Informationstechnik
Wie aus Pegeln Information wird — und wie man sie rechnet, überträgt und schützt: Codierung und Fehlerschutz, Rechnerarchitektur und Befehlssätze, Betriebssysteme und Echtzeit, Softwaretechnik, Netzwerke, Funk, Signalverarbeitung und Security.
01 / 09Start & Landkarte
Landkarte
Die drei Fragen an jedes System
Wie viel Information entsteht, und wie oft?
Ein Temperatursensor liefert 2 Byte pro Minute, eine Kamera 30 MB pro Sekunde. Daraus folgen Bandbreite, Speicher, Energiebedarf und Übertragungstechnik — nicht umgekehrt.Was passiert, wenn ein Bit kippt?
Bei einem Temperaturwert nichts Schlimmes, bei einem Firmware-Update das Ende des Geräts. Der nötige Fehlerschutz folgt aus dieser Antwort — siehe Information & Codierung.Wie schnell muss reagiert werden — und was passiert bei Verspätung?
Die Trennlinie zwischen harter und weicher Echtzeit — siehe Betriebssysteme & Echtzeit.Wie dieses Modul zum Rest des Hubs steht
- Andrew S. Tanenbaum, Computerarchitektur und Computernetzwerke, Pearson.
- Bryant & O'Hallaron, Computer Systems: A Programmer's Perspective, Pearson.
- Harris & Harris, Digital Design and Computer Architecture, Morgan Kaufmann — der Übergang von der Logik zum Rechner.
02 / 09Information & Codierung
Informationsgehalt und Entropie
Die Entropie ist die untere Grenze verlustfreier Kompression. 1 GB Zufallsdaten lässt sich nicht komprimieren; langsam veränderliche Sensordaten dagegen um Größenordnungen, ohne ein Bit zu verlieren.
Kompression
| Verfahren | Prinzip | Verlustfrei | Typisch für |
|---|---|---|---|
| Lauflängencodierung (RLE) | Wiederholungen als Paar (Wert, Anzahl) | ja | Flächige Grafiken, Fax, einfache Sensorprotokolle |
| Huffman | Häufige Symbole bekommen kurze Codes | ja | Baustein in DEFLATE, JPEG, MP3 |
| Arithmetisch / ANS | Ganze Nachricht als eine Zahl im Intervall | ja | Näher an der Entropiegrenze; Zstandard, AV1, JPEG XL |
| LZ77 / LZ78 | Verweise auf frühere Vorkommen | ja | DEFLATE (ZIP, gzip, PNG), LZ4, Zstandard |
| Delta-Codierung | Nur die Änderung zum Vorgänger | ja | Zeitreihen, Datenlogger, Firmware-Differenzupdates |
| Transformation (DCT/Wavelet) | Umrechnen, dann unwichtige Anteile grob quantisieren | nein | JPEG, H.264/H.265, AAC |
Kanalkapazität und Codierungsebenen
Zahlenbeispiele: eine Telefonleitung mit 3,1 kHz und 30 dB SNR trägt rechnerisch ≈ 31 kbit/s — deshalb war bei Analogmodems Schluss; ein 20-MHz-WLAN-Kanal bei 25 dB SNR ≈ 166 Mbit/s brutto; LoRa arbeitet mit 125 kHz bei −20 dB SNR, also unter dem Rauschpegel, und kommt dabei auf wenige hundert bit/s.
Weil das SNR nur logarithmisch eingeht, ist Bandbreite der wirksamere Hebel — deshalb ziehen Funkstandards in höhere Bänder und nehmen kürzere Reichweite in Kauf (Funk & Wireless). Spreizung wie bei LoRa dreht den Handel um: Rate gegen Empfindlichkeit.
| Ebene | Ziel | Beispiel |
|---|---|---|
| Quellencodierung | Redundanz entfernen — möglichst wenig Bits | ZIP, JPEG, MP3 |
| Kanalcodierung | Redundanz gezielt hinzufügen — Fehler überstehen | CRC, Hamming, Reed-Solomon, LDPC |
| Leitungscodierung | Signalform ans Medium anpassen — Gleichanteil vermeiden, Takt rückgewinnen | Manchester (10BASE-T), 4B5B, 8b/10b (USB 3, SATA), 64b/66b |
Eine lange Folge gleicher Bits hat einen Gleichanteil, den ein Übertrager nicht überträgt, und liefert keine Flanken für die Taktrückgewinnung. 8b/10b garantiert beides und kostet 25 % Overhead; schnellere Standards nehmen 64b/66b mit Scrambler (3 %) — Garantie gegen Effizienz getauscht.
Fehlerschutz: der Werkzeugkasten
| Verfahren | Overhead | Erkennt | Korrigiert | Wo eingesetzt |
|---|---|---|---|---|
| Parität | 1 Bit | alle ungeradzahligen Bitfehler | nichts | UART, alter RAM, einfache Protokolle |
| Prüfsumme | 8–32 Bit | viel, aber nicht systematisch | nichts | Intel-Hex, NMEA, einfache Sensorprotokolle |
| CRC-8/16/32 | 8–32 Bit | alle 1- und 2-Bit-Fehler, alle Bündelfehler bis zur Registerbreite | nichts | CAN, Ethernet, USB, MODBUS, ZIP |
| Hamming / SECDED | 3–8 Bit je Wort | 2 Bit | 1 Bit | ECC-RAM, Mikrocontroller-Flash |
| Reed-Solomon | 2·t Symbole für t Fehler | Bündelfehler | ja, symbolweise | QR-Code, CD/DVD, DVB, RAID 6 |
| Faltungscode + Viterbi | Faktor 2–3 | — | ja, kontinuierlich | GSM, Satellit, GPS |
| LDPC / Turbo | variabel | — | nahe an der Shannon-Grenze | WLAN ab 802.11n, 5G, DVB-S2, moderne SSDs |
| Kryptografischer Hash | 256 Bit | alles, auch absichtliche Änderung | nichts | Firmware-Signatur, Integritätsprüfung (Security) |
CRC in der Praxis
Der CRC behandelt die Nachricht als Polynom über GF(2) und bildet den Rest der Division durch ein Generatorpolynom — in Hardware ein rückgekoppeltes Schieberegister, weshalb fast jeder Kommunikationsbaustein ein CRC-Rechenwerk enthält.
