Automatisierung & Robotik

Referenz ⚙️ Mechatronik 11 Abschnitte Stand 26.08.2026

Vom SPS-Zyklus bis zum lernenden Roboter: IEC-61131-Programmierung, Feldbusse, Schaltschrank und funktionale Sicherheit — und der Robotik-Stack von der Kinematik über die Hardware bis zu ROS 2 und Robot Learning.

01 / 11Start & Landkarte

Automatisierung und Robotik sind Mechatronik im Systemmaßstab. Die SPS-Welt optimiert auf Verfügbarkeit über Jahrzehnte, Wartbarkeit durch Dritte und nachweisbare Sicherheit; die Robotik verbindet dieselbe Antriebs- und Sensortechnik mit Kinematik, Wahrnehmung und zunehmend gelerntem Verhalten.

Landkarte: SPS & Industrie

Landkarte: Robotik

Regelungstheorie, Motoren, Encoder und Treiber wohnen im Modul Regelung, Sensoren & Motoren — hier wird nur darauf verwiesen, nichts doppelt erklärt.

SPS oder Mikrocontroller?

KriteriumSPSMikrocontroller
Robustheit im Schaltschrankausgelegt für 24 V, EMV, Temperatur, Vibrationmuss selbst dafür ausgelegt werden
Wartbarkeit durch Drittesehr gut — KOP liest jeder Instandhalterabhängig von Entwickler und Doku
Ersatzteil-Verfügbarkeit10–20 Jahre zugesichertBauteile werden abgekündigt
Funktionale Sicherheitzertifizierte Sicherheits-SPS verfügbareigene Zertifizierung sehr aufwendig
Rechenleistung je Eurogeringsehr hoch
Zykluszeit1–10 ms typisch, deterministischMikrosekunden möglich
Einordnung für eigene Projekte: Eine SPS lohnt sich, wenn eine Anlage über Jahre laufen, von anderen gewartet werden oder zertifizierte Sicherheitsfunktionen tragen soll. Sonst ist ein Mikrocontroller billiger und flexibler. Der günstigste Einstieg in die SPS-Welt: gebrauchte Hardware (S7-1200, Beckhoff CX) oder CODESYS auf einem Raspberry Pi.

Was beide Welten verbindet

Prozessabbild statt direkter Zugriff
Eingänge einmal je Zyklus lesen, Ausgänge am Ende schreiben — konsistenter Zustand, keine Wettlaufsituationen. Dasselbe Muster nutzt jede saubere Regelschleife.
Schrittketten = Zustandsautomaten
Abläufe als benannte Schritte mit Weiterschaltbedingung und Zeitüberwachung — in der SPS wie im Roboter-Verhalten.
Definierter sicherer Zustand
Was passiert bei Spannungsausfall, Sensordefekt, Kommunikationsabbruch? In beiden Welten Pflichtfrage, nicht Kür.
Dokumentation als Teil des Produkts
Stromlaufplan und Klemmenplan hier, URDF und Parameterdatei dort — ein System ohne aktuellen Plan ist nicht wartbar.
Grundlage dieses Moduls
  • John & Tiegelkamp, SPS-Programmierung mit IEC 61131-3, Springer Vieweg; Wellenreuther & Zastrow, Automatisieren mit SPS, Springer Vieweg.
  • Lynch & Park, Modern Robotics, Cambridge University Press — frei verfügbar.
  • IEC 61131-3:2025; Herstellerunterlagen von Siemens (TIA Portal), Beckhoff Infosys, CODESYS Online Help.
  • ROS 2 Documentation.

02 / 11SPS: Aufbau & Zyklus

Eine SPS arbeitet zyklisch: Eingänge einlesen, Programm durchrechnen, Ausgänge schreiben, wiederholen. Diese simple Struktur ist der Grund für die Robustheit — keine Nebenläufigkeit, keine Wettlaufsituationen, exakt vorhersagbares Zeitverhalten.

Der Zyklus

1 · Eingänge lesen (PAE) 2 · Programm bearbeiten 3 · Ausgänge schreiben (PAA) 4 · Systemaufgaben Zykluszeit
  • 1 · Prozessabbild der Eingänge (PAE): Alle Eingänge werden gleichzeitig in einen Speicherbereich kopiert — das Programm arbeitet mit einem konsistenten Stand.
  • 2 · Programmbearbeitung: Der Code läuft von oben nach unten, ausschließlich auf dem Prozessabbild. Kein Klemmenzugriff während der Bearbeitung — deterministisch und nachvollziehbar.
  • 3 · Prozessabbild der Ausgänge (PAA): Die berechneten Werte werden gemeinsam auf die Klemmen geschrieben — keine Zwischenzustände nach außen.
  • 4 · Systemaufgaben: Kommunikation, Diagnose, Onlinezugriff. Läuft im selben Zyklus mit, deshalb ist die Zykluszeit lastabhängig.
Die Zykluszeit ist eine Totzeit. Ein Ereignis direkt nach dem Einlesen wirkt sich erst nach im Mittel einer halben, schlimmstenfalls einer ganzen Zykluszeit aus. Für schnelle Vorgänge: Weckalarme (feste Zeitscheibe), Prozessalarme (interruptgesteuert) oder intelligente Technologiebaugruppen.

Aufbau einer Steuerung

Zentralbaugruppe (CPU)
Prozessor, Speicher, Schnittstellen. Auswahl nach Programmspeicher, Zykluszeit und Anzahl der Verbindungen.
Digitale E/A
24 V DC ist Standard. Eingänge nach IEC 61131-2 (Typ 1/2/3), Ausgänge als Transistor (schnell, 0,5–2 A) oder Relais (potentialfrei, auch AC).
Analoge E/A
0–10 V, ±10 V, 0/4–20 mA; Auflösung typisch 12–16 Bit. Für Pt100 und Thermoelemente eigene Baugruppen.
Technologiebaugruppen
Schnelle Zähler, Positionierung, Wägetechnik — entlasten die CPU von Zeitkritischem.
Sicherheitsbaugruppen (F-Module)
Fehlersichere E/A mit Redundanz und Testimpulsen. Nur diese dürfen Sicherheitsfunktionen tragen — siehe Funktionale Sicherheit.
Dezentrale Peripherie
E/A-Module an der Maschine, per Feldbus angebunden — der Standard in modernen Anlagen, spart Verdrahtung.

Adressierung, Datentypen, Eingangstypen

BereichSiemensIEC-SchreibweiseBedeutung
EingängeE 0.0 / EW 64%IX0.0 / %IW64Prozessabbild der Eingänge
AusgängeA 0.0 / AW 64%QX0.0 / %QW64Prozessabbild der Ausgänge
MerkerM 10.0%MX10.0Interne Hilfsvariablen — im modernen Stil durch symbolische Variablen ersetzt
DatenbausteineDB1.DBX0.0Strukturierte Daten, das Gegenstück zu Strukturen in C
Zeiten / ZählerT1 / Z1TON, TOF, TP / CTU, CTD, CTUDIEC-Timer und -Counter, siehe Sprachen
  • Symbolisch statt absolut adressieren: NotHalt_Kette_OK statt E 0.3. Klemmenänderungen kosten dann nur einen Eintrag in der Variablentabelle.
  • Digitale Eingangstypen nach IEC 61131-2: Signal „1“ bei Typ 1: 15–30 V (mechanische Kontakte), Typ 2 und 3: 11–30 V; Typ 3 ist heute der verbreitetste. Signal „0“ jeweils −3…+5 V.
  • PNP oder NPN: In Europa ist PNP Standard (schaltet nach +24 V), in Asien/Nordamerika oft NPN (nach Masse). Ein NPN-Sensor am PNP-Eingang funktioniert nicht — früh prüfen.

Zykluszeit im Griff behalten

Überwachungszeit kennen

Wird die maximale Zykluszeit überschritten, geht die CPU in STOP — eine Schutzfunktion, kein Fehler. Lange Schleifen über mehrere Zyklen aufteilen.

Weckalarme für Zeitkritisches

Regelungen gehören in einen Baustein mit fester Periode, nicht in den Hauptzyklus — nur dort ist die Abtastzeit konstant.

Kommunikation begrenzen

Jede Verbindung kostet Zykluszeit. Viele Datenpunkte gebündelt und seltener übertragen.

Messen statt schätzen

Jede SPS zeigt minimale, aktuelle und maximale Zykluszeit. Der Maximalwert ist der interessante — dort steckt der ungünstigste Fall.
Quellen
  • IEC 61131-1 (Allgemeines) und IEC 61131-2 (Betriebsmittelanforderungen, Eingangstypen).
  • John & Tiegelkamp, SPS-Programmierung mit IEC 61131-3.
  • Siemens, SIMATIC S7-1200/S7-1500 Systemhandbuch; Beckhoff Information System; CODESYS Online Help.

03 / 11IEC 61131-3 & Programmierpraxis

IEC 61131-3 normt Sprachen, Datentypen und Bausteinarten der SPS-Programmierung. Die vierte Fassung von 2025 kennt vier Sprachen — die Anweisungsliste ist entfallen. Und weil ein SPS-Programm über Jahrzehnte gelesen wird, zählt beim Schreiben vor allem eins: Kann ein Instandhalter um drei Uhr nachts erkennen, warum die Anlage steht?

Die Sprachen

SpracheKürzelArtStärkeTypischer Einsatz
KontaktplanKOP / LDgrafischSieht aus wie ein Stromlaufplan — jeder Elektriker liest es sofortVerriegelungen, Verknüpfungen, Betriebsartenlogik
FunktionsplanFUP / FBDgrafischDatenfluss von links nach rechtsAnalogwertverarbeitung, Regelung
Strukturierter TextSTtextuellMächtig wie eine Hochsprache, versionierbar, diffbarBerechnungen, Algorithmen, alles Komplexe
AblaufspracheAS / SFCgrafischSchritte und Transitionen in NormnotationProzessabläufe, Rezepturen, Rüstvorgänge
AnweisungslisteAWL / ILtextuellAssemblerähnlich; seit 2013 abgekündigt, in der Fassung von 2025 entfallen. Nur noch in Altanlagen
Praxisregel: Verriegelungen und Sicherheitslogik in KOP (muss jeder Instandhalter lesen können), Berechnungen und Algorithmen in ST, Abläufe in AS. Die Norm erlaubt das Mischen ausdrücklich — genau das ist der sinnvolle Weg.

Strukturierter Text: Syntax

ElementSyntaxAnmerkung
Zuweisung / Vergleicha := b; · = <> < > <= >=:= weist zu, = vergleicht; <> statt !=
LogikAND OR XOR NOTausgeschrieben
VerzweigungIF … THEN … ELSIF … ELSE … END_IF;immer mit END_IF abschließen
AuswahlCASE x OF 1: … ELSE … END_CASE;die Grundlage jeder Schrittkette in ST
SchleifenFOR WHILE REPEATZykluszeit im Auge behalten
ZeitliteralT#500MS, T#1H30Meigener Datentyp TIME
Kommentar(* … *) oder // …Zeilenkommentar seit der 3. Fassung

Bausteine und Tasks

Funktion = zustandslos  ·  Funktionsbaustein = mit Instanzdaten  ·  Programm = Einstiegspunkt Dazu eigene Datentypen (STRUCT): Eine Struktur „Antrieb“ mit Soll-, Istwert, Status und Fehlercode macht Schnittstellen lesbar.
StandardbausteinFunktionAnmerkung
TON / TOF / TPEinschalt-, Ausschaltverzögerung, ImpulsDie drei IEC-Timer
CTU / CTD / CTUDZählerVorwärts, rückwärts, beides
R_TRIG / F_TRIGFlankenerkennungDer wichtigste Baustein — ohne Flankenauswertung feuert jede Aktion in jedem Zyklus erneut
RS / SRSpeichergliedRS: Rücksetzen hat Vorrang, SR: Setzen
LIMIT / SEL / MUXBegrenzen, auswählen, umschaltenErsparen viele IF-Verzweigungen
SCALE / NORM_XAnalogwert umrechnenRohwert des Wandlers in physikalische Einheiten
Task-TypAuslösungVerwendung
Zyklisch (frei laufend)so schnell wie möglichHauptprogramm, Verknüpfungslogik
Weckalarmfeste Periode, z. B. 10 msRegelungen — nur hier ist die Abtastzeit konstant
ProzessalarmFlanke an einem Eingangschnelle Reaktionen, Zählimpulse
Anlauf / Fehler-OBsStart bzw. DiagnoseereignisInitialisierung; Baugruppenausfall abfangen, sonst STOP

Programmstruktur

Nach Anlagenteilen gliedern

Ein Baustein je Station, Achse, Aggregat — nicht „alle Timer“ oder „alle Ventile“.

