Leiterplatte & KiCad

Anleitung ⚙️ Mechatronik 10 Abschnitte Stand 26.08.2026

Der komplette Weg vom Schaltplan zur bestückten Platine mit KiCad 10: Bibliotheken und Footprints, Lagenaufbau, Leiterbahnbreite nach IPC, Masseführung, Signalintegrität, Fertigungsdaten und Bestellung.

01 / 10Start & Workflow

Der Weg vom Schaltplan zur bestückten Platine ist heute in wenigen Tagen und für zweistellige Eurobeträge machbar. Was ihn scheitern lässt, sind selten die Werkzeuge — es sind vergessene Fußabdrücke, falsche Bauformen und ein Layout, das erst beim Einschalten auffällt.

Der Ablauf

Anforderungen festhalten

Versorgungsspannungen, Ströme, Schnittstellen, Umgebungsbedingungen, mechanische Randbedingungen. Eine halbe Seite reicht — aber sie muss vor dem ersten Bauteil stehen.

Blockschaltbild

Welche Baugruppen gibt es, was fließt zwischen ihnen? Erst danach die Bauteile auswählen.

Bauteile auswählen und Verfügbarkeit prüfen

Vor dem Zeichnen. Ein Bauteil, das erst in 40 Wochen lieferbar ist, macht das schönste Layout wertlos.

Schaltplan zeichnen

Lesbar gegliedert, mit Werten, Toleranzen und Bauformen. Der Schaltplan ist die Dokumentation, die man in fünf Jahren noch versteht.

Elektrische Regelprüfung (ERC)

Unverbundene Pins, doppelte Bezeichner, Ausgänge gegeneinander — der Prüflauf findet in Sekunden, was sonst Stunden kostet.

Footprints zuordnen und prüfen

Jedes Bauteil gegen das Datenblatt kontrollieren. Der häufigste teure Fehler ist ein falscher oder gespiegelter Fußabdruck.

Platzieren

Nach Funktionsgruppen und Signalfluss. Das Platzieren entscheidet über 80 % der Layoutqualität, das Routen nur über den Rest.

Routen

Erst Versorgung und kritische Signale, dann der Rest. Massefläche durchgehend halten.

Entwurfsregelprüfung (DRC)

Gegen die Fertigungsvorgaben des gewählten Herstellers, nicht gegen die Voreinstellung.

Fertigungsdaten erzeugen und bestellen

Gerber oder das native Format des Herstellers, Bohrdaten, Bestückungsdaten, Stückliste.

Bestücken, prüfen, in Betrieb nehmen

Mit Strombegrenzung, Baugruppe für Baugruppe.

Landkarte

Was eine Platine kostet

VarianteGrößenordnungAnmerkung
2 Lagen, 100 × 100 mm, 5 Stück2–10 €Standard-Sammelfertigung; Versand ist oft teurer als die Platinen
4 Lagen, 100 × 100 mm, 5 Stück10–30 €Der Aufpreis ist so gering, dass sich vier Lagen fast immer lohnen
Bestückung einseitig, 5 Stück30–100 € plus BauteileEinrichtekosten je Bauteiltyp dominieren bei kleinen Stückzahlen
Schablone für Lotpaste5–20 €Lohnt ab drei Platinen, wenn selbst mit Heißluft oder Heizplatte bestückt wird
ExpressfertigungFaktor 2–4Selten nötig — der Zeitgewinn liegt meist bei zwei bis drei Tagen
Realistische Planung: Standardfertigung 7–14 Tage bis zur Lieferung; mit der zweiten Runde, die praktisch jeder erste Entwurf braucht, vier bis sechs Wochen bis zur funktionierenden Baugruppe. Deshalb Prüfpunkte, Reservebauteile und Trennstellen einplanen.
Grundlage dieses Moduls
  • KiCad Dokumentation — Handbücher zu Schaltplan, Layout und den Rechnerwerkzeugen, auch auf Deutsch.
  • IPC-2221B (Generic Standard on Printed Board Design) und IPC-2152 (Standard for Determining Current Carrying Capacity).
  • Henry W. Ott, Electromagnetic Compatibility Engineering, Kapitel zu Leiterplattenlayout.
  • Rick Hartley, Vorträge zu Masseführung und Rückstrompfaden — frei auf YouTube, für Layoutfragen die klarste verfügbare Darstellung.
  • Löten und Nacharbeit im Detail: Löten.

02 / 10KiCad 10 im Überblick

KiCad ist seit Jahren die naheliegende Wahl für eigene Leiterplatten: quelloffen, ohne Größen- oder Lagenbegrenzung, ohne Lizenzbindung an eine Cloud. Die aktuelle stabile Reihe ist 10.0 (Erstveröffentlichung im März 2026).

Die Programmteile

TeilAufgabeDateiendung
ProjektverwaltungKlammer um alle Dateien.kicad_pro
SchaltplaneditorSchaltung zeichnen, Bauteile zuordnen, ERC.kicad_sch
SymboleditorEigene Schaltplansymbole.kicad_sym
LayouteditorPlatzieren, Routen, DRC, Fertigungsdaten.kicad_pcb
FootprinteditorEigene Fußabdrücke.kicad_mod
Gerber-BetrachterFertigungsdaten prüfen, bevor sie rausgehen
3D-AnsichtMechanische Prüfung, Export nach STEP
RechnerwerkzeugeLeiterbahnbreite, Wellenwiderstand, Spannungsteiler, E-Reihen, Farbcode
Alle KiCad-Dateien sind Textdateien — Projekte gehören deshalb in Git: Änderungen als Diff, Schaltplan, Layout, Stückliste und Firmware im selben Repository.

Bibliotheken verstehen

Symbol
Das Schaltplanbild mit den Anschlüssen und ihren elektrischen Typen (Eingang, Ausgang, Versorgung, passiv). Die Typen wertet die elektrische Regelprüfung aus.
Footprint
Die Kupferflächen, Lötstoppmaske, Pastenmaske, Bestückungsdruck und die Umrisse auf der Platine. Hier entstehen die teuersten Fehler.
3D-Modell
Nur für die visuelle und mechanische Prüfung. Wichtig, wenn ein Gehäuse dazukommt.
Eigene Bibliothek anlegen
Projektspezifische oder eigene Bauteile in eine eigene Bibliothek, die mit dem Projekt versioniert wird. Sonst fehlt bei einem Rechnerwechsel plötzlich ein Symbol.
Jeden Footprint gegen das Datenblatt prüfen. Auch die mitgelieferten Bibliotheken sind nicht unfehlbar. Fünf Minuten je kritischem Bauteil — gegen zwei Wochen Wartezeit auf eine neue Platine. Prüfablauf: Bauformen → Footprints prüfen.

Werkzeuge, die man kennen sollte

WerkzeugNutzen
Elektrische Regelprüfung (ERC)Findet nicht angeschlossene Pins, gegeneinander treibende Ausgänge, fehlende Stromversorgungssymbole
Entwurfsregelprüfung (DRC)Prüft Abstände, Bahnbreiten, Bohrungen gegen die eingestellten Randbedingungen. Vor der Fertigung muss sie fehlerfrei durchlaufen
Randbedingungen (Design Rules)Vorgaben des Fertigers eintragen: minimale Leiterbahnbreite, Abstand, Bohrdurchmesser, Ringbreite. Nicht die Voreinstellung übernehmen
NetzklassenUnterschiedliche Regeln je Netzgruppe — breitere Bahnen und größere Abstände für Leistungsnetze, definierter Wellenwiderstand für schnelle Signale
Interaktives Routen mit SchiebenBestehende Bahnen weichen aus, statt zu blockieren. Spart sehr viel Zeit
Differentielle PaareZwei Netze mit den Endungen _P und _N werden gemeinsam geroutet, mit Längenausgleich
Length TuningMäander zum Ausgleich von Laufzeitunterschieden bei parallelen Bussen
RechnerwerkzeugeLeiterbahnbreite nach IPC, Microstrip- und Streifenleitungsimpedanz, Via-Belastbarkeit — direkt eingebaut
3D-Betrachter und STEP-ExportPrüfen, ob die Baugruppe ins Gehäuse passt, bevor beides gefertigt wird

Alternativen und wann sie passen

WerkzeugKostenCharakter
KiCadkostenlos, quelloffenVoller Funktionsumfang, keine Begrenzungen, Textformate, aktive Entwicklung. Für praktisch alles die richtige Wahl
EasyEDAkostenlos, cloudbasiertSehr niedrige Einstiegshürde, direkt an LCSC und JLCPCB angebunden. Abhängigkeit von einem Anbieter
EagleeingestelltIn Fusion aufgegangen. Ältere Projekte lassen sich nach KiCad importieren
Altium Designersehr teuerIndustriestandard für große Entwürfe, ausgereiftes Bibliotheks- und Variantenmanagement
Horizon EDA / LibrePCBkostenlosInteressante Ansätze, kleinere Nutzerbasis

Der erste Entwurf — was man üben sollte

Etwas Kleines, das man wirklich braucht

Ein Breakout-Board für einen Sensor, ein Adapter, eine Verteilplatine. Nicht das ambitionierte Projekt als Erstversuch.

