Kapazitätsdioden.
  • Durchbruch: Ab einer Sperrspannung reißt das Feld Ladungsträger los (Zener- bzw. Lawineneffekt). Bei Zenerdioden erwünscht, sonst Bauteiltod, sofern die Leistung nicht begrenzt wird.

Die Dotierung ist winzig: typisch ein Fremdatom auf 10⁶ bis 10⁸ Siliziumatome. Genau deshalb ist Reinheit in der Halbleiterfertigung so entscheidend.

Diodengleichung und Temperaturverhalten

I = I_S · (e^(U/(n·U_T)) − 1)  mit  U_T = k·T/q ≈ 25,85 mV bei 300 K I_S Sättigungssperrstrom, n Emissionskoeffizient (1 … 2). Exponentiell, nicht linear — daraus folgt: rund 60 mV mehr Spannung ergeben den zehnfachen Strom (n = 1).
EffektGrößenordnungKonsequenz
„0,7 V“ sind kein fester Wert0,6 V bei 1 mA … 1,0 V bei 1 AVerlustleistung immer mit U_F bei diesem Strom rechnen, nicht mit dem Katalogwert
Flussspannung sinkt≈ −2 mV/KNutzbar als Temperatursensor; Ursache thermischer Instabilität in Endstufen
Sperrstrom verdoppelt sichalle ≈ 10 KBei 125 °C ist der Leckstrom rund tausendfach höher als bei 25 °C
U_T steigt∝ absolute TemperaturZusammen mit der fallenden Flussspannung die Grundlage der Bandgap-Referenz
Thermal RunawayWärmer → leitfähiger → mehr Strom → wärmer. Ohne Emitterwiderstand oder Temperaturkopplung eskaliert das
Zwei Folgerungen aus der Exponentialkurve: LEDs parallel ohne eigene Vorwiderstände teilen den Strom nie gleichmäßig — schon 20 mV Unterschied in U_F ergeben Faktor 2 im Strom, eine LED wird heißer, niederohmiger und stirbt zuerst. Und: Die Bandgap-Referenz addiert die fallende Flussspannung gewichtet zur steigenden Differenz zweier U_BE bei unterschiedlicher Stromdichte. Ergebnis ist eine über den Temperaturbereich fast konstante Spannung um 1,25 V — der Bandabstand von Silizium. Steckt in jedem Mikrocontroller, ADC und Spannungsregler.

Kennwerte einer Diode

U_F ≈ 0,7 V U I Sperrbereich (nA) Durchbruch U_R
KennwertBedeutungWorauf man achtet
U_FFlussspannungBestimmt die Verlustleistung P = U_F · I — bei 3 A und 0,7 V sind das 2,1 W
U_RSperrspannungMindestens Faktor 1,5–2 über der höchsten auftretenden Sperrspannung inklusive Schaltspitzen
I_FDauerstromGilt bei angegebener Gehäusetemperatur — im Gerät nie erreicht
I_FSMStoßstrom, typ. 8,3 msZählt beim Laden großer Elkos hinter dem Gleichrichter
t_rrSperrverzögerungEntscheidend ab einigen kHz; Schottky hat praktisch keine
I_RSperrstromBei Schottky deutlich höher und stark temperaturabhängig
C_jSperrschichtkapazitätBelastet HF-Signale — bei ESD-Schutzdioden an schnellen Leitungen kritisch
Die Sperrverzögerung ist der Grund für unerklärliche Verluste. Eine langsame Diode leitet nach dem Umpolen noch kurz rückwärts. In einem Schaltregler mit 100 kHz passiert das 100 000-mal je Sekunde — eine 1N4007 wird dabei heiß, obwohl der Mittelstrom weit unter dem Nennwert liegt. Symptom: eine Diode, die kocht, obwohl die Rechnung lauwarm sagt.

Typen und Auswahl

TypKennwerteWofür
Standard-Silizium (1N4001…4007)U_F 0,7–1,1 V, t_rr 2–30 µsNetzgleichrichtung bei 50 Hz, Freilauf an Relais. Zu langsam für Schaltregler
Schnelle Diode (1N4148, UF4007)t_rr ≈ 4 ns bzw. 75 nsSignalgleichrichtung, Logikverknüpfung, Freilauf bei schnellen Schaltvorgängen
Schottky (1N5819, SS34, BAT54)U_F 0,2–0,45 V, keine nennenswerte t_rrSchaltregler, Verpolschutz. Nachteil: höherer Leckstrom, niedrigere Sperrspannung
ZenerdiodeBetrieb in Sperrrichtung, definierte SpannungEinfache Referenzen, Begrenzung. Unter 5,6 V dominiert der Zener-Effekt (negativer TK), darüber der Lawineneffekt (positiver) — bei ≈ 5,6 V heben sie sich auf, deshalb der stabilste Wert
TVS / SuppressordiodekW Impulsleistung für MikrosekundenESD- und Surge-Schutz an Schnittstellen. Unidirektional für DC-Versorgungen, bidirektional für Signale mit Wechselanteil
LEDU_F rot 1,8–2,2 V · gelb/grün 2,0–2,4 V · blau/weiß 2,8–3,4 VImmer mit Strombegrenzung betreiben, nie an Spannung

Sperrspannung festlegen

Höchste Sperrspannung inklusive Schaltspitzen ermitteln, dann Faktor 1,5 bis 2 Sicherheit.

Strom und Verlustleistung prüfen

Mittelstrom, Spitzenstrom und U_F bei diesem Strom aus der Kennlinie. P = U_F · I_mittel plus Schaltverluste.

Geschwindigkeit wählen

Bis 1 kHz reicht Standard, darüber Fast-Recovery, ab 20 kHz und bei niedrigen Spannungen Schottky.

Thermik nachrechnen

R_thJA aus dem Datenblatt, Sperrschichttemperatur unter 100 °C halten. Bei SMD zählt vor allem die angeschlossene Kupferfläche.

Die vier Schaltungen, die man ständig braucht

Freilaufdiode
Antiparallel über jede induktive Last. Standard-Silizium reicht bei Relais; bei PWM-Ansteuerung von Motoren muss sie schnell sein, sonst verheizt sie beim Umschalten Leistung. Rechnung dazu: Schaltvorgänge.
Verpolschutz
Diode in Reihe kostet U_F. Eleganter: p-Kanal-MOSFET in der Plusleitung, Source zur Quelle — nur R_DS(on) statt 0,7 V. Ab etwa 500 mA lohnt sich das fast immer.
Klemmschaltung
Zwei Dioden von der Signalleitung nach V_CC und Masse begrenzen auf V_CC + 0,7 V und −0,7 V. Der Strom muss durch einen Reihenwiderstand begrenzt werden, sonst zieht die Klemmung die Versorgung hoch (Latch-up).
Gleichrichtung
Einweg: eine Diode, halbe Ausbeute. Brücke: vier Dioden, doppelte Brummfrequenz, zwei Flussspannungen Verlust. Glättung abschätzen: C ≈ I · t / ΔU — für 1 A, 10 ms und 1 V Welligkeit rund 10 000 µF. Bei Kleinspannung ist Synchrongleichrichtung mit MOSFETs deutlich effizienter.

Materialien jenseits von Silizium

MaterialBandabstandStärkeWo es eingesetzt wird
Silizium (Si)1,12 eVbillig, ausgereift, beliebig integrierbarpraktisch alles
Germanium (Ge)0,66 eVniedrige Flussspannung (≈ 0,3 V)historisch; heute nur noch HF-Detektoren
Siliziumkarbid (SiC)3,26 eVhohe Sperrspannung und Temperatur, geringe SchaltverlusteWechselrichter, Ladetechnik, Traktion ab 600 V
Galliumnitrid (GaN)3,4 eVextrem schnelles Schalten, sehr kleine Bauformkompakte Netzteile, Wandler bis wenige hundert Volt
Galliumarsenid (GaAs)1,42 eVhohe Elektronenbeweglichkeit, direkte BandlückeHF-Verstärker, Laserdioden, LEDs

SiC und GaN sind der Grund, warum ein 65-W-Notebooknetzteil in eine Streichholzschachtel passt: höhere Schaltfrequenz bedeutet kleinere Magnetik, und erst die geringeren Schaltverluste erlauben diese Frequenz. Der Preis ist ein anspruchsvolleres Layout — steile Flanken erzeugen mehr Störungen, siehe EMV.