Schichten trennen

Signalaufbereitung — Betriebsartenlogik — Ablauf — Aktoransteuerung. Jede Schicht spricht nur mit ihren Nachbarn.

Betriebsarten sauber führen

Hand, Automatik, Einrichten, Störung — mit definierten Übergängen. Der häufigste Fehlerort in gewachsenen Programmen.

Aktoren an genau einer Stelle setzen

Jede Stelle stellt nur eine Anforderung; ein einziger Baustein entscheidet. Sonst ist nicht nachvollziehbar, wer das Ventil geschaltet hat.

Diagnose einbauen, nicht nachrüsten

Zu jeder Wartebedingung eine Klartextmeldung („Warte auf Endlage Zylinder 3“), Erstmeldung erfassen, Zeitstempel synchronisieren (NTP).

Schrittketten

CASE iSchritt OF
  0: // Grundstellung
     IF bGrundstellung AND bStart THEN iSchritt := 10; END_IF
 10: // Werkstueck spannen
     bSpannen := TRUE;
     IF bGespannt THEN iSchritt := 20;
     ELSIF fbSchrittTimer.Q THEN iSchritt := 900; END_IF   // Zeitueberschreitung
 20: // Bearbeiten
     bVorschub := TRUE;
     IF bEndlageErreicht THEN iSchritt := 30; END_IF
 30: // Zurueck und freigeben
     bVorschub := FALSE; bSpannen := FALSE;
     IF bGrundstellung THEN iSchritt := 0; END_IF
900: // Stoerung
     bSpannen := FALSE; bVorschub := FALSE; bStoerung := TRUE;
     IF bQuittieren THEN iSchritt := 0; bStoerung := FALSE; END_IF
END_CASE

// Ueberwachungszeit: laeuft in jedem Schritt neu an
fbSchrittTimer(IN := (iSchritt <> iSchrittAlt), PT := T#10S);
iSchrittAlt := iSchritt;
  • Schrittnummern in Zehnerschritten: lässt Platz zum Einfügen ohne Umnummerieren.
  • Aktuellen Schritt anzeigen: auf HMI und in der Diagnose — die wichtigste Information bei jeder Störung.
  • Zeitüberwachung je Schritt: sonst steht die Anlage irgendwann ohne Meldung.
  • Aktoren im Schritt setzen und zurücknehmen: der Zustand ergibt sich direkt aus der Schrittnummer.
  • Störschritt mit Quittierung und Weg zur Grundstellung: definierter Ausstieg statt Spannung abschalten.

Fallen, die jeder einmal erlebt

Typische Fehler

  • Fehlende Flankenauswertung: Zählung läuft in jedem Zyklus weiter
  • Doppelte Zuweisung: derselbe Ausgang an zwei Stellen — die letzte gewinnt unbemerkt
  • Timer im Zyklus neu gestartet: IN jeden Zyklus kurz zurückgesetzt — der Timer läuft nie ab
  • REAL-Vergleich auf Gleichheit: funktioniert bei Fließkomma praktisch nie
  • Analogwert ungefiltert in der Logik: jede Störung schaltet um
  • Kein Verhalten bei Kommunikationsausfall: die Anlage läuft mit alten Werten weiter

Was hilft

  • R_TRIG bei allem, was einmalig passieren soll
  • Jeden Ausgang genau einmal beschreiben
  • Symbolische Namen mit Typ-Präfix (b, r, i, fb); Strukturen statt loser Merker
  • Analogwerte mit Grenzwertprüfung und Filter
  • Lebenszeichenüberwachung je Kommunikationsverbindung
  • Programm in Versionsverwaltung — ST lässt sich diffen

Inbetriebnahme und Herstellerwelten

Erst die Verdrahtung prüfen

Jeden Eingang einzeln betätigen, jeden Ausgang bei abgeklemmter Mechanik einzeln ansteuern. Fehler hier zu finden ist zehnmal billiger als später.

Hand vor Automatik, Grenzen zuerst

Jede Bewegung erst im Handbetrieb mit reduzierter Geschwindigkeit; Endschalter und Software-Grenzen vor der ersten schnellen Fahrt.

Schrittkette einzeln durchfahren, Störfälle provozieren

Not-Halt drücken, Schutztür öffnen, Sensor abziehen — was dann passiert, ist die eigentliche Prüfung.

Stand sichern

Programm archivieren, Parameter notieren, Pläne nachführen. Ein Plan, der nicht dem Ist-Zustand entspricht, ist schlimmer als keiner.
SystemSoftwareCharakter
Siemens SIMATICTIA PortalMarktführer im deutschsprachigen Raum; eigene Begriffe (OB, FB, FC, DB), teils abweichend von der Norm
Beckhoff TwinCATTwinCAT 3PC-basiert, EtherCAT-nah, objektorientierte Erweiterungen
CODESYSCODESYS Development SystemHerstellerunabhängige Laufzeit, von vielen lizenziert (Wago, Phoenix, Lenze u. a.); läuft auch auf dem Raspberry Pi — der günstigste Einstieg
Rockwell / Allen-BradleyStudio 5000Dominant in Nordamerika

Die Norm sichert Konzepte, keine vollständige Portierbarkeit — Bibliotheken, Hardwarekonfiguration und Kommunikationsbausteine unterscheiden sich erheblich. Wer portabel bleiben will, kapselt Herstellerspezifisches in eigenen Bausteinen — dieselbe Idee wie eine Hardware-Abstraktionsschicht in der Firmware.

Quellen
  • IEC 61131-3:2025 (vierte Ausgabe, Mai 2025 — AWL entfernt, u. a. UTF-8-Strings und OOP-Erweiterungen ergänzt).
  • John & Tiegelkamp, SPS-Programmierung mit IEC 61131-3; Wellenreuther & Zastrow, Automatisieren mit SPS.
  • PLCopen Coding Guidelines; Siemens, Programmierleitfaden für S7-1200/S7-1500.
  • CODESYS Online Help, Beckhoff Information System.

04 / 11Feldbusse & Industrial Ethernet

Ein Feldbus ersetzt Kabelbäume durch eine Leitung. Statt jeden Sensor einzeln in den Schaltschrank zu ziehen, hängen dezentrale Module an einem Strang. Die Wahl bestimmt Zykluszeit, Verdrahtungsaufwand, Diagnose und Herstellerbindung.

Die Systeme im Vergleich

SystemPhysikZykluszeitTeilnehmerTrägerWo es steht
PROFINET RT / IRTEthernet 100 Mbit/s1–10 ms typisch; IRT bis 31,25 µsvielePISehr hoch im deutschsprachigen Raum, Siemens-nah
EtherCATEthernet, Durchlaufprinzip< 100 µs möglich65 535 je SegmentETGAntriebstechnik, schnelle Mehrachsregelung
EtherNet/IPEthernet1–10 msvieleODVANordamerika, Rockwell-nah
Modbus RTURS-485, 2 Adern10–100 msAdressen 1–247vollständig offenWechselrichter, Zähler, Sensorik. Simpel, überall implementiert
Modbus TCPEthernet1–10 msvieleoffenDer einfachste Weg, ein Fremdgerät anzubinden
CANopenCAN, 2 Adern1–10 msbis 127 KnotenCiAAntriebe, Mobilmaschinen, Medizintechnik
IO-Link3 Adern, ungeschirmt, Punkt zu Punktab 0,4 ms (COM3), typisch 2–5 ms1 Gerät je PortIO-Link-KonsortiumStandard für Sensorik unterhalb des Feldbusses
PROFIBUS DPRS-4855–20 msbis 126 AdressenPIAltanlagen; in Neuanlagen durch PROFINET ersetzt
AS-Interface2 Adern, Daten und Energie5 ms bei 31 Slaves, 10 ms bei 62 A/B-Slaves31 bzw. 62offenEinfachste Sensor-Aktor-Ebene, sehr montagefreundlich

Die Zykluszeiten sind erreichbare Werte bei sinnvoller Projektierung, keine Garantien — sie hängen an Teilnehmerzahl, Datenmenge und Topologie. Deterministisch heißt: die Zeit ist nach oben begrenzt, nicht: sie ist immer gleich kurz.

Warum EtherCAT so schnell ist

Durchlaufprinzip
Ein einziger Ethernet-Rahmen läuft durch alle Teilnehmer. Jeder liest im Vorbeifahren seine Daten heraus und schreibt seine hinein, ohne den Rahmen anzuhalten — keine Paketverarbeitung je Knoten.
Verteilte Uhren (Distributed Clocks)
Alle Teilnehmer laufen auf einer gemeinsamen Zeitbasis mit Jitter deutlich unter 1 µs. Voraussetzung für koordinierte Mehrachsbewegung und zeitgleiches Abtasten.
Standard-Hardware am Master
Master-seitig genügt eine gewöhnliche Netzwerkkarte plus Software. Die Besonderheit steckt im Slave-Baustein.
Der Preis
Linie oder Ring, kein beliebiges Netzwerk. Ein unterbrochenes Kabel trennt alles dahinter ab — dagegen hilft die Ringredundanz.

IO-Link — unterschätzt und sehr nützlich

PunktKonkret
Was es istDigitale Punkt-zu-Punkt-Verbindung auf der bestehenden 3-adrigen Sensorleitung. Kein neuer Kabeltyp, keine Schirmung, kein Abschlusswiderstand
Was es bringtMesswert digital statt analog (keine Wandlungs- und Leitungsfehler), Parametrierung aus der Steuerung, Diagnose- und Identifikationsdaten
Der HauptgewinnGerätetausch ohne Einstellarbeit: Der Master schreibt die gespeicherten Parameter automatisch in den neuen Sensor
Grenzenmax. 20 m Leitung, ≥ 0,34 mm² Aderquerschnitt, ein Gerät je Port. Für schnelle Regelkreise ungeeignet
ÜbertragungsratenCOM1 4,8 kBit/s · COM2 38,4 kBit/s · COM3 230,4 kBit/s. Das Gerät gibt vor, welche es kann
IODDGerätebeschreibungsdatei je Typ — sie macht Parameter im Engineering-Werkzeug im Klartext sichtbar

TSN und Single Pair Ethernet

BausteinNormLeistet
Time-Sensitive Networking — Echtzeit-Erweiterungen für Standard-Ethernet, kein eigener Feldbus
ZeitsynchronisationIEEE 802.1AS (gPTP)Gemeinsame Uhr über das ganze Netz im Sub-Mikrosekundenbereich
Zeitgesteuerte ÜbertragungIEEE 802.1QbvReservierte Zeitfenster für kritische Daten — anderer Verkehr kann sie nicht verzögern
RahmenunterbrechungIEEE 802.1Qbu / 802.3brEin laufender großer Rahmen wird für einen dringenden unterbrochen
Nahtlose RedundanzIEEE 802.1CBDoppelte Übertragung auf getrennten Wegen, Duplikate werden verworfen
Single Pair Ethernet — Ethernet auf einem Adernpaar, IEEE 802.3cg
10BASE-T1LIEEE 802.3cg10 Mbit/s über bis zu 1000 m, Speisung über dieselbe Leitung (Ethernet-APL), auch für explosionsgefährdete Bereiche. Löst in der Prozessindustrie 4–20 mA ab
10BASE-T1SIEEE 802.3cg10 Mbit/s über bis zu 25 m als Multidrop — mehrere Teilnehmer an einem Strang statt sternförmig. Ursprünglich Fahrzeugtechnik

Einordnung: TSN erlaubt Steuerungs-, Kamera- und Bürodatenverkehr im selben Netz, ohne dass die Regelung leidet. PROFINET und EtherNet/IP haben TSN-Profile definiert; EtherCAT bleibt beim eigenen Verfahren, das für kurze Linien effizienter ist. Beides ist in Neuanlagen angekommen, verdrängt die etablierten Feldbusse aber langsamer als lange erwartet.