Nur bekannte Bauformen verwenden

0805 oder 0603 für Passive, SOIC statt QFN, Stiftleisten im 2,54-mm-Raster. Handbestückbar bleiben.

Zwei Lagen mit durchgehender Massefläche unten

Reicht für den Anfang und vermittelt die wichtigste Layoutregel gleich mit.

Reichlich Prüfpunkte und Beschriftung

Jede Versorgung, jedes wichtige Signal auf einen Testpunkt. Bauteilwerte im Bestückungsdruck.

Gerber-Dateien im Betrachter prüfen

Vor dem Absenden Lage für Lage ansehen. Fehlende Lötstoppmaske oder eine falsche Bohrdatei fallen dort sofort auf.
Quellen
  • docs.kicad.org — offizielle Handbücher, mehrsprachig.
  • KiCad-Blog mit den Versionshinweisen zur 10.0-Reihe.
  • KiCad-Forum — sehr aktiv und hilfsbereit.
  • Contextual Electronics und Phil's Lab (YouTube) — durchgängige Projektvideos von der Idee bis zur bestückten Platine.

03 / 10Schaltplan sauber zeichnen

Der Schaltplan ist die eigentliche Dokumentation einer Baugruppe. Ein Layout kann man neu machen, eine Firmware neu schreiben — aber wenn niemand mehr versteht, warum dieser Widerstand dort sitzt, ist die Schaltung verloren. Lesbarkeit ist deshalb keine Kosmetik.

Gliederung

Signalfluss von links nach rechts

Eingänge links, Verarbeitung in der Mitte, Ausgänge rechts. Versorgung oben, Masse unten. Diese Konvention macht jeden Plan sofort lesbar.

Nach Funktionsgruppen aufteilen

Bei mehr als etwa dreißig Bauteilen auf mehrere Blätter: Versorgung, Mikrocontroller, Analogteil, Schnittstellen, Leistungsteil. Ein Übersichtsblatt mit Hierarchie oben.

Netzlabels statt langer Leitungen

Ein Label VBUS oder SPI_SCK ist lesbarer als eine Leitung quer über das Blatt. Aber: Labels sparsam und eindeutig benennen, sonst entstehen unbeabsichtigte Verbindungen.

Werte, Toleranzen und Bauformen eintragen

Nicht nur „100n“, sondern „100 nF / 50 V / X7R / 0603“. Diese Angaben landen in der Stückliste und sparen später Rückfragen.

Kommentare in den Plan

Warum 4,7 kΩ und nicht 10 kΩ? Warum diese Diode? Ein Textfeld daneben ist die billigste Dokumentation, die es gibt.

Bezeichner nach Norm

KürzelBauteilKürzelBauteil
RWiderstandUIntegrierte Schaltung
CKondensatorQTransistor
LSpule, DrosselDDiode, LED
JSteckverbinderYQuarz, Oszillator
SWSchalter, TasterFSicherung
TPPrüfpunktKRelais
FBFerritperleMHBohrung, Befestigung

Nummerierung blattweise: R101–R199 auf Blatt 1, R201–R299 auf Blatt 2 — in KiCad per blattweiser Annotation. Die Kürzel folgen der in EDA-Werkzeugen üblichen Konvention (IEEE 315 / ASME Y14.44).

Was in jeden Schaltplan gehört

Abblockkondensatoren
100 nF an jedem Versorgungspin jedes ICs. Zusätzlich 1–10 µF je Versorgungszweig. Sie gehören in den Plan, auch wenn sie „selbstverständlich“ sind — was nicht gezeichnet ist, wird nicht bestückt.
Prüfpunkte
Jede Versorgung, Reset, wichtige Signale. Ein Pad mit 1 mm Durchmesser kostet nichts und spart bei der Fehlersuche viel.
Programmier- und Debug-Anschluss
SWD oder JTAG, mit Masse und Reset. Auch wenn ein Bootloader vorgesehen ist — wenn der nicht startet, ist SWD der einzige Weg hinein.
Reservebauteile
Nicht bestückte Plätze (DNP) für einen zusätzlichen Widerstand, eine Brücke, einen Kondensator. Damit lässt sich eine Fehlentscheidung ohne neue Platine korrigieren.
Verpolschutz und Sicherung
Am Eingang jeder Versorgung. Ein verpoltes Netzteil ist der häufigste Weg, eine fertige Baugruppe zu zerstören.
Status-LED
Eine LED an der Versorgung und eine am Controller. Beim ersten Einschalten die schnellste Rückmeldung überhaupt.
Pull-Widerstände
An Reset, an Boot-Pins, an I²C-Leitungen, an Enable-Eingängen. Ein offener Enable-Pin führt zu Verhalten, das nicht reproduzierbar ist.
Kennzeichnung
Projektname, Version, Datum im Schriftfeld — und als Kupfer- oder Bestückungsdrucktext auf der Platine selbst.

Elektrische Regelprüfung sinnvoll nutzen

MeldungBedeutungVorgehen
Pin nicht verbundenEin Anschluss hängt in der LuftVerbinden oder ausdrücklich als „nicht angeschlossen“ markieren — nie einfach ignorieren
Zwei Ausgänge verbundenZwei Treiber am selben NetzIst meist ein echter Fehler. Bei Open-Drain den Pin-Typ im Symbol korrigieren
Netz ohne treibenden AnschlussEin Netz hat nur EingängeFehlende Versorgung oder vergessener Anschluss
Versorgungsnetz nicht getriebenKein Stromversorgungssymbol am NetzPWR_FLAG setzen, wo die Versorgung von außen kommt
Doppelte BezeichnerZwei Bauteile heißen gleichNeu annotieren
Die ERC auf null Meldungen bringen — auch die harmlosen. Wer sich an eine Liste mit zwanzig „bekannten“ Warnungen gewöhnt, übersieht die einundzwanzigste, die ein echter Fehler ist. Bewusste Ausnahmen im Werkzeug als solche markieren, statt sie zu ignorieren.

Stückliste (BOM)

SpalteInhaltWarum
BezeichnerR101, C205, …Zuordnung zur Platine
Wert10k, 100n, STM32G431CBT6
Bauform0603, SOT-23, LQFP-48Muss zum Footprint passen
Spezifikation50 V, X7R, 1 %Ohne diese Angabe wird das falsche Bauteil bestellt
Hersteller und TeilenummerMPNDer einzige eindeutige Bezug. Wer nur „100n 0603“ schreibt, bekommt irgendetwas
Bezugsquelle und BestellnummerMouser, Digi-Key, LCSCFür die Nachbestellung in zwei Jahren
Nicht bestücken (DNP)KennzeichnungReserveplätze müssen als solche erkennbar sein

Für Bestückungsdienstleister zusätzlich nötig: die Positionsdatei (Centroid/Pick-and-Place, KiCad: Datei → Fertigungsdaten). Zu Drehwinkeln und Polarität: Fertigung → Bestückung durch den Fertiger.

Typische Schaltplanfehler

Was regelmäßig passiert

  • Pin 1 im Footprint anders als im Datenblatt
  • Netzlabel verschrieben — zwei Netze, die verbunden sein sollten, sind es nicht
  • Kondensator mit zu geringer Spannungsfestigkeit
  • Enable- oder Reset-Pin offen gelassen
  • Massepin des ICs vergessen (bei Bausteinen mit Kühlpad unter dem Gehäuse üblich)
  • Spannungsregler ohne die im Datenblatt geforderten Kondensatoren
  • LED ohne Vorwiderstand
  • Kristall ohne Lastkondensatoren oder mit falschen Werten

Was zuverlässig hilft

  • Vor dem Layout jeden Baustein noch einmal gegen sein Datenblatt durchgehen
  • Die Referenzschaltung aus dem Datenblatt als Ausgangspunkt nehmen
  • Den Plan ausdrucken und mit dem Stift durchgehen — Fehler fallen auf Papier anders auf
  • Jemanden drübersehen lassen, auch fachfremd: „Warum steht das hier?“ deckt viel auf
  • Prüfliste anlegen und nach jedem Projekt ergänzen
Quellen
  • IEC 60617 — Grafische Symbole für Schaltpläne; IEEE 315 / ASME Y14.44 — Referenzbezeichner (R, C, U, …); DIN EN IEC 81346 für Anlagen-Betriebsmittelkennzeichnung.
  • KiCad Schematic Editor Manual — ERC, Hierarchien, Stücklistenerzeugung.
  • Datenblätter mit Referenzschaltungen — bei Spannungsreglern und Funkmodulen sind sie verbindlich, nicht optional.
  • Ergänzend zum Lesen von Schaltplänen: Elektronik 101 → Schaltplan lesen.