| Variante | Polynom | Wo |
|---|---|---|
| CRC-8/SAE-J1850 | 0x1D | Fahrzeugbus, kurze Rahmen |
| CRC-8/MAXIM-DOW | 0x31 | 1-Wire-Sensoren (DS18B20) |
| CRC-15/CAN | 0x4599 | CAN 2.0 |
| CRC-16/CCITT (XMODEM, KERMIT) | 0x1021 | Bluetooth, viele Sensorprotokolle |
| CRC-16/MODBUS | 0x8005 (gespiegelt 0xA001) | MODBUS RTU |
| CRC-32/ISO-HDLC | 0x04C11DB7 | Ethernet, ZIP, PNG |
Korrigieren: Hamming und Reed-Solomon
Prüfbits an Zweierpotenzstellen
Bei Hamming(7,4) liegen sie auf Position 1, 2 und 4, die Datenbits auf 3, 5, 6, 7. Prüfbit 1 deckt alle Positionen mit gesetztem Bit 0 ab (1, 3, 5, 7), Prüfbit 2 die mit Bit 1 (2, 3, 6, 7), Prüfbit 4 die mit Bit 2 (4, 5, 6, 7).Das Syndrom zeigt die Fehlerstelle
Beim Empfang alle Prüfgleichungen neu auswerten: Die verletzten Prüfbits ergeben binär gelesen genau die Position des gekippten Bits. Umdrehen, fertig.SECDED durch ein Zusatzbit
Eine zusätzliche Gesamtparität trennt „ein Fehler, korrigierbar“ von „zwei Fehler, nur erkennbar“. Das ist der Code in ECC-Arbeitsspeicher.Entscheidungshilfe
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Serielle Verbindung mit Rückkanal, kurze Rahmen | CRC-16 plus Neuübertragung bei Fehler |
| Sensorwert über I²C im selben Gerät | Meist gar nichts — kurze Leitung. Bei kritischen Werten Plausibilitätsprüfung im Code |
| Funkverbindung in eine Richtung | Vorwärtsfehlerkorrektur (im Funkstandard meist enthalten) plus CRC obendrauf |
| Firmware-Update | SHA-256 plus Signatur, zwei Speicherbereiche (A/B) mit Rückfallmöglichkeit |
| Konfiguration im Flash | CRC über den Datensatz, zwei Kopien im Wechsel, Sequenznummer (Speicher) |
| Langzeitarchiv | Prüfsummen je Datei plus regelmäßiges Nachprüfen (Scrubbing) — ZFS und btrfs tun das automatisch |
- Claude E. Shannon, A Mathematical Theory of Communication, Bell System Technical Journal, 1948 — die Originalarbeit, überraschend lesbar.
- David J. C. MacKay, Information Theory, Inference, and Learning Algorithms — kostenlos, mit Hamming, LDPC und Turbo-Codes.
- Ross N. Williams, A Painless Guide to CRC Error Detection Algorithms; Greg Cook, CRC RevEng Catalogue.
- Philip Koopman, Best CRC Polynomials (Carnegie Mellon) — welches Polynom bei welcher Nachrichtenlänge wirklich schützt.
- RFC 1951 (DEFLATE), Dokumentation zu Zstandard, ISO/IEC 18004 (QR-Code inklusive Fehlerkorrekturstufen).
03 / 09Rechnerarchitektur & Befehlssätze
Von-Neumann und Harvard
Von-Neumann
Ein gemeinsamer Speicher für Programm und Daten, ein Bus.
- Einfach und flexibel; Programme können sich selbst laden
- Der Bus ist der Flaschenhals: Befehl holen und Daten lesen konkurrieren
- PCs, die meisten Anwendungsprozessoren
Harvard
Getrennte Speicher und Busse für Programm und Daten, beide Zugriffe im selben Takt.
- Schneller und deterministischer
- AVR, PIC, viele DSPs
- Cortex-M nutzt eine modifizierte Form: getrennte Busse auf einen gemeinsamen Adressraum
Die Pipeline
| Konflikt (Hazard) | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Datenkonflikt | Ein Befehl braucht ein noch nicht zurückgeschriebenes Ergebnis | Forwarding, sonst Pipeline-Stillstand |
| Steuerungskonflikt | Nach einem Sprung ist unklar, welcher Befehl folgt | Sprungvorhersage; bei Fehlvorhersage wird die Pipeline verworfen |
| Ressourcenkonflikt | Zwei Stufen brauchen dieselbe Einheit | Einheit duplizieren oder Zugriff serialisieren |
Warum das für Mechatronik zählt: Tiefe Pipelines mit Sprungvorhersage machen die Ausführungszeit variabel. Für harte Echtzeit ist das ein Problem — deshalb haben Cortex-M0/M3/M4 nur drei Pipelinestufen, und deshalb geben Hersteller für sicherheitskritische Systeme Worst-Case-Zeiten statt Mittelwerten an (Betriebssysteme & Echtzeit).
Speicherhierarchie und Cache
| Ebene | Größe | Zugriffszeit | Verhältnis zum Register |
|---|---|---|---|
| Register | 32–256 Byte | < 1 Takt | 1× |
| L1-Cache | 16–64 kB je Kern | 3–5 Takte | ≈ 4× |
| L2-Cache | 256 kB – 2 MB | 10–20 Takte | ≈ 15× |
| L3-Cache | 4–64 MB, geteilt | 30–60 Takte | ≈ 45× |
| DRAM | GB | 200–400 Takte | ≈ 300× |
| SSD | TB | 10–100 µs | ≈ 100 000× |
- Cache-Line: kleinste Einheit, typisch 32 oder 64 Byte. Ein einziges gelesenes Byte holt die ganze Linie.
- Assoziativität: wie viele Plätze eine Adresse belegen darf. Direkt abgebildet ist billig, aber konfliktanfällig; 4- bis 16-fach ist üblich.
- Write-Through / Write-Back: sofort in den Hauptspeicher schreiben oder erst beim Verdrängen. Write-Back ist schneller, macht DMA-Zugriffe aber heikel.
- Kohärenz: Schreibt DMA oder ein zweiter Kern in den Speicher, muss der Cache invalidiert werden. Auf Cortex-M7 mit D-Cache die häufigste Ursache für „DMA liefert alte Daten“.