Auswahl und Inbetriebnahme

Zykluszeit realistisch bestimmen

Für Ventile und Endschalter genügen 10 ms. Unter 1 ms braucht nur koordinierte Achsbewegung. Zu schnell projektiert kostet Geld ohne Nutzen.

Bestehende Landschaft berücksichtigen

Kennt die Instandhaltung PROFINET und liegen alle Ersatzteile dafür bereit, ist ein technisch überlegener anderer Bus oft die schlechtere Entscheidung.

Topologie und Leitungslängen planen

Linie, Stern, Ring — mit den jeweiligen Grenzen. Bei RS-485-basierten Bussen: Abschlusswiderstände an beiden Enden, nirgends sonst.

Schirmung großflächig auflegen

Über Schirmklemmen, nicht über ein dünnes Beidraht-Schwänzchen. Das ist die häufigste Ursache sporadischer Busfehler — mehr dazu unter Schaltschrank und EMV.

Diagnosezähler auslesen

Jeder moderne Feldbus zählt Telegrammfehler und Wiederholungen. Ein Netz mit steigender Fehlerrate meldet sich, bevor es ausfällt — vorausgesetzt, jemand schaut hin.
Quellen

05 / 11Schaltschrank & Verdrahtung

Ein Schaltschrank wird gebaut, um zwanzig Jahre gewartet zu werden. Ordnung, Kennzeichnung und Dokumentation zählen deshalb genauso viel wie die Funktion. Wer den Schrank öffnet und sofort weiß, welche Klemme wozu gehört, hat die halbe Reparatur schon geschafft.

Aufbau von oben nach unten

EbeneInhaltGrund
ObenEinspeisung, Hauptschalter, Sicherungen, LeistungsschützeKürzester Weg zur Einspeisung; Wärme steigt ohnehin nach oben
MitteNetzteile, Frequenzumrichter, MotorstarterWärmequellen mit Abstand zueinander, Lüftungswege freihalten
UntenSteuerung, E/A-Module, SicherheitsrelaisKühlster Bereich, gut erreichbar, weit weg von Störquellen
Ganz untenKlemmenleisten, KabeleinführungKabel kommen von unten; Zugentlastung und Schirmauflage direkt an der Einführung
Leistung und Steuerung trennen: Motor- und Signalleitungen in getrennten Kanälen, mit Abstand; wo sie sich kreuzen müssen, im rechten Winkel. Ein Frequenzumrichter erzeugt steile Schaltflanken, die in parallel geführte Signalleitungen einkoppeln — die häufigste Ursache sporadischer Fehlfunktionen. Grundlagen dazu unter Elektrotechnik → EMV.

Schutzorgane

BauteilSchütztAuswahlkriterium
Leitungsschutzschalter (LS)die Leitung vor Überlast und KurzschlussAuslösecharakteristik: B = 3–5·In (ohmsche Lasten), C = 5–10·In (Motoren, Trafos), D = 10–20·In (hohe Einschaltströme)
Motorschutzschalterden Motor vor Überlast und PhasenausfallAuf den Motornennstrom einstellbar; erkennt auch asymmetrische Belastung
Fehlerstromschutzschalter (RCD)Personen und gegen Brand30 mA für Personenschutz. Hinter Frequenzumrichtern Typ B (allstromsensitiv) — Typ A erkennt glatte Gleichfehlerströme nicht; Typ F für einphasige Umrichter
Sicherung (gG, aM, gR/aR)Leitungen und HalbleitergG allgemein, aM für Motorstromkreise (nur Kurzschlussschutz), gR/aR für Halbleiter (sehr schnell)
Überspannungsableitergegen Blitz- und SchaltüberspannungenTyp 1 am Gebäudeeintritt, Typ 2 in der Verteilung, Typ 3 direkt am Gerät
Elektronischer Schutzschalter (24 V)einzelne 24-V-StromkreiseSchaltet selektiv ab, bevor das Netzteil in die Strombegrenzung geht — siehe Warnung
Die 24-V-Falle: Ein Netzteil mit elektronischer Strombegrenzung liefert im Kurzschlussfall nicht genug Strom, um einen LS auszulösen. Es geht in die Begrenzung, und die gesamte Steuerung fällt aus, ohne dass klar wird, wo der Fehler sitzt. Ein 10-A-Netzteil und ein 6-A-LS sind deshalb keine funktionierende Kombination. Abhilfe: elektronische Schutzschalter je Abgang oder ein Netzteil mit ausreichender Kurzschlussstromreserve.

Verdrahtung

PunktRegel
Aderfarben (EN 60204-1)schwarz = Leistung · rot = Steuerung AC · blau = Steuerung DC · orange = Fremdspannung (steht bei ausgeschaltetem Hauptschalter weiter unter Spannung) · grün-gelb = Schutzleiter · hellblau = Neutralleiter
AderendhülsenAuf jede feindrähtige Ader, mit Vierkant- oder Sechskantpressung. Verzinnte Litze in Schraubklemmen ist unzulässig — das Lot fließt unter Druck, die Verbindung wird lose
KlemmenPush-in oder Federkraft: schneller, rüttelfest, kein Nachziehen. Bei Schraubklemmen Drehmoment einhalten und nach der Inbetriebnahme nachziehen
SchirmauflageGroßflächig über Schirmklemmen direkt an der Kabeleinführung. Die Wirksamkeit hängt an der Kontaktfläche, nicht am Beidraht
PotentialausgleichMontageplatte, Tür und Gehäuse mit Erdungsbändern verbinden, nicht über Scharniere. Lack an den Kontaktstellen entfernen oder Kontaktscheiben verwenden
Reserve20 % freie Klemmen, 20 % freie E/A, freier Platz auf der Montageplatte. Jede Anlage wird erweitert

Kennzeichnung und Dokumentation

Betriebsmittelkennzeichnung nach IEC 81346

Eindeutige Kennung je Bauteil (−Q1 Schaltgeräte, −K1 Relais/Schütze, −F1 Schutzeinrichtungen, −X1 Klemmenleisten) — am Bauteil und im Plan, identisch.

Jede Ader an beiden Enden beschriften

Mit Ziel und Klemmennummer. Eine Ader nachträglich im fertigen Schrank zu identifizieren kostet ein Vielfaches der Beschriftungszeit.

Stromlaufplan sofort nachführen

Jede Änderung im Feld direkt eintragen. Ein Plan, der nicht dem Ist-Zustand entspricht, führt bei der nächsten Störung aktiv in die Irre.

Klemmenplan und Kabelliste pflegen

Welches Kabel geht wohin, welcher Querschnitt, welche Adernbelegung — bei Erweiterungen unverzichtbar.

Plan im Schrank hinterlegen

Eine Plantasche mit dem aktuellen Stand. Digital ist gut, aber um drei Uhr nachts ist Papier verfügbar.

Wärme und Klima

PV ≈ Σ PGerät · (1 − η)  ·  ΔT = PV / (k · A) k ≈ 5,5 W/(m²·K) für lackiertes Stahlblech. A ist die wirksame Oberfläche nach IEC 60890 — an eine Wand gestellte Flächen zählen nur anteilig mit.
MaßnahmeWannAnmerkung
Passive Kühlungbis ~100 WAusreichende Oberfläche, Wandabstand, freie Konvektion im Schrank
Filterlüfter100–800 WFiltermatten regelmäßig wechseln — verstopfte Filter sind die häufigste Übertemperatur-Ursache
Luft-Wasser-Wärmetauscherab ~500 WIn staubiger Umgebung, weil der Schrank geschlossen bleibt
Kühlgerätwenn innen kälter als außen sein mussKondensatablauf vorsehen
Heizung mit Hygrostatbei AußenaufstellungVerhindert Kondensation beim Abkühlen — oft wichtiger als die Kälte selbst

Elektronik altert mit der Temperatur: Als Faustregel halbiert sich die Lebensdauer von Elektrolytkondensatoren je 10 K Übertemperatur. Ein Schrank, der dauerhaft bei 55 °C statt 35 °C läuft, verkürzt die Netzteillebensdauer um ein Vielfaches.

Quellen
  • DIN EN 60204-1 — Elektrische Ausrüstung von Maschinen: Aderfarben, Not-Halt, Kennzeichnung, Prüfungen.
  • DIN EN 61439 — Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen, inklusive Bauartnachweis und Erwärmungsberechnung.
  • DIN EN IEC 81346 — Referenzkennzeichnung von Betriebsmitteln.
  • IEC 60890 — Verfahren zur Ermittlung der Erwärmung in Schaltgerätekombinationen.
  • Technische Handbücher zu Schrankklimatisierung und Verdrahtung von Rittal und Phoenix Contact, frei verfügbar.

06 / 11Funktionale Sicherheit

Funktionale Sicherheit ist ein rechtlich geregeltes Gebiet. Dieser Abschnitt erklärt Systematik und Begriffe — er ersetzt weder eine Risikobeurteilung noch eine fachkundige Person. Für Maschinen, die in Verkehr gebracht oder betrieblich genutzt werden, gelten verbindliche Pflichten.

Der rechtliche Rahmen

RegelwerkRegeltStand 2026
Maschinenrichtlinie 2006/42/EGAnforderungen an Maschinen beim Inverkehrbringen in der EUGilt noch; wird am 20. Januar 2027 abgelöst
Maschinenverordnung (EU) 2023/1230Nachfolgerin; ergänzt u. a. Cybersicherheit und lernfähige SystemeAnwendbar ab 20. Januar 2027
EN ISO 12100Risikobeurteilung und Risikominderung — die methodische Grundlagegültig
EN ISO 13849-1Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen, Performance LevelFassung 2023, seit 15. Mai 2024 im EU-Amtsblatt; die Fassung 2015 verliert die Konformitätsvermutung am 15. Mai 2027
EN IEC 62061:2021Alternativer Weg über SIL, aus der IEC-61508-Familiegültig; gleichwertig anwendbar
EN IEC 60204-1Elektrische Ausrüstung von Maschinen, Stopp-Kategoriengültig
BetriebssicherheitsverordnungPflichten des Betreibers in Deutschlandgültig

13849-1 und 62061 sind zwei Wege zum selben Ziel: 13849-1 rechnet mit Kategorie, MTTFD und DC auf einen PL, 62061 mit Architektur und PFHD auf einen SIL. Im Maschinenbau ist 13849-1 der übliche Weg; 62061 passt besser zu komplexer programmierbarer Elektronik.

Risikobeurteilung nach EN ISO 12100

Grenzen der Maschine festlegen

Räumlich, zeitlich, bestimmungsgemäße Verwendung und vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung.

Gefährdungen über alle Lebensphasen identifizieren

Transport, Montage, Inbetriebnahme, Betrieb, Rüsten, Reinigen, Wartung, Störungsbeseitigung, Entsorgung. Die meisten Unfälle passieren beim Rüsten und Störungsbeseitigen, nicht im Normalbetrieb.

Risiko einschätzen

Schwere des Schadens (S), Häufigkeit und Dauer der Exposition (F), Möglichkeit zur Vermeidung (P).

Risiko mindern — in dieser Reihenfolge

1. Inhärent sichere Konstruktion (Gefährdung beseitigen). 2. Technische Schutzmaßnahmen (Verkleidung, Lichtvorhang, Sicherheitssteuerung). 3. Benutzerinformation. Nur in dieser Reihenfolge — eine Warntafel ersetzt keine Abdeckung.