04 / 10Bauformen & Footprints

Die Bauform entscheidet, ob man die Platine selbst bestücken kann. 0805 und SOIC gehen mit Lötkolben und ruhiger Hand; 0402 und QFN brauchen Schablone, Lotpaste und Heißluft oder Reflow. Diese Entscheidung fällt beim Bauteilkauf, nicht beim Löten.

Passive Bauformen

BauformMaße (mm)BelastbarkeitHandlötbarAnmerkung
25126,3 × 3,21 Wsehr gutLeistungswiderstände, Shunts
12063,2 × 1,60,25 Wsehr gutHöhere Spannungsfestigkeit als kleinere Bauformen
08052,0 × 1,250,125 WgutDer Einstiegskompromiss; für Prototypen ideal
06031,6 × 0,80,1 WmachbarDer heutige Standard in Serienprodukten
04021,0 × 0,50,063 WschwierigNur mit Mikroskop und Pinzette; sehr enge Toleranzen
0201 und kleiner0,6 × 0,30,05 WneinNur maschinell
Praxisregel: 0805 für Handbestückung, 0603 sobald eine Schablone im Spiel ist; 0402 nur bei echtem Platzmangel. Ausnahme Abblockkondensatoren: kleinere Bauform = weniger Eigeninduktivität, elektrisch besser.

Halbleitergehäuse

GehäusePinsRastermaßHandlötbarAnmerkung
SOT-233–60,95 mmgutTransistoren, kleine Regler, Referenzen
SOIC / SO8–281,27 mmsehr gutOperationsverstärker, Logik, Speicher. Die gutmütigste SMD-Bauform
TSSOP8–560,65 mmgutKompakter Nachfolger von SOIC
LQFP32–2080,5–0,8 mmmachbarDer Standard bei Mikrocontrollern. Mit Flussmittel und Abziehlitze gut beherrschbar
QFN / DFN6–680,4–0,65 mmnur mit Heißluft oder ReflowKeine sichtbaren Beinchen, Kühlpad unter dem Gehäuse. Kompakt und elektrisch gut, aber nicht nacharbeitbar ohne Werkzeug
BGA36–2000+0,4–1,0 mmneinBraucht Reflow, meist vier Lagen und Vias-in-Pad. Nacharbeit nur mit Reballing
TO-220 / TO-263 (D²PAK)3sehr gutLeistungshalbleiter, mit Kühlfahne
SOD-123 / SMA / SMB2gutDioden in aufsteigender Belastbarkeit
Das Kühlpad unter QFN- und DFN-Gehäusen ist meist elektrisch mit Masse verbunden — und thermisch zwingend anzubinden. Ohne mehrere Vias unter dem Pad überhitzt der Baustein bei Nennlast. Gleichzeitig darf die Pastenmaske über dem Pad nicht vollflächig sein, sonst schwimmt das Bauteil beim Reflow auf. Übliche Lösung: mehrere kleinere Öffnungen mit etwa 50–70 % Flächendeckung.

Footprints prüfen

Maßzeichnung im Datenblatt aufschlagen

Nicht die Beispielabbildung, sondern die bemaßte Zeichnung mit den Toleranzen.

Pad-Abstände nachmessen

Im Footprinteditor mit dem Messwerkzeug. Rastermaß und Gesamtbreite vergleichen.

Pin 1 identifizieren

Der häufigste teure Fehler. Die Markierung im Bestückungsdruck muss mit der im Datenblatt übereinstimmen — und beide mit der Realität am Bauteil.

Pad-Größe beurteilen

IPC-7351 unterscheidet drei Dichteklassen: Most (viel Platz, gut lötbar), Nominal, Least (dicht gepackt). Für Handbestückung die großzügigere Variante wählen.

Bestückungsdruck prüfen

Umriss außerhalb der Pads, Pin-1-Markierung sichtbar, Bezeichner lesbar und nach dem Bestücken nicht verdeckt.

3D-Ansicht kontrollieren

Ragt das Bauteil über den Platinenrand? Kollidiert es mit einem Nachbarn oder dem Gehäuse? Die Prüfung dauert Sekunden.

Durchsteckmontage — wann sie noch sinnvoll ist

Weiterhin sinnvoll bei

  • Steckverbindern, die mechanisch belastet werden
  • Bauteilen, die Zug- oder Steckkräfte aufnehmen
  • Großen Elkos und Übertragern
  • Prototypen mit häufigem Bauteiltausch
  • Alles, was auf einem Steckbrett vorprobiert wird

Nachteile

  • Längere Anschlussbeine bedeuten mehr Induktivität — bei HF unbrauchbar
  • Bohrungen unterbrechen Masseflächen auf allen Lagen
  • Teurer in der maschinellen Fertigung
  • Beidseitige Bestückung praktisch ausgeschlossen

Steckverbinder auswählen

TypRasterStromEinsatz
Stiftleiste 2,54 mm2,54 mmbis 3 APrototypen, Erweiterungen, Jumper. Nicht rüttelfest ohne Verriegelung
JST-XH / -PH2,5 / 2,0 mm2–3 AVerriegelt, verpolsicher; der Standard für interne Verbindungen
Molex Micro-Fit3,0 mmbis 8,5 ALeistungsverbindungen, verriegelt
Schraubklemme3,5 / 5,08 mmbis 16 AFeldverdrahtung, Anschluss durch den Anwender
Federkraftklemme3,5 / 5,0 mmbis 10 AWerkzeuglos, rüttelfest — im Feld die bessere Wahl
FFC/FPC0,5 / 1,0 mm< 0,5 ADisplays, Kameras. Sehr flach, aber empfindlich
USB-Cbis 5 AMechanisch stark belastet — Typen mit Durchsteck-Verankerung wählen

Verpolsicherheit einplanen: Was sich falsch stecken lässt, wird falsch gesteckt. Codierte Gehäuse, je Funktion eine andere Polzahl, Verpolschutz in der Schaltung.

Quellen
  • IPC-7351B — Generic Requirements for Surface Mount Design and Land Pattern Standard, mit den drei Dichteklassen.
  • IPC-7093 — Design and Assembly Process Implementation for Bottom Termination Components (QFN, DFN).
  • JEDEC-Gehäusekennungen (MO-Serie) — die verbindlichen Maßangaben, auf die Datenblätter verweisen.
  • Löttechnik zu den einzelnen Bauformen: Löten → SMD löten und Bauteile.

05 / 10Lagenaufbau & Material

Der Lagenaufbau entscheidet über Störfestigkeit, Wärmeabfuhr und Kosten. Die wichtigste Einzelentscheidung: eine durchgehende Massefläche direkt unter der Signallage. Vier Lagen kosten heute wenig mehr als zwei — und sie lösen den größten Teil aller Layoutprobleme, bevor sie entstehen.

Die üblichen Aufbauten

LagenTypischer AufbauEignungKosten
1Nur Unterseite KupferSehr einfache Schaltungen, LED-Platinen, Aluminiumkern für Leistungs-LEDsam günstigsten
2Signal oben, Masse unten (möglichst durchgehend)Bis etwa 50 MHz, unkritische Analogschaltungen, Sensorbaugruppengering
4Signal – Masse – Versorgung – SignalDer Standard. Mikrocontroller, Schaltregler, Busse, alles mit schnellen Flankenetwa Faktor 1,5–3 gegenüber zwei Lagen
6Signal – Masse – Signal – Signal – Masse – SignalDichte Entwürfe, mehrere Versorgungsspannungen, differentielle Hochgeschwindigkeitssignaledeutlich höher
8+Mehrere Masse- und VersorgungslagenBGA mit vielen Pins, HDI, komplexe Systemehoch
L1 · Signal + Bauteile Prepreg 0,2 mm L2 · Masse (durchgehend) Kern 1,065 mm L3 · Versorgung L4 · Signal 1,6 mm
Warum die Lage L2 als Masse so wichtig ist: Der Rückstrom eines schnellen Signals fließt bei hohen Frequenzen nicht den kürzesten Weg, sondern direkt unter der Leiterbahn — dort ist die Schleifenfläche minimal. Eine durchgehende Massefläche in geringem Abstand liefert diesen Pfad automatisch. Genau deshalb ist der Abstand L1 zu L2 klein (0,1–0,2 mm) und der dicke Kern liegt in der Mitte.