Quellen
  • Sedra & Smith, Microelectronic Circuits, Kapitel Semiconductors und pn Junctions.
  • Tietze/Schenk/Gamm, Halbleiter-Schaltungstechnik, Kapitel Halbleiterbauelemente.
  • Horowitz & Hill, The Art of Electronics, 3rd ed., Kapitel 1.6 (Dioden) und Kapitel 9 (Spannungsversorgung).
  • Texas Instruments, Understanding the terms and definitions of the bandgap reference.
  • Littelfuse, TVS Diode Application Guides — Auslegung gegen ESD und Surge nach IEC 61000-4-2 und -4-5.
  • Datenblätter 1N4148, 1N400x, 1N5819, SS34, BAT54, SMBJ-Reihe; Application Notes von Infineon und Wolfspeed zu SiC und GaN.

03 / 08Transistor & MOSFET

Zwei Bauteile, zwei Denkweisen. Der Bipolartransistor ist stromgesteuert: ein kleiner Basisstrom steuert einen großen Kollektorstrom, und die Stromverstärkung B streut zwischen Exemplaren um Faktor 3. Der MOSFET ist spannungsgesteuert und im eingeschalteten Zustand schlicht ein Widerstand — dort bestimmen R_DS(on) und Gate-Ladung Q_g alles.

Bipolartransistor: Betriebsarten

NPN PNP B CE Strom fließt C → E · Pfeil zeigt hinaus B CE Strom fließt E → C · Pfeil zeigt hinein
BetriebsartBedingungU_CEWofür
SperrbereichU_BE < ≈ 0,5 V≈ VersorgungsspannungTransistor aus
Aktiver BereichU_BE ≈ 0,7 V, U_CE > ≈ 1 VdazwischenVerstärken — I_C = B · I_B
SättigungBasisstrom im Überfluss0,05–0,3 V (U_CEsat)Schalten — minimale Verlustleistung
Für Schaltanwendungen: übersteuern statt ausrechnen. Basisstrom bewusst drei- bis zehnmal so groß wählen wie rechnerisch nötig. Erst dann ist U_CEsat wirklich klein und der Transistor bleibt kalt: R_B = (U_steuer − 0,7 V) · B_min / (5 · I_C).
KennwertBeispiel BC547Bedeutung
U_CEO45 VMaximale Kollektor-Emitter-Spannung bei offener Basis
I_C max100 mADauerstrom; darüber gilt keine Kennlinie mehr
P_tot500 mWBei 25 °C; mit Temperatur linear fallend (Derating-Kurve)
h_FE (B)110 … 800Riesige Streuung — daher die Gruppen A/B/C im Typennamen
U_CEsat0,25 V bei 100 mARestspannung im Schalterbetrieb
f_T300 MHzTransitfrequenz — dort ist die Stromverstärkung auf 1 gefallen
U_EBO6 VDie Basis-Emitter-Strecke sperrt rückwärts nur wenige Volt — häufig übersehene Zerstörungsursache

Grundschaltungen und Arbeitspunkt

SchaltungEin / AusSpannungsverstärkungEingangswiderstandEinsatz
EmitterschaltungBasis / Kollektorhoch, invertierend; mit unüberbrücktem R_E stabil v ≈ −R_C/R_EmittelDer Standardverstärker; auch der Schalter
Kollektorschaltung (Emitterfolger)Basis / Emitter≈ 1, nicht invertierendhoch (≈ B · R_E)Impedanzwandler, Treiberstufe, Stromverstärkung
BasisschaltungEmitter / Kollektorhoch, nicht invertierendniedrig (≈ 1/g_m)HF-Stufen, Kaskode, Stromeingänge

Emitterspannung festlegen

U_E ≈ 1–2 V, damit die −2 mV/K der Basis-Emitter-Strecke kaum ins Gewicht fallen.

Emitterwiderstand berechnen

R_E = U_E / I_C. Er ist die eigentliche Gegenkopplung: Steigt I_C, steigt U_E, sinkt U_BE, sinkt I_C.

Basisteiler dimensionieren

Querstrom etwa zehnmal so groß wie der Basisstrom, dann ist die Basisspannung lastunabhängig. U_B = U_E + 0,7 V.

Kollektorwiderstand wählen

R_C so, dass U_CE im Ruhezustand etwa mittig zwischen U_E und V_CC liegt — dann ist die Aussteuerung symmetrisch.

Verstärkung einstellen

Ein Kondensator parallel zu einem Teil von R_E erlaubt hohe Wechselspannungsverstärkung bei stabilem Gleichstromarbeitspunkt.

Bausteine, die man wiedererkennt

Stromspiegel
Zwei gleiche Transistoren, Basen verbunden, einer als Diode geschaltet. Der zweite Zweig kopiert den Strom des ersten. Grundbaustein jedes integrierten Verstärkers — auf dem Chip sind beide thermisch gekoppelt und wirklich gleich.
Differenzverstärker
Zwei Transistoren mit gemeinsamer Stromquelle am Emitter. Verstärkt die Differenz, unterdrückt Gleichtakt — die Eingangsstufe jedes Operationsverstärkers.
Darlington
Zwei Transistoren hintereinander, B multipliziert sich (bis ≈ 10 000). Preis: doppelte Flussspannung (≈ 1,4 V) und langsames Ausschalten. In der Leistungselektronik vom MOSFET verdrängt.
Konstantstromquelle
Feste Basisspannung (Zener oder Teiler) plus Emitterwiderstand: I ≈ (U_B − 0,7 V)/R_E, weitgehend unabhängig von der Lastspannung. Die einfachste brauchbare LED-Ansteuerung.
Kaskode
Emitterschaltung plus Basisschaltung darüber. Der obere Transistor hält U_CE des unteren konstant und eliminiert den Miller-Effekt — deutlich höhere Bandbreite.
Push-Pull-Endstufe
NPN und PNP im Gegentakt. Ohne Vorspannung entsteht Übernahmeverzerrung um den Nullpunkt; zwei Dioden oder ein U_BE-Vervielfacher stellen den Ruhestrom ein (Klasse AB).

MOSFET: Typen und Kennwerte

TypLeitet, wennSchaltungEinsatz
n-Kanal, selbstsperrendU_GS positiv über der SchwelleLow-Side (Last oben, MOSFET nach Masse)Der Normalfall: Motoren, LEDs, Heizungen schalten
p-Kanal, selbstsperrendU_GS negativ (Gate unter Source)High-Side (zwischen Plus und Last)Verpolschutz, Lastschalter, einfache High-Side-Steuerung
n-Kanal, selbstleitendbereits bei U_GS = 0seltenKonstantstromquellen, HF, Startschaltungen
KennwertBedeutungFalle
U_DSSperrspannung Drain–SourceSchaltspitzen einrechnen; an induktiven Lasten leicht das Doppelte der Versorgung
R_DS(on)Widerstand im leitenden ZustandGilt bei einer bestimmten U_GS; steigt bis 100 °C um Faktor 1,5–2
U_GS(th)SchwellenspannungNur der Punkt, ab dem ein paar Mikroampere fließen — nicht die Spannung für vollen Durchlass
Q_gGate-LadungBestimmt den Treiberstrom: I = Q_g / t_schalt
C_iss / C_oss / C_rssEingangs-, Ausgangs-, RückwirkungskapazitätC_rss (Miller) bremst die Flanke am stärksten
U_GS maxmeist ±20 VDas Gate-Oxid ist dünn — eine statische Entladung reicht zum Durchschlag
SOAsicherer ArbeitsbereichIm Linearbetrieb deutlich enger, als der Datenblattstrom vermuten lässt

Jeder Leistungs-MOSFET enthält bauartbedingt eine Body-Diode von Source nach Drain. In Halbbrücken ist sie erwünscht (Freilauf), verhindert aber, dass ein einzelner MOSFET rückwärts sperrt — bidirektionale Lastschalter brauchen zwei MOSFETs Rücken an Rücken.

Der häufigste Anfängerfehler: Ein Standard-MOSFET mit U_GS(th) = 2–4 V direkt am 3,3-V- oder 5-V-Logikausgang. Bei 5 V am Gate ist er nur teilweise leitend, R_DS(on) liegt statt bei 20 mΩ bei mehreren Ohm, und das Bauteil wird bei 2 A glühend heiß. Lösung: Logic-Level-MOSFET, dessen R_DS(on) ausdrücklich bei U_GS = 2,5 V oder 4,5 V spezifiziert ist — oder ein Gate-Treiber mit höherer Spannung.

Verluste und Gate-Ansteuerung

P_leit = I² · R_DS(on) · k_T  +  P_schalt ≈ ½ · U_DS · I · (t_on + t_off) · f  +  P_gate = Q_g · U_GS · f k_T ist der Temperaturfaktor, bei 100 °C rund 1,5.