Erneut bewerten und dokumentieren

Jede Maßnahme kann neue Gefährdungen erzeugen; der Vorgang ist iterativ. Die Risikobeurteilung ist Teil der technischen Unterlagen und muss nachvollziehbar sein.

Performance Level bestimmen

S1S2 F1F2 F1F2 P1P2 P1P2 P1P2 P1P2 a b b c c d d e S — Schwere der Verletzung S1 leicht, üblicherweise reversibel S2 schwer, üblicherweise irreversibel F — Häufigkeit und Dauer der Exposition F1 selten bis öfter, kurze Dauer F2 häufig bis dauernd P — Möglichkeit zur Vermeidung P1 unter bestimmten Bedingungen möglich P2 kaum möglich PL a = geringste, PL e = höchste Anforderung Anhang A der EN ISO 13849-1, vereinfacht
PLPFHD — gefährlicher Ausfall je Stundeentspricht SILTypische Umsetzung
a≥ 10⁻⁵ … < 10⁻⁴Einkanalig, ohne Diagnose
b≥ 3·10⁻⁶ … < 10⁻⁵SIL 1Einkanalig mit Diagnose
c≥ 10⁻⁶ … < 3·10⁻⁶SIL 1Einkanalig mit guter Diagnose
d≥ 10⁻⁷ … < 10⁻⁶SIL 2Zweikanalig mit Diagnose — der häufigste Fall an Maschinen
e≥ 10⁻⁸ … < 10⁻⁷SIL 3Zweikanalig, hohe Diagnosedeckung, Fehlerausschlüsse geprüft

Die Größen hinter dem PL

GrößeWertebereicheAnmerkung
KategorieB, 1, 2, 3, 4Struktur der Sicherheitsfunktion: ein- oder zweikanalig, mit oder ohne Selbstüberwachung. Kategorie 4 verlangt DC ≥ 99 % in beiden Kanälen
MTTF_Dlow 3–10 a · medium 10–30 a · high 30–100 aMittlere Zeit bis zum gefährlichen Ausfall, je Kanal auf 100 Jahre gedeckelt — Sicherheit soll nicht allein auf Bauteilzuverlässigkeit beruhen
DCnone < 60 % · low 60–<90 % · medium 90–<99 % · high ≥ 99 %Diagnosedeckungsgrad: Anteil der erkannten gefährlichen Ausfälle
CCFmindestens 65 von 100 PunktenAusfälle gemeinsamer Ursache — über eine Punktebewertung (Trennung, Diversität, Umgebung) nachzuweisen
B10dSchaltspiele bis 10 % gefährlich ausgefallenBei mechanischen Bauteilen maßgeblich; zusammen mit der Schalthäufigkeit ergibt sich daraus MTTF_D
T_MGebrauchsdauer, i. d. R. 20 JahreDanach ist das Bauteil zu tauschen — auch wenn es noch funktioniert
Nicht von Hand rechnen. Für die Berechnung gibt es SISTEMA, das kostenlose Werkzeug des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), mit gepflegten Herstellerbibliotheken. Es bildet die Norm vollständig ab und erzeugt einen prüffähigen Nachweis — die Ergebnisse gehören trotzdem von einer fachkundigen Person geprüft.

Typische Sicherheitsfunktionen

Not-Halt
Stopp-Kategorien nach EN IEC 60204-1: 0 = sofortiges Abschalten der Energie, 1 = gesteuertes Stillsetzen, dann Energie weg, 2 = gesteuertes Stillsetzen, Energie bleibt (kein Not-Halt im Sinne der Norm). Not-Halt ist eine ergänzende Maßnahme, kein Ersatz für Schutzeinrichtungen.
Schutztürüberwachung
Zwangsöffnende Positionsschalter oder Sicherheitsschalter mit Zuhaltung. Liegt die Nachlaufzeit über der Zugriffszeit, ist eine Zuhaltung zwingend.
Lichtvorhang
Auflösung: 14 mm Finger, 30 mm Hand, ≥ 40 mm Körperteile. Sicherheitsabstand nach EN ISO 13855: S = K·T + C mit K = 2000 mm/s (bzw. 1600 mm/s ab S > 500 mm), T = Nachlauf- plus Ansprechzeit, C = 8·(d − 14) mm für d ≤ 40 mm.
Sichere Antriebsfunktionen
STO (Safe Torque Off), SS1 (sicherer Stopp 1), SLS (sicher begrenzte Geschwindigkeit), SOS (sicherer Betriebshalt) — in modernen Umrichtern integriert und nach EN 61800-5-2 zertifiziert.
Zweihandschaltung
Beide Hände am Bedienelement, Betätigung innerhalb von 0,5 s und dauerhaft. Nach EN ISO 13851:2019 (ersetzt die zurückgezogene EN 574), Typ III C für die höchste Stufe.
Zustimmeinrichtung
Drei Stellungen: aus — zustimmend — Panik (durchgedrückt, wieder aus). Für Einrichtbetrieb bei aufgehobener Schutzwirkung, zusammen mit reduzierter Geschwindigkeit.

Umsetzung und Validierung

Sicherheitsgerichtete Hardware verwenden

Eine Standard-SPS darf keine Sicherheitsfunktion tragen. Entweder ein Sicherheitsrelais oder eine zertifizierte Sicherheits-SPS mit F-Modulen.

Zweikanalig mit Querschlusserkennung verdrahten

F-Module erzeugen dafür Testimpulse — der Grund, warum ein Oszilloskop dort kurze Lücken im 24-V-Signal zeigt. Ein Standard-Eingang würde davon flattern.

Sicherheitsprogramm trennen und versiegeln

Eigener Programmteil, gegen unbeabsichtigte Änderung geschützt, mit Prüfsumme. Jede Änderung erfordert eine erneute Abnahme.

Manueller Wiederanlauf

Nach Beheben der Ursache darf die Maschine nicht selbsttätig anlaufen — eine bewusste Quittierung mit fallender Flanke ist vorgeschrieben.

Validieren mit simulierten Einzelfehlern

Jede Sicherheitsfunktion einzeln auslösen und die Wirkung prüfen, auch mit unterbrochenem Kanal. Ergebnisse dokumentieren — das ist die Validierung nach EN ISO 13849-2.

Wiederkehrend prüfen, Gebrauchsdauer beachten

Prüfintervalle festlegen und einhalten. Bei mechanischen Bauteilen begrenzt die Zahl der Schaltspiele, bei allen anderen die Gebrauchsdauer TM.
Quellen
  • EN ISO 12100; EN ISO 13849-1:2023 und -2; EN IEC 62061:2021; EN IEC 60204-1; EN ISO 13855; EN ISO 13851:2019.
  • Verordnung (EU) 2023/1230 — Maschinenverordnung, anwendbar ab 20. Januar 2027.
  • IFA/DGUV — SISTEMA: kostenloses Berechnungswerkzeug mit Herstellerbibliotheken.
  • IFA-Report 2/2017 — Funktionale Sicherheit von Maschinensteuerungen, frei verfügbar und sehr praxisnah.
  • Normenleitfäden von Pilz, Sick und Schmersal, jeweils kostenlos.

07 / 11HMI, SCADA & Industrie 4.0

Die Bedienoberfläche ist das, was von der Anlage übrig bleibt, wenn jemand davor steht. Eine gute Visualisierung beantwortet in drei Sekunden: Läuft es? Wenn nicht — warum? Und was muss ich tun? Alles darüber — SCADA, OPC UA, MQTT, Auswertung — ist nur dann sinnvoll, wenn diese Grundlage stimmt.

Die Ebenen

EbeneWasWer bedientTypische Technik
FeldebeneSensoren, AktorenIO-Link, Feldbus
SteuerungsebeneSPSIEC 61131-3
Bedienebene (HMI)Panel an der MaschineBediener, EinrichterPanel des SPS-Herstellers, Webvisualisierung
Leitebene (SCADA)Übersicht mehrerer Anlagen, Trends, AlarmhistorieLeitwarteWinCC, Ignition, zenon; quelloffen: Node-RED plus Grafana
Unternehmensebene (MES/ERP)Aufträge, Rückmeldungen, QualitätPlanungDatenbanken, OPC UA, REST

Die Pyramide löst sich zunehmend auf — über OPC UA oder MQTT spricht ein Sensor direkt mit der Leitebene. Was bleibt, ist die Trennung der Verantwortlichkeiten: Die Steuerung sichert den Prozess, die Leitebene beobachtet und plant. Eine Leitebene darf nie zur Voraussetzung dafür werden, dass die Anlage sicher steht.

Bedienbilder gestalten

Was funktioniert

  • Ruhige Grundfläche: Grau als Hintergrund, Farbe nur für Bedeutung — die Grundregel der High-Performance-HMI-Praxis
  • Farben eindeutig belegen: Rot nur Störung, Gelb nur Warnung, Grün nur Betrieb
  • Zustand nicht nur über Farbe: rund 8 % der Männer sind rot-grün-farbsehschwach — zusätzlich Form, Text oder Symbol
  • Werte mit Kontext: Sollwert, Grenzwerte und Trend daneben machen eine Zahl erst beurteilbar
  • Meldungen im Klartext mit Betriebsmittelkennzeichnung: „Warte auf Endlage Zylinder 3 (−B12)“
  • Touchflächen ≥ 15 mm Kantenlänge, mehr für Handschuhbedienung

Was schiefgeht

  • Buntes Bild, in dem alles leuchtet — sagt am Ende gar nichts aus
  • Grün gleichzeitig für „Ventil offen“ und „alles in Ordnung“
  • Fehlernummern statt Klartext („Fehler 0x2A“)
  • Fotorealistische 3D-Anlagenbilder ohne Informationsgehalt
  • Sicherheitsrelevantes auf dem Touchscreen — Not-Halt und Zustimmung gehören auf echte Bedienelemente
  • Trendkurven ohne Achsenbeschriftung und Zeitbezug

Alarmmanagement

Ein Alarm ist eine Aufforderung zum Handeln. Der Kern von EN IEC 62682 / ISA-18.2 in einem Satz. Alles ohne Handlungsbedarf gehört ins Protokoll, nicht in die Alarmliste.
  • Alarmflut vermeiden: Ein Ereignis darf nicht fünfzig Meldungen erzeugen — abhängige Folgemeldungen unterdrücken.
  • Erstmeldung hervorheben: Bei einer Störungskaskade ist nur die erste Meldung die Ursache, alle weiteren sind Folgen.
  • Drei Prioritäten reichen: Mehr Stufen werden in der Praxis nicht unterschieden.
  • Meldungsklassen trennen: Störung (Anlage steht) — Warnung (läuft, aber etwas stimmt nicht) — Hinweis. Nur Störungen quittierpflichtig.
  • Zeitstempel synchronisieren (NTP): Ohne gemeinsame Uhr lässt sich eine Historie über mehrere Steuerungen nicht auswerten.
  • Kennzahlen auswerten: Alarme je Stunde, häufigste Alarme, dauerhaft anstehende. Daraus ergibt sich unmittelbar, wo Verbesserung lohnt.