Was moderne Prozessoren zusätzlich tun
Die drei Befehlssatzfamilien
| Merkmal | ARM | RISC-V | x86-64 |
|---|---|---|---|
| Typ | RISC, Load/Store | RISC, Load/Store | CISC, intern in µOps zerlegt |
| Befehlslänge | 32 Bit; Thumb-2 gemischt 16/32 | 32 Bit; mit Extension C auch 16 | 1–15 Byte, variabel |
| Allzweckregister | 16 (AArch32) bzw. 31 (AArch64) | 32 | 16 |
| Lizenz | kostenpflichtig von Arm | offen, lizenzfrei implementierbar | Intel/AMD, faktisch geschlossen |
| Verbreitung | Mikrocontroller, Smartphones, Apple Silicon, Server | Mikrocontroller, Beschleuniger, zunehmend Linux-Systeme | PC, Server, Workstations |
| Werkzeuge | ausgereift, riesiges Ökosystem | GCC und LLVM vollständig, Debug-Ökosystem im Aufbau | ausgereift |
Cortex-Familien und RISC-V-Praxis
| Familie | Zielgruppe | Kerne | Merkmale |
|---|---|---|---|
| Cortex-M | Mikrocontroller | M0/M0+, M3, M4, M7, M33, M55, M85 | Deterministisch, NVIC, Thumb-2. M4 mit DSP-Befehlen und FPU, M33 mit TrustZone, M55/M85 mit Helium |
| Cortex-R | Echtzeit mit hoher Leistung | R5, R52, R82 | Lockstep für funktionale Sicherheit, eng gekoppelter Speicher (TCM). Festplatten, Modems, Bremssteuergeräte |
| Cortex-A | Anwendungsprozessoren | A53, A55, A76, A78, X-Serie | MMU, Linux/Android, Out-of-Order ab den A7x-Kernen |
Für die Mechatronik bleibt Cortex-M der Standard — STM32, nRF52/54, RP2350, SAM, LPC. Der Vorteil ist weniger der Kern selbst als die Tatsache, dass Debugger, RTOS und Compiler über alle Hersteller hinweg gleich funktionieren. Die Interruptlatenz ist dort fest zugesichert: 12 Takte bei M3/M4/M7, 15–16 bei M0/M0+.
Assembler und Optimierung
Assembler berechtigt bei
- Startup-Code und Vektortabelle vor der C-Laufzeit
- Kontextwechsel im RTOS
- Taktgenauen Wartezeiten, etwa beim Bit-Banging
- Spezialbefehlen, die der Compiler nicht erzeugt (Barrieren, WFI, Cache-Operationen)
Meist ein Fehler
- „Die Schleife in Assembler wird schneller“ — moderne Compiler gewinnen fast immer
- Ganze Algorithmen, die später gepflegt werden müssen
- Alles, was portabel bleiben soll
Erst messen, dann optimieren
Ein Zeitzähler um verdächtige Abschnitte oder ein GPIO-Pin am Oszilloskop ist auf Mikrocontrollern das direkteste Werkzeug (Embedded → Debug).Die üblichen Bremsen kennen
Fließkomma ohne FPU (Faktor 50–200),printf mit Formatierung, Division ohne Hardware-Divider, blockierende Wartezeiten, Zugriffe auf externes RAM. Und: -O2 statt -O0 bringt oft Faktor 3 bis 10.Algorithmus vor Mikrooptimierung
Nachschlagetabelle statt Winkelfunktion, bessere Komplexität, weniger Neuberechnung — das bringt Größenordnungen, Assembler-Tricks bringen Prozente.arm-none-eabi-objdump -d oder der Disassembler im Debugger zeigt, was der Compiler wirklich erzeugt hat: ob eine Optimierung greift, ob eine Variable wegoptimiert wurde (fehlendes volatile), warum eine ISR zu lange braucht. Compiler Explorer macht dasselbe im Browser für beliebige Zielarchitekturen.- Patterson & Hennessy, Computer Organization and Design — RISC-V Edition; Patterson & Waterman, The RISC-V Reader.
- Bryant & O'Hallaron, Computer Systems: A Programmer's Perspective, Kapitel 5 und 6.
- Ulrich Drepper, What Every Programmer Should Know About Memory, kostenlos.
- ARM Developer Documentation — Architecture Reference Manuals und Cortex-M Technical Reference Manuals mit Pipelinetiefe, Latenzen und Cache-Verhalten.
- RISC-V Specifications — Basisbefehlssatz, Erweiterungen und Profile.
04 / 09Betriebssysteme & Echtzeit
Harte, feste und weiche Echtzeit
| Art | Bei Fristverletzung | Beispiel |
|---|---|---|
| Hart | Systemversagen, möglicherweise Personenschaden | Airbagauslösung, Motorsteuerung, Not-Halt, Flugsteuerung |
| Fest | Das Ergebnis ist wertlos, aber ungefährlich | Ein verspäteter Videoframe wird verworfen |
| Weich | Qualitätsverlust, das Ergebnis zählt noch | Bedienoberfläche reagiert träge, Messwert kommt spät |
Prozesse, Threads, Tasks
Scheduling
| Verfahren | Prinzip | Echtzeitfähig | Wo |
|---|---|---|---|
| Kooperativ | Jede Task gibt freiwillig ab | nur bei diszipliniertem Code | Kleine Systeme, Arduino-artige Schleifen |
| Round Robin | Jede Task bekommt reihum eine Zeitscheibe | nein | Gleichrangige Hintergrundaufgaben |
| Prioritätsbasiert, verdrängend | Die höchstpriore lauffähige Task läuft — sofort | ja | FreeRTOS, Zephyr, alle klassischen RTOS |
| Rate Monotonic (RMS) | Kürzere Periode bekommt höhere Priorität | ja, mit beweisbarer Schranke | Klassische Auslegung periodischer Tasks |
| Earliest Deadline First | Nächste Frist zuerst | ja, theoretisch optimal | Selten implementiert, hoher Verwaltungsaufwand |
| CFS/EEVDF (Linux-Standard) | Fairness über Rechenzeitanteile | nein | Allzweckbetrieb |
| SCHED_FIFO mit PREEMPT_RT | Prioritätsbasiert unter Linux | weich bis fest | Industrie-PCs, Roboterrahmenwerke |
Die vier klassischen Nebenläufigkeitsprobleme
Lösung: kritischen Abschnitt schützen (Mutex, Interrupt sperren) — oder gar keine geteilten Daten.
Lösung: feste Reihenfolge beim Anfordern mehrerer Ressourcen, Zeitüberwachung beim Warten.
Lösung: Prioritätsvererbung im Mutex aktivieren (FreeRTOS und Zephyr können das).
Lösung: Auslastung begrenzen, hochpriore Tasks kurz halten, notfalls Prioritäten altern lassen.