Durchgerechnet: 5 A schalten bei 24 V, 20 kHz

R_DS(on) = 25 mΩ bei 25 °C, t_on + t_off = 100 ns, Q_g = 30 nC, Treiber mit 10 V.

  • Leitverluste bei 100 °C: 5² · 0,025 · 1,5 = 0,94 W
  • Schaltverluste: 0,5 · 24 V · 5 A · 100 ns · 20 000 /s = 0,12 W
  • Gate-Treiber: 30 nC · 10 V · 20 kHz = 6 mW (vernachlässigbar)
  • Gesamt ≈ 1,1 W → bei R_thJA = 50 K/W im SMD-Gehäuse rund 55 K Übertemperatur. Kühlfläche vorsehen.

Bei 20 kHz dominieren hier noch die Leitverluste. Die Schaltverluste wachsen aber linear mit der Frequenz und ziehen bei etwa 150 kHz gleich — ab dort ist ein schneller Gate-Treiber wichtiger als der letzte Milliohm R_DS(on).

Gate-Widerstand
10–47 Ω in die Gate-Leitung. Bedämpft die Schwingung aus Gate-Induktivität und C_iss und begrenzt den Treiberspitzenstrom. Größer heißt langsamer und störärmer, aber verlustreicher — ein bewusster Kompromiss.
Pull-down am Gate
10–100 kΩ vom Gate nach Source. Der MOSFET sperrt dann sicher, solange der Mikrocontroller im Reset ist und seine Pins hochohmig sind. Ohne ihn schaltet die Last beim Einschalten unkontrolliert.
Gate-Treiber-IC
Ein MCU-Pin liefert 20 mA; um 30 nC in 100 ns umzuladen, braucht es 300 mA. Treiber-ICs liefern 1–4 A und haben definierte Verzögerungszeiten.
High-Side und Bootstrap
Ein n-Kanal-MOSFET in der Plusleitung braucht am Gate eine Spannung über der Versorgung — Bootstrap-Kondensator, der bei jedem Low-Zustand nachgeladen wird, oder isolierte Hilfsversorgung. Deshalb braucht eine Halbbrücke eine Mindest-Schaltfrequenz.

Halbbrücke und H-Brücke

Q1 Q3 M +U GND Q2 Q4
  • Totzeit (Dead Time): Oberer und unterer Schalter dürfen nie gleichzeitig leiten. Zwischen Aus und Ein liegen typisch 100 ns bis 2 µs. Fehlt die Pause, entsteht ein Querstrom (Shoot-Through), der die Brücke in Millisekunden zerstört.
  • Freilaufpfad: Der Motorstrom muss beim Umschalten weiterfließen können. Die Body-Dioden übernehmen das, sind aber langsam — bei hohen Frequenzen parallele Schottky-Dioden oder Synchrongleichrichtung vorsehen.
  • Fertige Treiber (DRV8871, BTS7960, TB6612FNG, DRV8323) nehmen Totzeit, Bootstrap und Schutzfunktionen ab. Motorseitig geht es weiter unter Regelung & Antriebe → Motortreiber.

BJT, MOSFET oder IGBT?

KriteriumBipolartransistorMOSFET
SteuerungStrom — kostet dauerhaft LeistungSpannung — statisch praktisch leistungslos
RestspannungU_CEsat ≈ 0,1–0,3 V, stromunabhängigI · R_DS(on) — bei kleinen Strömen weit unter 1 mV
Große Strömeschlecht, Verluste steigen linearklar besser, R_DS(on) bis in den Milliohm-Bereich
Parallelschaltenthermisch instabilgut — R_DS(on) steigt mit der Temperatur, das gleicht sich aus
Analoge Präzisionbesser: exponentiell exakt, niedriges 1/f-Rauschenhöheres 1/f-Rauschen, größere Offsets
Spannungs-/FrequenzbereichBeste WahlGrund
bis 100 V, beliebige FrequenzSilizium-MOSFETR_DS(on) im Milliohm-Bereich, sehr schnell
100–650 V, hohe FrequenzGaN oder SiC-MOSFETgeringste Schaltverluste, kompakte Magnetik
600–1700 V, bis ~20 kHzIGBTFeste Sättigungsspannung (1,5–2,5 V) schlägt R_DS(on) bei großen Chipflächen
ab 1200 V, hohe FrequenzSiC-MOSFETverdrängt IGBTs zunehmend in Wechselrichtern
Quellen
  • Horowitz & Hill, The Art of Electronics, 3rd ed., Kapitel 2 und 3 — Grundschaltungen mit gerechneten Beispielen.
  • Sedra & Smith, Microelectronic Circuits, Kapitel Bipolar Junction Transistors und MOS Field-Effect Transistors.
  • Infineon, MOSFET Power Losses Calculation Using the Data-Sheet Parameters — die Referenz für die Verlustrechnung.
  • Texas Instruments, Fundamentals of MOSFET and IGBT Gate Driver Circuits (SLUA618) — Bootstrap, Totzeit, Miller-Plateau.
  • Datenblätter BC547/BC557, 2N3904/2N3906, BD139/BD140 sowie IRLZ44N, IRF3205, BSS138, AO3400 — jeweils die Derating- bzw. R_DS(on)-über-U_GS-Kurve ansehen.

04 / 08Operationsverstärker

Zwei goldene Regeln, und 90 % der OPV-Schaltungen sind gelöst. Regel 1: Der Ausgang tut alles, damit die Spannungsdifferenz zwischen den Eingängen null wird — sofern eine Gegenkopplung existiert. Regel 2: In die Eingänge fließt kein Strom. Alles Weitere sind die realen Abweichungen davon, und die stehen im Datenblatt.

Die Grundschaltungen

U_ein + U_aus R2 R1
SchaltungÜbertragungEigenschaftWofür / Falle
Nicht invertierendv = 1 + R2/R1Eingangswiderstand = der des OPV selbstDer Standard für Sensorsignale. Verstärkung nie unter 1
Invertierendv = −R2/R1Eingangswiderstand ist exakt R1Auch Abschwächung möglich. Der Minus-Eingang ist virtuelle Masse — dort lassen sich Ströme sauber summieren
Spannungsfolgerv = 1Ausgang direkt auf den Minus-EingangTrennt hochohmige Quelle von niederohmiger Last; rettet jeden hochohmigen Spannungsteiler
DifferenzverstärkerU_aus = (R2/R1)·(U₂ − U₁)Vier Widerstände, unterdrückt GleichtaktDie CMRR hängt an der Paarungsgenauigkeit: mit 1-%-Typen bei v = 1 im ungünstigsten Fall nur ≈ 34 dB, mit 0,1 % ≈ 54 dB. Für mehr: Instrumentenverstärker
SummiererU_aus = −R_f·(U₁/R₁ + U₂/R₂ + …)Mehrere Eingänge auf die virtuelle MasseAudiomischer, R-2R-DAC
IntegratorU_aus = −1/(RC) · ∫U_ein dtKondensator in der GegenkopplungLäuft durch Offset und Bias-Strom in die Begrenzung — großer Parallelwiderstand über C begrenzt die DC-Verstärkung
DifferenziererU_aus = −RC · dU_ein/dtKondensator im EingangVerstärkt Rauschen stark; Reihenwiderstand zur Bandbegrenzung ist Pflicht

Bei Single-Supply-Betrieb liegt der Bezugspunkt nicht auf Masse, sondern auf der halben Versorgung — erzeugt mit einem Teiler plus Spannungsfolger, nicht mit einem unbelasteten Teiler.