Materialien

Materialε_rVerlustfaktor tan δT_gEinsatz
FR4 Standard4,2–4,80,02130–140 °CDer Standard für praktisch alles bis einige GHz
FR4 High-Tg4,2–4,60,02170–180 °CBleifreies Löten, mehrfache Reflow-Durchläufe, dickere Aufbauten
Rogers RO40033,380,0027> 280 °CHF ab etwa 2 GHz, Antennen, Radar
Aluminiumkern (IMS)Leistungs-LEDs, Treiberstufen — leitet Wärme direkt ab
Polyimid (flexibel)3,40,004Flexleiterplatten, Starrflex-Verbindungen

ε_r von FR4 ist nicht konstant — es sinkt mit der Frequenz und schwankt mit Gewebe und Harzanteil. Bis etwa 1 GHz genügt 4,4 als Näherung; darüber Impedanzkontrolle beim Fertiger bestellen, der die passenden Bahnbreiten für seinen Aufbau liefert.

Kupferdicke

AngabeDickeEinsatzMinimale Bahnbreite
0,5 oz (18 µm)18 µmInnenlagen, feine Strukturen≈ 0,075 mm
1 oz (35 µm)35 µmDer Standard≈ 0,1 mm
2 oz (70 µm)70 µmStröme über etwa 5 A, Leistungsteile≈ 0,2 mm
3–6 oz105–210 µmWechselrichter, Batteriemanagement≈ 0,3 mm und mehr

Dickeres Kupfer erzwingt größere Mindestabstände (Ätz-Unterschneidung). Für punktuell hohe Ströme meist besser: Standardkupfer plus breite Bahnen, Kupferschiene oder verzinnte freigelegte Bahnen — siehe Leiterbahnbreite.

Durchkontaktierungen

TypVerbindetKostenAnmerkung
Durchgehendes Viaalle LagenStandardDer Normalfall. Typisch 0,3 mm Bohrung, 0,6 mm Pad (≈ 0,15 mm Restring)
Blind ViaAußenlage zu einer Innenlagedeutlich höherNur bei HDI-Entwürfen nötig
Buried Viazwei InnenlagenhochErfordert sequentielle Fertigung
Micro Viabenachbarte Lagen, lasergebohrthochAb 0,1 mm; für feine BGA-Raster
Via in PadmittelMuss verfüllt und überplattiert werden, sonst saugt es beim Löten die Paste weg
Thermal ViaWärmeableitung unter KühlpadsStandardMehrere kleine Vias (0,3 mm) im Raster von 1 mm sind wirksamer als wenige große
Ein Via mit 0,3 mm Bohrung trägt etwa 1–1,5 A dauerhaft Für höhere Ströme mehrere Vias parallel setzen. Faustregel: je 1 A ein Via, plus Reserve.

Oberflächen

OberflächeEbenheitLagerfähigkeitKostenAnmerkung
HASL bleifreischlecht> 12 Monateam günstigstenDer Standard. Für feine Raster unter 0,5 mm ungeeignet, weil die Padoberfläche uneben ist
ENIGsehr gut> 12 MonateAufpreisGold über Nickel. Für BGA, QFN und feine Raster; auch optisch hochwertig
OSPsehr gut3–6 MonategünstigOrganischer Schutz. Nur einmal lötbar, empfindlich beim Hantieren
Immersionszinngut6 MonatemittelFür Einpresstechnik geeignet
Hartgoldsehr guthochNur für Steckkontakte und Tastenfelder, nicht zum Löten
Für eigene Projekte: HASL für einfache Platinen mit 0805 und Stiftleisten, ENIG sobald QFN, feine Raster oder BGA im Spiel sind — der Aufpreis liegt bei kleinen Platinen oft nur bei wenigen Euro und erspart erhebliche Lötprobleme. OSP nur, wenn die Platine zügig bestückt wird.
Quellen
  • IPC-2221B und IPC-4101 (Basismaterialien).
  • Fertigervorgaben: JLCPCB Capabilities, PCBWay, Aisler, Multi-CB — jeder Fertiger veröffentlicht seinen Standardaufbau.
  • Rick Hartley, How to Achieve Proper Grounding — zur Bedeutung der Masselage und des Rückstrompfads.
  • Rogers Corporation, Materialdatenblätter zu HF-Substraten.

06 / 10Leiterbahnbreite & Strom

Die Leiterbahnbreite folgt aus dem Strom und der zulässigen Erwärmung — nicht aus dem Gefühl. IPC-2221 ist die konservative klassische Rechnung, IPC-2152 die moderne, messdatenbasierte. Für den Hausgebrauch reicht IPC-2221; bei hohen Strömen sollte man beide vergleichen.

Der Rechner

Leiterbahnbreite nach IPC-2221

A = (I / (k · ΔT^0,44))^(1/0,725)  ·  k = 0,048 außen, 0,024 innen A ergibt sich in Quadrat-Mil; geteilt durch die Kupferdicke ergibt sich die Breite. Innenlagen tragen bei gleicher Breite nur etwa die Hälfte, weil die Wärme schlechter abgeführt wird.

Richtwerte für 35 µm Kupfer, Außenlage

Alle Werte stammen aus derselben IPC-2221-Formel wie der Rechner oben — sie sind untereinander konsistent und lassen sich dort nachrechnen.

StromBreite bei ΔT = 10 KBreite bei ΔT = 20 KBreite bei ΔT = 40 K
0,5 A0,12 mm0,08 mm0,05 mm
1 A0,30 mm0,20 mm0,13 mm
2 A0,78 mm0,51 mm0,34 mm
3 A1,37 mm0,90 mm0,59 mm
5 A2,77 mm1,82 mm1,19 mm
10 A7,19 mm4,72 mm3,10 mm
Ab etwa 5 A wird eine Leiterbahn unpraktisch breit. Die üblichen Auswege: dickeres Kupfer (2 oz halbiert die Breite), mehrere Lagen parallel mit vielen Vias, eine Kupferfläche statt einer Bahn, eine aufgelötete Kupferschiene, oder die Lötstoppmaske über der Bahn weglassen und sie dick verzinnen. Letzteres bringt real etwa 20–40 % — nicht mehr, weil Lot deutlich schlechter leitet als Kupfer.

IPC-2221 gegen IPC-2152

IPC-2221

  • Basiert auf konservativen Messungen aus den 1950er-Jahren (Ursprung MIL-STD-275)
  • Einfache Formel, überall implementiert — für den Hausgebrauch auf der sicheren Seite
  • Berücksichtigt weder Platinenmaterial noch benachbarte Kupferflächen

IPC-2152

  • Von 2009, auf Basis systematischer moderner Messungen
  • Berücksichtigt Platinendicke, Material, Umgebung und benachbarte Kupferflächen als Kühlkörper
  • Genauer, oft weniger Breite nötig — arbeitet mit Diagrammen und Korrekturfaktoren statt einer Formel
  • Für Entwürfe mit hohen Strömen die richtige Grundlage

Ein Effekt, den erst IPC-2152 erfasst: Parallel geführte stromführende Bahnen heizen sich gegenseitig auf — im Bündel wird eine Bahn deutlich heißer als isoliert gerechnet. Leistungsbahnen deshalb mit Abstand führen oder die Erwärmung messen.

Der andere Grenzwert: Spannungsfall

R = ρ · l / (b · d)  mit ρ_Cu = 0,0175 Ω·mm²/m Bei 35 µm Kupfer hat eine 1 mm breite Bahn etwa 0,5 mΩ je mm Länge.

Beispiel: 100 mm Bahn, 1 mm breit, 35 µm, 2 A → R = 50 mΩ, Spannungsfall 100 mV = 3 % von 3,3 V. Für einen Mikrocontroller unkritisch, für eine Referenz zu viel. Bei empfindlicher Analogtechnik begrenzt der Spannungsfall die Bahnbreite, nicht die Erwärmung.

Abstände und Spannungsfestigkeit

Spannung zwischen LeiternAußen, unbeschichtet (B2)Außen, mit Schutzlack (B4)Anmerkung
bis 30 V0,1 mm0,05 mmHier begrenzt meist die Fertigung, nicht die Norm
bis 100 V0,6 mm0,13 mm
bis 150 V0,6 mm0,4 mm
bis 300 V1,25 mm0,4 mmNetzspannung nach Gleichrichtung
bis 500 V2,5 mm0,8 mm

Werte nach IPC-2221B, Tabelle 6-1. Innenlagen (B1) dürfen enger. Ob normaler Lötstopplack als „permanent coating“ im Sinn von B4 zählt, ist umstritten — im Zweifel mit B2 rechnen.