OPC UA und MQTT

KriteriumOPC UA (IEC 62541)MQTT (OASIS)
RolleSemantik. Nicht „Adresse 40001 enthält 237“, sondern „Antrieb 3, Drehzahl 237 min⁻¹, gültig, 12:04:11“Transport. Leichtgewichtiger Verteilmechanismus ohne eigenes Datenmodell
MusterClient/Server (Browsen, Lesen, Schreiben, Methoden) und PubSub über UDP oder MQTTPublish/Subscribe über einen Broker; QoS 0/1/2, Retained Messages, Last Will
DatenmodellInformationsmodell, zur Laufzeit erkundbar; Companion Specifications je Branche (Werkzeugmaschine, Roboter, Spritzguss)Keines — Topics und Nutzdaten sind frei. Sparkplug B ergänzt Topicstruktur, Geburts-/Sterbemeldungen und Zustandsbehaftung
SicherheitTeil des Protokolls: Verschlüsselung, Signatur, Authentifizierung über X.509-ZertifikateTLS plus Broker-Authentifizierung — muss bewusst konfiguriert werden
AufwandHoch. Ein vollständiger Server ist auf kleinen Controllern kaum umsetzbarSehr gering. Läuft auf jedem ESP32
Quelloffenopen62541 (C), Eclipse Milo (Java), asyncua (Python)Eclipse Mosquitto, EMQX, NanoMQ
Wann was: OPC UA, wenn Geräte verschiedener Hersteller sich ohne Absprache verstehen sollen oder eine Norm es verlangt. MQTT, wenn es darum geht, viele Werte günstig und entkoppelt zu verteilen. Beides schließt sich nicht aus — OPC UA PubSub kann MQTT als Transport nutzen.

Der Datenweg

MaschineSPS / MCU Edge-GerätIPC / Pi BrokerMQTT Zeitreihen-DBInfluxDB / Timescale AuswertungGrafana OPC UA MQTT Der Broker entkoppelt Erzeuger und Verbraucher — neue Auswertungen ohne Eingriff in die Steuerung
Warum ein Broker dazwischen
Die Steuerung veröffentlicht, ohne zu wissen, wer liest. Eine neue Auswertung anzubinden erfordert keine Änderung am Steuerungsprogramm — der entscheidende praktische Vorteil.
Zeitreihendatenbank statt SQL
InfluxDB, TimescaleDB oder VictoriaMetrics sind auf Zeitstempel und Aggregation über Zeiträume ausgelegt. Eine relationale Datenbank wird bei Millionen Messpunkten unhandlich.
Aufbewahrung planen
Rohdaten in Sekundenauflösung wenige Wochen, danach auf Minuten- oder Stundenwerte verdichten. Sonst wächst die Datenbank ins Unbeherrschbare.
Edge statt Cloud
Verarbeitung nahe an der Maschine: weniger Datenvolumen, geringere Latenz, funktioniert auch ohne Internet. Erst nach außen geben, was außen gebraucht wird.

Industrie 4.0: Begriffe und Nutzen

BegriffBedeutungPraktischer Kern
Industrie 4.0 / IIoTVernetzung von Produktionssystemen (dt. Prägung 2011) bzw. Industrial Internet of ThingsDasselbe Ziel: durchgängige Daten statt Insellösungen; IIoT mit stärkerem Cloud-Fokus
Verwaltungsschale (AAS)Standardisierte digitale Beschreibung eines Assets, IEC 63278Ein maschinenlesbares Datenblatt: Typschild, Dokumentation, Kennwerte, Schnittstellen — einheitlich strukturiert
Digitaler ZwillingDigitales Abbild einer realen AnlageReicht vom Datensatz bis zur vollständigen Simulation — die Bandbreite des Begriffs ist enorm, deshalb immer nachfragen, was gemeint ist
Predictive MaintenanceWartung vor dem Ausfall, datenbasiertFunktioniert, wo ein messbarer Verschleißindikator existiert — bei Lagern und Antrieben ja, bei Elektronik meist nicht
OEEOverall Equipment EffectivenessVerfügbarkeit × Leistung × Qualität. Die verbreitetste Kennzahl und die am einfachsten aus vorhandenen Daten zu gewinnende

Betriebsdaten erfassen

Laufzeit, Stillstände mit Grund, Stückzahlen, Ausschuss. Klingt banal, ist die Grundlage von allem — und in vielen Betrieben nicht sauber vorhanden.

Störgründe strukturiert erfassen

Nicht „Anlage stand 40 Minuten“, sondern welcher Schritt, welche Meldung, welche Quittierung. Die Häufigkeitsverteilung zeigt sofort, wo sich Verbesserung lohnt.

Energie und Zustandsgrößen messen

Verbrauch je Anlage zeigt Leerläufe und Leckagen; Schwingung, Temperatur und Stromaufnahme im Trend zeigen Verschleiß. Momentanwerte allein sagen wenig.

Fernzugriff für Diagnose einrichten

Spart Anfahrten — aber nur über VPN mit Zugriffskontrolle und Protokollierung, niemals über eine offene Portweiterleitung.
Der häufigste Fehler: Erst eine Plattform kaufen, dann überlegen, welche Frage sie beantworten soll. Umgekehrt funktioniert es: konkrete Frage formulieren („Warum steht Anlage 3 dienstags häufiger?“), die nötigen Daten erfassen, auswerten, handeln — dann die nächste Frage.

Security und eigene Projekte

MaßnahmeWarum
Netze trennen (Zonen und Conduits)Produktionsnetz und Büronetz gehören nicht zusammen. IEC 62443 beschreibt die Systematik
Kein direkter Internetzugang für SteuerungenEine SPS im offenen Netz wird gefunden — Suchmaschinen für erreichbare Geräte machen das trivial
Datenfluss nur nach außenDas Edge-Gerät holt und sendet; von außen wird nichts in die Steuerung geschrieben. Schließt die meisten Angriffswege
Fernzugriff nur über VPNMit Zugriffskontrolle, Protokollierung und der Möglichkeit, ihn betrieblich abzuschalten
Updates einplanenAuch Steuerungen und Panels haben Sicherheitslücken. Ein Wartungsfenster gehört in den Betriebsablauf
Sicherungen offline haltenEine Sicherung im selben Netz wird bei einem Verschlüsselungsangriff mitverschlüsselt

Für Maschinen, die ab 2027 in Verkehr gebracht werden, verlangt die Maschinenverordnung ausdrücklich, dass Manipulation der Steuerungssoftware die Sicherheit nicht beeinträchtigen darf — Cybersicherheit wird damit Teil der Konformitätsbewertung. Grundlagen unter Digitaltechnik → Security, Serverbetrieb und Sicherung unter Homeserver 101.

Für eigene Projekte: ESP32 oder Raspberry Pi als Steuerung, MQTT als Protokoll, Node-RED zum Verknüpfen, InfluxDB plus Grafana für Trends — in einem Nachmittag aufgesetzt und erstaunlich weit tragend. Sparen kann man sich: Cloud-Anbindung, solange alles im selben Haus steht; maschinelles Lernen, bevor die Grunddaten sauber sind; digitale Zwillinge ohne Anwendungsfall.
Quellen
  • EN IEC 62682 / ISA-18.2 — Management von Alarmsystemen; EN 60073 — Codierung durch Farben.
  • Bill Hollifield, The High Performance HMI Handbook — Grundlage der ruhigen, graustufigen Bediengestaltung.
  • OPC Foundation — Spezifikationen (IEC 62541) und Companion Specifications, teilweise frei.
  • Eclipse Sparkplug Specification — MQTT-Konvention für die Industrie; MQTT 5.0 (OASIS).
  • IEC 62443 — IT-Sicherheit für industrielle Automatisierungssysteme; IEC 63278 / Plattform Industrie 4.0 — Asset Administration Shell.
  • Werkzeuge: Eclipse Mosquitto, Node-RED, InfluxDB, Grafana, open62541 — alle quelloffen.

08 / 11Robotik-Grundlagen & Kinematik

Ein Roboter ist eine Kette starrer Glieder, verbunden durch angetriebene Gelenke. Die ganze Kinematik beantwortet zwei Fragen: Wo ist die Werkzeugspitze, wenn die Gelenke so stehen? Und wie müssen die Gelenke stehen, damit die Spitze dort ist? Die erste Frage ist Rechnen, die zweite ist das eigentliche Problem.

Aufbau und Bauformen

  • Link und Joint: starre Glieder, verbunden durch drehende (revolute) oder schiebende (prismatic) Gelenke. Genau diese Struktur beschreibt später die URDF-Datei — siehe ROS 2.
  • Freiheitsgrade (DOF): Zahl der unabhängigen Bewegungsmöglichkeiten, meist ein Antrieb = 1 DOF. 6 DOF sind nötig, um jede Position und Orientierung im Raum zu erreichen; 7 DOF sind redundant und erlauben Ausweichbewegungen bei gleicher Pose.
  • TCP (Tool Center Point): der Punkt am Endeffektor, dessen Pose gesteuert wird. Ziele gibt man für den TCP an, nicht für einzelne Gelenke.
  • Arbeitsraum: alles, was der TCP erreichen kann — begrenzt durch Gliedlängen und Gelenkgrenzen. Außerhalb gibt es keine Lösung, egal wie man rechnet.
  • Nutzlast gilt am Flansch: Greifer und Werkzeug zählen mit, und das Lastmoment wächst mit dem Abstand vom Flansch.
BauformKinematikStärkeTypischer Einsatz
Knickarm (6R)seriell, sechs DrehgelenkeGrößter Arbeitsraum je Stellfläche, volle OrientierungsfreiheitSchweißen, Handhabung, Montage — der klassische Industrieroboter
SCARAseriell, 2–3 Drehachsen plus HubachseSehr schnell und steif in der EbeneBestücken, Fügen von oben
Delta / Parallelkinematikparallel, drei Arme an gemeinsamer PlattformExtrem schnell, geringe bewegte MassePick-and-Place in der Lebensmittel- und Verpackungstechnik
Kartesisch / Portaldrei LinearachsenEinfache Kinematik, beliebig skalierbar, große LastenPalettieren, CNC, 3D-Druck
Cobotmeist 6R, kraft- und momentenüberwachtArbeit ohne trennende Schutzeinrichtung möglichKleinserien — die Zulässigkeit folgt aus der Risikobeurteilung nach ISO/TS 15066, nicht aus dem Typenschild
Mobiler Roboter / AMRFahrwerk, oft differentiellOrtsveränderlich, Navigation statt KinematikketteTransport, Inspektion, Hobby-Rover

Pose, Frames und Orientierung

Pose = Position (3 Werte) + Orientierung (3 Werte) = 6 Freiheitsgrade Als homogene 4×4-Transformationsmatrix zusammengefasst: oben links die 3×3-Rotationsmatrix, rechts der Translationsvektor. Verkettung von Frames wird damit zur Matrixmultiplikation.
DarstellungWerteVorteilNachteil
Euler-Winkel (Roll, Pitch, Yaw)3Anschaulich, gut für Anzeige und HandeingabeGimbal Lock: bei bestimmten Stellungen fallen zwei Achsen zusammen; außerdem existieren 12 verschiedene Konventionen
Quaternion4 (x, y, z, w)Singularitätsfrei, numerisch stabil, gut interpolierbar (SLERP)Unanschaulich; q und −q beschreiben dieselbe Drehung
Rotationsmatrix9Direkt anwendbar auf VektorenRedundant, driftet numerisch (muss reorthonormalisiert werden)
Achse-Winkel / Rotationsvektor3–4Kompakt, physikalisch intuitivBei kleinen Winkeln schlecht konditioniert

Frames: Basis, jedes Gelenk, Kamera, Werkzeug — jedes Teil hat sein eigenes Koordinatensystem. Messungen zu vergleichen heißt, zwischen Frames umzurechnen; ROS 2 erledigt das mit TF2. Fehler in der Frame-Kette sind die häufigste Ursache dafür, dass ein Roboter in der Visualisierung verbogen aussieht.