Wo die goldenen Regeln aufhören zu gelten

Realer EffektTypische GrößeAuswirkungGegenmaßnahme
Offsetspannung U_os1 µV (Chopper) … 5 mV (Standard)Wird mitverstärkt: 1 mV bei v = 100 sind 100 mV Fehler am AusgangPräzisions-OPV, Trimmung, Auto-Zero-Typ
Offsetdrift0,02 … 10 µV/KDer Fehler wandert mit der Temperatur — Kalibrieren hilft nichtChopper-OPV, thermisch symmetrisches Layout
Eingangsruhestrom I_B1 fA (CMOS) … 500 nA (bipolar)Erzeugt an hochohmigen Quellen einen SpannungsfehlerFET-Eingang; Quellwiderstände an beiden Eingängen gleich groß machen
GBW (Verstärkungs-Bandbreite-Produkt)0,1 … 1000 MHzv = 100 bei GBW = 1 MHz → Bandbreite endet bei 10 kHzGenug GBW wählen oder die Verstärkung auf mehrere Stufen aufteilen
Slew Rate0,5 … 4000 V/µsBegrenzt große Signale unabhängig vom GBW: f_max = SR/(2π·û). 1 V/µs und û = 5 V ergeben nur 32 kHzSchnelleren Typ wählen oder die Amplitude reduzieren
CMRR70 … 130 dBGleichtaktstörungen kommen abgeschwächt durchInstrumentenverstärker
PSRR70 … 120 dB, fällt zu hohen FrequenzenRippel der Versorgung landet im SignalAbblocken, LDO statt Schaltregler — siehe Versorgung
Ausgangsaussteuerung„Rail-to-Rail“ heißt oft ±50 mV zur SchieneBei Single-Supply kommt der Ausgang nicht auf 0 VRRO-Typ, negative Hilfsspannung, Bezug auf halbe Versorgung
Ausgangsstrom5 … 100 mAKurzschlussfest, aber nicht lastfestPufferstufe, Leistungs-OPV
Kapazitive Last bringt jeden OPV zum Schwingen. Ein langes Kabel oder ein Kondensator direkt am Ausgang bildet mit dem Ausgangswiderstand einen zusätzlichen Pol — die Phasenreserve schrumpft, der Verstärker schwingt bei einigen hundert Kilohertz. Standardlösung: 10–100 Ω in Reihe zum Ausgang, die Gegenkopplung vor diesem Widerstand abgreifen. Sichtbar nur am Oszilloskop, nie am Multimeter.

Auswahl in der richtigen Reihenfolge

Versorgung

Single-Supply an 3,3 V oder symmetrisch ±15 V? Bei Single-Supply braucht es Rail-to-Rail am Eingang, am Ausgang oder an beidem.

Bandbreite

Signalbandbreite × geplante Verstärkung × Faktor 5 Reserve = Mindest-GBW. Mehr ist nicht besser: hohe Bandbreite bedeutet mehr Rauschen und ein empfindlicheres Layout.

Genauigkeit

Wie groß ist das kleinste zu messende Signal? Bei 100 µV Nutzsignal ist ein OPV mit 3 mV Offset unbrauchbar, egal wie schnell er ist.

Eingangsstrom

Quellwiderstand über 100 kΩ → CMOS- oder JFET-Eingang. Unter 10 kΩ ist ein bipolarer Eingang meist rauschärmer.

Rauschen

Spannungsrauschen (nV/√Hz) zählt bei niederohmigen Quellen, Stromrauschen (fA/√Hz) bei hochohmigen. Der optimale Typ hängt vom Quellwiderstand ab, nicht vom Preis — siehe Rauschen.

Typen, die man kennen sollte

TypCharakterWofür
LM358 / LM324Uralt, 1 MHz, Übernahmeverzerrung am Ausgang, aber Single-Supply-tauglich und überall verfügbarUnkritisches, Lehrbeispiele — für neue Entwürfe gibt es Besseres
TL071 / TL072JFET-Eingang, sehr kleiner Bias-Strom, 3 MHz, 13 V/µs; braucht Versorgungsspannung mit ReserveAudio, Signalaufbereitung
MCP6002 / MCP6004CMOS, Rail-to-Rail, 1 MHz, ab 1,8 VBatteriebetriebene Sensorik am Mikrocontroller
OPA333 / OPA2333Auto-Zero, 10 µV Offset, 0,05 µV/K DriftPräzisionsmessung, Waagen, Thermoelemente
NE5532 / OPA1656Sehr rauscharm, kräftiger AusgangAudio
INA333 / INA826Instrumentenverstärker, Verstärkung über einen Widerstand, hohe CMRR ohne WiderstandspaarungBrückensensoren, DMS, Shunt-Messung — siehe Messkette
LM393 / LM339Komparator, kein OPV: offener Kollektor, keine GegenkopplungSchwellwertschalter; Pull-up nicht vergessen

Komparator ist nicht gleich OPV

Der Unterschied in einem Absatz. Ein als Komparator missbrauchter OPV ist langsam und kann bei manchen Typen zerstört werden (zulässige Eingangsdifferenzspannung überschritten). Ein Komparator wiederum darf nicht gegengekoppelt werden. Und ohne Mitkopplung kippt er am Schaltpunkt mehrfach hin und her, weil Rauschen die Schwelle überschreitet — 1–5 % Hysterese über einen Widerstand vom Ausgang zum Plus-Eingang beheben das.
Quellen
  • Horowitz & Hill, The Art of Electronics, 3rd ed., Kapitel 4 und 5 — inklusive der realen Grenzen.
  • Texas Instruments, Op Amps for Everyone — kostenloses Handbuch, sehr praxisnah.
  • Analog Devices, Op Amp Applications Handbook (Walt Jung) sowie MT-042 Op Amp Common-Mode Rejection Ratio — dort auch die Abhängigkeit der CMRR von der Widerstandstoleranz.
  • Texas Instruments, Analog Engineer's Circuit Cookbook: Amplifiers — fertig gerechnete Schaltungen mit Fehlerbudget.

05 / 08Filter, Frequenzgang & Rauschen

Ein Filter lässt bestimmte Frequenzen durch und dämpft andere — Rauschen ist das, was danach übrig bleibt. Die Ordnung bestimmt die Steilheit (20 dB je Dekade und Ordnung), die Approximation den Charakter. Rauschen lässt sich nicht wegfiltern, nur die Bandbreite begrenzen und die Quelle vermeiden.

Bode-Diagramm und Dezibel

0 dB −3 −20 −40 f_g −20 dB / Dekade −45° −90° f f
  • Beide Achsen logarithmisch, Amplitude in Dezibel; eine Dekade ist Faktor 10 in der Frequenz.
  • Erste Ordnung: −20 dB/Dekade (= −6 dB/Oktave), Phasendrehung insgesamt 90°, an f_g genau −3 dB und −45°.
  • Zweite Ordnung: −40 dB/Dekade, 180° Phasendrehung. Genau diese Phasendrehung kostet in Regelkreisen Stabilität — siehe Regelung → Stabilität.

Dezibel umrechnen

Passive und aktive Filter

TypAufbauGrenzfrequenzAnmerkung
RC-TiefpassR längs, C nach Massef_g = 1/(2πRC)Das Arbeitspferd. Ausgangswiderstand frequenzabhängig — die nächste Stufe belastet ihn
RC-HochpassC längs, R nach Massef_g = 1/(2πRC)Koppelkondensator: blockt den Gleichanteil
LC-TiefpassL längs, C nach Massef_g = 1/(2π√(LC))−40 dB/Dekade, sehr verlustarm — Standard am Ausgang von Schaltreglern
LC-BandpassReihenschwingkreis quer oder Parallelschwingkreis längsf₀ = 1/(2π√(LC))Güte Q = f₀/B bestimmt die Schmalbandigkeit
Pi-FilterC – L – CDritte Ordnung, −60 dB/Dekade; Netzfilter und EMV-Entstörung
Kaskadieren ist nicht Multiplizieren. Zwei RC-Tiefpässe hintereinander ergeben nicht einfach −40 dB/Dekade bei derselben Grenzfrequenz — die zweite Stufe belastet die erste. Entweder die Stufenimpedanzen um Faktor 10 staffeln oder mit einem Impedanzwandler entkoppeln. Genau dafür gibt es aktive Filter.
Sallen-Key
Zwei R, zwei C, ein OPV als Folger — zweite Ordnung. Einfach und unkritisch, bei hoher Güte aber empfindlich gegen Bauteiltoleranzen. Der Standard für Antialiasing bis einige hundert Kilohertz.
Multiple Feedback (MFB)
Invertierend, unempfindlicher gegen die OPV-Grenzen bei höheren Frequenzen, gut für Bandpässe.
Zustandsvariablenfilter
Drei OPVs, liefert Tief-, Hoch- und Bandpass gleichzeitig; Güte und Frequenz getrennt einstellbar. Aufwendig, aber sehr robust.
Switched-Capacitor
Fertige ICs, Grenzfrequenz per Takt einstellbar. Preis: Taktreste im Signal und begrenzte Dynamik.