Für netzbetriebene Geräte gelten strengere Regeln. Dort unterscheidet man Luftstrecke (kürzester Weg durch die Luft) und Kriechstrecke (entlang der Oberfläche), abhängig von Verschmutzungsgrad, Überspannungskategorie und Isolationsart (Basis-, Zusatz- oder verstärkte Isolierung). Maßgeblich ist EN IEC 62368-1 bzw. EN 61010-1. Für verstärkte Isolierung zwischen Netz und Sekundärseite sind typisch 6–8 mm nötig — deutlich mehr als die IPC-Tabelle oben nahelegt. Zusätzlich hilft ein Isolationsschlitz (durchgefräster Spalt) unter Optokopplern und Übertragern.

Praktische Layoutregeln für Leistungspfade

Hin- und Rückleiter nebeneinander

Möglichst übereinander auf benachbarten Lagen. Das minimiert die Schleifenfläche und damit die Induktivität und Abstrahlung.

Keine scharfen Ecken bei hohen Strömen

Nicht wegen Stromdichte — der Effekt ist gering —, sondern weil beim Ätzen an spitzen Ecken Säure stehen bleibt. 45°-Knicke sind der Standard.

Vias großzügig setzen

Jeder Lagenwechsel eines Leistungspfads braucht mehrere Vias. Ein einzelnes 0,3-mm-Via ist bei 3 A der Engpass.

Shunts vierleitrig anschließen

Die Messabgriffe direkt am Bauteilkörper, innerhalb der Stromanschlüsse. Sonst misst man den Widerstand der Zuleitung mit.

Wärmequellen verteilen

Nicht alle Leistungsbauteile nebeneinander. Kupferflächen als Kühlkörper vorsehen und thermisch anbinden — die Rechnung dazu steht im Datenblatt als „Recommended PCB Layout“.
Quellen
  • IPC-2221B — Abschnitt 6.2 (Leiterbahnbreite) und Tabelle 6-1 (Abstände).
  • IPC-2152 — Standard for Determining Current Carrying Capacity in Printed Board Design.
  • EN IEC 62368-1 und EN 61010-1 — Luft- und Kriechstrecken bei Netzspannung.
  • Rechner: das eingebaute Werkzeug in KiCad (Werkzeuge → Rechner → Leiterbahnbreite) und Leiton Leiterbahnerwärmung.

07 / 10Layout-Regeln & Masse

Gutes Layout entsteht beim Platzieren, nicht beim Routen. Wer Bauteile nach Signalfluss und Funktionsgruppen anordnet, hat danach kaum Probleme. Wer erst alles hinlegt und dann verbindet, kämpft mit jeder Leiterbahn.

Reihenfolge beim Layout

Mechanik zuerst

Platinenumriss, Befestigungsbohrungen, Steckverbinder, Bedienelemente, Bauteile mit vorgegebener Position. Diese Dinge sind nicht verhandelbar — alles andere ordnet sich ihnen unter.

Funktionsgruppen bilden

Spannungsversorgung, Mikrocontroller mit seiner Beschaltung, Analogteil, Leistungsteil, Schnittstellen. Jede Gruppe bleibt räumlich zusammen.

Kritische Bauteile platzieren

Schaltregler mit ihrer heißen Schleife, Quarz beim Controller, Abblockkondensatoren an den Versorgungspins, Analog-Eingangsstufe nah am Wandler.

Masseflächen anlegen

Bevor geroutet wird, nicht danach. Dann sieht man sofort, wo Engstellen entstehen.

Versorgung routen

Breite Bahnen oder Flächen, kurze Wege, ausreichend Vias.

Kritische Signale routen

Takte, differentielle Paare, empfindliche Analogsignale, Rückkopplungspfade von Reglern.

Rest routen

Alles Unkritische zuletzt — notfalls mit Umwegen.

Aufräumen und prüfen

DRC fehlerfrei, Beschriftung lesbar, 3D-Ansicht kontrollieren, Gerber-Dateien im Betrachter durchgehen.

Masseführung — die wichtigsten Regeln

Eine durchgehende Massefläche
Keine Aufteilung in „Analogmasse“ und „Digitalmasse“, solange man nicht genau weiß, warum. Eine geschlitzte Massefläche zwingt Rückströme auf Umwege und macht aus dem Umweg eine Antenne — sie verursacht in der Praxis mehr Probleme, als sie löst.
Rückstrompfad mitdenken
Bei hohen Frequenzen fließt der Rückstrom direkt unter der Leiterbahn. Führt die Bahn über einen Schlitz in der Massefläche, entsteht eine große Schleife — das ist die häufigste Ursache für EMV-Probleme.
Lagenwechsel mit Massevia
Wechselt ein schnelles Signal die Lage, braucht sein Rückstrom ebenfalls einen Weg. Ein Massevia direkt daneben liefert ihn.
Sternpunkt bei Analogschaltungen
Für niederfrequente Präzisionsanalogtechnik: alle Massepunkte auf einen gemeinsamen Punkt führen, damit Lastströme keinen Spannungsabfall im Messpfad erzeugen. Das ist etwas anderes als eine getrennte Massefläche.
Leistungsmasse gezielt führen
Der Rückstrom einer H-Brücke oder eines Schaltreglers gehört nicht durch den Massebereich unter dem Analogeingang. Platzieren, nicht schlitzen.
Kupferflächen anbinden
Nicht angeschlossene Kupferinseln wirken als Antennen. Entweder sauber mit Masse verbinden oder entfernen.
Der Klassiker: „Analog- und Digitalmasse trennen“. Bei heutigen Flankensteilheiten richtet ein Schlitz in der Massefläche fast immer mehr Schaden an als Nutzen. Ausnahme: Wandler mit getrennten AGND-/DGND-Pins und klarer Datenblatt-Vorgabe. Im Zweifel: eine Fläche, sorgfältig platzieren.

Abblockung

MaßnahmeDetailWarum
100 nF je VersorgungspinBauform 0402 oder 0603, direkt am PinLiefert den Strom für schnelle Schaltvorgänge, bevor die Versorgungsleitung reagieren kann
Kurze SchleifeKondensator, Pin und Massevia in wenigen MillimeternDie Zuleitungsinduktivität bestimmt die Wirkung, nicht der Kapazitätswert. 5 mm Leitung sind 5 nH — bei 100 MHz sind das 3 Ω
Via direkt am KondensatorNicht über eine lange Bahn zur MasseflächeDasselbe Argument
Zusätzlich 1–10 µF je ZweigBauform 0805 oder 1206Deckt langsamere Lastwechsel ab
Elko am Eingang10–470 µFEnergiespeicher für die Versorgung insgesamt
Nicht zu viele parallelZwei Werte reichen meistSehr viele unterschiedliche Werte parallel erzeugen Antiresonanzen — die vermeintliche Verbesserung wird zur Störstelle

Wärme im Layout

Kupferfläche als Kühlkörper

Bei SMD-Leistungsbauteilen ist die angeschlossene Kupferfläche der Kühlkörper. Das Datenblatt gibt an, welche Fläche welchem Wärmewiderstand entspricht — der Unterschied zwischen minimalem Pad und 6 cm² Fläche kann Faktor drei betragen.

Thermische Vias

Unter Kühlpads zur Kupferfläche auf der Rückseite — Raster und Größe: Lagenaufbau → Durchkontaktierungen.

Wärmequellen verteilen

Nicht alle Leistungsbauteile in eine Ecke. Und temperaturempfindliche Bauteile — Referenzen, Quarze, Sensoren — davon fernhalten.

Thermal Relief bei Lötpads

Ein Pad, das direkt an einer großen Kupferfläche hängt, lässt sich kaum von Hand löten, weil die Wärme sofort abfließt. Für Handbestückung Wärmefallen (Speichen) verwenden, für maschinelle Bestückung direkte Anbindung.

Temperatur messen

Bei der ersten Inbetriebnahme mit Wärmebildkamera oder Kontaktthermometer. Ein Bauteil, das über 100 °C geht, altert erheblich schneller.