Vorwärts- und Rückwärtskinematik

θ₁ θ₂ l₁ l₂ TCP (x, y) Basis-Frame
RichtungFormel (ebener 2R-Arm)Eigenschaft
Vorwärts (FK)x = l₁·cos θ₁ + l₂·cos(θ₁+θ₂)
y = l₁·sin θ₁ + l₂·sin(θ₁+θ₂)
Immer genau eine Lösung. Reines Einsetzen — braucht man, um aus Encoderwerten die aktuelle TCP-Lage anzuzeigen
Rückwärts (IK)cos θ₂ = (x² + y² − l₁² − l₂²) / (2·l₁·l₂)
θ₁ = atan2(y, x) − atan2(l₂·sin θ₂, l₁ + l₂·cos θ₂)
Zwei Lösungen (Ellbogen oben/unten) über das Vorzeichen von θ₂ — oder keine, wenn das Ziel außerhalb des Arbeitsraums liegt
Warum die IK das schwierige Ende ist: Sie ist nichtlinear, mehrdeutig und nicht immer lösbar. Ein 6-Achs-Arm mit zentralem Handgelenk (die letzten drei Achsen schneiden sich in einem Punkt) erfüllt das Pieper-Kriterium und lässt sich geschlossen lösen — typisch mit bis zu acht Lösungen (Schulter × Ellbogen × Handgelenk). Ohne diese Eigenschaft bleibt nur eine numerische Lösung.

DH-Parameter

Die Denavit-Hartenberg-Konvention beschreibt jedes Gliedpaar mit vier Zahlen statt mit einer vollen Matrix — dadurch ist eine beliebig lange Kette durch eine kompakte Tabelle festgelegt.

ParameterBedeutungGemessenVariabel bei
θᵢ — GelenkwinkelDrehung um zi−1von xi−1 nach xiDrehgelenk
dᵢ — GliedversatzVerschiebung entlang zi−1von xi−1 nach xiSchubgelenk
aᵢ — GliedlängeVerschiebung entlang xivon zi−1 nach zifest (Konstruktionsmaß)
αᵢ — GliedverwindungDrehung um xivon zi−1 nach zifest (Konstruktionsmaß)
ᶦ⁻¹Tᵢ = Rotz(θᵢ) · Transz(dᵢ) · Transx(aᵢ) · Rotx(αᵢ) Vorwärtskinematik = Produkt aller Gliedmatrizen: ⁰Tn = ⁰T₁ · ¹T₂ · … · ⁿ⁻¹Tn. Achtung: Neben dieser klassischen Konvention existiert die modifizierte DH-Notation (Craig) mit anderer Reihenfolge — Parametertabellen sind zwischen beiden nicht austauschbar.

Jacobi-Matrix, Singularitäten, Bahnplanung

Jacobi-Matrix J(q)
Bildet Gelenkgeschwindigkeiten auf die TCP-Geschwindigkeit ab: v = J(q) · q̇. Umgekehrt liefert sie über die Pseudoinverse den numerischen Weg zur IK (Damped Least Squares, Levenberg-Marquardt) — genau das tun KDL, TRAC-IK und IKFast.
Singularität
Stellung, in der J den Rang verliert (det J = 0): der Arm büßt kurzzeitig einen Freiheitsgrad ein. Praktisch äußert sich das als plötzliches, sehr schnelles Zucken einzelner Gelenke. Typisch: gestreckter Arm, fluchtende Handgelenkachsen, Achse über der Basis.
Konfigurationsraum (C-Space)
Raum aller Gelenkstellungen — ein 6-Achs-Arm hat einen 6-dimensionalen C-Space. Bahnplaner (RRT*, PRM) suchen darin einen kollisionsfreien Weg; Hindernisse im Arbeitsraum werden zu Sperrgebieten im C-Space.
Pfad ≠ Bahn
Ein Pfad ist die reine Geometrie (welche Punkte), eine Bahn (Trajektorie) hat zusätzlich das Timing. Übliche Profile: Trapez (begrenzte Geschwindigkeit und Beschleunigung) und S-Kurve (zusätzlich begrenzter Ruck) — Letztere schont Mechanik und vermeidet Nachschwingen.
Bewegungsarten nicht verwechseln: Eine Gelenkbewegung (PTP) interpoliert im Gelenkraum — schnell, aber der TCP fährt eine unvorhersehbare Bahn im Raum. Eine Linearbewegung (LIN) interpoliert im kartesischen Raum — vorhersehbar, kann aber in Singularitäten oder an Gelenkgrenzen scheitern. Für die Anfahrt zum Werkstück PTP, für den Bearbeitungsweg LIN.

Wahrnehmung und Navigation

BegriffWas es leistetGrenze
OdometrieEigenposition aus Bewegungsdaten schätzen — Raddrehung, Beinschritt, visuellDriftet: kleine Fehler summieren sich auf (Schlupf, Reifendurchmesser). Allein nie ausreichend
Lokalisierung„Wo bin ich?“ in einer bekannten Karte, per Abgleich der Sensordaten gegen die KarteBraucht unterscheidbare Merkmale — ein leerer, symmetrischer Flur ist der Härtefall
SLAMKarte bauen und sich gleichzeitig darin lokalisieren. Loop Closure korrigiert die Karte, sobald ein bekannter Ort wiedererkannt wirdRechenaufwendig; bewegte Umgebungen und Glasflächen stören erheblich
SensorfusionMehrere Sensoren kombinieren: Radodometrie (kurzfristig genau) + IMU (gut bei Drehung) + Lidar/GNSS (langfristig driftfrei)Standardwerkzeug ist der Kalman-Filter bzw. EKF — er braucht realistische Rauschmodelle, sonst wird er überheblich
Sense–Plan–ActDie Grundschleife: wahrnehmen, entscheiden, handeln — im Code eine Schleife mit fester FrequenzStreng sequenziell wird sie träge; reaktive Anteile laufen deshalb in einer schnelleren Schleife darunter

Regelkreis, PID, Feedforward und feldorientierte Regelung sind bewusst nicht hier beschrieben — sie gelten für jede Achse gleich und stehen unter Regelung, Sensoren & Motoren. Die Robotik setzt darauf auf: Der Bahnplaner erzeugt Sollwerte, die unterlagerte Achsregelung führt sie aus.

Quellen
  • Lynch & Park, Modern Robotics: Mechanics, Planning, and Control, Cambridge University Press — frei als PDF, mit begleitender Vorlesungsreihe.
  • Siciliano, Sciavicco, Villani & Oriolo, Robotics: Modelling, Planning and Control, Springer.
  • Craig, Introduction to Robotics: Mechanics and Control — Ursprung der modifizierten DH-Konvention.
  • Denavit & Hartenberg (1955), A kinematic notation for lower-pair mechanisms based on matrices.
  • ISO 8373 (Begriffe der Robotik), ISO 10218-1/-2 und ISO/TS 15066 (kollaborierende Anwendungen).

09 / 11Roboter-Hardware

Roboterhardware ist eine Kette, die genau so gut ist wie ihr schwächstes Glied. Ein präziser Motor an einem spielbehafteten Getriebe ergibt eine ungenaue Achse. Deshalb wird nicht Bauteil für Bauteil ausgesucht, sondern von der geforderten Bewegung rückwärts gerechnet.

Der Aufbau in Schichten

SchichtAufgabeTypische HardwareTaktrate
LeistungEnergie bereitstellen und schaltenAkku oder Netzteil, BMS, Buck-Wandler, Treiberendstufen
AchsregelungStrom, Drehzahl, Position einer Achse führenMCU oder integrierter Treiber, Encoder1–20 kHz
KoordinationAchsen synchronisieren, Bahn abfahrenMCU oder Echtzeitkern des SBC100–1000 Hz
PlanungBahnen, Navigation, VerhaltenSBC (Raspberry Pi, IPC)10–50 Hz
WahrnehmungBild, Tiefe, Karte, gelernte PolicySBC oder Edge-AI-Board mit GPU5–30 Hz
Die wichtigste Aufteilungsregel: Alles mit hartem Timing gehört auf den Mikrocontroller, alles Rechenintensive auf den Linux-Rechner. Ein normales Linux ist nicht hart echtzeitfähig — eine Stromregelung dort laufen zu lassen, erzeugt Jitter, den keine Reglerauslegung mehr auffängt.

Aktuatoren: die Robotik-Sicht

Wie Motortypen funktionieren, welcher Treiber wozu passt und wie ausgelegt wird, steht in Motoren im Vergleich und Treiber. Hier zählt nur: Was bedeutet die Wahl für ein Gelenk?

AntriebRückmeldungStärke am RoboterSchwäche am Roboter
Hobby-Servo (RC)intern geschlossen, nach außen keineEin Signalpin, sofort Bewegung. Schnellster Weg zum ersten GelenkMeist ≤ 180°, kein Positions- oder Lastwert nach außen, billige Typen zittern
Smart-Servo (Bus)Position, Last, Temperatur, SpannungMehrere Gelenke an einem Bus, Drehmomentgrenze einstellbar, Handführung möglichTeurer; IDs müssen vergeben werden, sonst Buskonflikt
Schrittmotorkeine (offen), außer mit EncoderExakt wiederholbare Position ohne Sensor, hält im StillstandVerliert bei Überlast unbemerkt Schritte; Haltestrom heizt dauerhaft
BLDC mit FOCEncoder zwingendDrehmoment direkt regelbar → nachgiebige, kollisionsfähige Gelenke; Direktantrieb ohne GetriebespielKalibrierung je Motor, deutlich mehr Einarbeitung
DC-Getriebemotoroptional Quadratur-EncoderBilligster Fahrantrieb, robustOhne Encoder keine Position; Anlaufstrom ein Vielfaches des Dauerstroms
Linearaktuatormeist nur EndschalterHohe Schubkraft, oft selbsthemmend (hält Last stromlos)Langsam; ohne Wegmessung nur Endlagenbetrieb
Drehmoment ist die Größe, an der Eigenbauten scheitern. Das Haltemoment eines Gelenks wächst mit Armlänge und Nutzlast und muss im ungünstigsten Fall — Arm waagerecht ausgestreckt — noch mit Reserve gedeckt sein. Auslegung mit Getriebe und Wirkungsgrad unter Antriebsauslegung.

Mechanik: Übertragung und Endeffektor

ElementKennzeichenEinsatz im Roboter
Untersetzung — bestimmt, ob eine Achse schnell oder kräftig ist
Planetengetriebekompakt, hohe Momente, spürbares SpielStandard an Getriebemotoren, Fahrantriebe
Wellgetriebe (Harmonic Drive)praktisch spielfrei, hohe Untersetzung (50:1 bis 160:1) in einer Stufe, teuerGelenke von Industrie- und Kollaborationsrobotern
Zykloidgetriebesehr steif und stoßfest, spielarmBasisnahe Achsen großer Roboter
Zahnriemen (GT2)formschlüssig, schlupffrei, leise; Spannung entscheidetAntrieb entfernter Gelenke, Motor sitzt basisnah → weniger bewegte Masse
Linearachsen — Führen und Antreiben immer trennen
Trapezspindel (T8)günstig, selbsthemmend, geringer WirkungsgradSenkrechte Achsen — die Last bleibt stromlos oben
Kugelumlaufspindelleichtgängig, spielarm, nicht selbsthemmendPräzise und schnelle Vorschübe
Profilschiene (MGN)steif, präzise, nimmt Querkräfte aufJede Linearachse mit Genauigkeitsanspruch
Endeffektor und Fahrwerk
Parallelgreiferzwei Backen, ein Antrieb, definierte BackenlageDer einfachste Eigenbau; gut druckbar, Gummibelag erhöht den Halt
Adaptiver GreiferFinger legen sich um die Form (unteraktuiert)Unterschiedliche, unbekannte Objekte
SauggreiferUnterdruck, sehr schnellGlatte, dichte Flächen — Kartons, Bleche, Folien
Differentialfahrwerkzwei angetriebene Räder plus StützradDer Einstieg: einfache Odometrie-Mathematik, robust
Mecanum / Omniseitliches Fahren und Drehen auf der StelleEnge Umgebungen — braucht vier präzise geregelte Antriebe

Lager, Wellen, Passungen und Schraubverbindungen sind allgemeine Maschinenelemente und stehen unter Mechanik → Lager bzw. Schraubverbindungen.