Die Approximationen im Vergleich

CharakteristikDurchlassbereichFlankensteilheitSprungantwortNimmt man für
Butterworthmaximal flach, keine Welligkeitmittelleichtes ÜberschwingenDer vernünftige Standard, wenn nichts dagegen spricht
Bessel (Thomson)flacham flachstenkein Überschwingen, konstante GruppenlaufzeitImpulse, Rechtecksignale, Regelkreise, Sensorsignale mit Sprüngen
Tschebyscheff Typ Idefinierte Welligkeit (0,1–3 dB)steildeutliches Über- und NachschwingenWenn Trennschärfe zählt und die Zeitform egal ist
Cauer / elliptischWelligkeit im Durchlass und im Sperrbereicham steilstenschlechteste ZeitantwortAntialiasing mit knappem Frequenzabstand
Die Regel dahinter: Steilheit im Frequenzbereich wird immer mit Verhalten im Zeitbereich bezahlt. Ein sehr steiles Filter klingelt bei jedem Sprung nach. Wer Sensorsignale filtert und damit eine Regelung füttert, nimmt Bessel — dort ist die Gruppenlaufzeit über die Frequenz konstant, das Signal wird nur verzögert, nicht verformt.

Antialiasing und digitale Filter

Nutzbandbreite festlegen

Höchste Frequenz, die wirklich interessiert — beim Temperatursensor 1 Hz, bei Audio 20 kHz.

Abtastrate wählen

Mindestens das Doppelte, praktisch das 5- bis 10-Fache der Nutzbandbreite. Damit wird das Analogfilter deutlich einfacher.

Filterordnung bestimmen

Erforderliche Dämpfung bei f_s/2: rund 6 dB je Bit Auflösung — ein 12-Bit-ADC braucht also etwa 72 dB.

Oversampling prüfen

Oft billiger als ein hochordriges Filter: schneller abtasten, digital mitteln und dezimieren. Jede Vervierfachung der Abtastrate bringt 6 dB, also 1 Bit effektive Auflösung — für 2 Bit braucht es Faktor 16.

FIR

  • Immer stabil, exakt lineare Phase möglich
  • Braucht viele Koeffizienten für steile Flanken
  • Einfachster Fall: gleitender Mittelwert

IIR

  • Sehr wenige Koeffizienten für dieselbe Steilheit
  • Kann instabil werden, Phase nicht linear
  • Der Ein-Zeilen-Klassiker: y += α·(x − y) — ein digitaler RC-Tiefpass mit α = dt/(dt + RC)

Für Sensorwerte im Mikrocontroller ist der exponentiell gleitende Mittelwert meist die richtige Antwort: eine Zeile, keine Historie. Wo Ausreißer stören, wirkt ein Medianfilter über 3 oder 5 Werte besser als jeder Tiefpass. Delta-Sigma-Wandler machen das Oversampling intern — vor ihnen genügt oft ein simples RC-Glied, siehe ADC & DAC. Mehr zur digitalen Seite: Digitaltechnik → Signalverarbeitung.

Die drei physikalischen Rauschquellen

Thermisches Rauschen
Johnson-Nyquist: Jeder Widerstand rauscht allein wegen der Wärmebewegung. Unvermeidbar.
u_n = √(4·k·T·R·B)
1 kΩ bei 300 K: 4 nV/√Hz — über 10 kHz Bandbreite 0,4 µV.
Schrotrauschen
Strom besteht aus einzelnen Ladungen, die zufällig eintreffen. Tritt an pn-Übergängen auf, nicht am reinen Widerstand.
i_n = √(2·q·I·B)
Bei 1 mA und 10 kHz Bandbreite: 1,8 nA.
1/f-Rauschen
Funkelrauschen, nimmt zu niedrigen Frequenzen hin zu; dominiert unterhalb der Eckfrequenz (10 Hz bis einige kHz). Der Grund, warum langsame Präzisionsmessungen schwerer sind als schnelle. Gegenmittel: Chopper- bzw. Auto-Zero-Verstärker.
Rauschen addiert sich quadratisch: u_ges = √(u₁² + u₂² + …) Zwei gleich große Quellen ergeben nur Faktor √2. Eine dreimal kleinere Quelle trägt nur rund 5 % bei — es lohnt sich also ausschließlich, an der größten zu arbeiten.

Rauschen kleinbekommen

MaßnahmeWirkungKosten
Bandbreite begrenzen∝ 1/√B — der stärkste Hebel; halbe Bandbreite bringt 29 % weniger Rauschenlangsamere Reaktion
Über N Werte mittelnRauschen sinkt um √N (nur bei unkorreliertem Rauschen)Zeit; bei 1/f-Rauschen ab einem Punkt wirkungslos
Quellwiderstand senkenthermisches Rauschen ∝ √Rnicht immer möglich
Verstärkung nach vorn ziehenDie erste Stufe bestimmt das Gesamtrauschen (Friis)die erste Stufe muss die beste sein
Kühlen∝ √T — von 300 K auf 77 K bringt Faktor 2nur in Messtechnik und Astronomie praktikabel
Differentiell übertragenwirkt gegen eingekoppelte Störungen, nicht gegen thermisches Rauschendoppelte Leitungen
Störung ist nicht Rauschen. 50-Hz-Brumm, Schaltreglerpfeifen bei 500 kHz oder Digitalgeklingel sind deterministische Störungen mit einer Quelle — behebbar durch Layout, Filter und Schirmung. Echtes Rauschen ist zufällig und breitbandig. Vor jeder Rauschoptimierung lohnt der Blick ins Spektrum: Wer dort Spitzen sieht, hat ein EMV-Problem, kein Rauschproblem.

Offset, Drift und systematische Fehler

FehlerUrsacheErkennbar anGegenmaßnahme
OffsetspannungUnsymmetrie der Eingangsstufekonstante Abweichung bei 0 V EingangNullpunktkalibrierung, Auto-Zero-OPV
TemperaturdriftBauteilkoeffizientenMesswert wandert beim AufwärmenLow-Drift-Bauteile, thermisch symmetrisches Layout, Referenz mitmessen
LangzeitdriftAlterung von Referenzen und WiderständenKalibrierung hält nichtNachkalibrieren, gealterte Präzisionsbauteile
ThermospannungenÜbergänge zwischen verschiedenen Metallen10–50 µV Fehler bei Temperaturgefälle über die Platinesymmetrische Leiterführung, gleiche Materialien, Zugluft vermeiden
LeckströmeFeuchtigkeit, Flussmittelreste, OberflächeFehler steigt bei hoher LuftfeuchteReinigen, Schutzlack, Guard-Ring um hochohmige Knoten
SelbsterwärmungMessstrom heizt den SensorMesswert driftet nach dem EinschaltenMessstrom senken, gepulst messen
NichtlinearitätKennlinie von Sensor oder WandlerAbweichung nur am Rand des BereichsMehrpunktkalibrierung, Linearisierung in Software

Wenn die Messung zappelt

1 kΩ, 10 kHz
0,4 µV
Thermisches Rauschen — die absolute Untergrenze
Guter OPV
1–3 nV/√Hz
z. B. OPA1656, AD797
Standard-OPV
10–40 nV/√Hz
LM358, TL072
12-Bit-ADC, 3,3 V
0,8 mV
1 LSB — Rauschen darunter ist irrelevant
24-Bit-ADC, 5 V
0,3 µV
1 LSB — hier zählt jedes Detail
MCU-ADC
≈ 9–10 ENOB
trotz 12 Bit nominal, wegen Digitalstörungen auf dem Chip

Spektrum ansehen, nicht raten

Oszilloskop im FFT-Modus. Spitzen bei 50/100 Hz, bei der Schaltreglerfrequenz oder bei Taktfrequenzen zeigen die Quelle sofort.

Quelle abklemmen

Eingang kurzschließen. Bleibt das Zappeln, kommt es aus der Elektronik; verschwindet es, aus Zuleitung oder Sensor.

Versorgung prüfen

Rippel AC-gekoppelt messen. 50 mV Rippel und ein OPV mit 60 dB PSRR ergeben 50 µV Störung am Ausgang.

Bandbreite zumachen

Ein RC-Glied an der richtigen Stelle beseitigt oft mehr als jeder Bauteiltausch — und zeigt zugleich, ob das Problem breit- oder schmalbandig ist.

Masseführung überprüfen

Fließt ein Laststrom über denselben Leiter wie der Massebezug des Messsignals? Dann ist das die Ursache.
Auflösung ist nicht Genauigkeit. Ein 24-Bit-Wandler mit 0,3 µV Auflösung liefert keine 0,3-µV-Genauigkeit — dazwischen stehen Offset, Verstärkungsfehler, Linearität, Referenzdrift und Rauschen. Die brauchbare Zahl im Datenblatt heißt ENOB oder „noise-free resolution“, nicht die nominale Bitzahl.
Quellen
  • Horowitz & Hill, The Art of Electronics, 3rd ed., Kapitel 6 (Filter) und Kapitel 8 (Low-Noise Techniques), dazu The x-Chapters 8x.
  • Texas Instruments, Analysis of the Sallen-Key Architecture und Active Filter Design Techniques (SLOA093).
  • Analog Devices, MT-085 bis MT-088 (Filterentwurf) sowie MT-047 / MT-048 (Op Amp Noise).
  • Okawa Electric Filter Design Tools — kostenlose Rechner für Sallen-Key und MFB mit Bode-Plot.
  • Filterentwurf in Python: scipy.signal.butter, bessel, cheby1 samt Frequenzgangplot.