Betriebssysteme in der Mechatronik
| System | Speicherbedarf | Charakter | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Kein OS („Bare Metal“) | — | Hauptschleife plus Interrupts | Bis etwa drei nebenläufige Aufgaben oft die beste Wahl |
| FreeRTOS | 5–10 kB Flash | Scheduler, Queues, Semaphore, Timer | Der verbreitetste Einstieg; in ESP-IDF und vielen Hersteller-SDKs enthalten |
| Zephyr | 10–50 kB | Vollständiges RTOS mit Treibermodell, Netzwerkstack, Devicetree | Wenn Portabilität, Konnektivität und langfristige Pflege zählen. Halbjährliche Releases, aktuell 4.4 (April 2026) |
| RIOT / NuttX / ThreadX | 10–60 kB | Alternativen mit eigenen Schwerpunkten (IoT, POSIX-Nähe, Zertifizierbarkeit) | Bei speziellen Anforderungen |
| Embedded Linux | ab ~16 MB RAM | Vollwertiges OS mit MMU, Netzwerk, Dateisystem | Bedienoberflächen, Kameras, komplexe Kommunikation — Echtzeit nur mit PREEMPT_RT und dann nur weich bis fest |
| Linux + PREEMPT_RT | — | Verdrängbarer Kernel, Latenzen im zweistelligen Mikrosekundenbereich | Roboterrahmenwerke, Industrie-PCs. Seit Kernel 6.12 (2024) vollständig im Hauptkernel |
| Asymmetrisch (AMP) | — | Ein Kern Linux, ein Kern RTOS oder Bare Metal | Der übliche Aufbau moderner Antriebs- und Robotersteuerungen |
Die Praxis steht nebenan: Tasks anlegen, Stacks dimensionieren, Queues und Semaphore benutzen, Interruptroutinen schreiben und Prioritäten vergeben — das behandelt Embedded & Firmware → RTOS und → Interrupts am konkreten Controller. Hier steht nur, warum die Verfahren so aussehen, wie sie aussehen.
- Tanenbaum, Moderne Betriebssysteme, Pearson.
- Liu & Layland, Scheduling Algorithms for Multiprogramming in a Hard-Real-Time Environment, JACM 1973 — die Rate-Monotonic-Schranke.
- Mastering the FreeRTOS Real Time Kernel — kostenloses offizielles Handbuch.
- Zephyr Project Documentation; Linux Foundation Real-Time Linux Project.
- Glenn Reeves, What Really Happened on Mars — Originalbericht zur Prioritätsinversion beim Mars Pathfinder.
05 / 09Softwaretechnik & Werkzeuge
Git — das Minimum, das man wirklich braucht
Build-Systeme und Reproduzierbarkeit
| System | Charakter | Typisch für |
|---|---|---|
| Make | Alt, überall vorhanden, eigenwillige Syntax | Kleine Projekte, Skripte, Hersteller-Beispiele |
| CMake | Generator für andere Build-Systeme; faktisch Standard in C und C++ | ESP-IDF, Zephyr, STM32Cube-Projekte, alles Plattformübergreifende |
| PlatformIO | Setzt auf SCons auf, verwaltet Toolchains und Bibliotheken automatisch | Der bequemste Einstieg für Arduino- und ESP-Projekte mit ordentlicher Struktur |
| West (Zephyr) | Verwaltet Repositories, Konfiguration und Build in einem | Zephyr-basierte Projekte |
| Bazel / Meson | Sehr reproduzierbar bzw. sehr schnell | Große Codebasen; im Embedded-Bereich noch selten |
Reproduzierbarkeit ist wichtiger als Eleganz. Ein Build, der auf einem anderen Rechner oder in einem Jahr nicht mehr läuft, ist wertlos — genau dann, wenn man Firmware nachbauen muss. Toolchain-Version festschreiben, Abhängigkeiten fixieren, im Zweifel alles in einen Container packen. Ein Skript build.sh, das von null bis zur Binärdatei durchläuft, ist die einfachste Form der Dokumentation. Welche Toolchain zu welchem Controller gehört, steht in Embedded & Firmware → Toolchain.
Testen von eingebetteter Software
libFuzzer oder AFL++ finden in Minuten Pufferüberläufe, die manuelle Tests nie erwischen — Pflicht für alles, was Daten von außen annimmt (Security).Statische Analyse und Compiler-Schalter
| Werkzeug | Findet | Anmerkung |
|---|---|---|
| -Wall -Wextra -Werror | Die meisten typischen Fehler | Kostet nichts; -Werror zwingt dazu, Warnungen wirklich zu beheben |
| -fanalyzer (GCC) | Nullzeiger, doppelte Freigabe, Lecks | Seit GCC 10 eingebaut, ohne Zusatzwerkzeug |
| clang-tidy | Stil, Fehlermuster, moderne Alternativen | Gut in Editoren integrierbar |
| cppcheck | Klassische C-Fehler | Schnell, wenige Fehlalarme, kostenlos |
| -fsanitize=address,undefined | Speicherfehler und undefiniertes Verhalten zur Laufzeit | Nur in PC-Tests, nicht auf dem Zielsystem — dort aber extrem wirksam |
| MISRA C / CERT C | Regelwerke für sicherheitskritischen Code | Pflicht in Automotive und Medizintechnik; einzelne Regeln lohnen überall |
volatile, vorzeichenbehaftete Vergleiche, implizite Verkürzung, nicht initialisierte Variablen — meldet der Compiler bereits, wenn man ihn lässt. Wer eine Warnung nicht versteht, hat einen Fehler gefunden, keinen Fehlalarm.Was in jedes Projekt gehört
README mit dem Wesentlichen
Was ist das, wie baut man es, wie flasht man es, welche Hardware wird gebraucht. Der spätere Leser ist meistens man selbst in zwei Jahren.Versionsnummer in der Firmware
Aus dem Git-Stand erzeugt und zur Laufzeit abfragbar. Ohne das lässt sich nie sicher sagen, welcher Code läuft.Ein Ordner für Dokumentation
Datenblätter, Pinbelegung, Schaltplan als PDF, Notizen zu Entscheidungen. Minimaler Aufwand, später riesiger Nutzen.Diagnoseausgabe von Anfang an
Eine serielle Konsole mit Statuszeilen und Log-Stufen kostet 20 Zeilen Code und ist beim ersten Problem Gold wert — Vorgehen bei der Fehlersuche in Lernpfad → Debugging.Sicherungskopien außerhalb des Rechners
Ein Repository auf einer zweiten Maschine oder einem Dienst. Eine defekte SSD ist die banalste Art, ein halbes Jahr Arbeit zu verlieren.- Scott Chacon, Ben Straub, Pro Git — kostenlos, auch auf Deutsch.