Sensorik am Roboter

SensorMisstTypische BauteileStolperstein
EncoderGelenkwinkel und DrehrichtungQuadratur am Motor; magnetisch-absolut (AS5600, 12 bit)Inkrementell braucht eine Referenzfahrt, absolut nicht. Details unter Positionsmessung
IMUDrehrate und Beschleunigung, optional MagnetfeldMPU-6050 (Rohdaten), BNO055 (rechnet Lage intern)Gyro driftet, Beschleunigungssensor rauscht — nur fusioniert brauchbar; Magnetometer stört jeder Motor
Endschaltereine definierte Referenzlagemechanisch, optisch, HallEntprellen; zusätzlich zum Software-Grenzwert setzen, nicht statt
ToF-DistanzAbstand über LichtlaufzeitVL53L0X (~2 m), VL53L1X (~4 m), I²CSchmaler Messkegel — ein Punkt, keine Fläche; Glanz und dunkle Flächen stören
UltraschallAbstand über EcholaufzeitHC-SR04, 2–400 cmBreiter Kegel, langsam; mehrere Sensoren stören sich, weiche Stoffe liefern kein Echo
2D-LidarAbstände rundum in einer EbeneRPLidar A1/C1, ~12 mGlas und Spiegel sind unsichtbar; erfasst nur die Scanebene — der Tischrand darüber fehlt
Tiefenkamera (RGB-D)Farbbild plus Entfernung je PixelRealSense D-Serie, Luxonis OAK-D, OrbbecTiefe bricht bei Sonnenlicht ein; Hand-Auge-Kalibrierung ist Pflicht, sonst greift der Arm daneben
Kraft / DrehmomentKontaktkraft am Werkzeug oder GelenkWägezelle mit HX711, FSR; echte 6-Achs-F/T-SensorenDer Motorstrom ist der günstige Ersatz — gut für Schwellen (Blockieren), zu grob für Feinkraft

Compute und Energie

Mikrocontroller
ESP32 (Funk an Bord), RP2350/Pico (günstig, zwei Kerne), STM32 (industrienah, viele Timer und Hardware-Encoderzähler). Trägt Achsregelung, Sensoreinlesen und Sicherheitsabschaltung — und spricht über micro-ROS direkt mit dem ROS-2-Graphen.
Single-Board-Computer
Raspberry Pi 5 als Standard: reicht für ROS 2, 2D-Navigation und Bahnplanung. Ubuntu ist die saubere Basis. Für schwere neuronale Netze reicht die CPU nicht.
Edge-AI-Board
Jetson Orin Nano (Super) als Einstieg in Bildverarbeitung und gelernte Policies am Gerät, Jetson AGX Thor für große Modelle. Erst nötig, wenn die KI wirklich auf dem Roboter laufen soll — trainiert wird ohnehin auf einem PC mit GPU.
Energie
Li-Ion/LiPo: 3,6–3,7 V je Zelle, 3S ≈ 11,1 V; LiFePO4 3,2 V, sicherer und langlebiger, dafür schwerer. Immer mit BMS und Balancer laden, nie unbeaufsichtigt. Für stationäre Versuche ist ein Netzteil bequemer und sicherer.
Spannungsaufbereitung
Buck-Wandler für die Logik, getrennt von der Motorschiene abgegriffen. Motoren erzeugen beim Abschalten Spannungsspitzen und beim Anlauf Einbrüche — beides bringt sonst den SBC zum Neustart. Stützkondensatoren an der Motorschiene helfen.
Verkabelung
Sternförmige Masse, Signalleitungen von Motorleitungen fernhalten, bewegte Leitungen als Schleppkette oder mit definierter Biegeschlaufe führen. Gebrochene Adern in Gelenken sind der häufigste Hardwarefehler nach einigen Betriebswochen.

Auslegung: rückwärts rechnen

Anforderung an den TCP festlegen

Nutzlast, Reichweite, geforderte Wiederholgenauigkeit, Zykluszeit. Ohne diese vier Zahlen ist jede Bauteilwahl geraten.

Statisches Moment je Gelenk bestimmen

Ungünstigster Fall: Arm waagerecht, volle Nutzlast, Eigengewicht der nachfolgenden Glieder eingerechnet.

Dynamik aufschlagen

Beschleunigungsmoment aus Massenträgheit und gewünschter Rampe addieren, dann Reserve — Faktor 2 ist im Eigenbau realistisch, nicht großzügig.

Getriebe wählen, Spiel prüfen

Untersetzung ergibt sich aus Moment und Drehzahl. Das Spiel des Getriebes begrenzt die erreichbare Genauigkeit unabhängig von der Encoderauflösung.

Sensorauflösung gegenprüfen

Encoderauflösung mal Untersetzung muss die geforderte Winkelgenauigkeit mit Reserve schlagen — sonst regelt die Achse gegen ihre eigene Quantisierung.

Energiebilanz und Wärme

Dauerstrom aller Achsen zusammen, Spitzenstrom beim gleichzeitigen Anfahren. Treiber und Akku danach dimensionieren, nicht nach dem Motorschild.
Quellen
  • Datenblätter und Applikationsschriften der genannten Bauteile (STMicroelectronics VL53L0X/L1X, Trinamic/ADI TMC-Reihe, Bosch Sensortec BNO055, ams AS5600).
  • Herstellerdokumentation Robotis Dynamixel und Feetech STS/SCS — Busprotokoll und Rückmeldewerte.
  • Raspberry Pi Documentation; NVIDIA Jetson Modules.
  • Lynch & Park, Modern Robotics — Kapitel zu Aktuierung und Getrieben.
  • Antriebsauslegung, Motorkennlinien und Treibertopologien: Regelung, Sensoren & Motoren.

10 / 11ROS 2 & Software-Stack

ROS 2 ist kein Betriebssystem, sondern ein Baukasten aus Bibliotheken und Konventionen. Sein eigentlicher Wert liegt darin, dass Navigation, Armplanung, Treiber und Visualisierung von unterschiedlichen Gruppen entwickelt wurden und trotzdem zusammenspielen — weil sie dieselben Datentypen und dasselbe Kommunikationsmuster benutzen.

Die Bausteine des Graphen

BausteinMusterWofürFalle
NodeProzess mit NamenEine Aufgabe je Knoten: Treiber, Filter, PlanerAlles in einen Knoten zu packen macht den Vorteil zunichte
TopicPublish/Subscribe, gerichtet, ohne AntwortKontinuierliche Datenströme: Sensorwerte, Odometrie, StellbefehleEmpfänger unbekannt — niemand merkt, wenn keiner zuhört
ServiceAnfrage/Antwort, blockierendKurze Abfragen und Umschaltungen: Parameter setzen, Karte speichernNichts Langlaufendes hier abwickeln
ActionZiel, Zwischenstand, Ergebnis, abbrechbarAlles mit Dauer: „Fahre nach A“, „Plane und führe Bewegung aus“Der Abbruchpfad wird gern vergessen und dann nie getestet
Parameterbenannte Werte je KnotenKonfiguration aus YAML statt fest verdrahtetZur Laufzeit änderbar — Änderungen müssen abgefangen werden
TF2Baum aus Koordinatensystemen über der Zeit„Wo ist der Punkt aus der Kamera im Basis-Frame — vor 0,2 s?“Ein einziger fehlender Frame legt halbe Stacks lahm
QoS ist der häufigste Grund für „es kommt nichts an“. Jedes Topic hat ein Dienstgüteprofil — Reliability (zuverlässig oder best effort), Durability (flüchtig oder transient local), History-Tiefe. Passen die Profile von Sender und Empfänger nicht zusammen, kommt gar keine Verbindung zustande, ohne Fehlermeldung. Sensordaten laufen üblicherweise best effort, Karten und statische Transformationen transient local.

Distributionen und Support

DistributionFreigabeArtUbuntuUnterstützt bisGazebo-Paarung
Humble HawksbillMai 2022LTS22.04Mai 2027Fortress
Jazzy JaliscoMai 2024LTS24.04Mai 2029Harmonic (LTS)
Kilted KaijuMai 2025kein LTS24.04Dez. 2026Ionic
Lyrical LuthMai 2026LTS26.04Mai 2031Jetty
Rolling RidleyfortlaufendEntwicklungszweigjeweils neuestejeweils neueste
Welche Version im Jahr 2026? Jazzy, wenn die größte Zahl fertiger Pakete und Tutorials zählt — es ist die reifste aktuelle LTS und läuft noch bis 2029. Lyrical Luth für Projekte, die über 2029 hinaus laufen sollen; als frische Freigabe hinkt das Paketökosystem der Community aber noch hinterher. Kilted ist bereits am Ende seines Lebenszyklus und für Neuprojekte keine Wahl. Distributionen lassen sich nicht mischen — die Entscheidung fällt zu Projektbeginn.

Der Baukasten

PaketAufgabeKernstück
Beschreibung und Hardware
URDF / xacroAufbau des Roboters beschreiben: Links, Joints, Grenzen, Massen, KollisionskörperDie Grundlage, auf der Simulation, RViz, MoveIt 2 und ros2_control aufsetzen. xacro macht daraus wiederverwendbare Makros statt XML-Wüsten
ros2_controlHardware und Regler trennenHardware-Interface (Treiber) auf der einen, Controller (joint_trajectory_controller, diff_drive_controller) auf der anderen Seite. Hardwaretausch lässt die Reglerlogik unberührt
micro-ROSROS-2-Knoten auf dem MikrocontrollerEin ESP32 oder STM32 publiziert selbst Topics, statt über eine selbstgebaute serielle Brücke zu sprechen — die saubere Naht zwischen Echtzeit- und Planungsebene
Bewegung
MoveIt 2Bewegungsplanung für ArmeLöst die IK (KDL, TRAC-IK, IKFast), plant kollisionsfrei (OMPL, Pilz Industrial Motion Planner) und führt aus. MoveIt Servo für kontinuierliche kartesische Vorgaben
Nav2Navigation fahrender RoboterBehavior Trees über Planern (Smac, NavFn) und Reglern (MPPI, Regulated Pure Pursuit); Lokalisierung mit AMCL, Kartierung mit slam_toolbox
Werkzeuge
RViz 2Anzeigen, was der Roboter „denkt“Frames, Sensordaten, geplante Bahnen, Karten. Kein Simulator — ein leeres RViz heißt fast immer fehlende TF oder falsches QoS
rosbag2Datenströme aufzeichnen und wiedergebenDas wichtigste Debugging-Werkzeug: einen Fehlerfall einmal aufzeichnen und danach beliebig oft ohne Hardware nachstellen
colconArbeitsbereich bauenBaut alle Pakete im workspace; zusammen mit rosdep für Abhängigkeiten. Nach jedem Bauen das Overlay neu einlesen

Die Kommunikation läuft über DDS; die Implementierung ist über die RMW-Schicht austauschbar (Fast DDS, Cyclone DDS, alternativ Zenoh). Für den Anfang genügt die Voreinstellung — relevant wird die Wahl erst bei großen Graphen, WLAN-Strecken oder mehreren Robotern im selben Netz.

Simulation

SimulatorStärkeEinordnung
GazeboPhysik plus Sensormodelle, eng mit ROS 2 verzahnt (ros_gz)Die Standardwahl für klassische Robotik. Achtung: „Gazebo Classic“ ist ausgelaufen und nicht dasselbe wie das heutige Gazebo (früher Ignition)
WebotsViele fertige Modelle, geringer EinrichtungsaufwandZugänglicher Einstieg, quelloffen; für ROS-2-Workflows ist Gazebo am Ende meist natürlicher
MuJoCoSehr schnelle und genaue KontaktsimulationQuasi-Standard in der RL-Forschung an Greif- und Laufrobotern, quelloffen — kein Bau-Simulator
NVIDIA Isaac SimFotorealistik, GPU-Physik, synthetische TrainingsdatenFür großangelegtes RL-Training und Sim-to-Real. Braucht eine kräftige NVIDIA-GPU
GenesisSehr hoher Durchsatz durch massiv parallele UmgebungenJung und schnelllebig; interessant für RL-Training, nicht für den Hardwareaufbau
Simulation beweist nichts über die Hardware. Sie findet Logik-, Frame- und Planungsfehler zuverlässig — Reibung, Getriebespiel, Latenz und Sensorrauschen bildet sie nur so gut ab, wie man sie parametriert hat. Was in Gazebo sauber läuft, kann auf der echten Achse schwingen.