06 / 08ADC & DAC

Ein ADC macht aus einer Spannung eine Zahl — mit drei Fehlerquellen: die Referenz (Maßstab), die Abtastung (Zeitpunkt) und die Quantisierung (Stufen). Die nominale Bitzahl beschreibt nur die Stufen; die brauchbare Größe heißt ENOB.

Die Grundgrößen

1 LSB = U_ref / 2ⁿ  ·  SNR_ideal = 6,02·n + 1,76 dB  ·  f_Nyquist = f_s / 2 Umgekehrt: ENOB = (SINAD − 1,76 dB) / 6,02. Ein ideal genutzter 12-Bit-Wandler kommt auf 74 dB SNR.

ADC-Rechner

Die Wandlerarchitekturen

ArchitekturAuflösungGeschwindigkeitPrinzipTypischer Einsatz
SAR (sukzessive Approximation)8–18 BitkS/s bis einige MS/sBinäre Suche: Bit für Bit setzen und mit Komparator prüfenDer Standard in Mikrocontrollern; Multiplexbetrieb über viele Kanäle
Delta-Sigma (ΔΣ)16–32 BitHz bis einige kS/sMassives Oversampling plus Rauschformung und digitale FilterungWaagen, Temperatur, Audio — alles Langsame und Genaue
Pipeline10–16 Bit10–500 MS/sMehrere Stufen mit je wenigen Bit, FließbandprinzipVideo, Software-Defined Radio, Oszilloskope
Flash6–10 BitGS/s2ⁿ − 1 Komparatoren gleichzeitigSehr schnelle Oszilloskope; extrem stromhungrig
Dual-Slopebis 22 Bitwenige Messungen/sIntegration über ein ganzzahliges Vielfaches der NetzperiodeTischmultimeter — unterdrückt 50-Hz-Brumm systembedingt
Warum Tischmultimeter 50-Hz-Brumm nicht sehen: Über eine volle Netzperiode (20 ms bei 50 Hz) ist der Mittelwert eines 50-Hz-Signals exakt null. Deshalb wirkt die Einstellung „NPLC“ (number of power line cycles) direkt auf die Ruhe der letzten Stellen — siehe Elektronik 101 → Tischmultimeter.

Die Referenz ist der Maßstab

Ein ADC misst immer relativ zur Referenzspannung. Eine Referenz mit 1 % Fehler macht jede Messung um 1 % falsch — unabhängig von der Bitzahl.

ReferenzquelleGenauigkeitDriftAnmerkung
Versorgungsspannung V_DD1–5 %schlechtKostenlos, aber jeder Lastwechsel verfälscht die Messung. Nur für Verhältnismessungen brauchbar
Interne MCU-Referenz1–3 %50–150 ppm/KMuss werkskalibriert aus dem Flash gelesen werden — sonst nutzloser Nennwert
Bandgap-IC (TL431, REF3025)0,1–0,5 %20–50 ppm/KPreiswert und für die meisten Aufgaben ausreichend
Präzisionsreferenz (MAX6126, LTC6655)0,02–0,05 %2–10 ppm/KAb 16 Bit sinnvoll
Ratiometrisch messenDer Trick: Sensorbrücke und ADC-Referenz aus derselben Spannung speisen. Dann kürzt sich die Versorgung heraus und ihre Genauigkeit ist egal

Die Fehler, die im Datenblatt stehen

Offsetfehler
Die ganze Kennlinie ist verschoben. Durch Nullpunktmessung korrigierbar.
Verstärkungsfehler
Die Steigung stimmt nicht. Durch Messung an einem bekannten Punkt korrigierbar.
DNL
Differentielle Nichtlinearität — ungleich große Stufen. Bei DNL < −1 LSB fehlen Codes ganz („missing codes“); für Regelungen fatal, weil der Messwert springt.
INL
Integrale Nichtlinearität — Abweichung vom idealen Verlauf über den ganzen Bereich. Durch Zweipunktkalibrierung nicht behebbar.
SINAD / ENOB
Signal zu Rauschen und Verzerrung, umgerechnet in effektive Bits. Die einzige Zahl, die zählt — mehr dazu unter Rauschen.
Aperture Jitter
Zeitliche Unsicherheit des Abtastzeitpunkts; begrenzt bei schnellen Signalen alles andere. 10 ps Jitter ergeben bei einem 10-MHz-Sinus rund 64 dB SNR, also gut 10 Bit — unabhängig von der nominalen Auflösung.

Was man beim Anschließen falsch machen kann

Quellimpedanz zu hoch

Ein SAR-Wandler lädt beim Abtasten einen internen Kondensator. Ist die Quelle zu hochohmig, ist er bis zum Ende der Abtastzeit nicht voll geladen — der Messwert ist zu klein und hängt vom vorher gemessenen Kanal ab. Datenblattgrenze beachten (oft < 10 kΩ) oder Impedanzwandler davorsetzen.

Kein Abtastkondensator

1–100 nF direkt am ADC-Pin liefern die Ladung für den internen Sampling-Kondensator und wirken zugleich als Antialiasing-Filter.

Referenz nicht abgeblockt

Die Referenz muss den Ladestrom bei jeder Wandlung liefern. Ohne Abblockkondensator (typisch 100 nF plus 1–10 µF) sinkt die Genauigkeit deutlich.

Analog- und Digitalmasse verwechselt

Rückströme digitaler Schaltvorgänge über die Analogmasse erzeugen Fehler von mehreren LSB. Verbindung an genau einer Stelle — siehe EMV & Masse.

Während Funkbetrieb messen

Ein sendendes WLAN- oder LoRa-Modul reißt Stromspitzen und stört den Wandler. Messung und Funkbetrieb zeitlich trennen.

DAC: der umgekehrte Weg

TypPrinzipStärkeSchwäche
R-2R-LeiterWiderstandsnetzwerk mit binärer Gewichtungeinfach, schnell, bei guter Paarung monotonbraucht sehr genau gepaarte Widerstände
String-DACWiderstandskette mit Abgriff über Schaltergarantiert monoton2ⁿ Widerstände — nur für kleine Auflösungen
Delta-Sigma-DAChochfrequenter Bitstrom plus Analogfiltersehr hohe Auflösung, billiglangsam, braucht Rekonstruktionsfilter
PWM + TiefpassTastverhältnis mittelnan jedem Mikrocontroller kostenlos vorhandenKompromiss zwischen Restwelligkeit und Reaktionszeit

PWM als DAC auslegen: Die Restwelligkeit hinter einem RC-Glied beträgt näherungsweise ΔU ≈ U · T_PWM/(4·R·C). Für rund 8 Bit effektive Auflösung sollte die Zeitkonstante etwa das Hundertfache der PWM-Periode betragen — was die Reaktionszeit entsprechend verlangsamt. Für Sollwerte und Helligkeiten reicht das; zur Signalerzeugung nimmt man einen echten DAC.

Quellen
  • Walt Kester (Hrsg.), The Data Conversion Handbook, Analog Devices — frei als PDF; dazu die Tutorials MT-001 bis MT-031.
  • Texas Instruments, Principles of Data Acquisition and Conversion und die Serie Precision Labs — ADC.
  • Referenzhandbücher von STM32, ESP32 und RP2350 — die Kapitel zu ADC-Abtastzeit und Eingangsimpedanz sind gerätespezifisch und stehen nur dort.

07 / 08Linear- & Schaltregler

Die Spannungsversorgung entscheidet über Wirkungsgrad, Störpegel und Zuverlässigkeit. Linearregler sind leise und einfach, verbrennen aber die Differenz. Schaltregler sind effizient, erzeugen aber Störungen und stellen Ansprüche ans Layout. Die Wahl ist fast immer eine Frage von Spannungsdifferenz mal Strom.

Linearregler (LDO)

η = U_aus / U_ein  ·  P_verlust = (U_ein − U_aus) · I_aus Ohne Ausnahme — ein LDO ist ein geregelter Widerstand, mehr nicht. 12 V auf 5 V bei 1 A heißt 42 % Wirkungsgrad und 7 W Abwärme.