Abstände und mechanische Vorgaben

ElementEmpfehlung
Abstand Kupfer zum Platinenrandmindestens 0,3 mm, besser 0,5 mm — beim Fräsen entstehen sonst Grate und Kurzschlüsse
BefestigungsbohrungenKupferfreie Zone rundum, außer die Bohrung soll bewusst mit Masse verbunden sein. Platz für Schraubenkopf und Unterlegscheibe einplanen
NutzentrennungBei Ritzung (V-Cut) mindestens 0,5 mm Abstand von Bauteilen zur Trennlinie; bei Fräsen mit Haltestegen Bruchstellen einplanen
BauteilhöheIm 3D-Modell prüfen — vor allem bei Gehäusen mit knappem Innenmaß
BestückungsdruckNie auf Pads. Bezeichner so setzen, dass sie nach dem Bestücken lesbar bleiben
PolaritätsmarkierungFür Dioden, Elkos und ICs im Bestückungsdruck und möglichst auch in der Kupferlage — beim Nachbestücken Gold wert

Prüfliste vor der Fertigung

Elektrisch

  • DRC fehlerfrei, gegen die Fertigervorgaben
  • Alle Netze verbunden, keine ungerouteten Verbindungen
  • Abblockkondensatoren an jedem Versorgungspin, kurz angebunden
  • Leistungsbahnen breit genug
  • Massefläche durchgehend, keine unnötigen Schlitze
  • Prüfpunkte an allen Versorgungen

Mechanisch und Fertigung

  • Umriss stimmt, Bohrungen an der richtigen Stelle
  • 3D-Ansicht ohne Kollisionen
  • Bestückungsdruck lesbar, Pin 1 markiert
  • Projektname und Version auf der Platine
  • Gerber-Dateien im Betrachter kontrolliert
  • Stückliste vollständig mit Herstellerteilenummern
Quellen
  • Henry W. Ott, Electromagnetic Compatibility Engineering, Kapitel 16 und 17 — Leiterplattenlayout und Masseführung.
  • Rick Hartley, How to Achieve Proper Grounding — Vortrag, frei verfügbar; die klarste Darstellung des Rückstrompfad-Arguments.
  • Texas Instruments, PCB Design Guidelines For Reduced EMI (SZZA009) und die Layoutabschnitte der Regler-Datenblätter.
  • IPC-2221B, Abschnitte zu Abständen und thermischen Anforderungen.
  • EMV-Grundlagen (Kopplungswege, Filter, Schirmung): Elektrotechnik → EMV.

08 / 10Signalintegrität & Impedanz

Nicht die Taktfrequenz entscheidet, ob Signalintegrität ein Thema ist, sondern die Flankensteilheit. Ein 1-kHz-Signal mit 1 ns Anstiegszeit enthält Frequenzanteile bis über 300 MHz — und verhält sich auf einer 10 cm langen Leitung entsprechend.

Wann eine Leitung zur Leitung wird

l_krit ≈ t_r · v / 6  ·  f_wichtig ≈ 0,35 / t_r v ≈ 14–15 cm/ns auf Innenlagen (Stripline), ≈ 17–18 cm/ns auf Außenlagen (Microstrip, FR4). Bei t_r = 1 ns ergibt das eine kritische Länge von rund 2,5–3 cm.
AnstiegszeitBandbreiteKritische Länge (Außenlage)Typisch für
10 ns35 MHz≈ 30 cmLangsame Logik, 74HC bei niedriger Last
5 ns70 MHz≈ 15 cmMikrocontroller-GPIO mit gedrosselter Flanke
2 ns175 MHz≈ 6 cmStandard-GPIO, SPI bei hoher Rate
1 ns350 MHz≈ 3 cmSchnelle Ausgangstreiber, DDR-Steuerleitungen
0,3 ns1,2 GHz≈ 1 cmUSB HS, HDMI, Ethernet-PHY
Die einfachste Gegenmaßnahme: Flanken langsamer machen, wo es geht. Viele Mikrocontroller haben eine einstellbare Ausgangsgeschwindigkeit („Slew Rate Control“) — die niedrigste Stufe, die noch funktioniert, ist die richtige. Ein Serienwiderstand von 22–47 Ω wirkt ähnlich und terminiert gleichzeitig.

Wellenwiderstand

SchnittstelleZielimpedanzAusführung
USB 2.090 Ω differentiellEnges Paar, Längendifferenz < 1,25 mm
Ethernet (100/1000BASE-T)100 Ω differentiellVier Paare, Übertrager oder integrierte Magnetik
HDMI / DisplayPort100 Ω differentiellLängenausgleich innerhalb und zwischen den Paaren
LVDS100 Ω differentiellAbschluss am Empfänger
CAN120 Ω differentiellAbschluss an beiden Leitungsenden, nicht dazwischen
HF, Antennen50 Ω single-endedKoplanar mit Masse oder Microstrip, durchgehende Massefläche darunter
Speicherbus (DDR)40–60 Ω single-endedHerstellervorgabe, Längenausgleich zwingend

Die nötige Leiterbahnbreite hängt vom Lagenabstand, der Kupferdicke und ε_r ab. Der Rechner in KiCad (Werkzeuge → Rechner → Übertragungsleitungen) liefert sie für Microstrip und Stripline. Wer es genau braucht, bestellt beim Fertiger eine Impedanzkontrolle — dann liefert dieser den exakten Aufbau und die passenden Breiten.

Terminierung

Serienterminierung (Quelle)
Widerstand direkt am Ausgang, sodass Treiberwiderstand plus Widerstand dem Wellenwiderstand entsprechen. Meist 22–47 Ω. Die einfachste und häufigste Lösung — verbraucht keinen Ruhestrom.
Parallelterminierung (Ende)
Widerstand am Empfänger gegen Masse oder Versorgung. Wirksam, aber zieht dauerhaft Strom.
Thévenin-Terminierung
Zwei Widerstände als Teiler am Empfänger. Setzt gleichzeitig einen Ruhepegel — bei Bussen üblich.
AC-Terminierung
Widerstand plus Kondensator in Reihe. Kein Gleichstromverbrauch, aber zusätzliche Bauteile.
Differentieller Abschluss
Ein Widerstand zwischen den beiden Leitungen am Empfänger, meist 100 oder 120 Ω. Bei CAN und RS-485 an beiden Enden des Busses, nirgends dazwischen.
Wo Terminierung fehlt
Symptome: Überschwingen über die Versorgungsspannung, Doppelflanken, sporadische Fehler bei bestimmten Datenmustern. Am Oszilloskop mit kurzer Federklemme messen — eine lange Masseklemme erzeugt das Klingeln selbst.

Differentielle Paare routen

Zusammen und eng führen

Der Abstand zwischen den beiden Leitungen sollte über die ganze Strecke konstant bleiben. Er bestimmt zusammen mit der Breite die differentielle Impedanz.

Längen ausgleichen

Innerhalb des Paares typisch unter 0,1–0,15 mm Differenz. Der Ausgleich sollte möglichst nahe an der Stelle erfolgen, wo die Differenz entsteht.

Durchgehende Bezugsfläche

Kein Schlitz unter dem Paar. Bei einem Lagenwechsel Massevias direkt daneben.

Symmetrie erhalten

Beide Leitungen sollen dieselben Umgebungsbedingungen sehen — gleiche Anzahl Vias, gleiche Nachbarschaft, gleiche Länge im Stecker.

Abstand zu anderen Signalen

Faustregel: mindestens der dreifache Abstand zur Bezugsfläche (3W-Regel) zu benachbarten Leitungen.

Stichleitungen vermeiden

Ein ungenutzter Abzweig wirkt als Resonator. ESD-Schutzdioden gehören direkt in die Leitung, nicht an einen Stich.

Takte und Quarze

RegelBegründung
Quarz direkt am ControllerWenige Millimeter Leitungslänge. Die Schwingschaltung ist hochohmig und störempfindlich
Lastkondensatoren nach DatenblattC_L = 2·(C_Last − C_Streu). Falsche Werte verstimmen die Frequenz oder verhindern das Anschwingen
Massefläche unter dem QuarzUnd eine Kupferinsel als Schirm um ihn herum, mit Masse verbunden
Nichts unter oder neben dem Quarz routenBesonders keine schnellen Signale und keine Schaltregler
Taktleitungen kurz und mit SerienwiderstandDer Takt ist die stärkste Schmalbandquelle auf jeder Platine
Takte nicht über SteckverbinderWenn es sein muss: differentiell übertragen und beidseitig Masse mitführen

Fehlersuche bei Signalproblemen

Symptome und Ursachen

  • Überschwingen über V_CC: fehlende Terminierung, zu steile Flanke
  • Doppelte Flanken: Reflexion an einem Impedanzsprung
  • Fehler nur bei bestimmten Datenmustern: Übersprechen oder Versorgungseinbruch bei gleichzeitigem Schalten
  • Fehler nur bei angeschlossenem Kabel: das Kabel wirkt als Antenne, Filter fehlt
  • Bus läuft langsam, aber nicht schnell: zu hohe Kapazität, zu schwacher Pull-up, Leitung zu lang

Richtig messen

  • Kurze Federklemme statt Krokodilklemme — eine 10 cm lange Masseleitung erzeugt das Klingeln selbst
  • Tastkopf auf 10:1 stellen, sonst belastet die Kapazität das Signal
  • An beiden Enden der Leitung messen, nicht nur beim Empfänger
  • Für differentielle Signale einen Differenztastkopf verwenden
  • Augendiagramm nutzen, wenn das Oszilloskop es beherrscht
Quellen
  • Howard Johnson, Martin Graham, High-Speed Digital Design: A Handbook of Black Magic — der Klassiker.
  • Eric Bogatin, Signal and Power Integrity — Simplified, Prentice Hall.
  • Texas Instruments, High-Speed Layout Guidelines (SCAA082) und die Layoutabschnitte der jeweiligen PHY-Datenblätter.
  • KiCad-Rechner für Microstrip und Stripline; Fertigerangebote zur Impedanzkontrolle.