Erste Hürden

Wo Einsteiger hängenbleiben

  • TF-Baum unvollständig oder doppelt: zwei Knoten publizieren denselben Frame, der Baum zerfällt
  • QoS-Profile passen nicht: Verbindung kommt stumm gar nicht zustande
  • Overlay nicht eingelesen: nach dem Bauen wird weiter die alte Version ausgeführt
  • Zeitstempel aus verschiedenen Quellen: Sensordaten und TF driften auseinander
  • Alles auf dem SBC: die Regelschleife bekommt Jitter, die Achse schwingt
  • Distributionen gemischt: Pakete aus Jazzy in einem Lyrical-Workspace

Was hilft

  • ros2 topic hz, ros2 topic info --verbose und tf2_echo als erste Griffe bei jedem Problem
  • URDF früh in RViz prüfen — verbogene Darstellung heißt Fehler in der Gelenkkette
  • Jeden Fehlerfall mit rosbag2 aufzeichnen, dann offline analysieren
  • Simulierte Zeit konsequent nutzen: use_sim_time überall gleich setzen
  • Schnelle Regelung auf den MCU auslagern, über micro-ROS anbinden
  • Launch-Dateien und Parameter-YAML von Anfang an versionieren

Regelfrequenzen und die Aufteilung zwischen MCU und Linux-Rechner sind unter Roboter-Hardware beschrieben, Reglerentwurf und Abtastzeit unter Digitale Regelung.

Quellen
  • ROS 2 Documentation — Tutorials, Distributionsliste und Support-Zeiträume (REP 2000).
  • ros2_control, MoveIt 2, Nav2 — jeweils eigene Dokumentation mit Beispielprojekten.
  • Gazebo Documentation — inklusive der Zuordnung von Gazebo- zu ROS-2-Versionen.
  • micro-ROS — unterstützte Mikrocontroller und Transportvarianten.
  • ROS Enhancement Proposals (REP), insbesondere REP 103 (Einheiten und Konventionen) und REP 105 (Frames für mobile Roboter).

11 / 11Robot Learning

Robot Learning ersetzt nicht die Regelungstechnik, sondern die oberste Schicht. Statt jede Bewegung zu programmieren, wird eine Strategie aus Daten oder aus Belohnung gelernt. Darunter läuft weiterhin eine gewöhnliche Achsregelung — und darüber steht die Frage, ob das Problem den Aufwand überhaupt rechtfertigt.

Wann sich Lernen lohnt

Gute Kandidaten

  • Aufgaben mit Kontakt und Variation: Stecken, Falten, Wischen, Greifen unbekannter Objekte
  • Wahrnehmungsgetriebene Aufgaben, bei denen die Zielpose aus dem Bild kommt
  • Aufgaben, die sich leicht vorführen, aber schwer beschreiben lassen
  • Laufen und Balancieren — hochdimensionale Kontaktdynamik, für die kein Modell reicht

Schlechte Kandidaten

  • Feste Posen in bekannter Umgebung — eine klassische Bahn ist schneller, genauer und prüfbar
  • Alles mit Sicherheitsanforderung: eine gelernte Policy ist nicht zertifizierbar
  • Aufgaben mit harter Genauigkeitsvorgabe im Zehntelmillimeterbereich
  • Projekte ohne belastbare Datenerfassung — ohne Demonstrationen oder Simulator kein Training

Die Lernparadigmen

AnsatzLernsignalBrauchtStärke / Schwäche
Reinforcement LearningBelohnung aus Versuch und IrrtumSimulator und sehr viele DurchläufeFindet Lösungen, die niemand vorgemacht hat — scheitert an schlecht gewähltem Reward und braucht Millionen Schritte
Imitation Learning / Behavior CloningMenschliche DemonstrationenTeleoperation und ein paar Dutzend bis Hundert VorführungenDer praktikabelste Einstieg — aber nie besser als die Demonstrationen, und Fehler summieren sich außerhalb der gezeigten Zustände auf
Offline RLBelohnung aus einem festen DatensatzAufgezeichnete Daten mit BewertungKein riskantes Ausprobieren nötig; leidet darunter, dass sich Aktionen außerhalb der Daten nicht bewerten lassen
Vision-Language-Action (VLA)Große vortrainierte Modelle plus RobotikdatenVortrainiertes Modell, Feinabstimmung auf die eigene HardwareSprachbefehl statt Programm, gute Generalisierung — hoher Rechenbedarf und schwer vorhersagbares Verhalten
Klassische PlanungModell und KostenfunktionKinematik, Karte, KollisionsmodellVorhersagbar, erklärbar, prüfbar. In der Praxis bleibt sie die Grundlage — gelernt wird nur, was sich nicht modellieren lässt
Policy π(a | o) — Beobachtung hinein, Aktion heraus Das Endprodukt jedes Lernverfahrens: meist ein neuronales Netz, das auf dem Roboter mit fester Frequenz ausgewertet wird. Alles andere — Reward, Datensatz, Simulator — ist Mittel zum Zweck.

Aktuelle Verfahren

VerfahrenIdeeEinordnung
ACT (Action Chunking with Transformers)Sagt statt einer einzelnen Aktion eine ganze Sequenz vorausAus dem ALOHA-Projekt. Action Chunking dämpft das Aufschaukeln von Fehlern beim Behavior Cloning — der Grund, warum wenige Demonstrationen genügen
Diffusion PolicyErzeugt die Aktionssequenz wie ein Bildgenerator, durch schrittweises EntrauschenKommt mit mehrdeutigen Demonstrationen zurecht (zwei gleich gute Wege) — dort versagt einfaches Regressionslernen
Flow-Matching-VLA (π₀, π₀.₅)Bild-Sprach-Modell als Rumpf, daran ein Aktionskopf für kontinuierliche StellgrößenVon Physical Intelligence; π₀.₅ zielt auf Generalisierung in unbekannten Umgebungen. Gewichte teils offen verfügbar
OpenVLAOffenes VLA-Modell, auf robotertypübergreifenden Daten trainiertDer zugänglichste Startpunkt für eigene Feinabstimmung, weil Gewichte und Trainingscode offen sind
Gemini RoboticsEin einziges Modell für Wahrnehmung, Schlussfolgern und AktionVon Google DeepMind; zeigt, wie weit Sprachverständnis in die Ausführung hineinreicht. Nicht frei nachbaubar
Open X-EmbodimentZusammengelegter Datensatz vieler Labore und RobotertypenKein Verfahren, sondern die Datengrundlage, auf der die meisten der obigen Modelle vortrainiert sind

Das Feld bewegt sich schnell und die Namen wechseln jährlich. Stabil bleibt das Muster: ein großes vortrainiertes Modell für die Wahrnehmung, ein spezialisierter Kopf für kontinuierliche Aktionen, Feinabstimmung auf der eigenen Hardware.

Von der Demonstration zur Policy

Aufgabe eng fassen

Eine Aufgabe, eine Umgebung, ein Objektsatz. „Räum den Tisch auf“ ist kein Lernproblem, „stecke den Stift in den Becher“ schon.

Teleoperation aufbauen

Üblich ist ein baugleicher Leader-Arm: Der Mensch führt ihn, der Follower ahmt nach und zeichnet dabei Bilder, Gelenkwinkel und Kommandos synchron auf.

Demonstrationen sammeln

Größenordnung 50–200 Durchläufe je Aufgabe, bewusst mit Variation in Startlage, Beleuchtung und Objektposition. Auch misslungene Versuche mit Korrektur aufzeichnen — sonst weiß die Policy nie, wie man sich fängt.

Trainieren

Auf einem PC mit GPU, nicht auf dem Roboter. Zuerst eine bewährte Architektur (ACT oder Diffusion Policy) nehmen, nicht eine eigene entwerfen.

Auf der Hardware auswerten

Erfolgsquote über viele Versuche zählen, nicht das beste Video. Die Zahl, die zählt, ist die Trefferquote bei neuen Startlagen.

Gezielt nachsammeln

Dort zusätzliche Demonstrationen aufnehmen, wo die Policy scheitert. Das bringt fast immer mehr als ein größeres Modell.

Sim-to-Real

Die Lücke
Eine in Simulation gelernte Policy versagt auf echter Hardware, weil Reibung, Spiel, Latenz und Sensorrauschen anders sind. Das ist die zentrale Hürde — und der Grund, warum Demovideos leichter aussehen als die Umsetzung.
Domain Randomization
Massen, Reibwerte, Verzögerungen, Texturen und Licht in der Simulation absichtlich streuen. Die Policy lernt, robust statt exakt zu sein, und überträgt besser.
Systemidentifikation
Der andere Weg: die Simulation an die reale Achse anpassen, indem Reibung, Trägheit und Totzeit gemessen und eingesetzt werden. Weniger populär, oft wirksamer.
Latenz mitmodellieren
Zwischen Bild und Stellbefehl liegen Verarbeitungs- und Buszeiten. Wird die Totzeit im Simulator nicht nachgebildet, lernt die Policy ein Zeitverhalten, das es real nicht gibt.
Reward Hacking
Der Agent maximiert, was belohnt wird — nicht, was gemeint war. Ein Roboter, der Objekte aus der Kamera schiebt, statt sie einzusortieren, hat den Reward korrekt gelöst.
Sicherheit beim Erproben
Software-Grenzen für Gelenkwinkel und Geschwindigkeit, Strombegrenzung, ein erreichbarer Hauptschalter. Eine gelernte Policy hat keinen Begriff von Schaden — Grenzen gehören unter sie, in die Achsregelung.

Werkzeuge und Einstieg

WerkzeugRolleAnmerkung
Hugging Face LeRobotPlattform für Imitation Learning auf günstiger HardwareCode, Datensätze, vortrainierte Policies und nachbaubare Armpläne mit Feetech-Bus-Servos. Der realistischste Weg von eigener Hardware zu einer gelernten Policy
GymnasiumStandardschnittstelle für RL-UmgebungenNachfolger von OpenAI Gym, gepflegt von der Farama Foundation. Eine Schnittstelle, kein Simulator
Stable-Baselines3Fertige RL-Algorithmen (PPO, SAC, TD3)Gut dokumentiert; der praktische Weg, RL anzuwenden, ohne Algorithmen selbst zu implementieren
MuJoCoSchnelle, kontaktgenaue PhysikQuelloffen; Standard für RL-Experimente an Greif- und Laufrobotern
NVIDIA Isaac LabGPU-parallelisiertes RL-TrainingNachfolger von Isaac Gym; tausende Umgebungen gleichzeitig auf einer GPU. Setzt Isaac Sim voraus
Sutton & BartoReinforcement Learning: An IntroductionDas Standardwerk, frei als PDF. Theorie ohne Hardwarebezug — sinnvoll erst, wenn RL tatsächlich ansteht
Reihenfolge: Erst Hardware bauen und mit klassischer Regelung zum Laufen bringen (Roboter-Hardware), dann den Software-Stack beherrschen (ROS 2), dann Imitation Learning mit LeRobot — Reinforcement Learning zuletzt. Der allgemeine Lernpfad durch die Module steht im Projekte, Vorgehen & Lernpfad.
Quellen
  • Sutton & Barto, Reinforcement Learning: An Introduction, 2. Auflage — frei verfügbar.
  • Zhao et al., Learning Fine-Grained Bimanual Manipulation with Low-Cost Hardware (ACT/ALOHA); Chi et al., Diffusion Policy.
  • Open X-Embodiment Collaboration — robotertypübergreifender Datensatz und RT-X-Modelle.
  • Hugging Face LeRobot; Gymnasium; Stable-Baselines3.
  • MuJoCo (Google DeepMind); NVIDIA Isaac Lab.