Wann ein LDO die richtige Wahl ist

  • Kleine Spannungsdifferenz (5 V → 3,3 V)
  • Kleine Ströme, grob unter 300 mA
  • Störempfindliches: Analogschaltungen, HF-Empfänger, Referenzen
  • Als Nachregler hinter einem Schaltregler — der beste Kompromiss aus Wirkungsgrad und Ruhe

Kennwerte, die zählen

  • Dropout: Mindestdifferenz Ein zu Aus — klassisch 2 V (7805), moderne LDOs 0,1–0,3 V
  • PSRR: Unterdrückung des Eingangsrippels; bricht oberhalb einiger 10 kHz stark ein
  • Ruhestrom I_q: bei Batteriebetrieb entscheidend, 1 µA bis 5 mA
  • Ausgangskondensator: Manche Typen brauchen einen bestimmten ESR-Bereich, sonst schwingen sie. Datenblatt lesen, nicht raten
Der 7805 ist kein LDO. Er braucht rund 2 V Dropout, hat etwa 5 mA Ruhestrom und oberhalb von 10 kHz keine nennenswerte PSRR. Für neue Entwürfe gibt es Besseres: AMS1117 als billigen Standard, AP2112 oder MCP1700 für kleine Ströme, TPS7A47 oder LT3045 für rauscharme Analogversorgung.

Schaltregler-Topologien

TopologieU_aus zu U_einGalvanische TrennungTypischer WirkungsgradEinsatz
Buck (Abwärts)kleinernein88–96 %Der häufigste Fall: 12 V → 5 V, 5 V → 3,3 V bei größeren Strömen
Boost (Aufwärts)größernein85–94 %Batterie → 5 V, LED-Ketten, Sensorspeisung
Buck-Boost / SEPICbeidesnein80–90 %Li-Ion (3,0–4,2 V) auf feste 3,3 V
Invertingnegativnein80–90 %negative Hilfsspannung für OPVs
Flyback (Sperrwandler)beliebigja78–90 %Netzteile bis etwa 100 W, Hilfsversorgungen
Forward / LLCbeliebigja90–96 %Netzteile ab etwa 100 W, PC-Netzteile
LadungspumpeVielfache / negativnein70–90 %kleine Ströme ohne Spule, z. B. −5 V für ein Display

Die Übertrager dazu — Flyback mit Luftspalt, Forward ohne, stromkompensierte Drossel im Eingangsfilter — stehen bei Felder, Spulen & Trafos; die Schalter selbst bei Transistor & MOSFET.

Buck-Wandler auslegen

Tastverhältnis bestimmen

D ≈ U_aus / U_ein — bei 12 V auf 5 V also 0,42. Tastverhältnisse unter etwa 0,1 verlangen sehr kurze Einschaltzeiten, die viele Regler nicht schaffen.

Drossel wählen

L = U_aus·(1 − D)/(ΔI_L·f) mit ΔI_L = 20–40 % des Ausgangsstroms. Größere Welligkeit heißt kleinere Spule, aber mehr Rippel und mehr Kernverluste.

Sättigungsstrom prüfen

I_sat muss über I_aus + ΔI_L/2 liegen, plus Reserve für Lastsprünge. Der thermische Nennstrom I_rms allein reicht nicht.

Ausgangskondensator

Bestimmt Rippel und Verhalten bei Lastsprüngen. Bei Keramik dominiert die Kapazität, bei Elkos der ESR: ΔU ≈ ΔI_L · ESR.

Eingangskondensator nicht vergessen

Er liefert die pulsförmigen Eingangsströme und gehört direkt an den Schalter, mit kürzestmöglicher Schleife zur Masse.
Die heiße Schleife. Beim Buck-Regler fließt beim Umschalten ein Strom mit sehr hohem di/dt durch die Schleife Eingangskondensator → High-Side-Schalter → Low-Side-Schalter → zurück. Diese Fläche gehört in wenige Quadratmillimeter — sie ist die Hauptquelle abgestrahlter Störungen. Durchgehende Massefläche direkt darunter und ein Eingangskondensator im Millimeterabstand sind keine Kür. Alles Weitere in EMV und Leiterplatte → Layout.

Fertigmodul oder eigener Regler?

Fertigmodul (LM2596-Platine, Traco/Recom)

  • Layout und Magnetik sind erledigt — der häufigste Anfängerfehler entfällt
  • Zertifizierte Module haben geprüfte Isolation und EMV-Werte
  • Billige Marktplatzmodule sind meist überbewertet: „3 A“ heißt in der Praxis 1,5 A mit Kühlung

Eigener Regler-IC

  • Deutlich billiger in Stückzahlen und kompakter
  • Hersteller-Tools (TI WEBENCH, Analog LTpowerCAD) liefern Bauteilwerte und Layout-Vorschlag
  • Referenzlayout aus dem Datenblatt übernehmen — dort steckt die eigentliche Ingenieursleistung
  • Alternative: Power-Modul mit integrierter Drossel — kostet mehr, spart jedes Layout-Risiko

Störungen aus dem Schaltregler heraushalten

MaßnahmeWirkungKosten
Heiße Schleife minimierendie wirksamste Einzelmaßnahme gegen Abstrahlungnur Sorgfalt im Layout
Durchgehende Masseflächekurze Rückstrompfade, kleine Schleifenflächeeine Lage mehr
Eingangs-Pi-Filter (C–L–C)dämpft leitungsgebundene Störungen zur Quelle hineine Drossel
Snubber am Schaltknotenbedämpft das Klingeln, senkt Spitzen um 10–20 dBetwas Wirkungsgrad
Ferritperle plus LDO für den Analogteiltrennt empfindliche Schaltungen sauber abetwas Spannungsabfall
Spread Spectrum im Reglerverteilt die Störenergie über ein Band, senkt den Spitzenpegel in der Messungoft nur ein Pin — löst aber kein Layoutproblem

Schutzbeschaltung, die in jedes Gerät gehört

Verpolschutz
p-Kanal-MOSFET in der Plusleitung oder Schottky in Reihe; bei größeren Strömen ein Ideal-Dioden-Controller.
Überspannung
TVS-Diode am Eingang, ausgelegt auf die Impulsform nach IEC 61000-4-5. Im Fahrzeug zusätzlich auf Load Dump nach ISO 7637-2.
Überstrom
Polyfuse (PTC) für rücksetzbare Begrenzung, Schmelzsicherung wo eine harte Trennung nötig ist. Elektronische Lastschalter (eFuse) können beides plus Einschaltstrombegrenzung.
Einschaltstrom
NTC oder Soft-Start im Regler. Ohne beides verschweißen Schaltkontakte und Sicherungen lösen sporadisch aus — Rechnung dazu in Schaltvorgänge.
Brownout
Sinkt die Versorgung langsam, arbeitet ein Mikrocontroller undefiniert und kann Flash korrumpieren. Brownout-Detektor aktivieren — bei den meisten MCUs per Fuse oder Register.
Entladepfad
Ein Widerstand über dem Eingangselko entlädt ihn nach dem Abziehen des Netzsteckers. Bei Netzgeräten in EN IEC 62368-1 gefordert und für die Wartung schlicht sinnvoll.
Quellen
  • Texas Instruments, Power Supply Layout and EMI sowie Buck Converter Design Guide (SLVA477).
  • Analog Devices / Linear Technology, LT Journal-Artikel zu Buck-Layout und Hot Loop.
  • Christophe Basso, Switch-Mode Power Supplies, McGraw-Hill — Referenz zur Regelkreisauslegung von Schaltwandlern.
  • Würth Elektronik, DC/DC-Wandler-Handbuch und der REDEXPERT-Rechner für Drosseln.
  • EN IEC 62368-1 — Sicherheitsanforderungen für Netzteile in IT- und Unterhaltungsgeräten.

08 / 08EMV, Masse & Entkopplung

EMV ist kein Zusatz am Ende, sondern eine Layout-Entscheidung am Anfang. Jede Störung braucht drei Dinge: eine Quelle, einen Kopplungspfad und eine Senke. Am Kopplungspfad anzusetzen ist fast immer am billigsten — und der Pfad ist bei hohen Frequenzen die Fläche der Stromschleife.