- James Grenning, Test Driven Development for Embedded C, Pragmatic Bookshelf.
- Elecia White, Making Embedded Systems, O'Reilly — Struktur und Werkzeuge im Überblick.
- Interrupt (Memfault Blog) — praxisnahe Artikel zu Debugging, Build-Systemen und Firmware-Betrieb.
- PlatformIO- und ESP-IDF-Dokumentation; MISRA C:2023.
06 / 09Netzwerke & TCP/IP
Das Schichtenmodell
| OSI | TCP/IP | Aufgabe | Beispiele | Adressierung |
|---|---|---|---|---|
| 7 Anwendung 6 Darstellung 5 Sitzung | Anwendung | Was inhaltlich übertragen wird | HTTP, MQTT, Modbus TCP, DNS, TLS | URL, Topic |
| 4 Transport | Transport | Ende-zu-Ende, Zuverlässigkeit, Multiplexen | TCP, UDP, QUIC | Portnummer |
| 3 Vermittlung | Internet | Wegewahl über Netzgrenzen | IPv4, IPv6, ICMP | IP-Adresse |
| 2 Sicherung | Netzzugang | Rahmen, Fehlererkennung, Medienzugriff | Ethernet, WLAN, CAN, PPP | MAC-Adresse |
| 1 Bitübertragung | Netzzugang | Pegel, Leitungscodierung, Stecker | 100BASE-TX, 10BASE-T1S, Funkmodulation | — |
TCP oder UDP
TCP
- Verbindungsorientiert, Reihenfolge garantiert, Wiederholung bei Verlust
- Fluss- und Staukontrolle
- Handshake kostet eine Rundlaufzeit vor dem ersten Byte
- Verzögerung schwankt: Ein verlorenes Paket blockiert alles dahinter (Head-of-Line-Blocking)
- Für Dateiübertragung, Weboberflächen, MQTT, Modbus TCP
UDP
- Verbindungslos, keine Garantie für Ankunft oder Reihenfolge
- Minimaler Overhead, keine Wartezeit vor dem Senden
- Die Anwendung entscheidet selbst, was bei Verlust passiert
- Für Sensordaten mit hoher Rate, Zeitsynchronisation, Sprache und Video, Rundsendungen (Discovery)
Die Faustregel: Wenn ein veralteter Wert schlimmer ist als ein fehlender, nimm UDP — ein Sensor, der zehnmal je Sekunde sendet, braucht keine Wiederholung. Wenn jedes Byte ankommen muss und Verzögerung zweitrangig ist, nimm TCP. QUIC ist der dritte Weg: TCP-artige Zuverlässigkeit je Datenstrom, aber auf UDP und ohne gemeinsames Head-of-Line-Blocking.
Adressen und Ports
geraet.local) erspart feste Adressen und DHCP-Reservierungen; ESP32 und Raspberry Pi können das ab Werk. Für dauerhafte Installationen ist eine DHCP-Reservierung nach MAC-Adresse trotzdem robuster — mDNS scheitert in manchen Netzen an der Multicast-Filterung.Ethernet in der Praxis
| Variante | Rate | Medium | Reichweite | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| 10BASE-T1S | 10 Mbit/s | ein verdrilltes Paar, Multidrop | 25 m, mindestens 8 Knoten am Strang | Fahrzeug- und Sensornetze; ersetzt CAN in kostensensiblen Zweigen |
| 10BASE-T1L | 10 Mbit/s | ein Paar | bis 1000 m | Prozessindustrie (Ethernet-APL), auch im Ex-Bereich |
| 100BASE-TX | 100 Mbit/s | 2 Paare, Cat5 | 100 m | Der Standard in der Industrieautomation |
| 1000BASE-T | 1 Gbit/s | 4 Paare, Cat5e | 100 m | Bürobereich, Kameras, Server |
| PoE (802.3af/at/bt) | — | Strom über dasselbe Kabel | bis 90 W ab Speisegerät (Typ 4) | Kameras, Access Points, Sensoren |
TSN (Time-Sensitive Networking) ergänzt Ethernet um Zeitsynchronisation (IEEE 802.1AS), Zeitschlitze für garantierte Übertragung (802.1Qbv) und Redundanz — damit teilen sich harte Echtzeit und normaler Datenverkehr dasselbe Kabel. Deshalb setzen PROFINET, EtherCAT und OPC UA zunehmend darauf; Feldbusdetails in Automatisierung → Feldbusse.
Anwendungsprotokolle für Geräte
| Protokoll | Modell | Transport | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| MQTT | Publish/Subscribe über Broker | TCP, meist mit TLS | Sehr schlank, viele Geräte, Pufferung über QoS-Stufen | Broker ist ein zentraler Ausfallpunkt |
| HTTP/REST | Anfrage/Antwort | TCP | Überall unterstützt, leicht zu testen | Viel Overhead, kein Push ohne Zusatztechnik |
| CoAP | REST-artig | UDP | Sehr sparsam, für batteriebetriebene Knoten | Weniger verbreitet |
| Modbus TCP | Register lesen/schreiben | TCP, Port 502 | Extrem einfach, in der Industrie allgegenwärtig | Keine Sicherheit, keine Selbstbeschreibung |
| OPC UA | Informationsmodell mit Typen | TCP oder MQTT | Selbstbeschreibend, verschlüsselt, herstellerübergreifend | Anspruchsvoll, für kleine Controller schwer |
| Matter | Gerätetypen mit Clustern | IPv6 über Thread, WLAN, Ethernet | Herstellerübergreifende Hausautomation, lokal ohne Cloud | Zertifizierung nötig; Spezifikation wächst halbjährlich (1.6 seit Juni 2026) |
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Schicht 1 — Physik
Link-LED an? Kabel getauscht? Bei Industrienetzen: Abschlusswiderstände vorhanden? Ein Kabeltester spart Stunden.Schicht 2 — Sicherung
Ist die MAC-Adresse im Switch sichtbar? Bei WLAN verbunden, aber keine IP? Dann liegt es an DHCP oder Authentifizierung.Schicht 3 — Vermittlung
ping zur Gegenstelle, dann zum Gateway, dann nach draußen. Passen Adresse, Maske und Gateway zusammen? Zwei Geräte mit derselben Adresse erzeugen sporadische Ausfälle.Schicht 4 — Transport
Ist der Port offen?nc -vz host port oder ss -tlnp auf dem Zielsystem. Häufigste Ursache: eine Firewall oder ein Dienst, der nur an 127.0.0.1 lauscht.Anwendung
Mit Wireshark mitschneiden. Die meisten „unerklärlichen“ Probleme sind nach fünf Minuten Mitschnitt erklärt: sichtbare Neuübertragungen, ein abgelehnter Handshake, ein abgelaufenes Zertifikat.- Tanenbaum & Wetherall, Computernetzwerke, Pearson; Kurose & Ross, Computer Networking: A Top-Down Approach.