09 / 10Fertigungsdaten & Bestellung

Die Bestellung ist der Moment, in dem Fehler teuer werden. Zehn Minuten Prüfung der Fertigungsdaten sparen zwei Wochen Wartezeit. Der wichtigste Schritt: die erzeugten Gerber-Dateien im Betrachter öffnen und Lage für Lage ansehen — nicht das Layout, sondern das, was der Fertiger bekommt.

Welche Dateien gebraucht werden

DateiInhaltAnmerkung
Gerber je KupferlageF.Cu, In1.Cu, In2.Cu, B.CuFormat Gerber X2 enthält Lagenzuordnung und Netznamen als Metadaten — deutlich weniger Missverständnisse
LötstoppmaskeF.Mask, B.MaskDefiniert, wo keine Maske ist — also die freien Pads
BestückungsdruckF.Silkscreen, B.SilkscreenBeschriftung; darf nicht auf Pads liegen
PastenmaskeF.Paste, B.PasteNur für die Lotpastenschablone nötig
UmrissEdge.CutsDer Fräsweg. Muss eine geschlossene Kontur sein
BohrdatenExcellon (.drl)Getrennt nach durchkontaktiert (PTH) und nicht durchkontaktiert (NPTH)
PositionsdateiCentroid / Pick-and-Place (.pos, .csv)Nur bei maschineller Bestückung. Koordinaten, Drehung, Lage
StücklisteBOM (.csv)Mit Herstellerteilenummern und Bestellnummern
Viele Fertiger nehmen direkt die KiCad-Datei (.kicad_pcb) — bequem, aber anbietergebunden. Gerber-Dateien trotzdem erzeugen und mit dem Projekt archivieren: Sie sind das herstellerunabhängige Austauschformat.

Prüfen, bevor bestellt wird

Gerber-Betrachter öffnen

Alle Lagen laden, einzeln ein- und ausblenden. Sind alle da? Stimmt die Ausrichtung? Ist der Umriss geschlossen?

Lötstoppmaske kontrollieren

Sind alle Pads frei? Gibt es Bereiche, wo die Maske fehlt und Kupfer offen liegt, obwohl es nicht soll?

Bohrdaten überlagern

Liegen alle Bohrungen in Pads? Fehlt eine Befestigungsbohrung? Sind durchkontaktierte und nicht durchkontaktierte Bohrungen richtig getrennt?

Bestückungsdruck lesen

Ist er nach dem Bestücken noch sichtbar? Überlagert er Pads? Ist Pin 1 markiert?

Fertigungsgrenzen abgleichen

Minimale Bahnbreite, minimaler Abstand, kleinster Bohrdurchmesser, Restring — gegen die veröffentlichten Angaben des gewählten Fertigers.

Datenvorschau des Fertigers ansehen

Die meisten zeigen nach dem Hochladen eine Vorschau. Die letzten fünf Minuten vor dem Absenden sind die wertvollsten.

Design for Manufacturing

PunktStandardgrenzeWarum
Minimale Leiterbahnbreite0,127 mm (5 mil)Darunter steigen Kosten und Ausschussrate deutlich
Minimaler Abstand0,127 mmÄtzprozessgrenze
Kleinste Bohrung0,3 mm (Standardklasse)Mechanisch bis ≈ 0,15 mm gegen Aufpreis; darunter Laser (Micro Via, HDI)
Restring0,15 mmDas Kupfer rund um die Bohrung. Zu klein heißt Ausbrüche bei Bohrtoleranzen
Kupfer zum Rand0,3 mmFräser hat Toleranz; Grate erzeugen Kurzschlüsse
Kleinste Beschriftung0,8–1 mm Höhe, 0,15 mm StrichstärkeKleiner wird unleserlich oder verschwindet ganz
Lötstoppsteg0,1 mmZwischen zwei Pads. Darunter läuft die Maske zusammen
Nutzen und RitzungPanel mit V-Cut oder FräsungBei kleinen Platinen spart ein Nutzen Geld; Bauteile 0,5 mm von der Trennlinie fernhalten
Die Grenzen unterscheiden sich je Fertiger und Preisklasse. Wer die Standardklasse nutzt (die billigste), bekommt oft 0,127 mm als Minimum; feinere Strukturen kosten Aufpreis oder sind gar nicht möglich. Die Fertigervorgaben vor dem Layout in die Entwurfsregeln des Werkzeugs eintragen — dann meldet die DRC Verstöße sofort statt erst bei der Bestellung.

Fertiger im Vergleich

AnbieterSitzPreisBesonderheit
JLCPCBChinasehr günstigBestückung mit eigenem Bauteillager, sehr schnell. Zoll und Versand beachten
PCBWayChinagünstigBreites Angebot bis Sonderaufbauten, guter Kundendienst
AislerNiederlandemittelEU-Fertigung, sehr einfacher Ablauf, direkte KiCad-Anbindung
EurocircuitsBelgien/Deutschlandmittel bis hochSehr gute Datenprüfung mit Rückmeldung, EU-Fertigung, Kleinserien
Multi-CBDeutschlandmittelViele Optionen, ausführliche technische Angaben
Würth ElektronikDeutschlandhochFür Serien und anspruchsvolle Aufbauten

Außerhalb der EU bestellt: Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Zoll einrechnen — bei kleinen Mengen bleibt der Preisvorteil trotzdem meist erheblich. Für in Verkehr gebrachte Produkte zählt zusätzlich die Rückverfolgbarkeit der Fertigung.

Bestückung durch den Fertiger

Bauteile aus dem Anbieterlager wählen

Wer die im Lager vorhandenen Teile verwendet, spart die Beschaffung und Einrichtekosten. Die Auswahl früh prüfen — sie beeinflusst die Bauteilauswahl im Schaltplan.

Drehwinkel prüfen

Die häufigste Fehlerquelle bei maschineller Bestückung. Die Bezugsorientierung des Fertigers weicht oft von der des Werkzeugs ab; die meisten veröffentlichen eine Tabelle mit den erwarteten Winkeln je Bauform.

Polarität eindeutig machen

Bei Dioden, Elkos und ICs im Bestückungsdruck und in der Kupferlage markieren. Fehlende Markierungen führen zu Rückfragen — oder zu falsch bestückten Platinen.

Einseitig bestücken lassen

Beidseitige Bestückung kostet einen zweiten Durchlauf. Wo möglich alle SMD-Teile auf eine Seite legen.

Durchsteckbauteile selbst löten

Bei kleinen Stückzahlen fast immer günstiger, weil Handbestückung beim Fertiger teuer ist.

Erstmuster prüfen lassen

Manche Anbieter bieten eine Freigabe anhand von Fotos vor der Serie. Nutzen — es fängt Verwechslungen ab.

Selbst bestücken

Schablone
Edelstahl, mit Rahmen oder ohne. Kostet 5–20 € und macht den Unterschied zwischen mühsamem Aufbringen von Hand und einem sauberen Pastenauftrag in Sekunden.
Lotpaste
Bleifrei SAC305 als Standard, Korngröße Typ 4 für feine Raster. Kühl lagern, vor Gebrauch auf Raumtemperatur bringen, Haltbarkeit beachten.
Heizplatte oder Reflow-Ofen
Für kleine Platinen genügt eine geregelte Heizplatte, für größere ein Ofen mit Profilsteuerung. Details in Löten → Heizplatte.
Nacharbeit
Heißluft, Flussmittel, Entlötlitze, Mikroskop. Für QFN und BGA unverzichtbar — siehe Löten → Heißluft & Reflow.
Quellen
  • Ucamco, Gerber Format Specification — die maßgebliche Definition, inklusive X2-Erweiterungen.
  • IPC-A-600 (Abnahmekriterien für Leiterplatten) und IPC-A-610 (für Baugruppen).
  • Fertigervorgaben: JLCPCB, PCBWay, Aisler, Eurocircuits, Multi-CB — jeweils die Seite mit den Fertigungsgrenzen.
  • Löt- und Reflow-Praxis: Löten.