Die vier Kopplungsarten

KopplungMechanismusTypisch beiGegenmaßnahme
GalvanischGemeinsame Leitungsimpedanz: Der Laststrom erzeugt einen Spannungsabfall im gemeinsamen Rückleiterfehlender Sternpunkt, Masse als „Sammelschiene“getrennte Rückleiter, Sternpunkt, Kelvin-Anschluss am Shunt
KapazitivSpannungsänderung koppelt über Streukapazitäthohes du/dt: Schaltknoten, TaktleitungenAbstand, Schirmfläche dazwischen, Impedanz senken
InduktivStromänderung koppelt über das Magnetfeld in benachbarte Schleifenhohes di/dt: Schaltregler, MotorleitungenSchleifenfläche verkleinern, verdrillen, Abstand
StrahlungAb Leitungslängen um λ/10 wirkt die Leitung als AntenneKabel, lange Leiterbahnen, Schlitze in der MasseflächeFilter am Gehäusedurchtritt, geschlossene Massefläche, Schirmung
u_stör = M · di/dt  ·  i_stör = C · du/dt M ist proportional zur eingeschlossenen Fläche. Halbierte Schleifenfläche bedeutet halbierte Einkopplung — ohne ein einziges zusätzliches Bauteil.

Die zehn Regeln, die am meisten bringen

Durchgehende Massefläche

Eine ununterbrochene Kupferlage direkt unter den Signallagen. Der Rückstrom sucht sich bei hohen Frequenzen von selbst den Weg direkt unter der Leiterbahn — kleinste Fläche, ganz automatisch.

Massefläche nicht aufschlitzen

Ein Schlitz zwingt den Rückstrom auf einen Umweg und macht daraus eine Antenne. Getrennte Analog- und Digitalmassen sind meist ein Fehler — außer bei einem klar definierten, einzigen Verbindungspunkt.

Abblockkondensator direkt am Pin

100 nF in 0402 oder 0603 unmittelbar am Versorgungspin, mit kurzen Vias zur Massefläche. Die Zuleitungsinduktivität macht die Wirkung zunichte, nicht der Kapazitätswert.

Heiße Schleifen minimieren

Beim Schaltregler bilden Eingangskondensator, High-Side- und Low-Side-Schalter die Schleife mit dem höchsten di/dt — sie gehört in wenige Quadratmillimeter, siehe Schaltregler.

Flanken nur so schnell wie nötig

22–47 Ω in Reihe zu einer Taktleitung senken die Störabstrahlung deutlich und kosten nichts. Nicht jede Leitung braucht 1 ns Anstiegszeit.

Filter an die Gehäusedurchführung

Störungen abfangen, bevor das Kabel sie nach außen trägt. Ein Filter mitten auf der Platine hilft nichts, wenn die Störung danach wieder einkoppelt.

Signal und Rückleiter beieinander

Bei Flachbandkabeln jede zweite Ader auf Masse legen. Bei Steckern die Masse-Pins gleichmäßig verteilen, nicht alle an einem Ende.

Quarze und Oszillatoren isolieren

Kurze Leitungen, eigene Massefläche darunter, nichts darüber routen. Der Takt ist die stärkste Schmalbandquelle auf der Platine.

Schnittstellen schützen

TVS-Dioden und Gleichtaktdrosseln an jeder Leitung, die das Gehäuse verlässt — zugleich ESD-Schutz und EMV-Maßnahme.

Früh messen

Eine Nahfeldsonde am Spektrumanalysator oder Oszilloskop zeigt Problemstellen, lange bevor ein akkreditiertes Labor sie teuer bestätigt. Für den Hobbybereich genügt eine selbstgebaute Schleifensonde aus Koaxialkabel.

Störaussendung und Störfestigkeit

Aussendung (Emission)

  • Leitungsgebunden 150 kHz – 30 MHz, gemessen mit Netznachbildung (LISN)
  • Abgestrahlt 30 MHz – 1 GHz, bei hohen internen Takten bis 6 GHz; Absorberhalle oder Freifeld
  • Typische Quellen: Schaltregler-Grundfrequenz und ihre Oberwellen, Takte, schnelle Datenbusse

Störfestigkeit (Immunität)

  • ESD nach IEC 61000-4-2: üblich ±4 kV Kontakt, ±8 kV Luft
  • Burst nach IEC 61000-4-4: schnelle Transienten auf Versorgungs- und Signalleitungen
  • Surge nach IEC 61000-4-5: energiereiche Impulse, etwa aus Blitzeinschlag in der Nähe
  • Eingestrahltes HF-Feld nach IEC 61000-4-3: typisch 3–10 V/m
NormWas sie regeltWo sie greift
EN 55032 (CISPR 32)Störaussendung von MultimediagerätenKlasse B für den Wohnbereich (strengere Grenzwerte), Klasse A für Industrie
EN 55035 (CISPR 35)Störfestigkeit von Multimediagerätenlöste EN 55024 und EN 55020 ab
EN IEC 61000-6-3 / -6-1Fachgrundnormen Aussendung / Festigkeit, Wohnbereichwenn keine Produktnorm passt
EN IEC 61000-6-4 / -6-2dieselben für Industrieumgebunghöhere Aussendungsgrenzwerte, dafür strengere Festigkeitsanforderungen
EN IEC 61000-3-2 / -3-3Netzoberschwingungen und SpannungsschwankungenGeräte über 75 W brauchen praktisch eine PFC — siehe Leistungsfaktor
EMV-Richtlinie 2014/30/EURechtsrahmen für die CE-Kennzeichnung in der EUgilt für praktisch jedes elektrische Gerät, das in Verkehr gebracht wird

Für private Projekte: Solange ein Gerät nicht in Verkehr gebracht wird, greift die CE-Pflicht nicht — das Funkstörungsverbot gilt trotzdem. Wer sein Projekt später verkaufen oder verschenken will, kommt um die Konformitätsbewertung nicht herum. Ein Layout nach den zehn Regeln oben kostet nichts und macht den Unterschied zwischen „besteht knapp“ und „durchgefallen“.

ESD verstehen

Eine elektrostatische Entladung erreicht 2–15 kV bei Anstiegszeiten unter einer Nanosekunde. Der Strom von bis zu etwa 30 A fließt nur wenige Nanosekunden — energetisch wenig, aber schnell genug, um Gate-Oxide zu durchschlagen und Halbleiter latent zu schädigen.

Beim Bestücken
ESD-Matte, Handgelenkband über 1 MΩ, leitfähige Beutel. Besonders empfindlich: MOSFETs, CMOS-Logik, HF-Bauteile, unverpackte MEMS-Sensoren.
Im Gerät
TVS-Dioden mit niedriger Kapazität direkt am Steckverbinder, kurze Ableitung zur Massefläche. Die Leitungslänge zum Schutzelement bestimmt, wie viel Spannung dahinter noch ankommt.
Bedienelemente
Taster und Drehgeber sind die häufigsten Eintrittspfade. Serienwiderstand plus Klemmung, Abstand der Leiterbahnen zur Bedienöffnung einhalten.
Latente Schäden
Ein ESD-Ereignis zerstört nicht immer sofort. Geräte, die nach Wochen ausfallen, hatten oft eine Vorschädigung — deshalb wird ESD-Schutz auch dann ernst genommen, wenn „bisher nichts passiert ist“.

Fehlersuche bei Störungen

Reproduzieren

Tritt der Fehler auf, wenn ein bestimmtes Gerät einschaltet? Wenn ein Motor anläuft? Beim Anfassen? Jede Korrelation ist ein Hinweis auf den Pfad.

Trennen

Baugruppen einzeln versorgen und nacheinander zuschalten — so findet man Quelle und Senke.

Kabel prüfen

Testweise einen Klappferrit über ein Kabel setzen. Ändert sich das Verhalten, ist der Kopplungspfad gefunden; die endgültige Lösung ist dann ein Filter auf der Platine.

Masse nachmessen

Mit dem Oszilloskop die Spannung zwischen zwei Massepunkten messen — kurze Federklemme statt Krokodilklemme, sonst misst man die Tastkopfschleife. Zehn Millivolt Differenz zwischen zwei „Massen“ sind üblich und erklären erstaunlich viele Fehler.

Software ausschließen

Nicht jedes sporadische Fehlverhalten ist EMV. Watchdog-Resets protokollieren und die Reset-Ursache auslesen — die meisten Mikrocontroller speichern sie in einem Register.
Quellen
  • Henry W. Ott, Electromagnetic Compatibility Engineering, Wiley — das Standardwerk, sehr gut lesbar.
  • Mark Montrose, EMC and the Printed Circuit Board, IEEE Press.
  • Würth Elektronik, ANP105 — EMV-Konformität für CE von Elektro- und Elektronikprodukten, kostenloses PDF mit Normenübersicht.
  • Texas Instruments, System-Level ESD Protection Guide (SLYY064).
  • EMV-Richtlinie 2014/30/EU und die harmonisierten Normen EN 55032 / EN 55035.