- Beej's Guide to Network Programming, kostenlos.
- RFC 9293 (TCP, ersetzt RFC 793), RFC 768 (UDP), RFC 8200 (IPv6), RFC 9000 (QUIC), MQTT 5.0 (OASIS).
- IEEE 802.3 für die Ethernet-Varianten (802.3cg für 10BASE-T1S/T1L, 802.3bt für PoE), IEEE 802.1 für TSN.
- Connectivity Standards Alliance — Matter-Spezifikation und Gerätetypen.
07 / 09Funk & Wireless
Die Techniken im Vergleich
| Technik | Band | Datenrate | Reichweite | Strom | Topologie | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| WLAN 4 (802.11n) | 2,4 GHz | bis 150 Mbit/s brutto | 30–70 m innen | hoch | Stern | ESP8266/ESP32, alles mit vorhandenem Netz |
| WLAN 6 / 6E | 2,4 / 5 / 6 GHz | bis mehrere Gbit/s | ähnlich | hoch | Stern | ESP32-C6 (2,4 GHz), ESP32-C5 (2,4 und 5 GHz) |
| Bluetooth LE 5.x/6.x | 2,4 GHz | 0,125 / 0,5 / 1 / 2 Mbit/s | 10–100 m | sehr niedrig | Stern, Mesh optional | Sensoren, Bedienung per Handy, Wearables; ab 6.0 Channel Sounding zur Entfernungsmessung |
| Thread / Zigbee | 2,4 GHz (802.15.4) | 250 kbit/s | 10–30 m je Sprung | niedrig | Mesh | Hausautomation; Thread trägt IPv6 und ist die Grundlage von Matter |
| LoRa / LoRaWAN | 868 MHz (EU) | 0,3–50 kbit/s | 2–15 km | sehr niedrig | Stern über Gateway | Sensoren im Feld, Landwirtschaft, Zählerfernauslesung |
| NB-IoT / LTE-M | lizenziert | 20–1000 kbit/s | Mobilfunkabdeckung | niedrig bis mittel | Zellnetz | Geräte ohne eigenes Netz; braucht SIM und Vertrag |
| Sub-GHz proprietär | 433 / 868 MHz | 1–500 kbit/s | 100 m – 2 km | niedrig | frei wählbar | Fernsteuerungen, eigene Sensornetze (nRF24, CC1101, SX127x) |
| UWB | 6–8,5 GHz (EU) | bis 27 Mbit/s | 10–50 m | mittel | Punkt zu Punkt | Entfernungsmessung auf Zentimeter genau, Zutrittssysteme |
| NFC / RFID | 13,56 MHz | 106–424 kbit/s | < 10 cm | passiv möglich | Leser zu Tag | Identifikation, Konfiguration ohne Batterie |
Welche Technik wofür
| Technik | Reichweite | Datenrate | Sparsam | Einfach | Günstig |
|---|---|---|---|---|---|
| WLAN2,4 / 5 GHz | 2 von 5 | 5 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 5 von 5 |
| StarkVorhandenes Netz, TCP/IP direkt, jede Bibliothek, billigste Module. SchwachStromhungrig, Verbindungsaufbau dauert, überfülltes 2,4-GHz-Band. Nimm es fürAlles am Netzteil: Anzeigen, Kameras, MQTT-Sensoren im Haus. | |||||
| Bluetooth LE2,4 GHz | 2 von 5 | 3 von 5 | 5 von 5 | 3 von 5 | 4 von 5 |
| StarkSehr sparsam, das Handy als Bedienoberfläche, Beacons ohne Verbindung. SchwachKurze Reichweite, kleine Pakete, der Stack braucht Einarbeitung. Nimm es fürBatteriegeräte mit Handy-App, Wearables, Sensoren im Raum. | |||||
| Thread / Zigbee802.15.4 Mesh | 3 von 5 | 2 von 5 | 4 von 5 | 2 von 5 | 3 von 5 |
| StarkMesh verlängert die Reichweite mit jedem Knoten, Matter-Basis, sparsam. SchwachBorder Router nötig, komplexer Stack, wenig Bandbreite. Nimm es fürHausautomation mit vielen Knoten. | |||||
| LoRa / LoRaWAN868 MHz | 5 von 5 | 1 von 5 | 5 von 5 | 3 von 5 | 3 von 5 |
| StarkKilometer mit Milliwatt, Jahre aus einer Batterie. SchwachWenige Bytes je Nachricht, Sendezeitbegrenzung, Gateway nötig. Nimm es fürSensoren im Feld: Wetter, Zähler, Landwirtschaft. | |||||
| NB-IoT / LTE-MMobilfunk | 5 von 5 | 3 von 5 | 3 von 5 | 2 von 5 | 1 von 5 |
| StarkFunktioniert überall mit Mobilfunkabdeckung, kein eigenes Netz. SchwachSIM und Vertrag, laufende Kosten, teurere Module. Nimm es fürVerstreute Geräte ohne eigene Infrastruktur, Tracker. | |||||
| Sub-GHz proprietär433 / 868 MHz | 4 von 5 | 2 von 5 | 4 von 5 | 4 von 5 | 5 von 5 |
| StarkEinfaches Punkt-zu-Punkt, günstige Module, gute Gebäudedurchdringung. SchwachProtokoll selbst, keine Interoperabilität, Duty-Cycle-Regeln beachten. Nimm es fürFernsteuerungen, eigene Sensornetze, Garten und Werkstatt. | |||||
Punkte sind Einordnungen typischer Vertreter (5 = sehr gut), keine Messwerte. Sie helfen bei der Vorauswahl — entschieden wird am Datenblatt.