10 / 10Bestückung & Erstinbetriebnahme

Eine neue Platine wird nicht eingeschaltet, sondern in Betrieb genommen. Der Unterschied: Strombegrenzung, Baugruppe für Baugruppe, mit Messgerät statt mit Hoffnung. Die ersten fünf Minuten entscheiden, ob man einen Fehler findet oder eine Platine verliert.

Bestücken in der richtigen Reihenfolge

Flach vor hoch

Erst SMD, dann Durchsteckbauteile, zuletzt hohe Teile wie Elkos und Steckverbinder — sonst liegt die Platine nicht mehr plan auf.

Nur die Spannungsversorgung zuerst

Regler, Kondensatoren, Schutzbeschaltung. Alles andere bleibt vorerst unbestückt.

Versorgung prüfen, bevor der Rest kommt

Ein Regler, der 12 V statt 3,3 V liefert, zerstört sonst jeden Baustein der Platine gleichzeitig.

Controller und Debug-Anschluss

Erst wenn die Versorgung stimmt. Danach prüfen, ob sich der Baustein über SWD meldet → Embedded → Debuggen.

Peripherie einzeln

Eine Baugruppe nach der anderen mit jeweils einem kurzen Test. Der Aufwand wirkt übertrieben — bis der erste Fehler in zehn Sekunden statt in drei Stunden gefunden ist.

Lotpaste und Reflow — die Eckwerte

PhaseTemperaturDauerWas dabei passiert
1 · Vorheizen (Ramp)25 → 150 °C, höchstens 3 K/s60–90 sLösungsmittel dampfen aus der Paste ab. Zu schnell erzeugt Spritzer und Lotperlen
2 · Soak150–180 °C60–120 sFlussmittel wird aktiv, Temperatur gleicht sich über die Platine an
3 · Peak (Reflow)bleifrei 240–250 °C · bleihaltig 205–215 °C30–60 s über SchmelzpunktLot wird flüssig, Bauteile ziehen sich mittig (Self-Alignment)
4 · AbkühlenPeak → unter 100 °C, höchstens 6 K/sSchockkühlen macht Lötstellen spröde und verzieht das Board
Peak-Regel: 20–30 K über dem Schmelzpunkt des Lots, so kurz wie möglich. SAC305 schmilzt bei 217–220 °C, Sn63Pb37 bei 183 °C. Das Datenblatt der Paste schlägt jede Ofenvoreinstellung — vollständiges Profil samt Heizplattenpraxis unter Löten → Heizplatte und Heißluft & Reflow.
MaterialKennwertAnmerkung
Lotpaste Typ 3Korngröße 25–45 µmStandard bis etwa 0,5 mm Raster
Lotpaste Typ 4Korngröße 20–38 µmFür QFN, 0402 und feinere Raster; teurer und kürzer haltbar
Lagerungkühl, 0–10 °CVor dem Öffnen verschlossen auf Raumtemperatur bringen (zwei bis vier Stunden), sonst schlägt sich Wasser nieder
Schablonendicke0,10–0,12 mmDünner nur bei sehr feinem Raster; Öffnungsverhältnis (Fläche zu Wandfläche) über 0,66 halten, sonst bleibt die Paste in der Öffnung

Sichtprüfung vor dem Einschalten

PrüfungWerkzeugWonach man sucht
PolaritätAuge, LupeDioden, Elkos, ICs, Tantalkondensatoren — der häufigste Bestückungsfehler
LötbrückenMikroskop, gegen LichtBesonders an feinen Rastern und QFN-Kanten
Kalte StellenMikroskopMatte, kugelige Lötstellen ohne Benetzung → Löten → Fehler & Regeln
Verrutschte BauteileAugeGrabsteineffekt bei Passiven, verdrehte ICs
Kurzschluss Versorgung–MasseMultimeter, WiderstandsmessungUnter 1 Ω ist praktisch sicher ein Kurzschluss, unter etwa 10 Ω verdächtig. Der Wert steigt beim Messen langsam an, weil das Messgerät die Abblockkondensatoren erst lädt
Durchgang wichtiger NetzeDurchgangsprüferMasse an allen Massepins, Versorgung an allen Versorgungspins

Erstinbetriebnahme

1 · Netzteil vorbereiten

Spannung im Leerlauf einstellen, Strombegrenzung knapp über die Erwartung setzen — bei einer kleinen Baugruppe 50–150 mA. Danach anschließen.

2 · Stromaufnahme beobachten

Geht das Netzteil sofort in die Begrenzung, liegt ein Kurzschluss vor: abschalten, suchen.

3 · Spannungen messen

An jedem Prüfpunkt gegen Masse. Stimmen alle Werte — auch die, die man nicht erwartet hat?

4 · Temperatur prüfen

Vorsichtig mit dem Finger oder mit der Wärmebildkamera. Ein heißes Bauteil zeigt den Fehler direkt an.

5 · Rippel ansehen

Oszilloskop, AC-Kopplung, direkt am Versorgungspin. Ein Schaltregler mit 200 mV Rippel ist ein Problem, das später schwer zu finden ist.

6 · Erst dann Signale und Firmware

Takt vorhanden? Reset auf dem inaktiven Pegel (bei nRST: High)? Meldet sich die Debug-Schnittstelle? Danach flashen.
Rauchentwicklung ist ein Diagnosewerkzeug, aber ein teures. Wer ohne Strombegrenzung einschaltet, verliert bei einem Bestückungsfehler oft die ganze Baugruppe — und mit ihr die Information, welcher Fehler ursprünglich vorlag.

Fehlersuche auf einer neuen Platine

SymptomWahrscheinliche UrsachenVorgehen
Sofortiger KurzschlussLötbrücke, verpolter Elko, falsch bestücktes Bauteil, Kupferrest am RandWiderstand Versorgung–Masse messen, Baugruppen auftrennen, Wärmebild bei kleiner Spannung
Regler liefert keine SpannungEnable-Pin offen, fehlender Kondensator, falsche Rückkopplungswiderstände, Baustein verdrehtEingangsspannung prüfen, Enable messen, mit der Referenzschaltung im Datenblatt vergleichen
Controller meldet sich nichtKein Takt, Reset hängt, Boot-Pins falsch, Versorgungspin nicht angeschlossen, SWD-Pins umkonfiguriertAlle Versorgungspins messen, Reset-Pegel prüfen, Quarz am Oszilloskop ansehen
Funktioniert nur manchmalKalte Lötstelle, Haarriss, fehlender Pull-Widerstand, VersorgungseinbruchVorsichtig biegen und dabei messen, Versorgung im Betrieb am Oszilloskop beobachten
Bus antwortet nichtAdressfehler, fehlende Pull-ups, SPI-Modus falsch, Leitungen vertauschtLogikanalysator anschließen → Bussysteme
Störungen im AnalogteilSchaltregler-Einkopplung, Masseschleife, fehlende AbblockungSpektrum ansehen: Spitzen bei der Schaltfrequenz zeigen die Quelle → Layout-Regeln

Nacharbeit und zweite Runde

Erlaubte Korrekturen am Prototyp

  • Fädeldraht: lackisolierter Draht 0,1–0,2 mm, mit Heißkleber oder Lack gegen Abreißen fixieren
  • Leiterbahn auftrennen: zweimal mit dem Skalpell einritzen, Stück abheben, mit dem Durchgangsprüfer kontrollieren
  • Bauteil huckepack: zusätzlicher Widerstand oder Kondensator direkt auf ein bestehendes Bauteil — sieht schlecht aus, ist für einen Prototyp in Ordnung
  • Jede Änderung sofort in den Schaltplan eintragen, mit Foto

Was die zweite Runde ruiniert

  • Änderungen nur auf der Platine, nicht im Projekt — die nächste Fertigung übernimmt den alten Fehler
  • Korrekturen einzeln über Wochen ins Layout tragen: dabei geht etwas verloren
  • Keine sichtbare Versionsnummer auf der Platine — zwei Stände werden sicher verwechselt
  • Den Prototyp wegwerfen, statt ihn beschriftet als Referenz zu behalten
  • Nur Fehler sammeln: auch notieren, was zu eng saß, welcher Prüfpunkt fehlte, welches Bauteil nicht lieferbar war
Quellen
  • IPC-A-610 — Abnahmekriterien für elektronische Baugruppen; die Bildreferenz für gute und schlechte Lötstellen.
  • IPC-7711/7721 — Nacharbeit und Reparatur von Leiterplatten (Fädeldrähte, Padreparatur).
  • IPC/JEDEC J-STD-020 — Reflow-Profil und zulässige Höchsttemperaturen für Bauteile; IPC J-STD-005 für die Korngrößen der Lotpaste.
  • Löttechnik, Profile und Fehlerbilder: Löten → SMD und Fehler & Regeln.
  • Messgerätebedienung und systematische Fehlersuche: Elektronik 101 → Fehlersuche.