Was die Reichweite wirklich bestimmt
| Faktor | Größenordnung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Sendeleistung | 0–20 dBm (1–100 mW) | Gesetzlich gedeckelt: 20 dBm EIRP bei 2,4 GHz, 14 dBm ERP bei 868 MHz mit Sendezeitbegrenzung |
| Freiraumdämpfung | 40 dB auf 1 m bei 2,4 GHz, +6 dB je Verdopplung der Entfernung | Niedrigere Frequenz heißt weniger Dämpfung — deshalb kommt 868 MHz weiter als 2,4 GHz |
| Gipskartonwand | 3–5 dB | Kaum ein Problem |
| Stahlbetonwand | 15–30 dB | Der übliche Grund für Funklöcher |
| Metallgehäuse | > 40 dB | Antenne muss nach außen oder hinter ein Kunststofffenster |
| Empfängerempfindlichkeit | −90 dBm (WLAN) bis −148 dBm (LoRa, SF12) | Jedes Dezibel Empfindlichkeit ist ein Dezibel Reichweitenreserve |
Antennen — die häufigsten Fehler
Regulatorisches in der EU
| Band | Grenzwert | Besonderheit |
|---|---|---|
| 433,05–434,79 MHz | 10 dBm ERP | Sendezeitbegrenzung je nach Unterband; stark belegt durch Fernbedienungen |
| 863–870 MHz | 14 dBm ERP | Duty Cycle 0,1 % bis 10 % je Unterband — LoRaWAN plant das aktiv ein |
| 2400–2483,5 MHz | 20 dBm EIRP | Frequenzsprung oder Spreizung vorgeschrieben; geteilt mit WLAN, BLE, Zigbee, Mikrowellenherden |
| 5150–5350 MHz | 23 dBm EIRP, nur innen | Im Bereich 5250–5350 MHz zusätzlich DFS (Radarerkennung) und Leistungsregelung TPC |
Für Eigenbauten gilt: Ein zertifiziertes Funkmodul mit eigener Konformitätserklärung erspart praktisch die gesamte Funkprüfung — man muss nur die Einbauvorschriften des Moduls einhalten. Ein selbst entworfener Funkteil bedeutet dagegen eine vollständige Bewertung nach der Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EU (RED); die Sicherheitsanforderungen daraus stehen unter Security & Kryptografie. Das ist der Hauptgrund, warum ESP32- und nRF-Module in Fertiggeräten so verbreitet sind.
Auswahl in drei Fragen
Gibt es eine Infrastruktur?
WLAN im Haus vorhanden → ESP32 ist der kürzeste Weg. Kein Netz → LoRa mit eigenem Gateway oder Mobilfunk.Wie lange muss die Batterie halten?
Jahre auf einer Knopfzelle → BLE oder LoRa mit seltenen Sendevorgängen. Netzbetrieb → WLAN unproblematisch. Entscheidend ist der Ruhestrom zwischen den Sendevorgängen, nicht der Sendestrom (Embedded → Stromverbrauch).Wie viele Geräte, und reden sie miteinander?
Viele Knoten ohne durchgehende Abdeckung → Mesh (Thread, Zigbee, BLE Mesh). Wenige Knoten an einem Punkt → Stern.- ETSI EN 300 220 (Sub-GHz-SRD) und ETSI EN 300 328 (2,4 GHz) — die maßgeblichen europäischen Funknormen.
- Funkanlagenrichtlinie 2014/53/EU (RED) und die SRD-Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur.
- Texas Instruments, Antenna Selection Guide.
- Hardware Design Guidelines von Espressif, Nordic Semiconductor und Semtech — Keep-Out-Zonen und Anpassnetzwerke stehen dort verbindlich.
- LoRa Alliance, Bluetooth SIG und Connectivity Standards Alliance.
08 / 09Signalverarbeitung & DSP
Abtastung und Aliasing
Die FFT richtig anwenden
| Größe | Formel | Beispiel bei f_s = 10 kHz, N = 1024 |
|---|---|---|
| Frequenzauflösung | Δf = f_s / N | 9,77 Hz je Bin |
| Höchste darstellbare Frequenz | f_s / 2 | 5 kHz (Bin 512) |
| Messdauer | N / f_s | 102,4 ms — die Auflösung folgt direkt aus der Beobachtungsdauer |
| Aufwand | O(N·log N) | Deshalb „schnell“; die direkte DFT wäre O(N²) |
Der wichtigste Zusammenhang: Feinere Frequenzauflösung gibt es nur durch längere Messdauer. Wer 1 Hz auflösen will, muss mindestens eine Sekunde messen — unabhängig von Abtastrate und Rechenleistung. Zero-Padding erzeugt mehr Stützstellen, aber keine zusätzliche Auflösung.
Fensterfunktionen
Die FFT nimmt an, das Signal wiederhole sich periodisch mit der Blocklänge. Passt die Frequenz nicht exakt in ein Vielfaches, entsteht ein Sprung an der Blockgrenze, der Energie über das ganze Spektrum verschmiert (Leck-Effekt).
| Fenster | Höchster Nebenzipfel | Hauptzipfelbreite | Wofür |
|---|---|---|---|
| Rechteck (kein Fenster) | −13 dB | schmal | Nur bei exakt periodischen Signalen oder Impulsen |
| Hann | −31 dB | mittel | Der vernünftige Standard für allgemeine Analyse |
| Hamming | −43 dB | mittel | Wenn ein starker Nachbarton unterdrückt werden muss |
| Blackman-Harris | −92 dB | breit | Sehr großer Dynamikumfang, dafür schlechte Trennschärfe |
| Flat Top | −90 dB | sehr breit | Amplitudengenaue Messung eines einzelnen Tons |
Digitale Filter, die man wirklich braucht
Praktische Rezepte
Drehzahl aus einem Encoder
Bei hoher Drehzahl Impulse in einem festen Zeitfenster zählen, bei niedriger die Periodendauer messen. Gute Implementierungen wechseln zwischen beiden Verfahren (Regelung → Position).Nulldurchgang bestimmen
Mit Hysterese arbeiten, sonst löst Rauschen mehrfach aus. Für höhere Genauigkeit linear zwischen den beiden Abtastwerten um den Nulldurchgang interpolieren.Effektivwert eines Wechselstroms
Quadrate über eine ganze Anzahl Perioden summieren, mitteln, Wurzel ziehen. Bei unbekannter Frequenz über ein deutlich längeres Fenster mitteln.Frequenz genauer als ein Bin
Parabolische Interpolation über die drei Magnituden um das Maximum — mit Hann-Fenster typisch eine Größenordnung genauer als der reine Bin-Index.Rechenlast begrenzen
Die FFT im Hintergrund über einen per DMA gefüllten Puffer rechnen, nie in der Interruptroutine. CMSIS-DSP (Cortex-M) und ESP-DSP nutzen eingebaute Beschleuniger und sind um ein Vielfaches schneller als eigener C-Code.- Richard G. Lyons, Understanding Digital Signal Processing, Pearson — der beste Einstieg, praxisnah.
- Steven W. Smith, The Scientist and Engineer's Guide to Digital Signal Processing — vollständig kostenlos online.
- Fredric J. Harris, On the Use of Windows for Harmonic Analysis with the Discrete Fourier Transform, Proc. IEEE 1978 — die Referenz zu Fensterfunktionen.
- CMSIS-DSP — optimierte Filter- und FFT-Bibliothek für Cortex-M.
- scipy.signal — Filter am PC entwerfen und prüfen, bevor sie auf den Controller kommen.
09 / 09Security & Kryptografie
Bedrohungsmodell in fünf Fragen
Was ist schützenswert?
Messdaten, Steuerungsfähigkeit, Firmware als geistiges Eigentum, Zugangsdaten zu anderen Systemen — oder schlicht die Verfügbarkeit.Wer greift an?
Neugieriger Nutzer, automatisierter Scanner aus dem Internet, gezielter Angreifer mit physischem Zugriff, jemand mit Laborausrüstung. Der nötige Aufwand skaliert sehr unterschiedlich.Über welchen Weg?
Netzwerk, Funk, Debug-Schnittstelle, Firmware-Update, Lieferkette, Speicherkarte.Was ist der Schaden?
Peinlich, teuer oder gefährlich? Ein manipulierter Heizungsregler ist etwas anderes als eine ausgelesene Temperaturkurve.Was ist vertretbarer Aufwand?
Perfekte Sicherheit gibt es nicht. Ziel ist, den Angriff teurer zu machen als den möglichen Gewinn.Die kryptografischen Bausteine
| Baustein | Leistet | Leistet nicht | Aktuelle Wahl |
|---|---|---|---|
| Hash | Integrität, Fingerabdruck | Keine Vertraulichkeit, keine Authentizität | SHA-256, SHA-3, BLAKE2 |
| MAC | Integrität und Authentizität mit geteiltem Schlüssel | Keine Vertraulichkeit, keine Nichtabstreitbarkeit | HMAC-SHA256, Poly1305 |
| Symmetrische Verschlüsselung | Vertraulichkeit | Ohne MAC keine Integrität | AES-256-GCM, ChaCha20-Poly1305 (beides AEAD) |
| Signatur (asymmetrisch) | Authentizität, Nichtabstreitbarkeit | Langsam für große Datenmengen | Ed25519, ECDSA P-256 |
| Schlüsselaustausch | Gemeinsames Geheimnis über unsicheren Kanal | Ohne Authentifizierung angreifbar | X25519 (ECDH), zunehmend hybrid mit ML-KEM |
| Passwort-Hash | Passwörter speichern | Kein Ersatz für Verschlüsselung | Argon2id, scrypt, bcrypt — nie SHA allein |
| Zufallszahlen | Grundlage von allem | — | Hardware-TRNG des Controllers; rand() ist kryptografisch wertlos |
Schlüssellängen und Sicherheitsniveaus
| Sicherheitsniveau | Symmetrisch | RSA / DH | ECC | Hash | Einordnung |
|---|---|---|---|---|---|
| 112 Bit | 3DES | 2048 Bit | 224–255 Bit | SHA-224 | Auslaufend — für Neuentwicklungen nicht mehr wählen |
| 128 Bit | AES-128 | 3072 Bit | 256 Bit (P-256, Curve25519) | SHA-256 | Der heutige Normalfall |
| 192 Bit | AES-192 | 7680 Bit | 384 Bit (P-384) | SHA-384 | Hohe Anforderungen |
| 256 Bit | AES-256 | 15360 Bit | 512 Bit (P-521) | SHA-512 | Langfristig; RSA wird hier praktisch unbrauchbar |
Warum ECC auf Mikrocontrollern gewinnt: 256 Bit ECC leisten dasselbe wie 3072 Bit RSA — bei einem Bruchteil an Rechenzeit, RAM und Übertragungsvolumen. Deshalb sind ECC-Zertifikate für kleine Controller oft der Unterschied zwischen „TLS läuft“ und „RAM reicht nicht“. BSI TR-02102-1 nennt als Untergrenzen AES ab 128 Bit, RSA/DH ab 3000 Bit und ECC ab 250 Bit.
Sicherer Betrieb eines Geräts
TLS in eingebetteten Systemen
| Punkt | Was oft schiefgeht | Richtig |
|---|---|---|
| Zertifikatsprüfung | Abgeschaltet, weil es „sonst nicht geht“ | Wurzelzertifikat einbetten und prüfen; ohne Prüfung ist TLS wertlos |
| Uhrzeit | Ohne gültige Zeit schlägt jede Gültigkeitsprüfung fehl | NTP vor dem ersten TLS-Aufbau oder eine gepufferte Echtzeituhr |
| Zertifikatsablauf | Das eingebettete Wurzelzertifikat läuft nach Jahren ab | Aktualisierbar gestalten oder ein langlebiges Wurzelzertifikat wählen |
| Speicherbedarf | Der Handshake sprengt den RAM kleiner Controller | Elliptische Kurven statt RSA, kleinere Puffer, oder DTLS über UDP |
| Zufall | Schwache Zufallszahlen beim Schlüsselaustausch | Hardware-TRNG verwenden, Entropie beim ersten Start sammeln |
Regulatorischer Rahmen in der EU
Für private Projekte gilt das nicht — für alles, was in Verkehr gebracht wird, schon. Wer heute ein Produkt entwirft, plant Update-Fähigkeit und Schwachstellenprozess von Anfang an ein, weil beides nachträglich kaum einzubauen ist.
Die wirksamsten Maßnahmen
- OWASP IoT Top 10 — die häufigsten Schwachstellen vernetzter Geräte.
- BSI TR-02102-1 (kryptografische Verfahren und Schlüssellängen, jährlich aktualisiert) und NIST SP 800-57 Part 1.
- NIST FIPS 203/204/205 (ML-KEM, ML-DSA, SLH-DSA) und SP 800-208 (LMS/XMSS für Firmware-Signaturen).
- EN 18031-1/-2/-3 zu RED Artikel 3(3); Verordnung (EU) 2024/2847 — Cyber Resilience Act.
- Jean-Philippe Aumasson, Serious Cryptography, No Starch Press — verständlich und aktuell.